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Die Wahrheit · 1918-02-22 · Heft 4 (22.2.1918) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 4 (22.2.1918)
Date
1918-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4. - Die WkhrhM HM Genossenschaft und nimmt an allen damit verbundenen Rechten teil. Bei den Anteilscheinen von M. 100'.— rechnen wir auf die Beihilfe von Gönnern, jüdischen Vereinen, Stiftungen und Gemeinden, die auf diese Weise durch Gewährung eines größeren oder kleineren Darlehens und durch Verzicht auf den Zinsgenuß unser Unternehmen als rein jüdische Leistung Unterstützen und fördern wollen. Wir können auf diese Unterstützung um so mehr rechnen, als unser Unternehmen gemeinnützigen Charakter hat und eine Spekulation mit Grund und Boden satzungsgemäß ausgeschlossen wird. Sind wir im Besitze von Grund und Boden, so ist damit der wichtigste und schwierigste Schritt getan. Die Baureifmachung des Geländes, sowie die Erstellung der Bauten erfolgt nach Aufhebung des z. Zt. bestehenden Bauverbotes auf dem allgemein üblichen Wege und hierbei sind uns die Erfahrungen der Gartenstadt Falkenberg sowohl itt technischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht von allergrößtem Nutzen. Wir wenden uns mit unserem Vorschläge an alle jüdischen Kreise. Finden wir die von uns erhoffte Beteiligung, so wird hier ein vorbildliches Gemeinwesen entstehen, indem eine neue Generation, gesund an Leib und Seele, heranwachsen kann. Clara Boschwitz, Dr. Arthur Kahn, Moritz A. Loeb, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Dipl.-Ing. Joseph Loewy, Davis Trietsch. Zuschriften erbitten wir an: Dipl.-Jng. Loewy, Charlottenburg, Schillerstraße 60. Overkantor Sirnou Dünmann. Unerwartet und vorzeitig wurde der langjährige, vortreffliche Oberkantor des-Mariahilfer Tempels, Simon D ü nmann, ein Meistersänger von Gottesgnaden, abberufen. Mit dem Vorstande des Mariahilfer Tempelvereines trauert eine zahllose Gemeinde von Bewunderern und Verehrern, die der Heimgegangene durch Jahrzehnte durch seine vollendete Kunst und die Innigkeit seines Vortrages zu hoher Andacht gestimmthat. Simon Dünmann wurde 1852 geboren und erhielt eine gründliche musikalische Ausbildung in den Konservatorien Ä Bukarest und Wien, wo er zu den Lieblingsschülern Prof. Gänsbachers gehörte. Im Jahre 1884 auf den Posten eines Oöerkantors an dem neuerbauten Tempel in der Hchmalzhofgafle berufen, wußte er durch seine glänzende musikalische Begabung und seinen vollendeten Kunstgesang die Herzen aller andächtigen Zuhörer in besonderer Weise zu rühren. Er hatte die Gabe, durch die Innigkeit seines Vortragesund durch feines musikalisches Verständnis auf die Zuhörerschaft zu wirken, wobei ihm als änßerer Behelf ein selten schöner lyrischer Tenor zu statten kam. Unnachahmlich war die Würde feistes Vorträges. Jede Lime seiner Haltung und Bewegung atmete die tiefe Harmonie, von der gleichsam sein ganzes Wesen durchdrungen war. So war er geradezu prädestiniert für sein heiliges Amt, das er auch mit ungewöhnlichem Erfolge durch mehr als drei Dezennien,hekkeidet hat. Ihm war es. vott der Vorsehung gegönnt^ bis in seine letzten Tage in ungeschwächter Kraft durch die ganze Höhe seiner Kunst zu wirken und mit seÜeneM, nicht genug zu rühmendem Pflichteifer hat er sich bis an sein Lebensende seinem hehren Bemfe gewidmet. So groß und unerreicht Simon Dünmann als Künstler warso trefflich und gediegen war er auch als Mensch. Mit schlichtem, für die Fernestehenden kaum erkennbarem Interesse verfolgte er diegroßen Probleme unserer Zeit und bildete sich Drüber ein auf Menschenkenntnis und Erfahrung gegründetes richtiges Urteil. Er hatte ein goldenes Herz, war für die 2erdrn Muer Nebenmenschen immer zu finden und von einem Gerechtigkeitssinn, der ihn der Sache zu Liebe sä oft den eigenen Vorteil hintansetzen ließ. Musterhaft war sein inniges. harmonisches Familienleben undIeine ganze Sorge und Zärtlichkeit galt seinen trefflichen Kindern, einer Tochter-, der Freude seines Alters, und vier prächtigen Söhnen, die feit Kriegsbeginn das Ehrenkleid des Offiziers tragen. Wohl hat die stete Sorge um seine Kinder seine ftüher blühende Gesundheit vorzeitig untergraben! Sein edles, durch keine Trübung gestörtes Charakterbild wäre nicht vollständig, wenn ich nicht seiner sprichwörtlichen Verträglichkeit rrrü» seiner Kollegialität gedächte, die auch in seiner langjährigen Zugehörigkeit und Mitarbeit beim österr.-ungar. Kantorenverem, dessen II. Vizepräsident er war, Ausdruck fand. Er lebte mit Jedermann im besten Einvernehmen und mir war er durch mehrere Dezennien ein warmherziger Freund, ein treuer Genoffe. Mit tiefstem Dankgefühle und unauslöslischer Verehrung werden wir allezeit seiner gedenken. Sekretär H. Bondy. K ethansverein im IX. Kezirk Am 11. d. M., abends 7 Uhr, fand im Zeremoniensaale des Tempels, IX. Müllnergaffe (Grünethor- ' gaffe) die 51. ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines „Beth Hatfilah" im IX. Wiener Bezirk unter dem Vorsitze des Obmannes Bezirksrat Dr. Moritz Schnepp statt. Der Obmann konstatierte die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung und begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder, insbesondere den in Vertretung des Kultusvorstandes erschienenen Kultusvorsteher Salomon Brod, ferner den Obmann des Tempelvereines für den XIX. Bezirk, Moritz Müller, sowie den namens des Tempelvereines des YIII. Bezirkes erschienenen Sekretär Ignaz Rosenberg. Nach Verlesung des Protokolls der vorjährigen Generalversammlung durch den Schriftführer Herrn Ignaz Glück wird der Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Jahr erstattet, der eine umfaffende Darstellung der Tätigkeit des Tempelvereines, sowie der wichtigsten Vorkommnisse bot und in der Bitte an die Mitglieder und Freunde des Vereines ausklang, demselben auch fernerhin wohlwollende Unterstützung zu leihen, damit die heitige Jnstitutton des Vereines, das herrliche Bethaus, zur Ehre Gottes und zum Wohle des Bezirkes würdig erhalten werden könne. Nach dem Berichte der Revisoren wird über Antrag derselben dem Vorstände däs Absolutorium erteilt. Herr Kultusvorsteher Sal. Brod verweist darauf, daß er im IX. Bezirke wohnhaft, seit Erbauung des Tempels Mitglied des Bethausvereines sei, leider müsse er aber konstatieren, daß sehr viel reiche und einflußreiche Juden dieses Bezirkes der Tempelgemeinde fern stehen und ihre religiösen Bedürfnisse in anderen Bezirken zu erfüllen suchen, was natürlich eine Verkürzung des Bethausvereines zur Folge hat. Er empfiehlt daher eine Aktion zur Heranziehung der dem Bethausverein fernstehenden Persönlichkeiten des IX. Bezirkes. Schließlich spricht er namens des Kultusvorstandes dem Vorstände Dank nnd Auer- - kennung aus für seine Aufopferung im Dienste des Kultus und der Religion und verspricht nach bestem Willen und Können für die berechtigten Wünsche des Bethausvereines beim Kultusvorstande einzutreten. An der hierauf abgeführten lebhaften Debatte beteiligten sich die Herren: Josef Steiner, Karl Schön, Reg.-Rat Dr. S. Frankfurter und Sigmund Lampel. Nach den Erwiderungen des Obmannes Dr. Schnepp und des Schriftführers Ignatz Glück schritt man zur Wahl von drei Vorstands- und sechs Ausschußmitgliedern und wurden die Herren: Adolf Moser und kais. Rat Alfred Winter wieder, und Isidor Trebitsch neu in den Vorstand gewählt. In den Ausschuß wurden gewählt die Herren: Josef Fuchs, Leopold Hendl, Gerson Koralek, Julius Rosenbaum, Dr. Adolf Steiner und Wilhelm Pappenheim.

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