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Die Wahrheit · 1917-11-16 · Heft 23 (16.11.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 23 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite & schon vott meiner Jugend ob ihre innere Einrichtung, mehr vd« Weniger bekitzmt war. M spreche daher, aus eigener persäMcher Wtchrnchmung mb Erfahrung. Was - war die GemkiMe vor. 45 Jahren? Schon der Begriff der Gemeinde war ei« eingeschränkter, statutenmässtg gehörten ihr nur die Steuerzahler an, deren Steuerleistung mit dem Minimum von. zeh« Mlden, mit dem Mdximum . von. fünfhundert Guüren Wert war. Die Gesamtsumme der Steuerleistung HMug Hiüa K 180.000-—, die Gesamtsumme, der Einnahmen zirka L 350.000 heute ist Leides nahezu auf das Zehnfache gestiegen. Die Zentralverwaltung, so ziemlich mit Ausschluß der auf religiösem und rituellen Gebiete gehörigen Belange, lag dem Sekretariate, richtiger gesagt, dem Sekretär, ob, der auch die Matrikel zu führen hatte. Dr. Lieben trat im Jahre 1873 mit dem Titel eines Adjunkten des Sekretariates in den Dienst der Gemeinde. Sekretär war Dr. Ludwig August Frankl, ein hervorragender Mann, Schriftsteller, Dichter, seinerzeit Herausgeber des angesehensten literarischen Wochenblattes, Politiker. Dr. Frankl war der Initiator der Lämelschule in Jerusalem, welcher, tu parentesi bemerkt, der Kultusvorstand höhere Aufmerksamkeit als bisher zuwenden sollte. Er war Initiator des Blindemnstitutes auf der Hohen Warte, ein ausgezeichneter, hervorragender Mann, über welchen die Zeitgeschichte und die Literaturgeschichte nicht mit Stillschweigen hmweggehen. Nur eine Eignung muß ich ihm absprechen, die Qualifikation als Sekretär, einer Kultusgemeinde. Und so behaupte ich und wäre auch wohl in der Lage, manche Einzelheit anzufiihren, daß unser Dr. Lieben mit dem Tage seines Eintrittes in den Dienst der Gemeinde, in Wirklichkeit ihr Sekretär wa r. .Mögen nun auch in der früheren Zeit die Geschäfte des Sekretariates von geringem Umfange gewesen sein, sie wuchsen mit dem rapiden Anwachsen der Gemeinde und da fanden allmählich immer mehr und schließlich alle Agenden der Gemeinde, etwa mit teilweiser Ausnahme der dem Rabbinate obliegenden, ihre administrative Konzentrierung im Sekretariate. Wie Dr. Lieben bei diesen fortwährend steigenden Aufgaben seines Amtes waltete, dafür spricht schon ein äußerliches Moment: nicht weniger als 12 offizielle Anerkennungen finden sich als Plenarbeschlüsse des Vorstandes in seiner Qualifikationstabelle. Seine unermüdliche Tätigkeitim Amte und außer demselben im Dienste der Gemeinde, sein unermüdliches Bestreben, ihr zu dienen, seine Gewissenhaftigkeit, sein vornehmes Auftreten auch nach Außen hin, seine unbegrenzte Vertrauenswürdigkeit, seine stets bewährte Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft, sein konziliantes Wesen, all dies gewann ihm die Zuneigung, die Achtung, das Vertrauen in und außerhalb der Gemeinde und auch bei den Behörden. — Mir ist in Erinnerung, wie er. so manche Schwierigkeiten, die sich ergaben, mit feinem Takte zu beheben, manche nicht leicht zu erfüllende Mission zu erfüllen vermochte. — Um nicht zu ermüden, will ich nur ein Beispiel aus den letzten Jahren erwähnen. Ein reicher Mann hatte, da er sein Lebensende vor sich sah, der Gemeinde eine große Wohltätigkeitsftiftung, Millionen, zugedacht, er hatte nur dies mündlich zugesagt und auch über meine Aufforderung in einem an mich gerichteten Schreiben bestätigt. Was ist aber ein, wenn auch schriftliches, formloses Schenkungsversprechen? Wäre nicht immerhin die Möglichkeit gegeben, daß, wie wir dies so häufig erleben, späterhin eine Anfechtung seitens eines der Erben erfolge, zumal eines Minderjährigen? Ich betraute mehrere Persönlichkeiten, auch Dr. Lieben, mit der Mission zu intervenieren und seiner taktvollen Mitwirkung ist es gelungen, die symbolische Uebergabe der geschenkten Summe zu erlangen,, wodurch die Gemeinde Heute in der Lage ist, eines der größten segenbringenden Wohltätigkeits- Jrsstitute zu errichten. Er lebte in und mit der Gemeinde, all sei» Sinnen und Trachten war darauf gerichtet, ihr Ansehen zu wahren und zu festigen, ihre Institutionen zu fördern, ewed nemon, ein treuer, gewissenhafter Diener derselben. In vollem Sinne mag man auf ihn das, wenn auch Ntz m durch häufige.Zitierung - beinahe .HWtKlIHewardens-.Dichter? wyrt anwenden-nrtAi .. ';n2:j/: / ' „Er .Meinte seiner PfliMzu fehlen^ - /- yri . :Tät' er sich'nicht im>Dienste qpälem"^; Sein Andenken wird; «ti& - 'Dem:' H^rstand,h M«». die ihm näher träte«, ein unvergeßliches^wirb -in her Gelpeinde ein gesegnetes bleibendes ffei« ■-■A v«:oi ■; > Loollsr zadik liwrQölioU! =1 ■. ” y " y‘ Der TtauerkundgebüNg wohnte ' die Familie des VedblicheNen und die gesammte ' Veamtettschaft bei: Als de^ Präsident seinen Vachruf beendet Hütte, verlas Sektetäv Dr. Emil Adler die eiNgelangten CottdöleNzen'und theilte weiters Mit, daß. die Beamtenschaft der Kuttuögerneinde zur dauernden Erinnerung Nn ihre« allverehrten, verewigten Ehef eine Dr. Theodor-Lieben-WidmNng gestiftet hat: Zu dieser Widmung sind bisher von Personen außerhalb deil Beamtenschaft folgende Beiträge emßelättgt: Vize Präsident Dr. Leopold KohN K.206. Vertreter Edüärd Schibarz K 300. Vorsteher Jakob Gärtner K 2Ö0. Dr. Güstttö Loipen K 100. Dr. Richard Leipen K 100. I«m Kapitel der jüdischen Ualksfchttie«. „Sollen sich jüdische Staatsbürger aus den öffentlichen Volksschulen ausdrängen lassen? Diese Frage wurde in Nr. 22 dieses Blattes in einem Artikel gestellt, der mir zu folgenden Bemerkungen Anlaß gibt : Die Errichtung jüdischer Volksschulen bezweckt neben einem gründlichen Unterrichte in den. profanen Lehrgegenständen auch eine religiöse Erziehung im jüdischen Geiste der ihnen anvertrauten Jugend.' Daß die jüdische Schule bei ihrem Erzrehungswerke auf die Unterstützung des Elternhauses angewiesen ist, ist selbstverständlich. Schule und Haus müssen : Hand in . Hand gehen, einander unterstützen. Sicher, ist, daß. viele Israeliten ihre Kinder von der jüdischen Schule fernhalten werden; das kann aber kein Argument gegen die Errichtung jüdischer Anstalten sein. Im Altertums opferte man dem Götzen Moloch; in der Neuzeit opfern viele unserer Glaubensgenossen ihre Kinder der Göttin Assimilation. Einen Zwang zur Beschickung jüdischer Anstalten kann es nicht geben; nur der freie Wille der Eltern wird den erwähnten Schulen Zöglinge zuführen. Von einem „Ausdrängen jüdischer Kinder aus der allgemeinen Volksschule" kann daher keine Rede sein. Daß durch die jüdische Schule die israelitischen Kinder vom Zusammenleben mit nichtjüdischen Schülern hermetisch abgeschlossen werden, ist ein Märchen und mit Märchen sollte man Erwachsene verschonen. — Der Autor des oben erwähnten Artikels fragt: „Sollen die Juden zü den öffentlichen S chule« weiterzahlen und sie freiwillig nicht benützen?" Auch unsere evangalischen Mitbürger^haben die gesetzlichen Schullasten zu tragen; trotzdem erhalten sie in ihrem Glaubenseifer unter großen Opfern ihre eigenen evangelischen Schulen. Und wir Juden sollen den Evangelischen noch länger nachstehen? Die Frage, wer die jüdischen Volksschulen errichten sol^ ist bereits durch das Gesetz vom 21. März 1890 beantwortet: Nach § 1, Absatz 2 ist es Ausgabe der Kultusgemeinde für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen und die durch diesen Zweck gebotenen Anstalten zu erhalten und zu fördern. Ungarn verfügt zum Heileseiner jüdischen Jugend in Stadt und Land, über jüdische Anstalten.; in unserer Reichshälfte werden — bei gutem Willen — selbst in den kleinsten Kultusgemeindeu etwaige pekuniäre Schwierigkeiten in sehr vielen Fällen nicht unüberwindlich sein. -7- - Die Errichtung . .jüdischer Volksschulen «st eine un erläßliche Bedingung für den Fortbestand des Judentums. Dieser Wahrheit wird sich nur derjenige vepschließeu> der prinzipiell nicht sehen will. — / . Die WGchA

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