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Die Wahrheit · 1917-11-02 · Heft 22 (2.11.1917) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 22 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 22.]Die Wahrheit_Seite 5. g. ^Kas^würde ^dk^-Mrophet Jeschaja verkündet haben, Menn ^er Zeuge ünstres weltgeschichtlichen Kataklismus gewesen wäre? Diese Frage scheint dem, Verfasser bei der Miederschrift' seines Merkchens vorgeschwebt zu hüben. Der HerfMex^Mr das ^klaMKe HebrMA, meisterhaftehrhmMt, DttzDM''^''ü'MMM'''Mks^UodMm'w1ffen'schastlichen Ausdruckes zu bedienen — als ein Messter deS „Einfühlens" in Sprache Und Gedankengang des Propheten. Zn einer Ürrzen Vorrede, die wie ein Appell an die jüdischen Krieger klingt, erzählt der Verfasser, daß seine Motive patriotische und jüdische seien. Eine Zeit der Wiedergeburt sei für alle Völker Europas, wie^auch für das Judentum angebrochen, es sei nur an den jüdischen Kriegern ihr en Heldenmut, gleich den Ahnen, zu entfalten. Gleichsam in markanten Kincmatogrammen werden uns die aktiven Kri egshelden der Bibel und die passiven jüdischen Helden des Mittelalters vorgeführt. An der Ha'nd des Talmuds und Maimonides wird gezeigt, daß auch dieser Krieg für uns Juden ein heiliger Krieg sei. Meisterhaft schwingt der Verfasser die Geißel der Satire. Tie vier Großmächte der Entente nennt er pp-ia max nrs-x; so in einer Parallele zwischen dem Krieg der sieben Nationen Palästinas und Rußlands. Von erstern erzählt uns die Bibel, daß sie aus religiösem Phanatismus ihre eigenen Kinder hinopferten. Die Russen aus demselben Grunde — die der Juden. Satirisch ist auch der Vergleich des Krieges Deutschlands und Englands mit dem alten Bruderstreit von Kain und Abel. — Ueber den Altar durste man kein Schwert schwingen. Ten heiligen Tempel dürfte David nicht bauen, weil er blutige Kriege führte. Und nun wollen die Ententemächte einen neuen Tempel und Altar der Kultur errichten, gekittet vom Blute vieler Millionen. — Als Sancherib gegen Israel zog, da verstopfte König Chiskijahu die Quellen des Gischon, damit der Feind Durst leide. Dies zog ihm den Unwillen der Weisen zu. Um wie viel höher steht die Ethik der Weisen über die Albions, das die Aushungerungsblokade veranstaltete. Schwungvoll, einer Trauerrede gleich, klingt des Verfassers Nachruf über Franz Josef I. Er vergleicht ihn dem großen Lehrer Mose, der nur von der Ferne das gelobte Land gesehen, wofür er Jahrzehnte gekämpt und gelitten. Doch starb er ruhig, denn er wußte, daß sein Nachfolger Josua das begonnene Werk vollführen werde. War es nun unserem geliebten seligen Monarchen nicht gegönnt, den ehrenvollen Frieden zu erleben, wofür er kämpfte, so schied er doch ruhig, wissend, daß sein glorreicher Nachfolger gleich Josua seine Völker in das gelobte Land des Friedens bringen werde, — Interessant in diesem Büchlein sind ferner die eingestreuten Interpretationen von Bibel- und Midraschstellen. Das schön ausgestattete Büchlein können wir als Feldgabe für die des Hebräischen kundigen jüdischen Krieger wärmstens empfehlen. Es ist ein Zeugnis echt jüdischer Vaterlandsliebe. Dem Verfasser, der im Privatleben ein angesehener Großkaufmann und Vizepräsident einer großen Kultusgemeinde ist, wollen wir unsere. Anerkennung zollen, daß er seine Musestunden in solch schönem patriotischen Sinne der Förderung der hebräischen Literatur widmet. Eger (Erlau). Dr. Alois Schweiger, Rabbiner. Air Kerner Friedenskonferenz und dir Indensrage. Am 12. November findet in Bern eine Friedenskonferenz statt. Sie wird von der „Zentralen Organisation für einen dauerhaften Frieden" einberufen. Hervorragende Politiker aus allen Ländern, wie der Generalsekretär der interparlamentarischen Union Christian Lange aus Norwegen, dee Leiter der schwedischen Liberalen Baron Adelsward, die holländischen ehemaligen Mnsster Heemskerk und van Gyn, die deutschen' Reichstagsabgeordneten Scheidemann, Bernstein, Gothein, Erzberger und ^minister Dernburg, der bekannte österreichische Völkerrechtslehrer Lammasch, der ungarische Parteiführer Graf Karolyi, die italienischen Professoren Ghisleri und Michels, der Cambridger Gelehrte D i ck i n s o n und natürlich eine Anzahl Schweizer aus allen Teilen der Schweiz werden an der Konferenz teilnehmen, welcher die Oeffentlichkeit aller Länder ihre Aufmerksamkeit in hohem Grade zuwendet. Der Präsident der Organisation, der holländische Abgeordnete und ehemalige Staatssekretär im Justizministerium Dr. H. C. Dres seihuis äußerte sich in einer Unterredung mit einem Redatteur des jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag über die Bedeutung der Berner Konferenz für das jüdische Problem. „Die Berner Konferenz", so erklärte Dr. DresselhuyS, „hat die Aufgabe, das Minimumprogramm, welches April 1915 auf einer Konferenz von Vertretern verschiedener Länder im Haag ausgearbeitet wurde und die Grundprinzipien eines dauerhaften Friedens in wenigen programmatischen Sätzen ausspricht, durch konkrete Formeln zu ergänzen, die dem Friedenskongreß als Basis seiner Verhandlungen dienen können. Das Minimumprogramm, das in allen Ländern diskutiert wurde und allgemeine Billigung fand, sagt in seinem zweiten Punkte: Tie Staaten werden den auf ihrem Territorium lebenden Nationalitäten bürgerliche Gleichberechtigung, religiöse Freiheit und den sreien Gebrauch ihrer Sprache gewährleisten. Selbstverständlich gelten diese Grundsätze auch für die Juden. Allerdings werden sie nicht allgemein zur Anwendung kommen können. Nur in jenen Ländern, wo die Juden in Massen siedeln und ihre Sonderart deutlich zu Tage tritt, wird ihnen kulturelle Autonomie ebenso gewährt werden müssen, wie jeder anderen Nationalität des Landes. Das jüdische Minimumprogramm, wie es vom Zionistenführer Mcpx Rordau formuliert wurde, lautet: 1. In allen Ländern, wo die Juden in geringer Anzahl leben, volle Rechtsgleichheit. 2. Ueberall, wo sie ein ansehnliches gegliedertes Bevölkerungselement bilden, Anerkennung ihrer Nationalität, soferne sie dies wünschen, und Ausdehnung aller politischen und kulturellen Zugeständnisse auf sie, die in dem betreffenden Staate jeder anderen bewußten, differenzierten und organisierten Nationalität gemacht wird. 3. Für die Juden, die unter sich national leben und nichts als Juden sein wollen, Palästma, das heißt das Recht der ungehinderten und unbeschränkten Einwanderung, Bodenerwerbung und Ansiedlung mit innerer Selbstverwaltung unter der Regierung, die in dem Lande die territorialen Hoheitsrechte ausüben wird. Das läßt sich ganz gut in das Kader unseres Programmes einfügen. Wenn die jüdische Bewegung, die heute in verschiedenen Ländern im Gange ist, als ihre Forderung die Anerkennung der jüdischen Nationalität in den Ländern jüdischer Maffenfiedlung erheben wird, dann steht nichts im Wege, unsere Grundsätze auf die Juden zu erstrecken. Wenn das naturgemäß in Holland nicht der Fall sein wird, so kann ich mir wohl vorstellen, daß für die Juden dort, wo fi e einen eigenen Organismus bilden, wie in Palästma, Polen oder Galizien, unser Programmpunkt von Bedeutung werden wird. In unserer Organisation ist die jüdische Frage noch nicht besprochen worden, da bisher keine Anregung von irgendwelcher Seite in diesem Sinne erfolgte. Doch bestehen keine Bedenken, daß sie in unserer Organisation angeschnitten und auch in Bern aufgerollt wird, wenn ein derartiger Wunsch geäußert werden fällte. Die verschiedenen Punkte unseres Programmes werden in Bern zunächst in Kommissionen beraten und die Beschlüsse der einzelnen Komitees dann in einer Generalversammlung neuerlich überprüft werden. Für die Beschlüsse unserer Konferenz wird in allen Ländern eine planvolle und zielbewußte Propaganda eingeleitet werden. Schon heMe find 40 Länder in unserem Verbände vertreten und wirken überall, einflußreiche Persönlichkeiten für die Po-

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