Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 22 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 22. Die Wahrheit ficht und den Mut richtige BoWerzrehungsmittel zwecks Bewahrung des religiösen Lehens fn der Ftzmiljx uG deß religiösen Jstgendunterttchtes gnzuwenden. — Me Mttußgemeinden fissßest sich hxn ihnen gebührWen ÄnfiA a^f die öffentliche Vorschule enttvWen, ja es sind Beweise dafiir vorhanden, daß einflußreiche Juden meinten, ein jüdffcher Volksschullehrer in öffentlichen Volksschulen sei nicht «ruucll berechtigt, religiöse Bediirfnise zu haben. — Sowohl in Währing als im 2. Bezirke kamen Fälle vor, daß jüdische Lehrkräfte, die um Urlaub für hie hohes: Feiertage angesucht Hallen, von den Schulbehörden, in denen auch jüdische Räte fitzen muss en, ab gewiesen wurden. Auch als infolge der famosen Schulrwvelle vom Jahre 1883 die Volksschulen mit jüdischer Schülermajorität unter Wische Leitung gestellt werden mußten, nahmen nicht nur die Wiener, sondern auch andere Kullusgemeinden diesen Umstand nicht wahr, um diesen Schulen den mosaischen Charatter aufzudrücken, denn auch in diesen Schulen müssen spezifisch katholische Lesebücher benützt werden, auch in diesen Schulen sind Sabbat und die jüdischen Feiertage keine Ferrattage und auch in diesen Schulen prangt in jedem Lehrimmer haß Christusbild. Soweit bin ich mit Herrn Fried eines Sinnes, die im öffentlichen Schulwesen begangenen Sünden der KulluSgemeinden und ihrer Vertreter in den Schulbehörden kann Wan nicht genug grau in grau malen, aber betreffs der Abstellung dieses schreienden Uebelstandes bin ich nicht der gleichen Meinung, daß sich derselbe einfach durch Gründung Wffcher Volksschulen sanieren ließe. Nicht nur ich, sondern qlle Leute, die das Schulwesen Oesterreichs und die Penk? weise Wffcher Ellern kennen, sind überzeugt, daß auch dann, Wenn genügend viele jüdische Privat-Äolksschulen ins Leben gerufen würden, weitaus die Mehrzahl der Wffchen Schuljugend die öffentlichen Pollsschulen besuchen würde. Pte große und teuere Schulallion trüge daher nicht die ermatteten Früchte. Entschieden richtiger und zweckend sprechender wäre es doch, die jüdischen Kultusvertteter zu äuem enffchiedeneren Kampfe als bisher anzuspornen, die Interessen der Wischen SchpiWend in den öffentlichen Schulen, zu denen die Wffchen Staatsbürger wacker mllsteuern, in jeder Richtung, also auch betreffs der religiösen Erziehung, wahrzunehmen. Sollen die Juden zu den öffentlichen Schulen weiterzahlen und sie freiwillig nicht benützen? Die Judenfeinde würden sich sicherlich nicht so weit gegen die Juden heroorgeivagt haben/ wenn man ihnen dies durch freiwilligen Rechtsverzicht nicht allezell leicht gemacht hätte. Der Weltkrieg hat leider das gesamte Schulwesen, das affentüche upd das private, üef heruntergebracht und wenn derselbe enden wird, was der Allgütige baldigst herbeiführen nwge, werden brennende Fragen ihrer Lösung harren. In nterne, wer eine Besserung unserer Schulverhällnisse Herbeisehut, wird sich noch lange in Geduld fassen müssen.. Heute kW: niemand voraussehen, welche Richtung im künftigen Schulwesen siegen werde, ob die interkonfessionelle oder konfessiomlle öffentliche Vollsschule in Oesterreich das Feld behaupten wird. Unbedingt verfrüht und unzweckmäßig wäre es auf jeden Fall, schon jetzt die gesamte jüdische Schul? jUgend in jüdische Privat-Vollsschulen bringen zu wollen. Hä heißt es adwarten und die Kräfte zu einem kommenden Schullampfe sammeln. Siegt die interkonfessionelle Schule, dann kann dieselbe rsicht von der gesamten Judenschaft einfach in den Bann getan werden, sondern in dem Falle muß der mosaische Religionsunterricht zchgemäß ausgestattet wechep. Werden Wer, wie dies iy protestantischen Ländern schon vor dem Weltkrise der Fall war, qlle öffentlichen Volksschulen Lorffesfipnell, dann wich es auch öffentliche, spezifisch Wische Volksschulen gebe», auf die daun. die JudenHäst rsicht pe^ichten M Wh kaum i'l und bleW tzher em gefährlicher Jxrftun, wenn man glaubt, durch Gründung mm WWt WWcUchuleu Mn den gesqjM»' WM Nachwuchs für daß Judentum retten zu. .Mnen. Die SHple tzllßjn konnte dieß nie und aH das Familienleben kMp sie NW eisten minimalen Einfluß jrben. Mder hat der Hssttkrieg auch das religiöse gebest in der Familie furchtbar geschähM. MM tzje Kriegsnot erscheinen niH nqr in den ärmsten Judenfamilien die Sabbatheiligyng Und die Beobachtung der jüdischen Speisegesetze aufgehoben und unmöglich gemacht. Der jüdischen Seelsorger und den Leitern der Kultusgemeinden harrt nach dem Weltkriege große Apbeit, um hie jüdischest Herzen wieder für ihre religiöse Eigenart zu erwärmen und Mn zu gewinnen. Zuerst müssen die Männer und Frguen füx dgß Jsthenfnm zurückgewonnen werden, dann sind erst die Voraussetzungen für ein gemütvolles religiöses Leber: in der Familie gegeben, ohne welches die Jugend keineswegs gewonnen werden kann. Vor der Idee aber, die jüdische Jugeftd schon in der Volksschule auch dann hermetisch von: Zusammenleben mit christlichen Kindern abzuschließen, wenn sie das Gesetz nicht dazu verdammt, kann nicht eingehend genug gewarnt werden. Solche Versuche würden auch nicht gelingen. ß. L. Der Weltkrieg im Lichte des Wischen Geistes. I . Es ist schon so viel über den Weltkrieg geschrieben,, gesprochen und gepredigt worden, daß es uns nicht befremdet, wenn Hei hem lesenden Publsknm ein gewisses Vpxstrfesl gegen jede Art Knegsllleratur vorherrscht. Man kann diesem großen Metthrande kaum mehr neue Gesichtspunkte abgewiMen. Denpoch dürfte jeder Kenner der hebräischen Sprache dieses Merkchen, daß uns den Weltkrieg im Lschte des Ws? scheu Gejstes darstellt, mit Gsusiß zp Hsthe lesen upd ffhev fernen geschichtsphilosophischen Hehatt Nachdenken. Geschichtsphilosophie!' Wie piel ist auch auf diesem Gebiete gegen das Judentum gesündigt worden. Fast allgemein hält man den Kirchenvater Augustin als den Begründer derselben.. Ein bewußter Wiffenschqstücher. Irrtum, wie so viele andere, um das Judentum der Priorität eines seiner schönsten Erkenntnisse zu berauben. In seinen libri de civitate Dei verkündet Augustin, das Endziel der Geschichte sei, den Gpttesstaat auf Erden zu begründest. Dieser geschichtLphilosophische Gedanke ist ebenso alt wie unsere Bibel, und unsere Propheten. Schon die ersten Blätter der Bsbel verkünden das Grundprinzip aller Geschichtsphilosophie: die Einheit des Menschengeschlechtes. Geschichtsphilgsoph sogar im Sinne der Wissenschaft ist der große Verkünder des Messianismus, her Prophet Jeschaja. Auf der Gotteshöhe jüdffcher Ethik stehend, entrückt zu den schimmernden Firmregionen der Prophetie, wo das Waffengeklllr der Geschichte nur noch verklingend nachzittert, verkündet der Prophet, daß die Weltgeschichte kein Chaos blinder menschlicher Kräftemassen sei, daß vielmehr die göttliche Vorsehung überall Ziel und Zweck gesetzt habe. Er läßt alle Nationen, Babylon/ Moab, Damasts, Aegypten usw., ein Stück Weltgeschichte, ein Stück Wettgericht an uns yorüberziehen, zählt Sünden und Vorzüge dieser Völker auf, verkündet ihr zukünftiges Schicksal, bis endlich die ganze Menschheit der Segnungen des messianischen Zettatters, des ewigen Weltfriedens teilhaftig wird. Voll von geschichtsphilosophischen'Gedanken ist auch bas Buch Daniel. In Bibel und Prophsstismus ist somll Quelle und Grundlage aller Geschichtsphilosophie zu suchen. Dies erklärt uns die merkwürdige wissenschaftliche Tatsache, daß die ersten großen Geschichtsphilosophen —*’• Uuguftin, Bossüöt, Herder, in gewisser Beziehung auch Lessing und Kasit — Theologen waren. *) mwn -uns bnn nb&bö Der WeltkriegimLichte des jüdischen ÄeisteS. BonM. Kahan, MMpräfideyt dßk MesUM WtMeMM U UaMMHtzMgtzt.