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Die Wahrheit · 1917-12-28 · Heft 26 (28.12.1917) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 26 (28.12.1917)
Date
1917-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3W 2ß hßWlosen Volke während der lqngkn Gplusperiohe M Meer vyn Tränen, iw dem seine führerlose Barke ziellos durch -me Welt grausamer Wildheit segelte. Wer grüß in seinem Leiden, stolz in sesner Demsittgung, unverzagt in seiner unmenschlichen Entrechtung, konnte der Seele dieses wunderbaren Kolkes seine alte nationale Hoffnung, sein heiliges Vermächtnis nicht entrissen werden, bis ihm ein Theodor Herzl erstand, der dem alten Traume neues Leben einhauchte.; Theodor Herzl's gigantischer Geistesarbeit, seiner schwungvollen Idee wird nun in dem kommenden allweltlichen Friedensverhandlungen der Lorberzweig ergrünen. Gleich aljen kämpfenden Völkern soll nunmehr auch das jüdische Kolk, welches im grausigen Völkermorden mehr blutete als die Kleinstaaten, seinen berechtigten, historischen Ansprüchen, Geltung verschaffen- Wird nunmehr der leidenden Menschheit die erlösende Offenbarung ertönen: „Friede, Friede, Friede!", so wird sich dieser Symphonie, für das aus dem Weltenjammer auftauchende Judentum, der Ruf harmonisch gesellen: „Land, Land, Land!" Die heimatlosen Juden. Nach her endgültigen Vertreibung der Inder: aus ihrem Vaterlande, haben beide, Volk und Land, ihre ursprünglichen Lebensformen fast bis zur Unkenntlichkeit ein« gebüßt. Pas Volk beispiellos dastehender heroischer Heldentaten ist eine auseinanderstiebende, zusammenhanglose, furchtsame, in dumpfer, stumpfer Andacht betende Gemeinschaft geworden. Entwaffnet, ausgerottet, von seiner ehrenden und ernährenden Scholle verjagt, entführt oder selbst rechtzeitig davongerannt, floh dieses Volk, der Herold der Gotteslehre für Menschenrechte nach allen Richtungen, sein heiliges Schrifttum, seinen geistigen Schatz, überallhin mitschleppend. Hys Volk der Helden ist ein Volk des Buches geworden. Dieses heilige Vermächtnis ward bei ihm sein Talisman, sein felsenstarker Hort, der in seinem Träger und Anbeter die nnauslösliche Hoffnung auf endgültige Rückkehr durch Jahrtausende nährte und den vollen Lebensinhalt der schmerzlichen Sehnsucht seiner Seele ausmachte. Das kurze Ausflackern hartnäckiger Abwehr in Babylonien, die großen Heldentaten in Jemen und das glorreiche geistige Aufblühen in Spanien sind nur Blitzstrahlen während der langen, finsteren Gylusepoche. Nach diesen lichtvollen Episoden sehen wir die Juden mit dem Wanderstabe umherirren, um neue Nachtasyle ausfindig zu machen. Wo sie sich niederließen und zu einigem Wohlstände kamen, von dort wurden sie, dieses Erfolges halber, nach vorheriger Ausplünderung fortgejagt. Der Zutritt zu Handwerk und Amt wurde ihnen überall strengstens versagt. Bloß Krämerei und Geldgeschäfte innerhalb der zu ihrem Schutze errichteten Ghetto wurde ihnen tn großherziger Weise gestattet. Vorgefundenen Dokumenten im Archiv des Kölner Doms aus dem achten Jahrhundert entnehmen wir eine Vereinbarung zwischen den lothringischen Inden und dem Bischof von Köln, der ihnen ihre Niederlassung in Köln gewährleistet. Um den christlichen Wucherern, welche über 100 Prozent berechneten, Konkurrenz zu machen, wu,rden die Juden herangezogen und ihnen das Geldgeschäft gesetzlich übertragen, da sie durch ihre sparsame Lebensweise mit 65 Prozent auskommen konnten. So wanderten sie von Land, von Stadt zu Stadt, aus ihrer heiligen Bürde, der göttlichen Thora, Trost und Seelenstärke muttg schöpfend, welche auch von geistvollen Zionssängern wie Jehuda Halevy, Ihn Gabirol, ebenso von hervorragenden Exegeten befruchtend genährt wurden. Was in West- und Mitteleuropa nach dem orkanartig vernichtenden Kreuzzügen, dem kraffesten Zeugniffe christlicher Liebe zurückblieb, flüchtete nach dem Osten Europas, wohin auch die später Vertriebenen aus verschiedenen Gauen Deutschlands hinzukamen. Die verschiedenen Dialekte des jüdischen Jargons haben die Juden aus ihren deutschen Stammkändern mitgenommen, so daß den in Ungarn lebenden Juden das thüringische, den in Galizien das pfälzische, den in Polen das sächsische und den in Litauen Lebenden der nord- Sette &, deutsche Dialekt ans ihrer gruppenweise Flucht bewahrt blieb- Was nicht beizeiten entrann, wurde auf den freien Markten französischer und schweizerischer Städte sowie in Speyer, Worms, Main^ zum Gaudium der Chrrstentumsbekenner als Ketzer verbrannt, wenn sie nicht zur Rettung ihres armseligen Lebens die Taufe Vorlagen. Den Segnungen der Toleranz, welche die Juden schon außerhalb der Ghettos duldeten, folgte im West- und Mitteleuropa die fteiwiüige Assimilatton. der sich dann die kosmopolittsche Utopie gesellte. Dieser Taifun im jüdischen Geistesleben, der es versuchte, unser Volkstum um seine Zukunft zu betrügen, indem er die Gegenwart verfälschte und der sich neue Gebetbücher ohne Zion und Jeruschulajim drucken ließ, zeitigte im Osten einen reichhaltigen Büchermarkt, mehr Religions-SophiM ** als Religions-Philosophie enthaltend. Der entbrannte Religionsstreit, hier heuchleriche Anbiederung an die Kulturvölker, dort starres Verhallen beim altüberlieferten Traditionsleben, trotz bitterer Verfolgung durch Wundermärchen gestärkt, erweiterte noch mehr die Kluft zwischen Oft und West. Die wieder aufgetauchten Ritualmordprozeffe, die Pogrome in Rußland und die Judenverfolgung in Rumänien konnten keine Entspannung zwischen den auseinanderftrebenden Richtungen herbeiführen. Aus ' diesem Dilemma beschämenden Entsagens der Neulinge und starres Festhalten an den heiligen Satzungen, entstand die HaSkala, die Renaissance der hebräischen Sprache mll ihrem Wurzelschößling Zionismus und beglückte das Judentum, um das sich das goldene Band geistiger zmd Micher Gemeinschaft langsam zu schlingen begann, mit d»r nationalen Idee. Diese romantische Geistesrichtung, der Blütentraum des Zionsfrühlings zog die Edelsten und Besten des urallen Kulturvolkes zum harmonisch-seelischen Zusammenwirken heran. Diese Bewegung schuf die jüdische Kolonisattyn und gebar einen Theodor Herzl, dessen schöpferisches Wort aus moderner Vergangenhell die grünende Gegenwart schuf. Welch ein fernes Echo, welch ein seliges Erinnern an die alle Ruhmeszell? An Stelle der Elegie über Trümmer und Ruinen erklangen nach langer, langer Diaspora Lieder, so tief und innig, wie sie kein anderes Erdenvolk sein eigen nennt, welches den allen Glauben, die unverzagte Heimatsehnsucht des ewigen Volkes, mit neuem Hoffen und neuer Zuversicht auftichteten. Der ncllionale Geistessturm, den wir als Lebensatem nicht entbehren können und ohne den wll verkümmern und zugrunde gehen, ließ die neue Geistesrichtung in der teuren Heimatserde verwurzeln und von allen Säften ernähren, welche aus Palästina mit feinen Imponderabilien in so reichem Maße flössen. Und da schleuderte die Hölle die Brandfackel des Weltkrieges mit all seinen Schrecken und Verwüstungen. ... Der neue Gelehentwnrs. betreffend dir Knllirsyemeinderr in Ästerreich nnd der „Kcholinch Iiddnr". Das offene Schreiben des Kollegen Rendi in ver vorletzten Nummer dieses Blattes berührte die wundesten Punkte an dem kranken Körper der Kultusangestellten. Kollege Rendi ist ein Spezialist ersten Ranges in punkto der Diagnose. Er fixiert und beleuchtet alle kranken Stellen mit der Durchdringlichkeit von Röntgenstrahlen, jedoch das Remedium, welches Kollege R. als Universalmittel verordnet, würde meiner bescheidenen Ansicht nach den ganzen Organismus derart schwächen, daß dieser früher oder später dem Siechtum verfallen müßte. Kollege R. meint es gewiß gut, ja sogar zu gut, allein das System, welches er anempfiehll, hieße „das schlechte Kind mit dem Bade zusammen ausgießen" und hätte üble Folgen, nicht so sehr für das Kind, als für die Mutter, die sich des schlechten Kindes entledigen möchte. Derjenige, dessen Augen noch sehen, deffen Ohren hören und deffen Herz noch rein fühll, braucht nur in die Syna- Dje Wahrheit

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