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Die Wahrheit · 1917-12-14 · Heft 25 (14.12.1917) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 25 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I ftebqttiou niib Administration: I Wen, II., Nvvaragasse 27 i relephon: »«daNion Automat 42.88V. Ndministratlon Aut. 47.854; K. L -Serr. Postfparkassa« | «chrck.Ko»to Nr. 100.918. j Inserate: | Die viermal gespaltene 2 lstouparrille-Zrile 25 Heller. govueuientS« und Jnsertiouitrüge find in Wien zahlbar " und klagbar. abr ysit ngige Zuschrift für Erscheint jed/n Kreit Uotlo: „D»v Siege* Gottes ist Wahrheit!“ Bezug-prei»: Wauziithrig.L 15.— HalWhri».K 7.B0C Für KiiltuSbeaiute: «anzjiihrig.K 10 — — Für Ais-luud: «anzt<thrig.S Mark 6 Andel »der i» Fr««. Ke. 25. Wien. 14. Dezember 1917. Inhalt: Schlechtes Gewissen und Heuchelei. — Verdächtige Schweigsamkeit. — 2wpell an die jüdischen Kultusgemeinden. — Sch'liach Zibbur oder Kantor. — Jacob Bachmann. — Ern Bänkelsänger. — Verschiedene Nachrichten. Schlechte» Gewissen «nd Heuchelei. Ter Vierbund steht im Begriffe, mit denr großen Rußland und mit Rumänien Frieden zu schließen. Schon herrscht Waffenruhe auf der ungeheuer langen Front vom Rigaischen Meerbusen bis zum Schwarzen Meere, und auch in Asien soll dort, wo die Türkei mit Rußland im Knmpfe steht, > Waffenstillstand eintreten. Nachdem alle offiziellen Aeußerun-! gen in den Vierbundstaäten auf das russische Friedensangebot des Volkskommissars für auswärtige Angelegenheiten Trotzky immer im gleichen Geiste und Einverständnisse erfolgen, genügt es wohl, die maßgebenden österreichisch-ungarischen Erklärungen darauf anzuführen. Sofort nach der Eröffnung des österreichischen Llbgeordnetenhauses am 30. November l. I. erklärte Ministerpräsident Dr. v. Seidler: „Die k. und k. Regierung hat die Einladung der russischen Regierung zu sofortigen Verhandlungen über einen Waffenstillstand und einen allgemeinen Frieden bereits angenommen. Im Sinne chres wiederholt bekanntgegebenen Standpunktes ist die k. und k. Regierung entschlossen, die einzuleitenden Verhandlungen im Geiste der Versöhnlichkeit zu' führen, da ihre Absicht darauf gerichtet ist, baldigst einen Frieden zu erreichen, der das vertrauensvolle Zusammenarbeiten der Völker in Hinkunft ermöglicht. Die Regierung Oesterreich-Ungarns hat sich bereit erklärt, in Verhandlungen über einen allgemeinen Frieden einzutreten. Die Regierung Oesterreich-Ungarns wird mit jenen Staaten, die jetzt bereit sind, einen Frieden zu schließen, einen solchen Frieden anstreben, der für die vertragschließenden Gruppen gleich ehrenvoll ist und der von dem Grundkatze geleitet sein wird: Ohne territoriale und wirtschaftliche Vergewaltigungen. Hiebei rvird die österreichisch-ungarische Regierung das Recht der friedenschließenden Staaten anerkennen, den zu ihnen gehörigen Völkern volle Freiheit der Entschließung über ihre staatliche Zukunft zu gewähren und wird sich jeder Einmischung in die innerstaatlichen Verhältnisse ihrer Kompaziszenten enthalten, wird aber ihrerseits verlangen, daß jede Mnmengung in unsere eigene staatliche Organisation unterbleibe." Am Schluffe wies der Ministerpräsident darauf hin, daß Oesterreich eine demokratische Volksvertretung besitze, die Fähig sei, das politische Schicksal der Völker des Staates selbst zu bestimmen. Am 4. Dezember l. I. erklärte Se. Majestät der Kaiser in seiner Thronrede an die Delegationen unter anderem: „Wie rvir in schweren Zeiten das Zagen nicht gekannt haben, so dürfen wir jetzt, da sich der Ausblick in die Zukunft aufzuhellen scheint, in besonnener Selbstbeschränkung das Maß des Erreichbaren und dessen, was uns ftommt, nicht überspannen. Nach ruhmvoller Verteidigung unserer Machtstellung sind rvir nach roie vor jederzeit bereit, einen ehrenvollen, die i Existenzbedingungen der Monarchie gewährleistenden Frieden! zu schließen." Der Kaiser wies daraus hin, daß er auch die ' Friedensbemühungen des Papstes mit freudiger Genugtuung begrüße und versicherte, er rverde auch in Zukunft keine Gelegenheit versäumen, um dem opfervollen Ringen, dem vielfachen Elend, das dieser Krieg heraufbeschworen hat, je eher ein Ende zu bereiten. Weiter sagte der Kaiser: „Möge der Segen des Allmächtigen auf diesem Friedenswerke ruhen und den Völkern Europas Versöhnung und gegenseitiges Vertrauen wiederdringen." Nach der Versicherung des Kaisers, daß er aufrichtig wünsche, mit dem schwergeprüften russischen Volke freundnachbarliche Beziehungen wieder herzustellen, erklärte er schließlich, das Schwert, das uns die Raubgier beutelustiger Nachbarn in die Hand drückte, nicht ftüher niederlegen zu können, bis dieselben ihren wahnrvitzigen Aufteilungs- und Vergewaltigungsplänen unzweideutig entsagt haben werden. „Wir wollen Herren bleiben im eigenen Hause." Das Expos« des Ministers des Aeußern Grafen Czernin in der ungarischen Delegation weist unter anderem auch auf die Tatsache hin, daß Oesterreich-Ungarn und seine Verbündeten ini Gegensätze zu den Ententeregierungen niemals versucht haben, auf die Gestaltung der inneren Verhältniffe Rußlands Einfluß zu üben. Graf Czernin meinte: „Die Annahme ist berechtigt, daß das Schwerste hinter uns liegt. 'So können wir, die wir mit dem ruhigen Genüssen und dem stärkenden Bewußtsein in den Krieg eingetreten sind, einen reinen Verteidigungskampf, einen Kampf um unsere Existenz zu führen, auch erhobenen Hauptes und in zuversichtlicher Stimmung die aufdämmernde Morgenröte des Friedens erwarten." Wir wollen einen Frieden schließen, sagte ferner Graf Czernin, der uns die Frecheit, Selbständigkeit und den territorialen Besitzstand unversehrt erhält. Wir erstreben keine erzwungenen Gebietserwerbungen und keine wirtschaftlichen Vergewaltigungen, aber wir verlangen wirksame Sicherheiten für unsere fteie und ungehinderte Entwicklung in der Zukunft. Graf Czernin erklärte diese Sicherheiten dahin näher, daß er sukzessive, gleichzeitige und wechselseitige Herabsetzung der Rüstungen, die Freiheit der hohen See und Einführung obligatorischer Schiedsgerichtsbarkeit anstrebe.

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