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Die Wahrheit · 1918-04-19 · Heft 8 (19.4.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 8 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr., -8. Kranze ist auch Jakob B auer, Okerkantor der türkische ifraMLschen Gemeinde Ln Wiep. Jickob Bauer, 1832 in Gr.?-PrLsterst bei Szenitz in Ungarn geborgt, wurde bei seinem Großvater erzogen!, der ihn in den Geist der Bibel ustd des ' TalmudseiMhrte. Schon als Knabe zeigte Bauer große Begabungen r Gesang und Musik, sodaß er, als er nach Wien zum "Besuche der Realschule kam, die Aufmerksamkeit .des dortigen polnischen Kantors Pesche Feinst,nger auf 'sich lenckte. Bauer fand Aufnahme -in dem Feinsingerschen Chor und errang mit seiner gefühlvollen Sopranstimme Und seirlem verständnisvollen Vortrag großen Beifall. : So hatte Bauer inWien gute Gelegenheit, sich für das Kantorfach grürEch vorzubereiten. Die bei Feinsinger gewonutenen fachmännischen Kenntnisse.verwendete Bauer bei seinem Borbetcn beim Pessachfeste in einer Wiener Synagoge. Seird erste kantorale^ Funktion unter MeschorerinEegleitnnlg fiel glanzend aus, und die Synagogenüesucher prophezeihtsn chm eine große Zukunft: Aus Anraten vieler Freunde unternahm Bauer, noch im jugendlich ent Alter stehend,, als Chasan Gastreisen nach vielen, ungarischen und mährischen Gemeinden.! Ueberall, wo das junge „Chasenldl" mit seinem Meschorerim vorbetete, war der Erfolg ein glänzender. Die Hörer rühmten an Bauer die herrliche Stimme sowohl, als auch die bolle Vertrautheit mit den traditionellen Synagogalweisen. Mit Ehrungen überhäuft, kehrte er von seinen „Konzertreisen" nach Wien zurück, um seine Studien im Gesang unh in der Musik bei: dem bekannten Professor Vogel fortzusetzen. Cr machte gediegene Fortschritte und als in Ottakring, eiEm Vororte Wiens, die' erste Kantorstelle frei wurde, veranlaßten ihn seine Freustde, sich um dieselbe zu 'bewerbet. Bauer erhielt mach einem mit großem Beifall aufgenommonen Probevortrag diese Stelle und hier war es, wo er seine Kenntnisse im H ebräischem und in der Musik erweitern und vertiefen konnte. Im Jxchre 1875 wurde Bauer nach Szigetvar als Oberkantor und Sekretär, und 3 Jahre später in gleicher Eigenschaft Mch Graz berufen.. Auch an dieser Wirkungsstätten fanden die Leistungen Bauers allgemeine Anerkennung., "Int der kunstsinnigen Stadt Graz hatte er Gelegenheit, seine Musikstudien fortzusetzen nndMne gewonnenen Kentntnisse zu verwerten., Seine Leistungen verschafften ihm Eingang in die vornehmsten Familien und in den Musiker- und Künstlerkr eisen war er ein gern gesehener Gast./! Bauers Ruf drang weit über die Gienzen Steiermarks hinaus und als die türkisch-israMtische Gemeinde in Wien für ihren Tempel einen Oberkantor suchte, wurde sie auf Jakob Bauer aufmerksam gemacht.. So erging an ihn der ehrenvolle Mus zur Ueberpahme der Oberkantorstelle an dem türkrsch,stsraelitischen Tempel. Er folgte dieser Aufforderung und trat am Jänner 1881 sein Amt an. Eine segensvolle Tätigkeit wartete hier seiner und hier war es ihm Vorbehalten, Ideales sur seine 'Standesgenossen zu schaffen upd erfolgreich zu wirkenl - Zunächst galt eZ, auf Wunsch des Präsidenten Marcus Rnsso, eine Reform des sephardischon Gottesdienstes vorzunehmen, Der gesangliche Teil dieses Gottesdienstes, der bisher nur in einfacher Weise durch einen Vorbeter geleitet wurde, sollte umgestaltet und den Bedürfnissen ver Neuzeit entsprechend geändert werden. \ Zu diesem Behufe war es notwendig, die Melodien, die nur in der mündlichem Tradition 8er Ge-, meindemitglieder lebten, schriftlich festzuhalten urch einen Tempelchor zu organisieren. Es war eine Aufgabe gleich jener, wie sie Meister Sulzer für die deutsche Kultusge-. meinde inWien vollbracht und gelost hatte. Seinler Aufgabe sich Bauer im Vereine mit dem Dirigenten Jsidpr Löwit dieser großen musikalischen Organisation, die im seiner Gemeinde und außerhalb derselben chel Unerkentnung gefunden hat. - ■- .. •.. Ermutigt durch diesen Erfolg,. schritt Bauer iveiter der Bahn seiner idealen BKrebnügeni und gründete ein Fachorgan, um die geistigen und materiellen Interessen der österreichisch-ungarischen Kantoren wahrzmnehnren. Somit würde er als. Führer, und Bildner, seiner Standesgenossen angesehen und seine Kantorenzeitung brachte Leben, Bildung und das Gefühl brüderlicher Zusammengehörigkeit unter die Kantoren.! Bauer zählte die hervorragendsten Kantoren zu seinem Mitarbeitern und er half auf diese?Weise gleich Abraham Blaustein-Bromberg, mit zur Schaffung siner klanto raten Wissenschaft. Am 30. Dezember 1881 erschien die erste Nummer der „Oesterr.-ungarischen Kantorenzeitung". «Der Enthusiasmus, mit dem das Fachorgan in den Berufskreisen! ausgenommen jwurde, eiferte zu weiteren Arbeiten üach dieser Rfichtung hin an. i Am >11. Jänner'1882 wurde auf ^Anregung Bauers m der Wohnung Sulzers eine Versammlung der Wiener Kantoren, der der Altmeister präsidierte, einberufen, an welcher dieKollegen Singer, Goldstein, Bauer, Fischer, Schiller. Löwit u. a. teilnähmen. Einstimmig wurde die Gründung desesterr.-ungarisch em Kantoren-Vereines" beschlossen und zur Einleitung der. nötigen Schritte ein engeres Komitee gewählt.^ Das Ehrentpväsidium würbe Sulzer übertragen.*) l Inden 35 Jahren des Bestehens des Oesterr.-nMgarischen Kantoren-Vereines, dessen Präsident Bauer jetzt isthat derselbe sowohl nach ideeller wie materieller Seite viel Segensreiches für seine Mitglieder gestiftet. — Auch eine umfangreiche Lehrtätigkeit zur Ausbildung von Kanttoren entfaltete Bauer. - Von seinen! zahlreichen Schülern sind viele bereits zu großen Stellen gelängt. Am 15. April 1893 beging Bauer unter überaus zahlreicher Teilnahme der Kollegen und seiner Freunde im In- und Auslande sein 25jähriges Kantorjubiläuml Den Höhepunkt der Ovationen bildete die korporative Gratulation des Vorstandes des österr.-ungar. 'KantoreM- Vereines.i Präsident Oberkantor Josef Singer s. Ä. hielt inr Namen des Vereines' eine Ansprache aM den Jubilar, in welcher er dessen bedeutsame Amtswirkung, sowie seine Verdienste um die Förderung der 'Interessen des Kanttorenstanb.es hervorhob: — Dreizehn Jahre später feierte Bauer sein 25jlähriges Amtsjubiläum als Oberkantor der israelitisch-türkischen Gemeinde in Wien. , Auch diese Feier nahm einen glänzenideu Verlauf. » Der Jubilar wurde mit Ovationen und Ehrungen im reichsten Maße bedacht. Zum Festgottesdienste im herrlich beleuchteten Tempel der türkischen Gemeinde hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden. ' Der Jubilar amtierte beim' Gottesdienste, mit jugendsrischer Stimme und entzückte durch seineni weihe- und tzmstoollen Vortrag die Anwesenden!» Mls der Jubilar zur Thora gerufen wurde, führte der Chor eine vom Chordirigenten Löwit komponierte Festhymne, zu welcher Rabbi. Papo den Text verfaßt hatte, .in überaus exakter Weise auft In der Adresse des Vorstandes, der israelitisch-türkischen Gemeinde heißt es u. a.: >.. ,Mne Zierde Ihres Standes, hervorragend durch kunstvolles und tiefes Verständnis für den Synagogengesang, haben Sie sich, hochgeehrter Herr Oberkantor, den Ruf einer der trefflichsten Kantoren erworben, avl dessen Gebeten wir in unserem-Gotteshause fromme Erbaumig bei fröhlichen und traurigen Anlässen gefunden.' Als hervorragender Interpret synagogalen Gesanges häbent Sie sich auch die Sympathien aller Mitglieder unserer Gemeinde errüngem Auch Ihrer verdienstvollen Tätigkeit auf dem Gebiete der gottesdienstlich-gesanglichen Liturgie unh der 'Humanitätkann pur mit vollster Anerkennung gedacht werden." Bauers Verdienste wurden auch von gekrönten! Häuptern durch Verleihung von Orden Untd kostbaren. Geschenken anerkannt. ' j' : i i j *)' Siehe Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des österr.- ungar. Kantorenvereins 1883—1908.?

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