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Die Wahrheit · 1917-12-14 · Heft 25 (14.12.1917) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 25 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 25. Die Entente, mit Ausnahme der gegenwärtigen russischen I Regierung, setzt sich nun dem Friedenswillen des Merbundes gegenüber vor aller Wett ins Unrecht. Die Machthaber Eng-! lands, Frankreichs und Stordamerikas, die immer versicherten, nur gegen die gewaltsamen Uebergriffe der Deutschen und zum Schutze der bedrohten kleinen Nationen in den Krieg gezogen zu sein, gebärden sich nun wütend gegen die russij schen Machthaber, welche keine Lust zeigen, noch ferner für diese selbstlosen Verbündeten Gut und Blut im Kriege einzusetzen. Sie bedauern es beretts lebhaft, daß sie den Sturz des Zarismus in Rußland nicht rechtzeitig verhinderten und faseln noch immer von Zerschmetterung des deutschen Imperialismus und Austeilung Oesterreich-Ungarns und der Türkei. Ihre Volkssteiheit ist ebenso unwahr wie im zarischen Rußlcmd, denn nur das goldene Kalb regiert bei ihnen, wohl in keinem geringeren Grade als anderswo. Sie fürchten die Proletarierregierung Rußlands nun noch mehr als die so verlästerten Vierbundstaaten und führten ihre Einmischungsrrnd Vergewaltigungsversuche in Rußland ebenso kühn und schamlos aus, wie in Griechenland. Doch hier stießen sie auf energischeren Widerstand. Die Veröffentlichung der Geheimverträge wirtt schmerzlich wie Peitschenhiebe. Die Niederringung der widerspensttgen Bolschewik ist mislungen und der gefürchtete Waffensttllstand an der Ostfront ist Tatsache geworden. Schon wächst auch in ihren Reichen die Friedenssehnsucht in erschreckendem Maße und bald werden die Maßregeln gegen dieselbe nur die Bewegung schüren. Die Regierungen Englands, Frankreichs und bald auch Italiens und Nordamerikas wanken und all ihr Zetergeschrei wird bald nutzlos verhallen, wenn die Mittelmächte ihren bekanntgegebenen Kriegszielen tteu bleiben. Komisch wirtt nun die verspätete Kriegserklärung Nordamerikas an Oesterreich-Ungarn, komisch die unlogischen Tiraden des Präsidenten Wilson, die sehr schlecht zu dem Besuche General Johnsons bei „Kamerad Trotzky" und zu dessen Versicherung passen, die Zeit der Proteste und Drohungen gegen die Macht des Rates sei vorbei, falls diese Zeit überhaupt bestanden hat. - Wenn er wirklich erschienen war, um Verbindungen anzuknüpfen, die Lage zu klären und Mißverständnisse aus dem Wege zu schaffen, dann hat ihn Präsident Wilson seither gründlich desavouiert. Es scheint, als habe die Vorsehung nun die schuldigen Regierungsmänner der Entente wie einst den ägyptischen König Pharao mtt Blindheit und Hartnäckigkeit geschlagen, um ihren Untergang desto schrecklicher zu gestatten. Die abschreckenden Beispiele Serbiens, Rumäniens, Montenegros, Italiens und des zarischen Mrßland sind anscheinend noch nicht hinreichend, sie zu warnen und doch drängt die Zeit beängstigend. Will dann Frantteich so lange warten, bis die versprochenen nordamerikanischen Millionenheere eintteffen, dannkann einstweilen auch Paris verloren gehen. Wohl haben auch nicht alle Regierungsmänner im Vierbunde immer ein reines Gewissen besessen und nur einwandsteie diplomattsche Prattiken geübt, doch scheinen sie den Diplomaten der Entente geistig und moralisch überlegen und werden noch tüchttger werden, wenn sie in Zukunft mit den russischen Volksmännern um die Wette alle Geheimnisttämerei z im Völkeroerkehre vermeiden. Mögen die Völker auch in den Staaten der Entente aus ihrem Schlafe erwachen und der Kriegsverlängerung rasch ein Ziel setzen, auf daß das Verbrechen verhindert werde, daß noch unnöttge Blutströme auf den Gefilden Frantteichs und Italiens fließen. Dieser Wettkrieg darf keinem Teilnehmer, auch nicht den kapitalisttschen Westtnächten, Vorteil bringen, sonst ist er eben nicht der letzte gewesen. Nur dann wird und kann sich die schwergeprüft Menschheit trotz seiner allschädigenden Folgen beruhigen, wenn er sich in der Zukunft unmöglich gemacht hat. Dann wird sich auch diplomattsche Gewissenlosigkeit und Heuchelei nicht mehr lohnen. R. L. Merdachtige Schweigsamkeit. Unter diesem Titel verweist das „Ist. Familienblatt" in Hamburg auf zwei Tatsachen, die sicherlich in den weitesten Kreisen mit großem Interesse werden ausgenommen werden. In den anttsemittschen Preßorganen bemerken wir fortgesetzt eine gesteigerte Redseligkeit, sobald es sich etwa um die Verfehlungen eines jüdischen Eierhändlers aus Galizien gegen die Kriegsernährungsverordnungen oder gar um einen wirklichen oder vermeintlichen übergroßen Kriegsgewinn handelt, den irgend ein jüdischer Geschäftsmann gemacht haben soll. In auffälligem Gegensätze hiezu steht die anttsemittsche Schweigsamkeit in anderen Fällen. Wir haben hiebei nicht etwa nur die unendlich viel zahlreicheren und gröberen Verstöße nichtjüdischer Kreise gegen die Kriegsverordnungen im Auge, sondern einige andere Spezialfälle, bei denen wir natürlich nicht das gleiche Interesse des Totschweigens haben. Ein bemerkenswerter Fall antisemitischer Schweigsamkeit betrifft den russischen Volkskommissär für Auswärttges, Trotzttj (Bronstein). Er ist der erste Staatsmann in den uns feindlichen Ländern, der ernstlich und energisch den Frieden mit den Mittelmächten anbahnt. Er ist ein Jude. Davon schweigen aber unsere anttsemittschen Rasseschnüffler, welche sonst die Juden der feindlichen Staaten, und wen sie sonst für einen solchen ausgeben, als Kriegshetzer zu denunzieren pflegen. Ein Jude als Vorkämpfer des Weltfriedens — das paßt ihnen nicht in den Kram. Ueber diesen Führer der russischen Maximalisten schreibt uns eine jüdische Oberschwester: „T. ist aus Odessa gebürtig. Sein Vater ist Mühlenbesitzer. Im Jahre 1910 pflegte ich die Mutter Trotzkys, welche sich im Berliner jüdischen Krankenhause von Professor Israel operieren ließ. Damals lebte Trotzky in Wien als Schriftsteller, weil er aus Rußland ausgewiesen war. Wiederholt besuchte Trotzky damals seine Mutter im Krankenhause und ich hatte Gelegenheit, ihn kennen zu lernen. Er war damals ein glühender Zionist. Er hat ein ganz einfaches Mädchen geheiratet." Da ist sodann ein geheimer Schnorrbrief des anttsemittschen Generalsettetärs Hennigsen, welcher jetzt bekannt wird und den der Briefschreiber selbst als „streng vertraulich" bezeichnet. In demselben wird auf eine Besprechung Bezug genommen, welche Herr Hennigsen und andere mit den Herren Grafen Reventlow, Professor Bartels, Theodor Fritsch und einem „General" und einem „Regierungsrat", welche nicht genannt sein wollen, Ende 1915 in Berlin gehabt haben und in welcher beraten wurde „über die schnellste Verwendung des umfangreichen belastenden Materials, das der Weltkrieg gegen das Judentum ergeben hat". Es heißt dann in dem Hennigsenschen Briefe weiter wörtlich: „Verschiedene Veröffentlichungen sind sofort nach Beendigung des Krieges vorgesehen." Unter anderem wurde mir die Herausgabe einer Schrift über die „Juden im Weltttieg" übertragen, natürlich unter Heranziehung geeigneter Mitarbeiter. Mit der Sichtung des umfangreichen Stoffes bin ich seit einem Jahre beschäfttgt, so weit meine sonstigen Arbeiten das zulassen. Eine vorläufige Inhaltsangabe füge ich bei (Anlage 1). Die Herausgabe der ersten Auflage soll auch für das Judentum eine Ueberraschung bedeuten.' Sie wird deshalb gleich nach Beendigung des Krieges nicht im Buchhandel erscheinen, sondern der Versand einer möglichst hohen Auflage soll an zahlreiche Offiziere, Offiziersheime, Fabriks- und Gutsbesitzer, Kaufleute, Rechtsanwälte, Aerzte, Studenten usw. kostenstei erfolgen. Das setzt die vorherige Aufbringung der nicht unbeträchtlichen Herstellungs- und Versandkosten voraus, denn wir dürfen nicht mit Schulden abschneiden. Eine öffentliche Sammlung-soll wegen der Geheimhaltung des Planes nicht durchgeführt werden . . . Hieran schließt sich die Beittagsschnorrerei bei den Adressaten. Nun, die Juden werden seinerzeit, falls das Hennigsensche Buch erscheint, mit mehr als genügendem Gegenmaterial aufwarten.

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