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Die Wahrheit · 1918-02-08 · Heft 3 (8.2.1918) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1918
Issue
Heft 3 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Rr. 3. Die Wahrheit «eite 7. Verdienst des Verstorbenen, indem er die Weisung des Talmuds : Man rede keine einfachen Worte im Bethaus, streng beachtete, hin. Als der Rabbiner später zur Rede gestellt wurde, einem solchen Freigeist ein derartiges Lob nachzusagerr, erwiderte er: „Begreift Ihr denn nicht, waS ich mit diesem .Lob eigentlich sagen wollte? Nämlich, daß er nie in daS Bethaus gekommen ist." *. * * Mechalkel Der bekannte Gaon Rabbi Jecheskel Katzenellenbogen,*) Rabbiner der „Dreigemeinden",**) pflegte das Gebet „Mechalkel Chaim"***) mit einer außergewöhnlichen Melodie vorzubeten, die, ohne daß es der Rabbiner spürte, die Gemeindemitglieder nicht entzückte und sie belustigte. Ein armer Teufel erlernte diese Melodie, um mit dieser zur Belustigung der Leute auf Hochzeitsnnd Beschneidungsfestmählen Mechalkel Chaim zu singen. Er erhielt dafür kleinere Geldgeschenke und war den Nahrungssorgen enthoben. Als die Gemeindevorsteher davon erfuhren, verdroß eS sie, daß die Ehre des Gaon dem öffentlichen Spotte preisgegeben wird und sie verboten dem Mann weiterhin den Mechalkel Chaim zu singen. Der Mann begab sich zum Gaon mit der Klage, daß ihn die Gemeindevorsteher durch daS Verbot „Mechalkel Chajim" zu singen seine Nahrungsquelle versperrt haben. Und der güte, sanfmüttge Gaon gab ihm die schriftliche Bewilligung, die folgenden Inhalt hatte: „Ich bewillige dem Inhaber dieses von dem Mechalkel Chajim L(ebendigenernährer, d. h. Gott) seine Nahrung zu suchen." Chacham Baschi Michael Pap». Unter ganz außerordentlich starker Beteiligung wurde am 1. dieses Monats der Seelsorger der türkischen Jsraelitengemeinde in Wien Rabbiner Chacham Baschi Michael Pccho zu Grabe getragen. Vom Sterbehaus II., Novaragasse 27, wurde die Leiche um halb zehn Uhr vormittags in den ttirkischen Tempel getragen, der schwarz verkleidet war. Hier wurde sie vor dem Altäre aufgebahrt. Im Tempel hatten sich außer der Familie eingefunden: in Vertretung des Bürgermeisters Stadtrat Dr. Oskar Hein, Oberrabbiner Dr. Güdemann mit den Mitgliedern des RabbinatskollegiumS, der Polizeibezirksleiter der Leopoldstadt Polizeirat Brandhuber von Etschfeld, für die israelitische Kultusgemeinde die Herren: Dr. Wilhelm Pappenhcinr, Sekretär Dr. Emil Adler und Amtsleiter Freistabt, Tempelvorsteher Regierungsrat Wilhelm, der Präsident der „Chewra- Ladischa" Landesschulrat Dr. Markus Spitzer, die Rabbiner Dr. Grunwald, Dr. Feuchttvang, Dr. Rosenmann und Dr. Funk, Oberkantor Morgensteru, Erster Kantor Jurberger, Chordirigent Heimann. Als Vertreter des Verbandes der Religionsprofefioren der Mittelschulen Oberrabbiner Reich (Baden), die Vorstandsmitglieder der Wiener Bethäuser, das Professorköllegium des israel. theologischen - Seminars, Rektor Dr. Schwarz, Professor Kraus, dann: Kais. Rat L. Faltitschek, Hosrat Dr. Julius Schlag, Präsident des Vereine» „Einheit" Bernhar Hofbauer, Religionsinspektor Kanitz, sämtliche Vorstandsmitglieder der türkischen Gemeinde mit dem Präsidenten MoSco ie Majo, der Vorstand der Chewra-Kadifcha mit dem Präsidenten Lazar Hnsfin, die Tempelvorsteher A. Canetti, Salamon Hassan und Halson, Sekretär Dr. Halfon, Dr. Libitzky, der Frauenverein und zahlreiche andere Trauergäste. Nach den Trauergesängen, die Oberkantor Bauer, Kantor Altaras und Kantor Löwit mit dem Tempelchor angestimmt hatten, sprach Chacham Ovadja, die Trauerrede. Namen» des Präsidiums der türkischen Gemeinde nahm Vizepräsident Leon Haim Abschied von den: Verblichenen. Nach den rituellen Gebeten wurde der Sarg von den Vorstehern der türkisch israelittschen Gemeinde zum Galaleichenwagen getragen und auf den Zentralfriedhof überführt, wo die Beisetzung in einem von der israelittschen Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe erfolgte. Am Grabe sprachen für die Kultusgemeinde Dr. Markus Spitzer, für die Funktionäre -und Beamten der türkischen Gemeinde Oberkantor Bauer, für die Rabbiner Wiens Dr. Funk und für die türkisch-israelitische Schule Herr Ardittt. Die starke Beteiligung an der Leichenfeier legte Zeugnis von der allgemeinen Wertschätzung ab, die Rabbiner Papo allenthalben genoß. *) In dem Bolksmud „Kneses JecheSkiel" nach dem Titel Ees Werkes genannt. **) Altona-Hamburg, Wandsbeck. ***) Wörtlich: „Lebendigeriernährer" im Achtzehngebet. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Eine neue Edelstei nfirma.) Der Gründer und Seniorchef der seit dem Jahre 1872 bestehenden Edelsteinfirma Brüder Herzl, Herr Salomon Herzl, bringt seinen zahlreichen Geschäftsfreunden zur Kenntnis, daß er nunmehr selbständig den Edelsteinhandel unter der Firma Salomon Herzl ,1., Franz Josefskai 17, betreiben wird. Herr Herzl etablierte sich auf seine alten Tage also wiederum anss neue und es sind chm von Persönlichkeiten au» der Wiener Gesellschaft auch bereit» mehrfach Glülsivünsche zugegangen, die besagen, daß Herrn Herzl infolge seiner großen Fachkenntni» und allgemeinen Beliebtheit der Erfolg zur Seite sein wird. Bei diesem Anlaß sei erwähnt, daß sich Herr Herzl fortgesetzt auch an KriegSfürsorgeakttonen mit eigenen beträchtlichen Geldaufwendnngen, Liebesgaben und unermüdlicher Werbearbeit betätigt hat und chm hiefür Dank- und Anerkennungsschreiben von Erzherzog Franz Salvator, den Erzherzoginnen Marie Valerie und Blanka, vom Prinzen Leopold von Bagern, von mehreren Ministern, dann vom Bürgermeister Dr. Weisttrchner, dem deutschen Botschafter v. Tschirschky, ferner von zahlreichen Amtsstellen, Behörden und privaten Bereinigungen zugekommen sind. Diese Dokumente geben Herrn Herzl das Zeugnis treuerfüllter Bürger- und Menschenpflicht, und es werden ihm sicher auch noch, weitere Zeichen der Anerkennung zuteil werden. Wie». Sonntag den 3. Februar fand dies Kriegstrauung des Frl. MW Kaufmann, Tochter des akad. Maler» Isidor Kaufmann, mit Herrn Egon Schlichter statt. Den Trauungsatt vollzog Herr Feldrabbiner Dr. Frankfurter, während Herr Oberkantor Jakob B a u e r, der Onkel der Braut, in seiner bewährten Meisterschaft in Begleitung des Männerquartetts de» türk. Tempel» (am Harmonium Kantor I. Löwit) die kantorale Funktton durchführte. Wie». Die ordentliche Generalversammlung für das 51. Bereinsjahr de» israel. BethauSvereines „Chewra Beth-Hatfilah" im IX. Bezirke findet den 11. Februar 1919, abend» 7 Uhr, im Zeremoniensaale de» Tempels, IX., Müllnergasse 21, statt. Wie«. An den Vorstand des österr.-ungar. Kantoren-BereineS ist zu Händen de» Präsidenten Oberkantor I. Bauer eine Zuschrift deS Bürgermeister» Dr. Weisttrchner eingelangt, in welch« der Statthalter von Niederösterreich im Allerhöchsten Aufträge für die seinerzeit anläßlich der glücklichen Errettung Sr. Masestät de» Kaisers an die Kabinettskanzlei gerichtete Huldigungsdepesche den Allerhöchsten Dank ausspricht. Wie«. Au» Anlaß der glücklichen Errettung Sr. Majestät de» Kaiser» hat der Vorstand de» Synagogenvereins „Beth Israel" in Wien seinerzeit einen festlichen Dankgottesdienst veranstaltet und an die Kabinetts-Kanzlei ein Huldigungstelegramm abgesandt. Hierauf langte in den letzten Tagen eine vom Bürgermeister der Stadt Wien an den Vorstand zu Händen seines Obmann» Hr. Alex. Landa» gerichtete Zuschrift ein, in welcher „Se. Exzellenz der Herr k. k. Statthalter für Oesterreich unter der Enns im Allerhöchsten Aufträge für die zum Ausdrucke gebrachte alleruntertänigste LoyalitätSkundgebung den Allerhöchsten Dank bekanntgibt." Wie». Die Generalversammlung deS Vereine» für Krankenpflege der Unterstützung Handelsangehöriger Israeliten findet Dienstag den 19. Februar 7 Uhr abend» im Sitzungssaals der KultuSgemeinde I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock, statt. Bor der Generalversammlung, um halb 7 Uhr abend», wird im Tempel in der Seitenstettengasse da» statutengemäße Requien für die verstorbenen Bereinsmitglieder abgehalten. Wie». Die „Hatechijah" und der „Verein für hebr. Sprache und Kultur" veranstalten gemeinsam eine große hebräische Mattnee, die Sonntag vormittag am 17. Februar in der „Neuen Wien« Bühne" stattfinden wird. Da» Programm: 1. Chor, Dirigent Fr. Dr. Glanz — Sohar. 2. Die Festrede: H. Dr. O. Thon. 3. Chor. 4. Aufführung de» hebr. Schauspiel»: „Hachaschmonaim haktanim" von K. L. Silmann. Der Reinerttag ist für die Gründung einer neuen hebr. Zeitschrift bestimmt. Karten-Berkauf: Buchhandlung R. Löwit, I. Rotenturmstraße 22, I. Schlesinger, I. Seitenstättengasse 5, Zionistische» Zentralbüro II. Zirkusgasse 33 und Cafe Marienbrücke (Samstag von halb neun bis elf Uhr abend». Wie». (Wohltätigkeitskonzert zugunsten heimkehrender Flüchtlinge.) llnt« dem Protektorate d« Fürstin Hanna von und zu Liechtenstein findet am 10. Februar im großen Konzerthaussaale ein besonders interessanter Konzertabend statt. Dem Ehrenpräsidium gehören an: Statthalter Regn« von Bleyleben, Emilie v. Buschmann-Schoeller, Truchseß Fritz Dobner v. Dodenau und Gemahlin, Direktor Dr. Artur Gartenberg, Polizeipräsident Hoftat Gayer, Bergrat Maz Ritter v. Guttmann, Hanst Edle v. Landesberger, Hans Freiherr v. Reitzes, Loui» Frechere v. Rothschild, Kommerzialrat Hugo Schwarz, Gemeinderat Doktor Rudolf Ritter v. Schwarz-Hiller und Sigismund Freiherr von Springer. Mitwirkende des Konzertes: Die Mitglieder unserer Hofbühnen Melitta Heim, Erik Schmedes, Blanka Gloffy und Franz Höbling. Ferner Erich Wolfgang Korngold, Hermann Benke, der jugendliche Violinvirtuose Walter Schneiderhan, Konzertpianistin Anna Aberle und Prof. Ferdinand Fall. Zur Aufführung gelangen außer den Solovorträgen obiger Künstler, die „Kaiserin Zita-Hymne"

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