Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 9 (3.5.1918)
- Date
- 1918-05-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 5 Nr. 9. Was der Autor der Denkschrift über die hebräische A ussprache vorschlägt, kann jeder Schulmann unterschreiben, auch seine Reformvorschläge für den Jugendgotte sd i e n st. Einer Aenderung der Form, Art und Zeitdauer des jüdischen Gottesdienstes überhaupt ist keine sehr hohe Bed eutung zuzumessen-, denn er wird ohnehin nur von solchen Konfessionsmitgliedern besucht, die das religiöse Bedürfnis Aezu fühlen. In religiösen! Belangen ist es besonders in große n Städten vielmehr zu raten, für verschiedene Richtungen auch verschiedene Formen zuzulassen. Wohl könnte es nicht schad en, wenn man, so wie man beim Morgengottesdienste oft neben dem normalen am Sabbathe auch einen Frühgottesdienst einrichtete, auch für jene gewiß zahlreichen Juden, die durch ihren Beruf abgehalten sind, den normalen Freitagabend-Gottesdienst zu besuchen, auch einen solchen Spätgottesdienst einrichten würde. Unsere Rabbiner, die eigentlich die Rolle unerschrockener Propheten und Volkserzieher spielen sollten, sind leider ohnehin in zu großem Maße vom Vorstande abhängig, der mehr die jüdische Oligarchie als die Religionsgelehrsamkeit vorstellt. Der Vorstand scheint deshalb nicht berufen, Inhalt und Tendenz der Predigten zu bestimmen. Begabte und gewissenhafte Prediger unterlassen es nicht, der jüdischen Gemeinde ihre Fehler vorzuhalten und es ist deshalb auch nicht zweckentsprechend, die Dauer der Predigten festzulegen. Die Reformvorschläge des Autors der Denkschrift über die Thoravorlesung sind beachtenswert. Derselbe zeigt nanientlich den abstoßenden Charakter der Mischeberachs, die er abstellen will. Der Autor hat Recht, die Thoravorlesung hat ihren eigentlichen Zweck eingebüßt. Wichtiger als der öffentliche Gottesdienst ist aber religiöse Betätigung in der Familie. Jüdische Eltern müßten von Rabbinern und Lehrern in Elternversammlungen beeinflußt werden, ihre Kinder zu einen! kurzen Morgen- und Abendgebete, zu kurzen Tischgebeten und andächtigen Rezitierungen einschlägigen Berochaus anzuhalten. Es müßte dafür gesorgt werden, daß die Tempel- und Kultusvorstände sich nicht wie bisher nur nach oligarchischen Gesichtspunkten zusammensetzen, sondern rein demokratisch und daß in diesen Vertretungen auch die jüdische Wissenschaft mit gebührender Machtfülle ausgerüstet werde.. Jüdische Religionsgenossenschaften sind ihrer inneren Natur nach demokratisch und dies soll nicht geändert und gefälscht werden. R. L. Fünfftgsähriges Kcrnfsjnbiliinm des Okerkaniors Jakob Karrer. Das goldene Berufsjubiläum des Oberkantors Jakob Bauer, das am 20. April d. I. stattsand, wurde nicht allein von seinen Freunden, Verehrern und Berufsgenossen, sondern in geradezu auszeichnender Weise auch von vielen öffentlichen Körperschaften gefeiert und die mannigfachen Kundgebungen lieferten einen beredten Beweis für die hohe Würdigung und Wertschätzung, deren sich das jahrzehntelange Wirken des Jubilars in.den weitesten Kreisen erfteut. Während des würdevollen Festgottesdienstes im türkischen Tempel, bei welchem der Jubilar selbst fungierte, brachte Kantor und Chordirigent Lö w-it mit dem-Tempelchor eine von ihm komponierte Festhymne, Text von Oberkantor Morgenstern, zu Gehör, worauf der Jubilar an geweihter Stätte von seiten seiner Gemeinde durch eine herzliche Ansprache des Herrn Tempelvorstehers D. Halfon besonders geehrt wurde. Die Festrede hielt Chacham Ooadja. In der Wohnung des Jubilars fanden sich fast sämtliche Kantoren ein. Oberkantor Don F u ch s hielt die Ansprache an den Jubilar, sodann hielt Oberkantor Josef Morgenstern eine Ansprache in klassischem Hebräisch und überreichte eine Adresse mit Widmung. Zur bleibenden Erinnerung an diesen Tag wurde eine „Ober.kantor Jak o b Bauer-Stiftung" für Kriegswaisen nach Berufskollegen errichtet. Den Stiftsbrief verlas Kantor I. Löwit und überreichte ihn dem Jubilar. Weiters hatten sich eingefunden : Die Bezirksvertretung des zweiten Bezirkes unter Führung des Vorsteherstellvertreters Roll, der Vorstand der türkisch-sephardischen Gemeinde Vizepräsident Herr Leon Ha im, Lazar Sussin, die Vorsteher Hassan, Halfon, Sekretär Dr. Marcel Halfon und Vereinsvorsteher A l a s r a k i, der Präsident des Bethausvorstandes k. k. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, ferner Rabbiner Mayersohn mit zwei Vorstandsmitgliedern namens des Tempelvereines „Beth-Jsrael", Präsident Adolf Beck für den Tempelverein des achten Bezirkes, Prof. M. Antscherl für den „Talmud-Thora- Verein", Direktor kais. Rat Heller, Prof. Sulz er Prof. Dr. Kahan (Znaim), eine Deputation der Tempelsänger mit Obmann S. L e m b e r g e r, Max S ch w a g er, und Chordirigent Josef Zellnik, die ein künstlerisch ausgeführtes Ehrendiplom überreichten, sowie Deputationen von Tempelvereinen fast aller Bezirke. Namens der vielen. Schüler des Gefeierten erschien eine Wordnung, an der Spitze die Kantoren M. Faust (Wien), Holzer (Mißlitz) und Kühner (Wien), die ein Ehrengeschenk überreichten. Sämtliche Vertreter hielten an den Jubilar herzliche Ansprachen. Ferner gratulierten persönlich und schriftlich u. a.: Ter Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, der Präsident der türkischen Gemeinde Moseo de M a j o, die Kultusvorsteher Richard B e.t t e l h e i in, S. Brod, Eman. G r ü n w a l d und Dr. Heinr. Schreiber, Oberrabbiner Dr. Gübemann, die Rabbiner Dr. Grünw a l d, Dr. F e u ch t w a n g, Tr. T a g l i ch t, Dr. B a ch, Dr. A b e l e s, Dr. F u n k, Dr. G e l b h a u s, Dr. Schwarz, Dr. R o s e n f e l d, Dr. Frankfurter, Dt. Kramer und Prof. Reich, Oberrabbiner Reich «Baden), Tr. Proßnitz, kais. Rat Dr. L e w i n (Nikolsburg), kais. Rat Oberrabbiner Lewin (Sambor), Dr. Marmorstein (Szeniez), Tr. Hoff (Bisenz), Professor Dr. Hirsch (B.-Krumau), Tr. Stößler (Trebitsch), Dr. M. Glück (Pakrac), Dr. Leimdörfer (Hamburg). Die Oberkantoren und Kantoren Jurberger, Matyas, Schleifer, Kaufmann, Smotritzky, Serebrenik, H. Mayrowitsch, Regner, Kischner, Roth, Baffer, Bassel, Schiller, Balogh, Grob, Funke, Kontonogi, Friedländer, Hirsch, Harendorf, Löwy, Chordirigent Max Ulanowsky. Weiters gratulierten die Bethausvorsteher Karl Freund, Dr. A. Kapralik, Dr. E. Münz, Regierungsrat Wilhelm. Erster Sekretär Dr. Ernil Adler, Sekretär Emil Engel, Sekretariatsadjunkt Hugo Weiß, die Amtsleiter M. Brösler, Rudolf Krauß und Wilhelm Freistadt, Hauptkassier Josef Peterselka. Ferner Regierungsrat Dr. Frankfurter, Polizeileiter Dr. Brandhuber von Etschfeld, Professor Rektor Dr. Schwarz, Professor Dr. S. Kraus, Kaiserlicher Rat Adolf Wenger, Kaiserlicher Rat Philipp Kläger, die akademischen Maler Professor Kaufmann, Professor David Kohn und Karl Zewy, die Redakteure Siegfried Löwy, Dr. Moritz Löwy und Alois Kulka, Schriftsteller R. Löw, Albert Löw, Emil Jelinek, Bezirksrar Dr. Brady, Gemeinderäte Eder und Ernst Neustadt!, Professor Dr. Heinrich Pollak, Professor M. Kanitz, Direktor Max Fischer, Kaiserlicher Rat Faltischek, die Advokaten Dr. Eduard Thaler, Dr. Karl Berneck, Dr. Leopold Weiß, Kommerzialräte Otto Beck und Michael Sonnenseld, Architekt H. Kestel, Hofphotograph S. Weitzmann, Dr. Julius Weiß, Notar W. Grünsfeld, Alois Theumann, Wolf Pappenheim, Max Lichtmeß, Vorsteher L. Altholz, Sekretär A. Seif, Hoflieferant Theodor Bauer, Rittmeister Josef Bauer, Doktor M. Schechner (Znaim), E. Grünwald (Znaim), Julius Beck und Adolf Beck, Alfred Waizner, Direktor Rosner, Vorsteher Anton Schneider (Baden), Kantor und Sekretär Leopold Stößler (Neu-Raußnitz), Vorsteher M. Waldmann, 3. Bauer und Söhne, Banker A. Bauer, Fabrikant Ernst Kalmar, Dir. Leo Friedmann, Alfred M. Ruffo, Familie A. Löwy, Jacques M. Ruffo, Frau Gogi Ruffo, Hassan, Frau Ernestine Berger, Prokurist Georg Kaufmann, Frau Rosa Marmorek, Julius Haber, Frau Mathilde Bauer, Fritz und Karl Bauer.