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Die Wahrheit · 1918-03-08 · Heft 5 (8.3.1918) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 5 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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<Bdbt t. Die Wahrheit Nr. 5. Wie«. (Todesfall.) Am 16. Februar um halb 11 Uhr vormittags fand vom Trauerhause XVII., Nattergaffe 6, die Beerdigung der Frau Marie Stein, Lehrers- und Rabbinats- Affefforswitwe aus Trebitfch, unter großer Beteiligung statt. Die Verstorbene hat das gesegnete Alter von 92 Jahren erreicht. In den letzten 20 Jahren wohnte ste bei ihrem Sohne, dem im Bezirke allgemein geachteten Herrn Siegfried Stein und seiner Gattin Julie, die ihr zärtliche Pflege angedeihen ließen. Die Verstorbene war eine Frau nach altem Schlage, von frommen Sinn und vortrefflicher Güte. Sie hinterlüßt vier Söhne und eine Tochter, alle in geachteten Stellungen. Dem großen Trauerzuge folgten u. a. Herr Kulturvorsteher Dr. Jakob Deutsch, Obmann der Chewra Kadischa für den XVI. und XVÜ. Bezirk mit dem Gesamtvorstand, der Obmann des Ottakringer Tempels S. W e i tz m a n n, der Obmann der Kinderfreunde Dr. Alois Hause r, der Obmann der Kinderstütze Philipp Blau mit den Vorstandsmitgliedern, in Vertretung des AusspeisungsvereineS Herr B. Schmiedet, in Vertretung des Kaiser Franz Zosef-Wohlfahrtsverein Herr Viktor Hoffmann, die Präsidentin des Frauenvereines Frau Rabbiner Dr. Adkle Bach, ferner der Obmann des Vereines der „Trebitfcher" Herr I. S p i r a mit vielen Mitgliedern, Direktor I. B r i ch t a und kaif. Rat I. S i t t i g, Abordnungen vieler Vereine des XVI. und XVII. Bezirkes. An der Bahre hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach einen ergreifenden Nachruf. Oberkantor Kaufmann mit dem Chor zelebrierten die Trauergesänge. Am Grabe rezitierte Kantor Smotritzky das ergreifende „El mole rftchamim.“ — Herr Siegfried Stein hat anläßlich des Ablebens seiner Mutter viele Vereine und Armen des Bezirkes mit Spenden bedacht. Wie«, <B a r m i z w a h - F e i e r.) Samstag, den 16. März, 9 Uhr vormittags, findet im türkischen Tempel, II., Cirkusgaffe 22, die Barmizwah-Feier des Alfred Kraus, Sohn des Amtsleiters Herrn Rudolf Kraus, statt. Wie«. Die Barmizwah-Feier des Viktor Emil Frankl, Sohnes des t k. Rechnungsrates Gabriel Frankl, findet Samstag den 9. März d. I., beim Morgengottesdienst um halb 9 Uhr vormittags in der Synagoge im II. Bezirke, ZirkuSgaffe 22, statt. Li«z. Sonntag den 17. Februar hielt Herr Rabbiner Doktor A. I. Mark im Sitzungssaale der israelittschen Kultusgemeinde die Gedenkrede für Dr. Tschlenow. Redner verglich den Verstorbenen mit Moses, der das Land seiner Hoffnung nicht mehr erleben konnte. Tschlenow hatte in seiner Größe, zu der er gekommen, seiner bedrückten Brüder nie vergeffen. — Die Trauerfeier war gut besucht. Linz. Bei überMtem Saale, welcher den Rekord des bish«igen Besuches darstellte, fand am 24. v. M. die Purimfeier statt. Um die Veranstaltung, hatten sich die Damen Frl. Siffy Freum durch Borttag des Prologes, Frl. Henriette Lauser als Verkörperung des Assimilatorischen im Purimdialoge, Frl. Emmy Klauber vom landschaftlichen Theater durch den hervorragenden Borttag zweier Szenen aus Grillparzers „Efthner-Fragment" verdient gemacht. Ebenso hatten die Herren Richard Albrecht, welcher den Si^ des nationalen Gedankens im Dialoge zum Durchbruche zu bringen hatte, Herr Heirich Heller, welcher durch seine reichen, wohlgeschulten Stimmittel erfreute, Herr Kurt Kapper als tüchttger Begleiter, und Herr Regisseur Viktor Hartberg, vom landschasüichen Theater, der den Text zu den Lichtbildern las und ernste Deklamationen von Liliencron, anschließend zur Feier des Tages einige Auslese von Beda in ganz überwälttgender Weise, brachte für überreichen Beifall zu danken. Die Veranstaltung war zum Sammelpunkt der Judenschaft aller Orte Ober-Oe., auch 9tteder-Oe. und Salzburg geworden, aus vielen Kriegsgefangenlag ern waren größere Deputattonen, wie auch den von "Flüchtlingen bewohnten Orten, entsendet worden. Olmütz. Dem Settetär und Kantor der israel. Kultusgemeinde Olmütz, Herrn Arnold Stößler wurde in Anerkennung besonderer Verdienste in der Infektions-Abteilung des k. u. k. Reserve-Spitales Bisenz-Pisek das Ehrenzeichen vom Roten Kreuze mit der Kriegs- Dekoration verliehen. Bisenz. Bor kurzem wurde hier Herr Samuel Stößler unter großer Beteiligung aus allen Bevölkerungskreisen in seinem 77. Lebensjahre zu Grabe gettagen Wer Gelegenheit hatte den edlen Dahingeschiedenen näher zu kennen, fühlte sich von der Lauterkeit und Biederkeit seines Charakters sowie von der Milde und Sanftmut seiner Persönlichkett völlig angezogen. Bei äußerster Anspruchslosigkett war der Dahingeschiedene im Sinne und Geiste unserer Weise ein Verschwender seines Vermögens für andere. Gleich unserem Stammvater Abraham hat der Verstorbene Jahrzehnte hindurch, als er noch im Dorfe Crechau bei Bisenz wohnhaft war, zahlreichen armen Wanderern aus aller Herren Länder aufs beste bewirtet und alle verließen stets gesättigt und beschenkt sein gastlich HauS. Und ein tteuer, frommer Diener seines Gottes war der Verstorbene; fromm nicht nur wegen der Menschen und für die Menschen, fromm aus innerster Ueberzeugung, aus wahrhafter Liebe zu Gott. Seine Frömmigkett ging soweit, daß er am heilige Sabbat auf seinem ausgedehnten Oekonomiebefitze in Brechau, den er viele Jahre hindurch vom Olmützer Erzbistum in Pacht hatte, nicht arbeiten ließ und lieber materielle Verluste erlitt, als daß er den Sabbat entheiligt hätte. Keine Arbeit war ihm zu gering, keine Anstrengung zu groß, kein Sturm, kein Wetter hinderte ihn in der Erfüllung seiner gottgefälligen, edlen Menschenpflichten. Und so wie er gelebt, ist er auch eingegangen in die Ewigkeit, still, sanft und friedlich. Er hinterließ drei ehrbare Söhne und zwei Töchter, won welchen die jüngere mit dem Borstandsmitgllede Grünberger in Trebitfch vermählt ist. Ein Sohn, Herr Dr. Hugo Stößler, Besitzer des Franz-Josef-OrdenS, ist k. k. Stabsarzt und zderzeit Kommandant des Reserve-Spitales in Friede!. Der zweite Sohn, Herr Dr. Johann Stößler, wirkt seit Jahren segensreich als Rabbiner der israel. Kultusgemeinde in Trebitfch. Der dritte Sohn ist Oekonomiebesitzer in Bisenz-Pisek. *■ Szeni^e. Schon wieder hat der unerbittliche Tod einen traurige Spuren hinterlaffenden Besuch gemacht und den allgemein geachteten Bürger Bernhard Grün selb seiner teueren Familie, unserer Religionsgemeinde und der Stadt entrissen. In ihm verliert sein ehrenvolles Haus, wo Friede und Eintracht wohnte, ein zu jedem Opfer bereites Oberhaupt, das unablässig tätig war, bis ihn die tückische Lungenentzündung auf das Schmerzensbett warf, das auch fein Totenbett werden sollte. Die Religionsgemeinde verliert an ihm ein selbstloses, altruistisches Mitglied, welches 30 Jahre in der Repräsentanz und 27 Jahre als Tempelvorsteher gewirkt hat und zwar so gewirkt hat, daß die Armen aus der Kassa der Gemeinde und auch aus seiner privaten reichlich beschenkt wurden — aber mit freundlichem, liebereichem Gesichte. Auch in der Stadtverwaltung war er aufrichtig zum Wohls der Heimatsgemeinde tättg. Es ist also ganz begreiflich, daß man ihm ein Ehrenbegräbms zuteil werden ließ, an dem sich alle Bewohner ohne Unterschied der Standes und der Konfession beteiligten. Der Sarg wurde in den dichtgedrängten Tempelhof getragen, wo ihm Se. Ehrwürden Herr Rabbiner L. r Marmorstein einen wohlverdienten Nachruf hielt, Worte, welche kein Auge tränenlos ließ, weil der Prediger ans ttefster Ueberzeugung uno schmerzerfüllten Herzens selbst tränende» Auges gesprochen hatte. Es war kein gewöhnlicher Nachruf, sondern eine Trauerkundgebung im Namen der Gemeinde und in seinem eigenen als Freund des Verblichenen, eine erhebende Trauerfeier, wie sie der in Gott ruhende Bernhard Grünfeld vollauf verdient hat, denn die Lücke, die fein Ableben gerissen hat, wird sich nicht so leicht aüsfüllen lassen, weil eS wenige so edler, fleißiger, gefühlvoller Menschen, welche alle diese Tugenden in sich vereinigen, gibt. Sein guter und eheenvoller Name bildet ein Ehrendenkmal auf seinem frühzeitigen Grabe, wo er gesegneten Andenkens ruhen Spenden für den Leopoldstädter Tempel. Dem Komitee sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekommen: Bon Herrn Emil KarpeleS K 3000, Herrn Gustav Adler 300, Herrn Samuel Bernhard 50, Herrn Sensal Leopold Schwarz 100, Herrn Michael Szamek 50, Herrn Jacob * Berthold Szamek 50, Firma Nagel & Wortmann 500, Herrn Karl Freund 1000, Herrn Isidor Kleinmann 50, Herrn Hermann Plaschkes 50, Firma Adolf Mandl jun. 1000, Herrn Berthold Goldberg 600, Herrn Markus Wachsner aus Kattowitz 77.50, Herrn Wilhelm Goldstein 50, Firma B. Fischel & Söhne 100, Herrn Siegmund Handovsky 50, Herrn Emanuel Grünwald 500, Herrn Schulrat Professor Moriz Tschiaßny 50, Herrn Wilhelm Löwy 50, Firma M. & I. Mandl 2000, Herrn Moritz Winternitz 50. Herrn Nathan Völker 50, Herrn Moriz Schnur 2000, Herrn Josef Blatt aus Krakau 50, Herrn Eduard Kirschner 50, Herrn Hermann und Frau Rosa Witrofsky 300, Herrn Julius Eisner 50, Firma M. Kreutzer & Sohn 50, Herrn Dr. Leopold Brady -100, Herrn Albert Kren 50, Herrn Jacob Frost 80, Herrn Ludwig Horch 250, Herrn Isidor Frisch 100, Herrn Dr. A. Schwarz, Rektor, 50, Herrn JMuS Blum 50, Herrn JaequeS Weiner 1000, Herrn Heinrich Lampl aus Eisgrub 50, Herrn Jakob Feuerstein aus Drohobycz 2000, Herrn Karl Ripper 50, Herrn Emanuel Fleischmann 100, Herrn Perl Amtmann 50, Herrn kaiserlicher Rat Karl Grünhut 200, Frau N. Reich! 50, zusammen X 16.487.50, bereits auSgewiesen K 748.000, Gesammtsumme K 759.487.50. Verzeichnis Ser Verüoröeneit Vom 17. bis 23. Februar 1918. - Nathan Deutsch, gew. Kaufmann, 82 I., Heinrich Felder, Privat, 62 I., Josef Kuttin, Kaufmann, 53 I., Tobias Hecht- Kaufmann, 63 I., Bernhard Faust, Pionier des Eisenbahnregiments, 19 I., Jsak Wiznitzer, Kaufmann, 45 I., Paul Masidler. Fabrikant, 57 I., Ester Laub, Flüchtlingskind, 2 I., Moses Ostfeld, Holzhändler, 65 I., Moritz Langfelder, Holzhändler, 79 I., Jakob Brand, Zentral- Jnspektor der k. k. Staatsbahn, 80 I., Isaak Lampel, Schütze des Schützen-Regt. 20, 49 I., Auguste Thieberger geb. Pilzer. Kaufnrannswitwe, 69 I., Samuel Metzl, Reisender, Pflegling, 73 I., Natalie von Goldschmiedt geb. Koritfchoner, Private, 84 I., Dr. Walter Pollak von Parnegg, Fabrikant, 41 I., Ignatz Rußmann, Kaufmann, 75 I., Bernhard Spitzer, Kaufmann, 80 I., Oser Gelbwachs, Privat, 79 I., David Mandl, Kaufmannssohn, 9 Monate.

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