Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 5 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 7. Pr. 5. Die Wahrheit OMdifches.'' Bvn Lhaim Bloch (Delachn) nach den in dem hebräischen Gammel-- Merke der „Einfachen Gelehrtengesprache" von SchleS und Ettinger enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Rahhi u»v dev Bischof. Von dem berühmten Krakauer Oberrabbiner Rabbi Mose JfserlS. kurzweg? „RMA“ benannt, wird folgende herzlich schöne Erwiderung nacherzählt. Als er nach Krakau gekommen war, um seinen Rabbinerposten anzutreten, war er nach damaligen Gepflogenheit zum Bischof zur Audienz befohlen, der die Wahl eines Rabbiners bestätigen oder nichtig erklären konnte. Rabbi Mose war in seinen Sabbatgewändern erschienen, wie es damals jüdische Sitte war. Um ihn in seiner Weisheit zu prüfen, empfing ihn der Bischof mit folgender Ansprache: „Man sagte mir, die Krakauer Gemeinde habe einen der scharfsinnigsten und schriftkundigsten Rabbiner auf ihren verwaisten Stuhl berufen. Aber schon Dein Erscheinen legt vom Gegenteil beredetes Zeugnis ab. Heißt es nicht in der Bibel: „Versuche nicht zu glänzen vor einem König." Ferner lehrten Eure Weisen: „Die Armut paßt Israel, wie eine rote Rose einem lveißen Pferde." Du aber hast gerade im Widerspruche gehandelt." Rabbi Mose entgegnete sogleich: „Ein Teil Eurer Eminenz anklägliche Begründung ist meine Verteidigung. Da doch die Weisen lehrten, die Armut sei der größte Schmuck des Juden, müßte ich, um nicht gegen das Gebot der Bibel zu handeln, in diesen Kleidern erscheinen, um nicht vor Eurer Eminenz in der wahren jüdischen Pracht-Armut zu treten." Di^ Esel sind iu Ehre». Ein judenfeindlicher Graf richtete einst an Rabbi Jonatan Eibenschütz die Frage, warum die Juden in ihrem Auftreten so hochmütig geworden sind und begründete seinen Vorwurf dahin, daß die Juden heute Sportsleute geworden sind und auf Pferden reiten, während die Ahnen, wie in der Bibel erzählt wird, ausnahmsweise auf Esel ritten; auch vom Messias heißt es, er werde auf einem Esel zu reiten kommen. Rabbi Jonatan erwiderte schlagfertig: „Heute, da die Esel im Range gestiegen sind und in großen Ehren stehen, wäre es eine Anmaßung seitens der Juden, wenn sie sich solcher bedienten." Hause eines Geizhalses. Ein bekannter Rabbiner reiste einmal im Lande, um für die Armen Almosen zu sammeln. Er kam zu einen geizigen Reichen. Kaum hatte dieser den Rabbiner bemerkt, versteckte er sich in einer finstern Kammer. Doch der Rabbiner begriff das. Er sprach daher ins Haus kommend zu den Kindern des Reichen: „Euer Hausvater machte mir eine Talmudstelle begreiflich. Unsere Weisen lehrten nämlich: „Der wohltätige Empfang von Gästen ist größer als der Empfang der göttlichen Majestät." Nun heißt es von Mose, er habe sein Antlitz vor Gott verborgen, euer Vater hingegen hat aber seinen ganzen Körper vor der Wohltätigkeit versteckt, woraus zu ersehen ist, daß der wohltätige Empfang von Gästen tatsächlich höher gewertet ist als der Empfang der göttlichen Majestät. Das Verlange» eines Brautvaters. Einst kam ein Heiratsvermittler zu einem vornehmen Wanne und schlug ihm eine Partie für seine Tochter vor; er rühmte die Familie des Brautwerbers und hob hervor, daß dieser der einzige Sohn seines sehr reichen Vaters, welcher wieder der einzige Sohn eines reichen Mannes ist und daher Aussicht habe, selbst ein ungemein reicher Mann zu werden. Der Brautvater erwiderte: „Nun, bin ich sicher. *) In dem in letzter Nummer 4 veröffentlichten Spruch „Vom redenden Esel" ist eine sinnstorende Weglassung zu berichtigen. Nach dem Worte „an" Zeile 5 ist einzufügen: „Der Rabbiner «erwiderte. daß der junge Mann ein reicher Mann sein kann, kannst Du mir auch den Beweis liefern, daß er auch ein würdiger Armer sein kann?" (Wird fortgesetzt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Leichenbegängnis des Oberkantor- Simon Dünmann, s.A.).Da-LeichenbegängnisdeS verewigten Mariahilfer Oberkantors Simon Dünmann gestaltete sich durch die fast vollzählige pietätvolle Beteiligung seiner Wiener Berufsgenossen zu einer erhebenden Trauerfeier, die allen Anwesenden gewiß unvergeßlich bleiben wird. Die israelitische Kultusgemeiude war durch Herrn Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, Sekretär Adler und Amtsleiter Freistadt vertreten. Man sah ferner die ehrwürdigen Herren Rabbiner Dr. Taglicht mit Gemahlin, Dr. Bach und Feldrabbiner Dr. Frankfurter. Der Vorstand des Mariahilfer Tsmpelvereins war unter Führung des Präsidenten, H rrn Dr. Jakob Engel, vollzählig erschienen, ebenso viele Mitglieder und sämtliche Angestellte deS Tempelvereins. Als Vertreter des Tempelvereins für den IV. und V. Bezirk war Herr Präsident Hoffmann, für den VIII. BeKrk Herr Weiß und für den X. Bezirk Herr Straßberg anwesend. Die Wiener Kantoren waren fast vollzählig erschienen, die meisten im Ornat, und bekundeten auf diese Weise, welche außerordentliche Synrpathie der Verstorbene in ihren Kreisen genoß. Herr Oberkantor Don Fuchs ließ es sich nicht nehmen, nach langer Krankheit als erste Funktion feinen: Heimgegangenen Kollegen durch meisterhafte Rezitierung der Trauergesänge eine besondere Ehre zu erweisen. Den Mittelpunkt der imposanten Trauerfeier bildete die Gedächtnisrede Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Drobinsky's, der auf datiefste erschüttert ein Lebensbild des verswrbenen Freundes entwarf, das als wahres Kunstwerk der Beredsamkeit bezeichnet werden kann, denn es gelang ihm, seine nicht leichte Aufgabe vollständig zu erschöpfen und bei allen Zuhörern eine mächtige Wirkung auszulösen. Hieraus nah,n der Präsident des Mariahilfer Tempelvereins, Herr Dr. Jakob Engel, mit der ihm eigenen, zu Herzen gehenden Beredsamkeit mit Worten tiefsten Dankgesühles und innigster Verehrung für den hervorragenden Funktionär des Tempels Abschied von dem Verblichenen. Als nächster Redner erschien Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht an der Bahre, um mit ungemein gefühlvollen Worten seines Schmerzes ob des Verlustes dieses seltenen Mannes, mit dem der durch 21 Jahre in vollster Harmonie gewirkt hat, zu gedenken. Namens des österreichisch-ungarischen Kantorenvereines sprach der Präsident, Herr Oberkantor Bauer, indenr er für das langjährige Wirken des verblichenen Vereins- Vizepräsidenten den Dank abstattete. Zum Schluffe ergriff Herr Oberkantor Morgenstern das Wort zu einer nach Forn, und Inhalt gleich gediegenen Würdigung des Verewigten in hebräischer Sprache, womit er die ungeteilte Bewunderung der anwesenden Sachverständigen hervorrief. Unter den, Vorantritt sämtlicher anwesenden Kantoren und unter den Trauergesängen dieser erlesenen Sängerschar wurde der Sarg zu seiner letzten Ruhestätte geleitet, wo Professor Sulzer iu schlichten, bewegten Worten dem Heimgegangenen Sangmeister dafür dankte, daß er die Melodien seines unsterblichen Vaters so hoch in Ehren gehalten und mit seiner gottbegnadeten Kunst der Allgemeinheit vermittelt hat. Am Schluffe der erhebenden Feier rezitierte Oberkantor Morgenstern in geradezu vollendeter Weife da» El mole rachamu und mit dieser herrlichen Gesangleistung fand die pietätvolle Kundgebung ihr Ende. Wien. Ter Vorstand des israelitischen Tempelvereines für Mariahilf und Neubau veranstaltet für weiland Oberkantor Simon Dünmann Sonntag, den 10. März d. I., 6 Uhr abends, an der Stätte seiner jahrzehntenlangen ehrenvollen, gottbegnadeten Wirksamkeit im Tempel VI., Schmalzhofgaffe 3, einen Trauergottesdienst. Wiem Vorige Woche ist der Seniorchef der Firma A. Herm. Frankl n. Söhne, Herr Ignaz Frankl, der in industriellen Kreisen hohes Ansehen genotz. infolge eines beim Abspringen von der Elekttischen erlittenen schweren Unfalles gestorben. Der jähe Heimgang desselben wird nicht nur von seiner Familie und den: großen Freundeskreise aufs schmerzlichste empfunden, sondern auch von den vielen gewerblichen und humanitären Institutionen, denen der Verblichene Förderung angedeihen ließ, ttef bedauert. Dies bewies auch die überaus zahlreiche Beteiligung am Leichenbegäng niffe, das Sonntag, den 3. d. M., am Centralriedhofe stattfand. Wien. (Fünfzigjähriges Berufsjubiläum.) Am 1. März beging Herr Bernhard Ab ele s die Wiederkehr seines vor fünfzig Jahren erfolgten Eintrittes in die Verlagsbuchhandlung Josef Schlesinger. Der Jubilar, der bereits im Besitze der Medaille für 40jährige treue Dienste und des silbernen Berdienstkreuzes ist, erfreut sich ob seines rastlosen Fleißes, hingebungsvoller Treue und strenger Rechtlichkeit bei seinen Vorgesetzten — bereits die dritte Generatton — besonderer Beliebtheit und Wertschätzung. Herrn Abeles wurden an seinem Ehreutag von seinen Vorgesetzten, Kollegen und von einem zahlreichen Kundenkreis von nah und fern mannigfache Ehrungen zuteil.