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Die Wahrheit · 1917-11-02 · Heft 22 (2.11.1917) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 22 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite st. Die Wahrheit Nr. 22. Notlage des Standes, der der Träger ihres Kultus ist, mit .verschränkten Annen und einer gewissen Teilnahmslosigkeit zusehen? Erwächst ihr nicht die Wicht und die gebieterische NotweMgkeit, hier im weitesten Maße helfend einzugreifen? Ladet sie nicht die schwerste Verantwortung auf sich, wenn hier über ku^ oder lang tatsächlich eine Katastrophe eintritt? Die im Lehrerverbande geeinte Lehrerschaft hat in Gemeinschaft mit dem Allgemeinen deutschen Kantorenverbande aus eigenen Mitteln zu Helsen gesucht; sie mußte aber bald einschttl, daß ihre schwachen Kräfte nicht ausreichen, der allgemeinen Not wirksam zu steuern. Da erschien in dieser Zeitung mit Genehmigung der zuständigen Behörde ein Aufruf an unsere Glaubensgenossen, der auch sonst in Tausenden von Exemplaren verbreitet worden ist. Das Resultat war der Eingang von etwa 40.000 Mark — ein Tropfen auf einen heißen Stein. Hunderttausende wären erforderlich gewesen, um nachdrücklich helfen zu können; nur ein kleiner Bruchteil davon ist eingegangen. Dank, tausendfachen Dank all denen, die unseren Auftuf sich zu Herzen genommen. Das Häuflein derer, die in der Stunde der Not nicht versagt haben, war aber leider ein gar kleines. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der deutschen Judenheit sind gottlob derartige, daß eine solche Notlage in ihrer Mitte nicht vorzukommen brauchte und nicht Vorkommen dürste. Ich hege darum das Vertrauen, daß ein nochmaliger Appell, nicht wirkungslos verhallen wird. Aber es genügt nicht, daß der eine oder andere aus anzuerkennendem warmfühlenden Herzen nun schnell sein Scherflein, zur Linderung der Not beizutragen sich bemüht; ein großzügiges Hilfswerk muß vielmehr in die Wege geleitet werden. Die Not ist groß; Notschreie kommen aus allen Teilen des Reiches an die Adressen der Führer der Lehrerschaft. Die deutsche . Judenheit darf nicht länger mit verschränkten Armen der drückenden Notlage ihrer Kultusbeamten zuschauen, sie darf deren Familien nicht weiter dem bittersten Mangel auSsetzen. Uerschirderie Nachrichten.. Wie«. Herrn Theodor Bauer, Chef der Firma SchuhwarenhauS H. Bauer, k. k. Hoflieferant. Wien, I., Fleischmarkt 10, wurde der Titel eines Kammer-Lieferanten des durchlauchtigsten Hertn Erzherzog Leopold Salvator und der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Blanka verliehen. Wie«. (Auszeichnung.) Dem OberleuMant i. d. Res., Guido Fuchsgelb, Sekretär-Stellvertreter der israel. Kultusgemeinde Wien, der seit Kriegsbeginn eingerückt und schon mehrfach ausgezeichnet ist, wurde in Anerkennung tapferen Verhaltens und vorzüglicher Dienstleistung vor dem Feinde das Müitärverdiensttreuz 3. Klaffe mit der Knegsdekoration und den Schwertern verliehen. Wie«. Nach längerem Leiden ist Sonntag den 28. Oktober, der bekannte Industrielle, Herr Philipp Kohn, Chef der gleichnamigen Uhrenfirma am Wiener Platze, gestorben. Der Verblichene war ein edler Mensch von seltener Güte und Hochherzigkeit, deffen freigebige Hand viel Gutes und Gemeinnütziges gefördert hat. Sei» Andenken wird in den weitesten Kreisen ein unvergeßliches bleiben. Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 2. November, «Mer überaus reger Teilnahme am Zentralftiedhofe statt. Wie«. Infolge eines Versehens des Setzers wurde bei Wiedergabe des in voriger Nummer unseres Blattes veröffentlichten Artckels „Die Juden in der Bukowina" von Dr. B. Münz die Angabe der Quelle unterlaßen und sei hiemit nachgetragen, daß der Artikel dem „Hamb. Israel. Familienblatt" entnommen war. Wie». Beim Festgottesdienste im Kultustempel Währing, anläßlich des Amtsjubilämns des Rabbiners Dr. D. Feuchtwang, trug erster Kantor Serebnik einen von ihm verfaßten „Mr- Schüberach" äußerst wirkungsvoll vor. Wie«. Bei der Leichenfeier des verstorbenen Kultus- Vorstehers Em. Hoffman» versah die kantorale Funktion erster Kantor L. Serebnik. Bade». Samstag, den 20. Oktober, feierte Herr Anton Schneider, Mitglied des Badener Kultusvorstandes seinen 70. Geburtstag in geistiger und jugendlicher Frische. Dieser Tag war eigentlich ein Festtag der Badener Kultusgemeinde und d«en wohltätigen Beremen. War doch derJubilar der Gründer der Chewra Kadischa (1873), der Gründer der Badener Kultusgemeinde, im Vereine mit Herrn Jakob Löb Pollak (1876) und endlich der 'Gründer, im Vereine mit Herrn Moritz Leitner des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsveines (1889). — Am Geburtstage wurde Herr Schneider im Tempel feierlichst zur Thora gerufen mit einem usuellen Mischeberach und von allen anwesenden Gemeindemitgliedern mit Ovationen geehrt. Am Nachmittag erschien in der Wohnung des Jubilars der Vorstand der Badener Kultusgemeinde und unten Führung des Präsidenten Herrn Moritz Leitner und Se. Ehwürden des Herrn Oberrabbiner Wilhelm Reich, der Vorstand der Chewra Kadischa, der Vorstand des Frauen-Wohltätigkeitsvereines usw. Nach einleitenden Begrüßungsworten seitens des Präsidenten, hielt Herr Oberrabbiner Reich an den Jubilar eine geistvolle Ansprache, in der er die segensreiche Tätigkeit desselben gedachte, ihn als Gründer der Gemeinde und der Wohltätigkeitsvereine feierte und seine hervorragenden Charaktereigenschaften besonders hervorhob. Der Redner pries die Bescheidenheit, die Gerechtigkeitsliebe und das allgemein bekannte echt jüdische Herz und deffen Mildtätigkeit. Besonders segensreich wirkt an Seite des Jubilars seine Gattin, die in Herzensgüte mit ihrem Gatten wetteifert. Der Jubilar war über die mannigfachen Ehrenbezeugungen fteudigst gerührt und dankte allen erschienenen Deputationen und versprach nach wie vor seine Kraft der Gemeinde und den Wohltätigkeits-Institutionen zu widmen. S. A. Ujhely. Am Erew Jom Kippur fand das Leichenbegängnis des seit 32 Jahren in hiesiger Gemeinde im Amte gestandenen, sehr beliebten Oberkantors Eisig Eibuschütz unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Verblichene war vordem in Preßburg und Debreczin und war als Chasen eine Kapazität. Die hiesige Gemeinde verlor einen frommen, tüchtigen und pflichtreuen Funktionär. Linz. Der für den 14. Oktober angesagte Vortrag „Das Selbstbestimmungsrecht der Völker und der Zionismus" konnte von Herrn Dr. Elias Tisch wegen einer dienstlichen Verhinderung, nicht gehalten werden; an deffen Stelle übernahm Herr Erich Weiß aus Wien die schwierige Aufgabe, die er in überraschender Weise glücklich löste. Ausgehend von dem Bölkerringen, das wir gegenwärtig erleben, schilderte er die Rechte der Massen und er unterzog besonders das Selbstbestimmungsrecht der Völker einer enauen Untersuchung. Anknüpfend hieran besprach er die Beziehungen es Zionismus zum Selbstbestimmungsrecht der Völker, nachdem er eine kurze Schilderung der Entwicklung der jüdischen Bewegung gegeben hatte. Das zahlreich anwesende Auditorium nahm seine ungemein feffelndeu Ausführungen, die -von großem Wissen und glühender Begeisterung Zeugnis gaben, dankbar auf. Anfens! Der Verein „Krankenbesuch" (Bikur Chaulim) hat mit Beginn der Feiertage seine Tätigkeit erneuert: arme, jüdische, verlassene Patienten in den Wiener Spitälern zu besuchen, ihnen Trost und Hilfe angedeihen zu lassen. Leider gibt es noch immer nicht genügend edle Frauen und Mädchen, die sich dieser wunderschönen Aufgabe widmen wollten und es kostet doch verhältnismäßig so wenig Zeit und Mühe, da 2 bis 3 Stunden wöchentlich genügen, um, eine gewisse Anzahl von Patienten zu besuchen, sie mit Erfrischungen und, mit Zuspruch zu erfreuen. Der Krankenbesuch (BLur Chaulim) ist eine echt altjüdische Sitte und wurde jederzeit als große Mizweh angesehen! In den traurigen Tagen, in denen wir jetzt leben, hat er sich so außerordentlich nützlich erwiesen, daß er sich in allen Kreisen, bis in die höchsten Aristokratien eingebürgert hat; weiß man doch, wie glücklich die armen Soldaten sind, mit einer liebevollen Handreichung, mit einem fteundlichen Gruß! Ebenso ergeht es unseren armen, jüdischen, verlassenen Pattenten: sie warten ungeduldig auf den Augenblick, indem die Glaubensgenossin an ihr Bett tritt, finden Trost und große Erleichterung in einer liebevollen Aussprache. Sie wissen, daß sie sich nicht vergeblich an den Verein Bikur Chaulim gewendet haben, die Vereinsdame tut ihr möglichstes ihren Wünschen gerecht zu werden. ,, Jüdische Mädchen und Frauen kommt zu uns, bietet eure Hilfe an, arbeitet mit an dem Werke echtjüdischem Wohltuns! Telephonische oder schriftliche Anmeldungen erbeten: Wien, I., Seitenstettengasse 2. Telephon 42.326 und Stelle VIII von 5483. Für das Präsidium des Vereins Krankenbesuch (Bikur Chaulim). Sofie Waltuch, II. Vizepräsidenttn,- - Lea . Bon di Präsidenttn, Emmy Wechsler, I. Vizepräsidenttn.

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