Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 8 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. '& Seit» 7. Sö tpox ltttb.ift Öbeckantor JakvV Äauer Koch yeuid, ttäH 50jLhrrger ÄMsßätMeit b^streht, für feinet: MäiP Mvrrken und zu arbeiten, um dessen Gla^tz nach innen nrG aüßen zu erhöhen.' Die Wiener Kantoren haben in einer dm 24. März d. I. stattgefundenen allgemeinen Peratung beschlossen, Zu Ehren des Jubilars eine Kriegswaisenstiftung zu kreieren, deren, Erträgnis armen Waisen nach gefallenen Kollegen eventuell nach verstorbenen armen Kollegen, zufallen solle' Diese Stiftung soll' für immerwährende Zeiten den Namen des Jubilars tragen als: „Oberkantor Jakob Bauer-Stiftung" zur Erinnerung an das 50jährige BerufsjubiläUM von den Kollegen gewidmet. ' Von den Wiener Kollegen sind für diese Stiftung folgende Beiträge gespendet worden: D. Fuchs L 100, I. Morgenstern 100, I. Schiller 100, I. Basser 100, L. Müller 100, S. Jurberger 50, M. Matyas 50, M. Kaufmann 50,1. Löwit 30, Ä. Stift 30,1. Giblichmann 30, H. Mayerowitsch 30, M. Baiogh 25, E. Kischner 25, L. Funke 25, Kürschner 25, I. Roth 20, A. Tonkonogi 20, G. Friedländer 20, I. Rothwein 20, I. Smotritzky 20, kais. Rat PH. Kläger 10, E. Regner 10, G. Margulies 10, L. Rvsenzweig 10, F. Hirsch 10. Jüdische Botschafter. Mit Herrn Joffe kommt der erste jüdische Botschafter nach Berlin, der jemals hier akkreditiert war. Das ist um so bemerkenswerter, als er Rußland vertritt, das bisher das Land der Pogrome war, wo die Juden mindere Rechte hatten und nur in ganz bestimmten Teilen des Reiches wohnen durften. So wandelt sich die Welt! Wenn jemand dem letzten russischen Botschafter in der Spreestadt gesagt hätte, sein Nachfolger werde ein Jude sein, so würde er sicher an dem Verstand des „Propheten" gezweifelt haben. Uebrigens ist auch Kamenew, der neue Botschafter in Wien, ein Jude. — Vielleicht gibt dieses ^erspiel den Regierungen der Mittelmächte die Veranlassung, besonders befähigte Juden auch als diplomatische Vertreter ins Ausland zu senden. Sie würden sicherlich damit keine schlechten Erfahrungen machen. Rersthiedene Nachrichten. Wien. (Jüdischer Verein „Einheit".) Auch heuer war die „Einheit" bemüht, das Pessachfest des vierten Kriegsjahres trotz der gesteigerten Not den Forderungen des Glaubens und den traditionellen jüdischen Einpfindimgen entsprechend zugestalten. Infolge des großen Lebensmittelmangels konnte aber trotz der außerordentlichen Bemühungen und großen Opfer des Vorstandes nicht alles so erreicht werden, wie er es gewünscht hatte. In gewohnter Weise wurde in den Speisehallen, die feiertäglich in Stand gesetzt waren, die Sederfeier abgehalten; in der Heuer neu eingerichteten Mensa academica Judaica feierten die Studierenden den ersten Pessach und benützten diesen Anlaß zu einer erhebenden Kundgebung, über die selbständig berichtet werden wird. An den beiden Sederabenden wurden 2900 Mahlzeiten verabreicht. Wenn gleich die Ausspeisung der Soldaten nicht in gewohnter unbeschränkter Weise geschehen konnte, nahm das Militär dennoch täglich mehr als 1300 Mahlzeiten in "Anspruch u. z. wurden über Auftrag des k. u. k. Militärkommandos 850 Portionen pro Tag an kranke Soldaten sämtlicher hiesiger Militärspitäler und ca. 450 Portionen täglich an solche Soldaten verabreicht, denen es nicht möglich war, sich anderweitig zu verköstigen. Außerdem brachte der Pessach folgende Gäste: Das Elisabeth-Lehrmädchenheim im H., Malzgasse 7 mit 600 Mahlzeiten, das Studentenheim der Flüchtlings- . zentrale mit 700 Mahlzeiten, ferner das Kriegsgefangene-SammelkoMmando, die Internierten, Schützlinge des Blindenheims und des Lainzer Bersorgungshauses; auch den Häftlingen des Garnisonsürrestes und der Garnisonsarrest-Filiale wurde die Pessachkost gesandt. Insgesamt waren es 24000 Mahlzeiten, die während der Pafsachtage verabfolgt würden, darunter täglich ca. 150 Portionen gratis, zumeist an Soldaten. Es wurden hier blos Zahlen und Ziffern gegeben. Sie besagen aber für jeden Bewohner Wiens heute Arbeit, Mütze Und Eifer. Die „Etzrheit" und ihr Vorstand verdienen Dank und Lob! Wien. (Kaiser Franz Josef I.-Huldigungstempel II. Pazmanitengässe Np. 6.) Samstag, am 13. April, feierte das langjährige verdienstvolle BorstäUdsmitglied des Kaiser Franz Josef I.-Hutdigungstempels, Herr Friedrich Maier, mit seiner Gattin Rosa, geb. Sonnenschein, das goldene Hochzeitsfest. Der Tempel wurde festlich beleuchtet und der Sitz des Jubilars mit Blumen geschmückt. In Vertretung des Bürgermeisters, der in eiüem besonderen Schreiben sein Fernbleiben entschuldigte,war Gemeinderat, kaiserlicher Fiat I. Fischer und in Vertretung der israelitischen Kültüsgemeinde und des Tempelvorstandes Dr. E. Münz erschienen; ebenso nahmen viele Vertreter wohltätiger Vereine an dem Feste teil. Als Erster wurde der Jubilar zur Thora gerufen. Nachdem von dem Oberkantor Josef Giblichmann selbst verfaßten und vorgetragenen Mischeberach und dem üblichen Choralgesange hielt Vereinsrabbiner Dr. S. Funk eine würdevolle, inhaltsreiche und das Gesamtleben des Jubelpaares umfassende Weiherede, die dem Jubelpaare und seiner anwesenden Familie vielfach Tränen entlockte; hiebei gedachte er auch der begründeten Heiratsausstattungsstiftung. Gleich würdig und zutreffend waren die. nachfolgenden Ansprachen des kaiserlichen Rates I. Fischer, des Obmannes kaiserlichen Rates Adolf Weng er und des Dr. Elias Münz, der auch ein herzliches, besonders schön gehaltenes Glückwunschschreiben der »israelitischen Kültüsgemeinde, gezeichnet von dem greisen Präsidenten, Dr. Alfred Stern, zur Verlesung gebracht hat. Nach dem Jubilar wurden alle Söhne zur Thora gerufen, die größere Spenden für den Tempel, die Wohltätigkeitsvereine des 11. Bezirkes und die Armen in der Heimatsgemeinde Gaya gemacht haben. Gerade hiedurch ehrten die angesehenen Kinder ihre hochgeschätzten Eltern. ' Wien. (Mensa Academica Judaica Ritualis.) Die in der M. A. I. speisende jüdische Studentenschaft feierte den Seder in würdevoller Weise. Es fanden sich zahlreiche Gäste ein. Vom Mensakuratorium erschienen die Herren Hofrar Tr. Schlag, Dr. Rybaczewsky, Dr.. Reininger. Von: Kuratorium der Einheit, das mit dem Mensakuratorium und den Vertretern der Studentenschaft an dem "Ausbau der M. A. I. gearbeitet hat, waren die Herren Hofbauer sen. und jun., Fischer u. a. anwesend, Herr Dr. Bloch, der die Studentenschaft besuchte, hielt eine schöne "Ansprache. Cand. jur. Schirmann vom Studentenausschuß, sprach den Dank der Studentenschaft aus, cand. jur. Rosenberg gab den Seder. Herr Fischer, der für alles vorgesorgt hatte, hat sich um das Gelingen des Festes bemüht. Die M. A. I. hat bereits vor einiger Zeit ein neues, geräumiges Lokal II. Malzgasse 12, bezogen. Sie erleichtert einem großen Teil der von der Kriegszeir schwer betroffenen jüdischen Studentenschaft die Lage und sei der Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit empfohlen. Wien. (Ein neues K i n d e r - A m b u l a t o r i u m L e o p o l d st a d t - B r i g i t t e n a u, Ecke. Rauscherstraße und Wasnergasse.) Für ein israelitisches Kinderspital, dessen Errichtung vom Kultusvorstandc schon seit Jahren geplant ist, sind im Laufe der Jahre reichliche Mittel gefamnielt worden. Nachdem, infolge der Kriegsereignisje der SMalsbau nicht in Angriff genommen werden konnte und derzeit in unabsehbare Ferne gerückt ist, beschloß der Kultusvorstand vorläufig ein "Ambulatorium zu erbauen, dessen Eröffnung am 16. d. M. stattfand. In einem Testamente der im Jahre 1915 verstorbenen Frau Betty Fränkel wurde diesem Zwecke ein Legat per K 300.000 welches, wie der Vertreter der Erben, Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Eugen Ritter von Boschan bei der Eröffnungsfeier mitteilte, auf K 400.000 erhöht werden dürfte, der Wiener israelir. .Kulru-sgemeinde vermacht. Bei der Eröffnung sprachen der k. k. Universitätsprofessor Dr. Julius Z a p p e r t, als Leiter des "Ambulatoriums und des künftigen Kinderspitales, der Präsident der Wiener Kültüsgemeinde Herr Tr. Alfred Stern; die Weiherede hielt Herr Oberrabbiner. Tr. M. Gü demann. Allseitig wurde darauf hingewiesen, daß die Verfügung der Testaterin, daß dieses Ambulatorium der „Heilung armer kranker Kinder ohne Unterschied der Konfession" gewidmet sein möge, als selbstverständich, keiner besonderen Anordnung bedurft hätte. Bei der unter den gegenwärtigen Verhältnissen herrschenden Zunahme der Morbidität bei den armen Kindern infolge Unterernährung und bei dem Maikgel an "Aerzten infolge der zahlreichen Einberufungen, wird durch dieses Ambulatorium, einem dringenden Bedürfniffe entsprochen, und war auch gerade dieser Umstand entscheidend für den Beschluß des Kultusvorstandes unabhängig von dem in Zukunft zu errichtenden Kinderspitale schon jetzt das Ambulatorium zu eröffnen. Dem Architekten, Herrn Fried. I M a h l e r und dem Leiter des Ambulatoriums Herrn Universitäts-Professor Tr. Z a p p e r t wurden für ihre besonderen Bemühungen der Dank ausgesprochen. Bei der Eröffnung waren u. a. erschienen: Herr k. k. Hoftat Dr. Karl Ritter von Helly, Polizeirat Dr. Brandhuber von Etschfeld, Vertretungen der Bezirksvorstehungen für den II. und XX. Bezirk, der Direktor des Leopoldstädter-Kinderspitales Tr. von Bazzani. Wien. Sonntag, den 14. d. M. fand im Stadt-Tempel ein Requiem für den verewigten Präsidenten der Chewra Kädifcha Herrn Salo Cohn statt. Nachdem erster Kantor Matyas das Abendgebet verrichtet hatte, sprach Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann dcis Menucho Nechauno und das Kadischgebet. Im Gotteshause hätten sich eingefunden: Präsident Dr. Alfred Stern, Vizepräsident