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Die Wahrheit · 1918-04-19 · Heft 8 (19.4.1918) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 8 (19.4.1918)
Date
1918-04-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. j8. Die Wahrheit Seite 5 nicht für einen Staat.-. Wo sich der Jude keine "Selbsiachtung beimißt, kann er auch vop arideren keine Achtung fordern, bei anderen kein Vertrauen genießen." Jetzt nahm wieder der Pfarrer das Wort: '„Mm in einem Staate zusammenzuleben, und sich auch außerhalb desselben Geltung zu verschaffen, müßten freilich die Juden meiner Meinung, sich vorerst unter sich vertragen lernen; sie mußten die Heuchelei, die Mißgunst aus ihrer Mitte ausschalten.' Das Betragen sollte Tjev makkchen rechtschaffener sein, bann würden» sie auch in der Welt Ansehen genießen.' -Es müßten dazu freilich noch manche Lehrjahre verstreichen, bis sie diese Schule durchmachen, zu der übrigens auch eiserne Disziplin jdtme energische unid zielbewußte Lehrer erforderlich sind." ,/Seht Ihr, meine Herren", sagte hieraus der Dorflehrer, um seinen frü!heren Gedanken zu vervollständigen: ,>Jch habe es immer gesagt, solange es diese )Moisches"^ gibt, denen Alles zu wenig ist, die mit dem Eigenen niemals zufrieden sind und anderen nichts gönnen, müssen die Jsiden in ihrer Ehre leiden, i Leute, che vor anderen kriechen, sich winden« faseln, schmeicheln», bis sie diese in ihr Netz gelockt, um ihre Selbstsucht zu befriedigen; Menschen, che Mieder andere ausbeuten, übervorteilen und sie daNn ihre Herzlosigkeit fühlen lassen, solche Menschen verlieren jede Gleichberechtigung in der Welt. Der Jude muß sprechen, wie er denkt, und handelet wie er spricht. Dann kann er, Muß er Menschenrechte genießen!" Darauf erwiderte der jüdische Lehrer: ,",Wie ich sehe, sprechen Sie wohl nur von Juden, die Sie kennen« also von armen, ungebildetes Meüschen, die allerlei Mittel versuchen im 'Kampfe um ihre Existenz. , Es gibt gber auch arme Nichtjuden mit ebensolchen fluchwürdigen "Eigenschaften. « Solche Vorzüge, die Sie aber bei unseren Armen sehen möchten, finden Sie wohl nur hei den Reichen- Gebildeten, Unabhängigen, die feilte Lwrge, keine,Not kennen. Auch Juden gibt es solche.^ Diese sind .sogar so charakterfest, daß sie sich ihrer armen Volksgenossjen schämen üiftbi sie ebenso, wie Sie, herurteilen.' Damit ästs aber nichts getan. . Wo der Kampf um das Leben tobt, da gerät jede Charakterfestigkeit ins Schwanken. Die Ehrlichkeit, die guten Sitten kommen in Versuchung. Wo besieht aber der Kampf noch heftiger als beim armen Juden, der beständig von der Hand in den MunD' lebt, der .jede Stunde «seines Lebens der Not und Sorge entringt?! Wollenl Sie etwa hie Moral eines unsteten, heimatlosen Wanderers, eines armen, bedrückten Menschen mit jener eines «mäßigen,,, wohlhabenden Bürgers vergleichen? « Die Bodensiärteigkeit der Juden in ihrem Lande wird sicherlich auch ihre Moral heben!" ,<Sind denn die reichen oder gebildeten» Jhden etwa besser?" bemerkte den Dorflehrer höhnisch. „jOja!" entgegnete der jüdische Lehrer. „Das können Sie aus der Tatsache ersehen, welche Summen Gieldes und andere wertvolle Güter und Leistungen, die reichen» und gebildeten Juden Zwecken zur Verfügung stellen, die mit dem Judentum nichts gemein haben.. Wentn 'Sie aber einen Reichen oder Gebildeten sehen, "dem abscheuliche Eigenschaften anhaften, der ist eben "charakterlos und zu verachten, aber nicht als Jude, sondern als charakterloses Individuum. , Sie können aber auch viele Nichtjudent als solche Menschen beobachten." „Das ist auch richtig!" versetzte nun der Pfarrer^ „Es gibt ja freilich auch anständige, sehr achtbare Juden, aber die meisten der unteren Volksschichte lassen Vieles zu wünschen übrig!" — JSn gewissen Ländern," setzte nun der jüdische Lchrer seine Rede fort, „und bei gewissen Leutesifind die Juden stets das Zielobjekt manig sicher Angriffe nnd Verleumdungen.^ Man spricht immer gemeirxhin» von Juden. Sicherlich ist der eine oder der andere Herr von irgend einem pder Mehreren Individuen, irregeführt, anigelogen oder gar betrogen worden, die Wie als JiLen betrachtet haben. — Das waren aber demoralisierte Menschen und keine Juden. An Ihnen haben eben Betrüger ihr Atters tat verübt und hätten davon ihre eigenem Glaubensgenossen auch , nicht verschont. Wo aber eint Jude zu einer unredlichen Handlung seine Hand bietet, möge Ihnen die Antwort deis hervorragenden deutschen Dichters LessiNg «genügen. ,Menn ein Jude betrügt," .sagt er in seinem Werke ,^Die Juden", „so hat ihn, unter neunm'alen der Christ vielleicht siebenmal, dazu genötigt. Ich zweifle» ob viel Christen sich rühmen können», mit einem Juden aufrichtig verfahren zu sein: Und sie wundern» sich, wenn er ihnen Gleiches mit Gleichem zu vergelten sucht? Sollen Treu' und Redlichkeit unter zwei Völkerschaften herrschen, so Müssen beide gleichviel dazu beitragen?" — ,^Jch wiederhole"", sagte nun der Dorflehrer betroffen, ,tzch bin kein Antisemit, aber aufrichtig gesagt, bin ich, nloch niemals aus dem Handel mit Juden rein heraits.. So oft ich etwas zu verpachten oder zu verkaufen hatte, bestürmten sie mich von allen Seiten. ' Immer hat (Sinter den Andern überboten, Eivier über den Andern geschimpft, geflucht und sogar durch anonyme Briefe wurde ich oft belästigt. Und wenn ich mich zuletzt für den Vertrauenswürdigsten entschied, mußte ich erst recht 'den Kürzerp ziehen."" Darauf erwiderte der jüdische Lehrer: „Selbst wenn alle Inden Ihrer Gegend durchwegs so geartet wären, wie Sie hier schildern, dürfen Sie noch immer nicht oov» allen Inden so denken. Die Handlungsweise der Juden ist der Gradmesser für die Kultur, .für die Lebensverhältnisie und für die Erwerbsbedingungen n » einem Lande. Kennen Sie aber die Handlungsweise der amerikanischen, erlgüfchen, deutschen oder französischen Juden? Wollen» Sie etwa den Wiener jüdischen Kaufmann mit dem Händler im kleinen volnischen Städtchen vergleichen? Oder ist der russische Jude mit "seinem Glaubensgenossen in» Ungarn gleicher Gesmnungsart? Jedes Land hat eben»'die Juden, die es verdient. Mögen aber auch die Juden jenes Land haben, das sie verdienen!"" Und nun nahm der Pfarrer das Schlußwort: „Man muß freilich den Juden Gerechtigkeit widerfahren lassen. Den Maßstab für das Schlechte gewinnt man stets vom Einzelnen. Das richtige Maß für Gutes oder schlechtes eines Volkes kann man aber nur aus der Gesamtheit gewinnen. Wenn» die Juden auch manche schlechte Eigenschaften aufweisen, fallen dagegen 'ihre Tugenden schwerwiegender in die Wagschale. Ihre größte Tugend ist unstreitig die Glaubensgemeinschaft, die alle Juden ausnahmslos vereinigt. Eine weitere Tugend ‘Ift bei den Juden ihr ethisches Gefühl. In materieller Hinsicht suchen sie wohl ihre Vorteile; Raub, Mord, Blutvergießen, das ist bei ihnen jedoch ausgeschlossen^ Im Gegenteil! Die Juden leisten ihren Mitmenschen» vielfach Beistand und nehmen Teil an ihrem Unheil. Wo gibt es vioch ein Beispiel für das Familienleben, der Inden? Eine GrurDsäule für das Judentum ist ferner der Sabbath und die Gelehrsamkeit, die Geistesbildung der Juden sucht bei andern Völkern ihresgleichen. — And wo man eine Last auf die Wage bringt, muß man billigerweise auch das Gegengewicht äufstellen!"" — Overkantor Jacov Bauer. Zu seinem SV jährige« Berufsjnbilänm. 2«. April ISIS. Bon königl. Musikdirektor A. Friedmann, Berlin. .,-Der Gesang, diese schöne und herrliche Gnadeyjgabe/" sagt Jellinek^„ha1 Gott seinem Volke in reichem Maße verliehen. Seit Moses und Israel das erste Lied angestimmt haben, ist es in Jakobs Wohnungen heimisch geworden, schnttrckt unser Volk ein herrlicher .Kranz vor» Dichtern und -Sängern?" - Und ein Blatt in diesem

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