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Die Wahrheit · 1918-04-05 · Heft 7 (5.4.1918) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 7 (5.4.1918)
Date
1918-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Certe K. Die Wahrheit Nr. 7. Demokratisierung ihres Vaterlandes und auf die Beseitigung aller religiösen und sozialen Schranken und Vorurteile abzielen. Der Einwand, daß die Mttelmächte durch die Aufnahme einer entsprechenden Dertragsbestimmung sich in die inneren Angelegenheiten Rumäniens einmiichen, ist daher hinfällig, zumal es sich dabei nur um Abschaffung einer öffentlichen internationalen Rechtsverletzung handelt und die Mittelmächte dem rumänischen Staate in dem Moment, da sie von neuem seine zukünftige nationale Selbständigkeit gewährleisteten, nur die praktische Durchführung einer Verpflichtung auferlegen, an deren Erfüllung vor 40 Jahren seine Unabhängigkeit geknüpft wurde. Und endlich darf bei Lösung dieses Problems auch ein Gedanke nicht übersehen werden, den jüngst der badische Thronfolger in die kurze, ^aber§ bedeutungsvolle Mahnung Neidete, daß Deutschland be den Friedensverträgen, die den Abschluß der jetzigen Weltkatastrophe zu bilden berufen sind, „nicht auf die moralische Weltgeltung verzichten darf." Wenn Deutschland seinen gesamten Einfluß im gegenwärtigen Moment in die Wagschale wirft, um die Emanzipation der rumänischen Juden zu verwirklichen, so erwirbt es sich dadurch nicht nur den Dank der gesamten Judenheit und weitgehende Sympathien bei deu Neutralen, es entkräftet vielmehr auch auf das wirksamste die heuchlerische Anklage und Geste unserer Gegner, daß der von Deutschland beabsichtigte Neuaufbau des europäischen Staatslebens nur nach militärischen und machtpolitischen, nicht aber nach Humanitären und freiheitlichen Richtungen erfolge. Sodann wird offiziell mitgeteilt, daß am 15. März die Vereinigung jüdischer Organisationen vom Reichskanzler ' empfangen wurde. Sie äußerte durch den Mund der Herren Dr. I. Simon, Geheimrat Cassel, Professor Oppenheimer, Dr. I. Nathan ihre Wünsche und empfing vom Reichskanzler durchaus erfreuliche Erklärungen. Er teilte mit, daß die deutschen Vertreter in Bukarest bereits in Erörterungen des Artikel 44 des Berliner Vertrages eingetreten sind. Es ist also zu hoffen, daß nun wirklich den Juden Rumäniens ein wahrhaft menschenwürdiger Zustand garantiert und bereitet wird. Was in einzelnen zu fordern ist, präzisiert das Jüdische Preßbureau in Stockholm in folgenden als Garantien bezeichneten Sätzen: 1. Kollektive Naturalisation aller Juden Rumäniens? 2. Aufnahme einer Bestimmung in die rumänische Verfaffung, durch welche den Judeü in unzweideutiger Weise die Gleichberechtigung garantiert wird. 3. Die Durchführung dieser in den Friedensvertrag aufzunehmenden Bestimmungen muß in einer limitierten Frist von höchstens einigen Monaten erfolgen. Den Mitteilungen desselben Bureaus entnehmen wir die auf dieselbe Angelegenheit bezügliche Notiz, die folgendermaßen lautet: Im Verlage des Kopenhager Bureaus der Zionistischen Organisation erscheint demnächst eine Schrift über die rumänische Judenfrage von Dr. S. Bernstein. Die Schrift wird eine ganze Reihe bisher der breiten Oeffentlichkeit unzugänglicher Dokumente und sonstigen Materials enthalten und zur Aufklärung der europäischen Oeffentlichkeit über die verbrecherische Judenpolitik der rmnänischen Regierung sehr geeignet sein. Oberkantor Jacob Kauer. 1868-1918. Am 20. April d. I. sind es 50 Jahre, seitdem Jacob Bauer, Oberkantor der türkisch-israelitischen Gemeinde in Wien, seine kantorale Tätigkeit ausübt. Es ist wohl überflüssig, auch nur ein Wort zu seinem Lobe anzuführen, denn wer kennt nicht den Namen Jacob Bauer! Wer hat nicht Kenntnis von seinem Wirken und Schaffen! Dennoch dürfen seine Zeitgenossen und Freunde diesen Tag nicht still vorübergehen lassen, ohne ihm den Tribut ihres Dankes und der gebührenden Anerkennung zu zollen. Jacob Bauer verdient es wahrlich, daß alle Kantoren der Gegenwart ihn mit Dank und Jubel begrüßen. Wer seine Lebenszeit zu solch ersprießlicher und segensreicher Tätigkeit nützt, hat Anspruch auf Dank und Anerkennung derjenigen, für die er sich müht und in deren Interesse er handelt. Sein Wirken als Kantor reicht in die früheste Jugendzeit zurück. Seine Berufung zu einem abzuhaltenden Festgottesdienste in meiner Heimatsgemeinde (Stampfen) ist mir ttoch heute in lebhafter Erinnerung, wo er» fast noch ein Knabe, mit seinen glänzenden Stimmitteln und seelenvollem Vortrage, sentationellen Erfolg hatte. Die Erfolge, welche er im Interesse des Standes erzielte, was er in dieser Richtung gewirkt und geleistet hat, ist kaum möglich in so knapper Form anzuführen. Wenn ihm der Erfolg zu gering schien und wenn er ob der Interessenlosigkeit seitens der Berufsgenoffen mißmutig geworden, so schöpfte er zufolge der Aufmunterung seiner Intimen stets neuen Mut, in der Hoffnung, daß sich dennoch einmal alle um die Fahne scharen rverden, die er mit so viel Begeisterung und Hoffnungsfreude entfaltet hat. Wohlan denn, wir wollen an diesem Festtage in heller Begeisterung dem Bibelworte gemäß ausrufen: vpö- „Scharet Euch um Jakob, der gleich dem Patriarchen seine Segnungen uns offenbarte, durch die Gründung eines Fachblattes des Vereines der österr.-ungar. Kantoren, durch die Ausbildung von Kantoren und durch so viele andere Unternehmungen zu Nutz und Frommen. Einzelner sowohl, wie im Interesse des Standes Unvergängliches geleistet. Scharet Euch um' ihn, der den Namen „V a t e r" verdient und den wir mit kindlicher Dankbarkeit und Verehrung uns heute nahen, um ihm unsere Glückwünsche darzubringen und unsere Freude darüber auszudrücken, daß er nach wie vor in ungeschmälerter jugendlicher Kraft wirkt. Möge es ihm und uns gegönnt sein, ihn noch eine lange Reihe von Jahren so agil und unermüdlich wirken zu sehen. Dies unser herzinniger Wunsch und kollegialer Gruß zn seinem Jubeltage. Budapest, anfangs April 1918. Adolf Lazarus. Isaar Hcymnrru (1834-1906). Von Kgl. Musikdirektor A. Friedmann-Berlin. „Die Macht des Gesanges war im Judentum von den ältesten Zeiten her anerkgnnt und als Verherrlichung des Gottesdienstes im heiligen Tempel stets hochgeschätzt. Wir haben wohl gegenwärtig kleine Tempel (^Ii^cio8od Meat), doch der Kantor, welcher an seinem Betpult in Andacht versunken steht, vertritt gleichsam die Stelle des Hohepriefters, der sein Volk mit Gott versöhnen soll, und er erfüllt mit dem weihevollen Zauber seiner Stimme seine Gemeinde mit Begeisterung, sein Vortrag ist fürwahr als eine Predigt in Tönen zu betrachten, die die Zuhörer zur Andacht und Buße bewegen soll."*) Auch Jsaac Heymann gehörte zu jenen gottbegnadeten Kantoren, die die Beter zum Höchsten in Andacht emporhoben. Er erblickte am 7. Dezember 1834 in Anras als Sohn des berühmten Chasan oms "i-Bialystok das Licht der Welt. Bald nachher übersiedelten seine Ottern nach Bialystok und hier genoß der Knabe durch seinen Vater, der das früh entwickelte Talent seines Sohnes sehr bald erkannte, die erste Ausbildung für seinen Beruf als Kantor. So war auch für Heymann das Elternhaus die musikalische Hochschule, wie bei jenen Kantoren, auf die wir noch heute mit Stolz als auf die besten unseres Standes blicken. *) Jsaac Heymann, Oberkantor in Amsterdam, zu seinem fünfundzwanzigjährigenHJubiläum gewidmet von M. Herzfeld-Wien.

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