Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 4 (22.2.1918)
- Date
- 1918-02-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063774-3063778--10557-3077902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit Nr. 4: Gstjndischrs. Von Lhaim Bloch (Delatyn) nach den in dem hebräischen Sammelwerk der „Einfachen Gelehrtengesprache" von SchleS und Etttnger enthaltenen Sprüchen bearbeitet. Der -^kannte Chassidimführ-r Rabbi Meier von Przemyslany erklärte einmal, warum der Israelit „Jud" benannt wird folgendermaßen: Der hebräische Buchstab „Jud" ist der kleinste im hebräischen Alphabet; auch der Mensch Jud muß sich, als der unbedeutSldste auf Gotteserden halten und demütig jedem Menschen gegenüber sein. Und so werden wir auch in der Bibel benannt: Val di begoim — er ist arm unter den Nationen. Das jüdische Volk, das Gotteslehre empfangen hat, darf nicht großmütig sein. Ferner: Der Buchstabe „Jud" hat ein kurzes Füßchen; wenn man daher von diesem etwas wegradiert, bleibt Llos ein Fleck, so auch der Jude, wenn er vom Judentum ein wenig abrückt, bleibt von chm nur ein Fleck. * * Die Wendung Rechts und Links. Rabbi Hirsch von Rymanow, ein berühmter Chassidimführer in Galizien, war früh verwaist worden und seine Verwandten gaben chn zu einem Schneider, daß er die Flickerei erlernen soll, wo auch andere Lehrlinge beschäftigt waren. Rabbi Hirsch arbeitete bei Tag, die Nacht über verbrachte er aber in inbrünstigem Gebete, die anderen hingegen verbrachten die Nacht in Spiel und eitlem Getändel. Als er viele Jahre darnach der Rabbi von Rymanow geworden ist und eine wachsende Gemeinde chn umgab, kam einmal in der Schar der Leute, die an Sabbaten und Feiertagen aus nahem und fernem Osten seinem Hause zuströmten, einer von seinen Lehrgenoffen, der indeffen zum selbständigen Lehrmeister wurde. Er erkannte sofort den Rabbi und er sprach zu chn: „Erinnert sich der Rabbi noch, als wir miteinander in einem Bett geschlafen hatten?" Rabbi Hirsch erwiderte: „Ich erinnere mich daran gut, aber auch, daß ich mich immer nach Rechts, Du aber nach Links mit dem Antlitz wendete." * * Wertschätzung des Gegners. Bekanntlich gehörte Rabbi Jecheskiel Landau zu den extremsten Chassidimbekämpfern und er ließ sich einmal zu dem Worte Hinreißen: „Die Gerechten gehen in diesen Wegen und die ChasMm straucheln in diesen Wegen." Er hat das Wort Bösewichte in Chassidim umgedreht. Als man dies dem berühmten Rabbi Lewi Jizchak von Bardytschew erzählte «nd sich über Rabbi Jecheskiel tadelnd ausdrückte, sprach er: „Wie gäbe es, daß wir aus Bösewichte ChasMm machen können, wie es der große Rabbi Jecheskiel vermochte." Hiob und Salomo. Ein Verfaffer kam zu einem Rabbiner, legte ihm die Manuskripte seiner Erklärungen zum Buche Hiob und zu den Sprüchen Salomos vor und bat ihn um Approbaüonsschriften. Der Rabbiner stellte chn eine solche für das Buch Hiob aus, lehnte aber eine solche für die Sprüche SalomoS Ä. Als der Verfaffer beftemdend um die Ursache ftagte, warum er chm auf die Sprüche Salomos die Empfehlung verweigert, antwortete er: „Hiob war ohnehin ein unglücklicher Mann, hatte alle Leiden der Welt gekostet, so kommt es chm sicherlich auf ein Leid mehr oder weniger nicht an, anders aber Salomo, der glücküberfüllte König, der keinen Schmerz kannte, warum soll ich chm ein Leid zufügen?" Bom redende« Esel. Ein Weltling machte sich über die Wundergeschichten der Bibel, znm Aerger eines Rabbiners, lustig, bezeichnete diese als Märchen und führte als Beispiel die Erzählung vom redenden Esel Bileams (4. B. M., K. 22, V. 28—30) an: „Den Beweis geradezu von der Wahrheit vom redenden Esel Bileams bildest Du allein und in Dir sehen wir, wie sich dieses Wunder noch heute zutragen kann." Urrschirdenr Nachrichten. Wie«. (Tempelverein Josefstadt, VHI.SKudeggergaffe 12.) Am Sonntag den 24. Februar d. I., 10 Uhr vormittag»- findet die ordentliche Generalversammlung dieses Vereines im Tempelgebäude, 'VIII. Neudeggergasse 12, statt. Gäste willkommen. Wie«. Zu dem vor kurzem veröffentlichten Berichte über das fünftigjährige Amtsjubiläum des Herrn Oberrabbiners Doktor J akoby in Agram sei nachgettagen, daß der Verfaffer deS Berichtes Herr Oberkantor ^3 u x b a u m in Kroat.-Kreuz ist. Wien. Einer der bewährtesten jüdischen Schulmänner, Direktor Benjamin Planer, der durch diele Jahre als KoMmunallehrer sowie als Religionslehrer der israelittschen Kultusgemeinde erfolgreich tättg war, ist nach kurzer Krankheit am 7. d. M. gestorben. Sein lauterer Charakter, sein reiches pädagogisches Wissen, seine tteue Hingabe an seinen Beruf, seine seltene Liebenswürdigkeit im Umgänge sowie seine stete Hilfsbereitschaft erwarben ihm Wertschätznng und Anerkennung in den weitesten Kreisen. Dafür zeugte auch die imposante Beteiligung an dem Leichenbegängnisse, bas am 10. d. M. am Zenttalfriedhofe stattfand. Nach Vortrag der Trauergesänge durch Ersten Kantor Matyas würdigte Rabbiner Doktor: Grunwald das ausgezeichnete berufliche und gemeinnützige Wirken des Heimgegangenen. Im Namen der Kultusgemeinde sprach hierauf Herr Rabbiner Dr. Rosenmann ehrende Worte des Abschiedes, für die Religionslehrer Herr Inspektor Kanitz, für den Lehrerverein „Palme" Herr Oberlehrer Ascher, für den Lehrkörper der Bürgerschule in der Czerningaffe, dem der Dahingeschiedene ein' Bierteljahrhundert angehört hatte, Herr Oberlehrer Faltitschek, für die Freunde des Verstorbenen Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Brady, für die Schuljugend eine Schülerin, die in ihrer kindlich-schlichten Weise alles zu Tränen rührte. Unter den Trauergästen waren unter anderen Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, Rabbiner Dr. Feuchtwang, Hostat Berstl, Hofrat Dr. Schlag, zahlreiche Schulleiter und Lehrer und Vertreter von Vereinen, denen der Verblichene nahestand. Wien.(Allgemeines österreichisches israelitisches Taubstummeninstitut in Wien, III. RudolfSg a s s e 22.) DaS Institut diente vom 7. September 1914 bis Ende Mai 1916 als Kriegsspital. Aus diesem Grunde erhielten jetzt der Direktor kais. Rat Dr. Salomon Krenberger das Ehrenzeichen zweiter Klaffe vom Roten Kreuze mit der Kriegsdekoratton und die beiden Jndustrielehrerinnen Frl. Adele Lindner und Paula Moses die bronzene Medaille mit der Kriegsdekoratton. Wie«. Fähnrich Paul Fischer ist für vorzügliche Dienste beim Eisenbahnkriegsdienst mir dem goldenen Berdienstkreuze am Bande der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet worden. Wien. Der Vorstand des Vereineszur B eförderung derHandwerke unter den inländischen Israeliten bringt zur Kenntnis, daß er im Sinne eines gefaßten Beschlüße» ab Mittwoch den 6. März l. I. mit der Aufnahme von Zöglingen in beschränttem Maße Vorgehen wird. Aufnahmswerber haben sich, mit Armutszeugnis und Dokumenten (Heimatschein oder Arbeitsbuch, Geburtsschein, Schulzengnis) versehen, in Begleitung der Eltern oder deren Stellvertteter, jeweils Mittwoch in der Zeit von 6 bi» 8 Uhr abends, in der Vereinskanzlei IX., Grünethorgasie 26 zum Zwecke der Anmeldung einzufinden. Hamburg. Der Hamburger Oberkantor Herr Leo Kornitzer, zurzeit in Südttrol, wurde zum Hauptmann ernannt. 5t. k. priv. Wiener Bank-Berein. Mittelst Kundmachung wird auf Grund der Beschlüsse der General-Versammlung und deS AdmmistrationSrateS vom 12. Februar 1918 den Akttonären de» Wiener Bank-Verein das Bezugsrecht für die neu zur Ausgabe gelangenden 75.000 Stück Aktten mit Dividenden-Berechnung ab 1. Jänner 1918 zum Preise von K 580 — telquel für jede neue Aktte in der Weise eingeräumt, daß auf je 5 alte Aktten eine neue Aktie entfällt. Die Anmeldung des Bezugsrechtes hat bei sonstigen Verlusten desselben in der Zeit vom 13. Februar bi» einschließlich 23. Februar 1916 bei den Deponierungsstellen zu erfolgen. Zugleich mit der Anmeldung des Bezugsrechtes ist bei der betreffenden Stelle für jede zu beziehende neue Aktte der Bettag von K 580.—. bar zu bezahlen. Allgemeine Depositen-Bauk. Auf Grund des Befchluffe» der außerordenttichen Generalversammlung vom 28. Dezember 191S schreitet nunmehr die Allgemeine Depofiten-Bank behufs Erhöhung ihres Aktienkapitals auf 80 Millionen Kronen zur restlichen Ausgabe von 50.000 neuer Aktten ä, K 400.— Nominale, die an dem Erttägniffe der Anstalt vom 1. Jänner 1918 teilnehmen. Den Aktionären wird das Bezugsrecht auf 37.500 Stück neuer Aktten in der Weise eingeräumt, daß auf je 4 alte Aktten eine neue Aktie zum Kurse von K 610.— zuzüglich 5% Zinsen von diesem Bettage vom 1. Jänner d. I. bis zum Uebernahmstage bezogen werden kann. Die Ausübung des Bezugsrechtes hat in der Zeit vom 16. Februar 1918 bis 25. Februar 1918 zu erfolgen. Näheres ist aus dem Annoncenteil ersichtlich.