Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 8 (19.4.1918)
- Date
- 1918-04-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 8. so grell inHrscheinung trat. Der echte Judenfeind verbrennt' den Juden'sdämÜch auf jedeü Fall, denn dessen Tugend ruft den öä|S, 8re Eifersucht noch bitterer hervor als dessen Laster. — OffizM wurden die Juden auch von den Zentralstaaten Europas nicht bedrückt. Die Regierungen dieser Staaten chatten auch nie die geringste Ursache hiezu, denn die Juden erwiesen sich immer als staatstreu und opferwillig, was namentlich von den Herrschern Oesterreich-Ungarns wiederholt lobend anerkannt wurde. Wohl wurde in Deutschland im verfloffenen Jahrhundert die Judenfeindschaft modern, ' als dem eisernen Kanzler- Bismarck jüdische Abgeordnete im Reichstage entgegentraten and von dort wanderte diese Seuche nach Oesterreich-Ungarn, wo sie sich wegen des konstanten Nationalitätenkampfes immer mehr einnisten konnte. Gefördert wurde diese Bewegung ganz besonders in Böhmen und Mähren, wo die Juden anfangs den Zorn der Slaven durch ihre Parteinahme für die Deutschen herausforderten, später aber, als sie dafür von den undankbaren deutschen Volksgenossen nur Hohn und Spott ernteten, in rnehreren Städten czechisch wähkten uni) dadurch wieder von den Deutschen des Verrates geziehen wurden. In Wien, wohin im Laufe der Zeit, die wohlhabenderen und geistig regsameren Juden abgeströmt waren, erregten sie den Neid des schwerfälligeren, arisch-christlichen Kleinbürgertums, was geschickte Demagogen politisch ausnützten. Diese politische Demagogie sucht heute noch krampfhaft den Judenhaß zu näheren und wählt skrupellos alle Mittel der Verleumdung, um die Juden für alle schweren Folgen des Weltkrieges verantwortlich zu machen. Nur die Juden verteuern nach diesen plumpen StimmungsmacherN alle Lebensmittel und Lebensbedürfnisse, trotzdem sich jeder, der die Augen offen hält, tägl ch und stündlich davon überzeugen kann, daß große Scharen der frechsten Verteuerer der christlichsozialen Partei oder solchen, die mit ihr sympatisteren angehören. Doch diese alte Methode der Diebe, den Verdacht durch den öffentlich ausgestoßenen Ruf „Haltet den Dieb!" , von sich abzulenken, wird nicht lange Vorhalten, denn der Weltkrieg hat die beschränktesten Köpfe denken und schließen gelehrt. Wohl sind die Gemüter erregt und es ist gegenwärtig noch nicht auszudenken, wie sich die Ereignisse nach Kriegsschluß in unserem geliebten Vaterlande abspielen werden. Wohl ist es möglich, daß den jüdischen Staatsbürgern gelegentlich der Gähvung noch Leiden und ungerechte Verfolgungen bevorstehen, denn die Geschichte lehrt es, jeder Uebergang, tzede Umwälzung verspüren die' Juden von allen Einwohnern am empfindlichsten. Die Lebensmittelteuerung wird eben Dank der maßlosen und rücksichtslosen Begehrlichkeit der Agrarier, Fabrikanten und Großhändler nicht sofort nach Kriegsschluß wieder verschwinden und eine kurze Zeit lang mag es diesen Schuldigen gelingen, den Juden als Sündenbock vor sich zu drängen, aber lange wird diese Täuschung nicht Vorhalten. Die Schuldigen werden der Sühne nicht entgehen. Auch in Oesterreich ivird sozialpolitisch regiert werden müssen und die Plußmachern auf Kosten armer, arbeitender Volksgenossen immer größere Einschränkung erfahren. Kein Staat kann auf die Dauer unbeschränkten Raubbau an seinen nützlichsten und zahlreichsten Untertanen ertragen. Ein erfreuliches Symptom ist es auch, daß die kaiserliche Gnade der brennenden Schande ein Ende setzte, einen Juden, den Märtyrer Hilsner, noch länger für R i t u a lmord, ein Verbrechen, welches nur der Wahnsinn des Rassenhasses erfinden konnte, büßen zu lassen. Werden sich in Oesterreich endlich wieder erträgliche Zustände zwischen den verschiedenen Nationen, Konfessionen und' sozialen Volksschichten gestalten, dann ist in Folge der durch die Kriegsnot hervorge^ufenen, gesteigerten Wertschätzung aller Arbeit auch zu Höffen, daß sich der jüdische Volksnachwuchs nicht ferner in dem bisherigen Uebermaße dem Handel zuwenden werde, sondern recht zahlreich auch dem Unterbaue, dem Handwerke, der Kunst und Wissenschaft und. der qualifizierten Arbeit, welche Berufe voraussichtlich nach derü Kriege länge Zeit ihre Leute auskömmlich nähren werden. Dies mich aber dann einen Aufstieg des Judentums bedeuten, denn Arbeit adelt. Der vom Neide geborene Judenhaß verschwindet freilich nie, aber er kann ertragen werden, denn er findet keinen Beifall unter anständigen Menschen. R.L. Inden! Von B. Nippel. Sie pflegten täglich zusammenzükommen, her Pfarrer, der Dorflehrer und der jüdische Lehrer des Gutsbesitzers. Jedesmal wmrden die Tagesfragen von einem arideren Standpunkte besprochen und so gab es immer Meiutungsverschiedenheiten. Das war eben für alle anregend, weil sie im Äorfe eine Art „intellektuellen Zirkel" bildeten,," und ihre Meinungen sogar durch manche Zeitung zur öffentlichen Diskussion gestellt wurden. Eines Tages kam die Rede darauf, daß auch Ne Juden nach diesem Weltkriege ihre Selbständigkeit, ihren Staat erlangen werden. ,-Jch zweifle", sagte der Pfarrer, „ob bei dem bekannten heterogenen Elemente der Juden ein jüdischer Staat bestehen würde. Und dann; was für einten JiMnstaat gäbe es, wenn die Mehrheit des Volkes hiefür kein Jnkbresse bekundet. Nicht einmal jene, die täglich wiederholt in ihren Gebeten die Rückkehr nach Zion erwähnen und für die Heimkehr nach Jerusalem beten, denken iw der Tat daran, dorthin zu ziehen." Hierauf erwiderte der jüdische Lehrer: . „Es brauchen auch nicht alle Juden dort zu fein:! Nicht die Anzahl der Juden ist für das Staatswesen ausschlaggebend: Usts handelt es sich um die öffentlich-rechtliche Stellung. Wenn ich inder entlegenstenGeger i) diesesLandes ein Gut rechtsgültig besitze, so gelte ich auch in Amerika als Gutsbesitzer; ich kann in der ganzen Welt wohnen und so oft mir beliebt, auch zu Meinem Gute heimkehren.'! Wenn ivit Juden irgerMwo in der.Welt unsere jüdische Heimat habeA dann sind wir in allen' Ländern ,^Juden", Angehörige des Judenlandes, ebenso wie Schweizer oder Montenegriner auch außerhalb ihrer Heimat als solche gelten." Jetzt nahm auch der Lehrer das Wort: ,/Jhr wißt, meine Herren", sagte er, ich bin kein Antisemit, aber mir scheint, daß die Juden im Allgemeinen für eint Staätswesen nicht geeignet sind/ Ein Staat braucht Männer! Lautere, aufrichtige und vertrauenswürdige Charaktere! Die müssen völkische Ideale verfolgen, die ihnen Höhere stehen, als ihr eigenes Leben. And solche Menschen finden sich sehr wenig unter den Juden." „AVer sagt Ihnen das'?" fiel ihm der jüdische Lehrer ins Wort. ,Zst das nicht genug eiserner Wille, aufrichtiger, unbeugsamer Charakter, wenn die Juden auf der großen, weiten Erde zerstreut, vom Völkerhaß verfolgt, sich noch immer zu ihrem Judentum bekennen, und sogar in allen Ländern int der Sprache ihrer Ahnen für die Erlösung des heiligen Landes beten,?! Völkische Ideale! Gibt's wo mehr, als bei den Juden? Wie viele sind Märtyrer des Judentums wegen? Wie viele stehen noch heute im Kampf für ihr Volk und sind der Verfolgung und der Bedrückung äusgesetzt? Nach meiner Airsicht sind bei den Juden nicht weniger nationale, völkische Tugendfen als bei andern Völkern.!, > -Denn nur dadurch besteht das Judenrum in seiner Eigenart heute' noch ime vor tausend Jahren." — * „Pardon! Nicht so habe ich es gemeint", entgegnete nun der Dorflehrer, und um ffich zu entschuldige^, bemerkte er: \ ,Hier ist ein Mißverständnis unter uns, Ich meine so : Jnsolange nicht die Juden untereinander und auch Fremden gegenüber eine lautere Hanplurrtzsweise ixxi den Tag legen, solange der Eigennuh die Triebfeder bildet, die Kriechereidie Schmeichelei, dje Verstellungkurzdie häßlichen Eigenschaften an dM Juden haften, taugeNJie