Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 22 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Die Wahrheit pUlartsterung unserer Bestrebungen. Jüdische oder zionistische Organisationen haben bisher keine Fühlung nüt uns genommen und sind nach^Bern keine Vertreter jüdischer Organisationen geladen. Doch befinden sich Unter den Teilnehmern «ye sihrihe Non Inden, die wegen ihrer bedeutsamen Stellung im öfferÄichen Leben ihrer Länder zttr Mitarbeit von uns heraNgezogen wurden. So besteht trotzdem die Möglichkeit, daß tue jüdische Frage aufs Tapet kommt." Der Interviewer: „Wie verhalten Sie sich zur ziomsti- Aschen Forderung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte ~ der JÄen in Palästina?^ Dr. Dreffelhuys: „Sicherlich liegt auch die Erfüllung dieser Forderung ganz in der Linie unserer Bestrebungen. Für die Duden, die aus wirtschaftlichen oder nationalen Motiven^ nach Palästina gehen wollen, eine Heimstätte in diesem Lande zu schaffen, ist eine Sache, der kein Kulturmensch seine Sympathie versagen kann. Daß die bestehenden rechtlichen Einschränkungen der Juden, das Verbot ihrer Einwanderung und des Bodenerwerbes, aufgehoben werden müssen, fft eine uns selbstverständliche Forderung. Wir verlangen die freie Einwanderung für jedermann in jedes Land. Desgleichen scheint es mir nur billig, daß die Juden in der Freiheit ihrer Entfaltung in ihrem Lande nicht gehemmt sein wollen und dämm für die Selbstoerwaltungsrechte, die sie beanspmchen, intemationale Garantien verlangen. Au» der Wiener Knttusgerrreirrde. Sonntag, den 28. Oktober fand unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes statt. Vor Eingang in die Tagesordnung gab der Vorsitzende der Freude über die heräichen Siege unserer Armee an der italienischen Front Ausdruck und die Versammlung stimmte mit einem begeisterten dreimaligen Hoch auf den allerhöchsten Heerführer dieser patriotischen Kundgebung zu. Weiters gedachte der Vorsitzende des bevorstehenden 100. Geburtstages des großen Geschichtsschreibers Dr. Grätz und würdigte die hohe Bedeutung und das fundamentale Werk des großen Mannes. Sekretär Emil Engel referierte über den vom Vertreterkollegntm gestellten Antrag, bei der ttiederösterreichischen Stalchalterei um eine Aenderüng der Statuten, betreffend Erhöhung der Maximalsätze für Taxen und Gebühren, eiuzuschreiten. Nach einer kurzen Debatte, in welcher Dr. Heinrich Schreiber bemängelte, daß der Antrag ohne nähere Begründung vorgelegt und überhaupt die ganze Angelegenheit aus dem Finanzplan herausgehoben werde, wurde nach den gegebenen Aufklärungen des Vorsitzenden und des Referenten der Antrag eMstimmig angenommen. Vertreter Dr. Wilhelm Pappenheim beantragte namens des Vertreterkollegiums, dem Tempelverein im 10. Bezirke als Beitrag zum Ankäufe eines an den Tempel anstoßenden Hauses ein Darlehen von K 25.000.— zu gewähren. Das Darlehen soll als zweiter Satz grundbücherlich eingetragen und Mit'4 Prozent verzinst werden. Das Haus, dessen Ankaufpreis K 144.000.— beträgt, eignet sich ganz besonders zur Ergänzung der Tempellokalitätett sowie zur Unterbringung der Schulräume des jüdischen Schutvereines im 10. Bezirke. Der Antrag wurde nach einigen sachlichen Bemerkungen des Mchitekten Gärtnerder den Kauf als besonders preiswürdig «dföäe, sowie der Herrn S. «Meiner, Vizepräsident Dr. Leopold Kohn und Ingenieur-Stricker angenommen. Im Spendeneittlauf erregte besonders die hochherzige Speiche des Herrn Emil Lederer, der anläßlich der Bestattung seines auf dem Felde der Ehre gefallenen Sohnes den » von K 90.000.— zur Verteilung an 200 arme \ Familien gespendet hat, lebhaftes Interesse. (Die Verteilung dieser Spende fft bereits durchgeführt.) ' Ttzredop Kielte« Mittwoch, den 31. Oktober ähssndö ist der Erste Sekretär der Wiener Kultusgenjeinde, kgiserl Rat Dp. Theodor Lieben, nach kurzer Krankheit im-75. Lebensjahre gestorben und hie Nachricht von seinem Ableben, die uns unmittelbar vyr Fertigstellung des Blattes zuging,) wird in den weitesten Kreisen aufrichtige Anteilnahme erwecken. Am 1, Februar 1873 ist Dr. Theodor Lieben in den Dienst der Gemeinde eingetreten Und mit dem Tage seines, Todes beschloss er eisie mehr als 44 jährige Beamtettlaufbahü^ deren reicher. Inhalt am besten gekennzeichnet wird durch den Hisiweiß auf die gewaltige Entwicklung der Wiener Kultusgemeinde mn den letzten vier Jahrzehnten, an welcher.er, so bescheiden er sich auch gah, in hervorragender Weisemitgewrrst hat. Seine unermüdliche Arbeitskraft, sein ehernes Pstichtbewußtsein, .sein vornehmer, lauterer Charakter, seine unvergleichliche Kunst, in stürmischen Zeiten durch Ileberbrückung schärfer Gegensätze die hochgehenden Wogen zu glätten, sowie seine liebenswürdige Hilfsbereitschaft erwarben ihm hie Ächtung und Anerkennung des Vorstandes, eine. seltene Popularität in der Gemeinde und die Liebe und Verehrungder Beamten, denen er jederzeit ein treuer Freund und Berater war. Hu seiner Bahre trauert mit seiner Famisie die gesamte Gemeinde, die dem Verblichenen ein dauerndes und ehrendes Gedenken bewahren wird. Her Wiederaufbau de» Keopoldstädter Tempel». Am. 27. Oktober, um 6' Uhr abends, fand im Zeremoniensaale des Leopoldstädter Tempels eine Sitzung.des Gesamtkomitees für den Wiederaufbau des Leöpoldstädter Tempels statt. Die Komiteesitzung war sehr güt besucht UNd nahezu sämtliche Teilnehmer haben zu den verschiedenen Punttett der Tagesordnung gesprochen. Einleitend berichtet . der Vorsitzende Herr Dr. Theodor GutMa u n jr., daß die Herren Louis Freiherr von Rothschild, Philipp Ritter von Gomperz, Max Ritter von Gutmaim und Siegwärt Freihetr von Mayer-Ketschendorf in das Ehrenpräsidium des Komitees bereitwilligst eingetreten sind, daß die.eifrige Tätigkeit des Arbeitsausschusses schönen Erfolg gebracht hat und daß die eingegangenen Spendenbeträge bereits den ansehnlichen - Betrag von Kronen 300.000.— überschritten haben. Der Vorsitzende hebt besonders hervor, daß die Aktionin den Kreisen der Industrie mit dem größten Wohlwollen ausgenommen wurde, wofür ja auch die zahlreichen und großen Zeichnungen aus diesen Kreisen sprechen. < . / V Mit aufrichtiger Genugtuung wird, her Hochherzigen Spende des Michel B e n i e s gedacht, der beispielgebend mit einer Zeichnung von Kronen 20:000.—rvorattgegangen ist und sich auch bereit erklärt hat, in; Kreise' seiner Bekannten für unsere heilige Sache einzntretem' Herr Prokurist Georg Adlersteiu, welcher in seiner Vertretung bei der Sitzung erschien, machte dem Vorsitzenden die Mitteilunghaß dje persönlichen Bemühungen des Herrn Benies bereits einen sichtbaren Erfolg gezeigt habem ' indem Herr Baron Gustav Springer dem Wiederaufbau des Tempels eine munifizente Spende von Kronen 3O.00O.—.widmete. Der Vorsitzende spricht unterjlebhaftestem' Befalle der' Anwesenden Herrn Äemes sowie Herrn Baron Gustav Springer den Wärmsten Und innigsten Dank des 1 Komitees -aus. Der Bärsitzende macht aüch Mitteilung,: ,däß sich im Kreise vieler hNmättitsirer Vereint eine Sammeläktiöu bildet. Häs' Kgmitie ist jedoch der Ansicht, daß Utes die ' Höhe d§r SächMüttg nachteilig veeintrachügen konnte. Man WchHD äri dem butterigen Modus festzuhalten, wonäch bie begüterten Mitglieder