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Die Wahrheit · 1918-03-22 · Heft 6 (22.3.1918) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 6 (22.3.1918)
Date
1918-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Lr. 6. Die Wahrheit «eite 7, Häusliche Andachten) die Bewilligung zum Ausbleiben über die Retrait zu gewähren. An den Hauptseiertagen, in der Zeit voü 5—8 Uhr nachmittags und. von 8—12 Uhr vormittags werden Gottesdienste in allen Bethäusern jener Stationen, wo sich solche befinden, abgehalten werden. Allen Gläubigen ist soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten, Gelegenheit zu bieten, diesen Gottesdiensten beiwohnen zu können. In jenen Stationen, roo; sich keine Gotteshäuser befinden, sowie in den Kgf.-Lagern und Arbeitsstellen außerhalb der Lager ist den Soldaten, bezw. Kgf. zu gestatten, sich in einem' geeigneten Raume zu gemeinsamen Andachten zu versammeln. Im Sinne des Erlasses des k. u. k. KM., Abt. I. F., Nr. 282 vom 1. März 1918 verlautbart im Mil.-Kmdo.- .. Befehl Nr. 54 vom 5. März 1918, ist den jüdischen Invaliden und Rekonvaleszenten, wenn ihr Gesundheitszustand es gestattet, sowie der gesunden jüdischen Mannschaft nach Diensteszulässigkeit über die Zeit des israel. Osterfestes, Urlaube — für besonders rücksichtswürdige Fälle unter Zubilligung der Kreditierung der Reiseauslagen — zu gewähren, damit sie in der Lage sei, den strengen Oster-Speisevorschriften nachzukommen. Zur Orientierung wird bekanntgegeben, daß an den Hauptfeiertagen sowie am Sabbat das Reisen religionsgesetzlich verboten ist. Dieser Befehl ist den israel. Glaubensangehörigen rechtzeitig und zuverlässig bekanntzugeben. Das k. u. k. Kriegsministerium hat mit Erlaß Abteilung 9, Nr. 2885/18 angeordnet, daß in der Zeit vom 1. Februar 1918 bis 31. Jänner 1919 folgende Feiertage der jüdischen Mannschaft nach Diensteszulässigkeit freizugeben sind; Ostern: 27. März nachm., 28. und 29. März, 3. und 4. April. Offenbarungsfest: 17. und 18. Mai. Neujahrsfest: 7. und 8. September. Versöhnungsfest: 15. September nachm., 16. September Laubhüttenfest (Slchußfest): 28. September. Ostjirdischrs. Bon Chaim Bloch (Delatyn) nach den in dem hebräischen Sammelwerke der „Einfachen Gelehrtengesprache" von Schles und Ettinger ' enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Ein zeitgenössisches Wort zur Reformbewegung. Man fragte einst den berühmten Rabbi Jsak Meier von Gora-Kolwarya, warum die Aufgeklärten alle ihre Beschlüsse wegen religiöser Reformen im Judentums zu verwirklichen vermögen, die Frommen hingegen ihre Bestrebungen, die Gebote der Lehre streng zu umzäunen, nicht durchsetzen können. Er erwiderte mit einem Gleichnis: „Ein Schwindler hat einen Check eines großen Bankiers künstlich nachgeahmt und er begab sich angstlos zu diesem und forderte die Honorierung des Checks. Der Bankier wußte gut, daß dies ein Falsifikat ist, doch verweigerte er nicht die Honorierung, weil seine Unterschrift sehr täuschend nachgeahmt war und er hatte Bedenken, die Leute würden sagen : „Der Check ist wohl echt, nur hat der Aussteller kein Geld, um diesen einzulösen und daher wendet er ein, daß die Unterschrift eine gefälschte sei." Nachdem er aber den Check bezahlt hatte, übergab er die Sache der Behörde und führte den Schwindler seiner verdienten Strafe zu. So ist es auch in diesem Falle. Die Reformstreber betreiben ihre bösen Pläne mit großem Ernst und setzen waHrheitlich alles daran, daß ihre Pläne auch ausgeführt, rberden. Wenn daher der Ewige sie an die Verwirklichung ihrer Beschlüsse hemmen wird, so wird es G0t.t behüte heißen, daß er die Wahrheit unterdrücke. Da ist auch das Wort der Weisen zu verstehen: Erhabener ist das Vergehen, welches/mit Ernst begangen wird als das Geboteinhalten, welches keinem Ernst entsprungen ist. — Gott läßt daher die Beschlüsse der Reformisten zur Durchführung komyren, doch er wird sie dann der gebührenden Strafe zufühten." Der Dreifntz-Tisch. ' . Als Rabbi Jeheskiel Landau, der berühmte Verfasser der Responsen „Noda bejehuda“, eingesehen hatte, daß alle seine Bemühungen, um die Wohltätigkeitsinstitutionen in Prag zu. erhalten, erfolglos blieben, begab, er sich eines Tages auf den Markt und mengte sich unter die Kaufleute. lÄstaunt fragten ihn die Kaufleute: „Was macht der Rabbiner hier?" Er erwiderte: „Wenn ein Dreifuß-Tisch wacklig wird, weit ein Fuß gebrochen wurde, was tut man? Da legt man etwas unter den kurzen Fuß. Wenn aber dann auch ein zweiter gebrochen wird, tut man am besten, man kürzt auch den dritten Fuß und er wird den beiden anderen gleich. Nun lehren unsere Weisen (Sprüche der Väter, I. Abschn.), daß die Welt auf drei Dingen steht: auf Lehre, Gottesdienst und Wohltätigkeit. Als nun der Tempel zerstört wurde, hörte der Opferdienst auf, so daß das erste Bein zerbrochen wurde. Da kamen die Männer der großen Synode und bestimmten das Gebet als Ersatz der Opferung. Nun überzeugte ich mich, daß auch der andere Fuß, die Wohltätigkeit, in Brüche ging, in biefein Falle ist es gut, wenn auch der dritte Fuß, die Lehre, in Brüche gehet. Und daher bin ich hierher gekommen." Der Zweifel an den» Erscheinen Messias. Einern Freidenker, der sich über den Glauben luftig machte und seine Zweifel an der Ankunft des Messias ausdrückte, 'wurde von Rabbi Samuel Elie, Rabbiner in Bilgorcy, folgendes Gleichnis als Antwort gegeben: Auf einem Streifzuge traf einst ein Fuchs einen Raben auf einem Baume stehend. Gerne hätte er sich dessen bemächtigt, um seinen Hunger zu stillen. Da er nicht hinaufklettern konnte, wendete er List an. Und er sprach: „Wie lange noch wirst du auf dem Baum einsam die Zeit verbringen? Komm' herunter, da dir doch nicht entgangen sein dürfte, daß der Messias gekommen sei und die Prophezeiung Jesajes „Und es werden wohnen Wolf und Schafe beieinander" in Erfüllung gekommen ist, so, daß alle Tiere beieinander friedlich hausen 2" Kaum hatte er seine Aussprache beendet, als er das Heulen von Hunden vernahm. Er sprach zum Raben: „Wende nur deine Augen dorthin und sehe, wer denn hierher kommt?" Der Ral^ erwiderte: „Ich sehe mehrere Jäger in Begleitung furchtbar großer Hunde." Als dies der Fuchs hörte, sprach er: „Nun, lebe wohl, ich muß mich rasch davon machen." Der Rabe fragte: „Sagtest du doch vor einem Augenblick, daß der Messias gekommen sei und die Welt von Frieden umhüllt ist." „Es ist auch wahr," erwiderte der Fuchs, „aber die dreisten Hunde zweifeln noch daran und glauben nicht an den Messias." Uerschiedene Nachrichten. Wien. Montag, den 18. d. M. ist Herr Julius Heimarm, Chordirigent am Leopoldstädter Tempel und pensioniertes Mitglied des k. k. Hofopernchores, nach mehrwvchentlicher Krankheit im 71. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der sich bis vor wenigen Jahren eine fast jugendliche Rüstigkeit bewahrt hatte, stand 60 Jahre im Dienste der Wiener Kultusgemeinde. Schon als Knabe fang er im Chore des Leopoldstädter Tempels, wirkte dann an derselben heiligen Stätte als Quartettsänger und seit mehreren Jahrzehnten, bis an sein Lebensende, als Chordirigent mit ungewöhnlichem Pflichteifer. Mit ihm schwindet einer der letzten Zeugen jener Glanzperiode, da Meister Sulzer am Seitenstettentempel und Meister Goldstein am Leopoldstädter Tempel durch ihre große Kunst den Gottesdienst verherrlichten. Julius Heimann war die lebendige Tradition des Wiener Synagogengesanges. Selbst die feinste Nüance, mit der die beiden genannten großen Meister die einzelnen Piecen künstlerisch Wiedergaben, war seinem Gedächtnisse haften geblieben und darum war er auch ihren Nachfolgern ein wertvoller, aber immer bescheidener Berater. Seine reiche Erfahrung, seine seltene Liebenswürdigkeit und seine stete Hilfsbereitschaft erwarben ihm nicht nur bei seinen Fachgenossen, sondern auch in den weitesten Kreisen der Gemeinde die wärmsten Sympathien. Auch als Eigentümer der bekannten Tanzschule Heimann", in der er viele Generationen in die Kunst Terpichorens einweihte, genoß er größte Popularität. Mit seiner Gattin und seinen Kindern trauern an seiner Bahre eine große Zahl von Freunden and Verehrern, die ihm ein treues Gedenken bewahren werden.

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