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Die Wahrheit · 1917-10-05 · Heft 20 (5.10.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 20 (5.10.1917)
Date
1917-10-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Stttt G. fiit Äährtzett Gr bewirte auch die Notwendigkeit, den Chor unsichtbär zu wachen, nachdem das Benehmen der jugendlichen Chätmikglieder nicht immer sin einwandfreies fsi. Der Vorsitzende bemerkt^ unter Anerkennung der Richtig- Ligkeit dieser Ausführungen, Laß Liese Frage nicht Lurch Las Komitee zu lösen sei. Vorläufig hat das Komitee Lie zur Herstellung des Tempels nötigen Gelder zu beschaffen. Mit her Äaufräge selbst wird sich Lie gesetzliche Vertretung Ler Wiener Jirderrschaft unter Hinzüziehüng erster Fachmänner beschäftigen müssen. Das Kömstee werde jedoch seinerzeit feiste Bemühung Lahm richten. Laß es in dieser Frage auch Lesragt werde. Die Vorarbeiten wurden eiftigst fortgesetzt, der Aufruf genehmigt. Eure Kurrende an zahlreiche hervorragende Mitglieder der Wiener israel. Gemeinde, in welcher das Komitee das Ersuchen stellt, diese Mitglieder mögen ihre Zustimmung erteilen, daß der zu versendende Auftuf ihre Unterschrift tragen dürfe, hatte vollen Erfolg. Ueber einhundert Zustimmungserklärungen aus Gelehrten-, Hochfinanzkreisen und aus der Kaufmannschaft liefen postwendend ein. In säüitlichsst Sitzungen würde voü mehreren Mit- Wkderst — insbesondere seitens dsr Herren Kowwerziäl-Rät RKft Dt. Josef Winternitz, Karl Lemberger und kgl. Rät M. Mittler — 8is Frage äüfgeworfsnweshalb bis ttüst der Vorstand der isr. Kultusgemeinde Wien in dieser Frage noch nicht hervorgefteten sei, wiewohl doch diese Korporation in erster Linie berufen erscheint, der Frage der Tempelwiederherstellung Näher zu treten, und weshalb dieser Vorstand weder durch sein Erscheinen in einer der Sitzungen noch in irgend einer anderen Form zu dieser Frage Stellung genommen hat. KoMteemitglied Dr. Bloch erinnert zustächst daran, daß das Komitee vom Beginne dsr Aktion dem Vorstande schriftlich Kenntnis gegeben, worauf der Kuttusvorstand in Würdigung des heiligen Zweckes dem Komitee einen Beamtest, Sitzungslokal und, wenn erforderlichweitere Hilfskräfte zur Verfügung gestellt hat. Redner fügt hinzu, daß der Vorstand zweifellos in der Lüge wäre, M ganze Aktion Ohne das Komitee LurchzüfühM, indes fcdi Komitee sollte hon Ler Testdkstz geleitet sein, dest WieddrttüfbäU des LeüpolbstäLter TeistpM tzastMtz Mt seinem Nüülen zü verkttüpfetl. Der Vorsitzende bemerkte Hietaus, daß er die Äüsführungen Les Herrn Dr. Bloch wohl billigen müsse, trotzdem aber aus Opportünitatsgründen für Len Antrag öes Herrn Komm.-Räts Reif sei. Im Änschlnffe an diese Debatte berichtet der Vorsitzende, daß er in Begleitung Lös Herrn Schulrates Dr. Moriz Tschiäßny st: och vor Einleitung der dlktiön sich zum Präsidinm des KisttüsvorstanLes begeben habe, inh demselben von der einzüleitenLen Aktion Kenntnis zll geben, Lössen Zustimmung zu ötbitten und Lie Stellungnahme des VökstänLes zu erfahrest. Der geschästsführende Vizepräsident Dr. Leopold Kohn drückte unter warmen Danksagungen seine Befriedigung darüber aus, daß in der Jndenschaft Wiens sich ein so erfreulicher Gemeinsinn entwickle, von welchem er Erfolgreiches mit Sicherheit erwarte, versprach, die Aktion möglichst zu unterstützen, und bemerkte, es märe nicht opportun, daß das Präsidium des Kultusvorstandes den Entschluß des Kultusvorstarides präjndiziere. Der Vorsitzende des Komitees war mit dieser Erklärung vollkommen einstörstanden und unterließ es. auch, den Kultusvorstand zu 8en eistzelnen Sitzungen einzstladen. Mit Rücksicht dätäüf jedoch, als das Komitee ist der Sitzung vom 19. Septenrber 1917 ist seiner Majorität füt den Asttrag des Hektst Koww.-Rates Reif stimmte, hat der Vorsitzende diesen Wünsch dösti Hertst Präsidesttön Dr. Alfred Stern zstr Kenntnis gebracht, nstd erklärte letzterer sich bereit, bei der ttächsten Sitzung persönlich zu erscheinen. Diese Sitzustg fand am 24. September, uw halb 11 Ühr vormittags, iw großen Sitzungssaals der Kultus- 9kt. 20. geisteinde ist Gegenwart des Präsidenten Dr. Alfred Stern söwie Lös 2. Vizepräsidenten der Mltusgememde Dr. Leöp. Kühn statt. Heit Präsident Dr. Stern etgriff das Wärt zu folgttt- Lön Aüsführststgen: „Seht geehrte Herren! Ich danke Ihnen allen sehr herzlich, daß Sie sich hier sü zühlreich öersakttmelten; ich danke Jhiien noch mehr, daß Siö sich in der Vöt Uttd in Lim Leid, Las unsere Kultüsgenteinde betroffett Haft so töilttchstiönd bezeigtest und Hilfe leisten wollen, und zwär sposttän, öhste däß eine Äuffördetstng seitests des Vorstandes der Gertieittde äst SW ergangen Wäre, initiativ, Lew Dräüge Jhres Hetzösts folgend, sich der Sache antiehwen. Zu aü öem großen Leid, welches heute die Menschheit heftttsucht, höben wir Jstdest noch 8äs spezielle JudönleiL, denn wir älle leiben Unter döst VerhältNisM, in welchen Wir Heute leben. Und ich fürchte, daß noch viel und größeres Leid uns Leoorstehen dürste. ZU. all deW allgemeinen wenschlichett Leide und noch örhöhtew jüdischest Leide, worüber ich aber sticht heute, sonderst erstwäl zü gelegener Zeit sprechen Und meine Stiwwe laut horbär wächest will, ist aber — Und barittt allein wällen wir uns heute beschäftigen — die Wiener Jndenschaft stoch üon dieser schweren Btandkatasitöphe yeimgesücht worderr. Mein erster Gedankeals ich ast Ort Nstd Stelle die furchtbare Verivliststttg sah, war, Gott zu öättkkn, Göwel zst benschest dafür, daß der Brästd Nicht während dös Gottesdienstes bet vollbesetztem Häufe entstand eil istdetttt was wäre Lie Folge gewesen, weitst der Bränd ist seistör Plötzlichkeit eine halbe Stststde früher astsgebrvchen wäre, zu einer Stunde, in Welcher etwa dreitausend SöldäteN ju eineui Gottesdienst im Tempel versattstMt Wärest? Gott sei gedättkft daß wir von diesem furchtbarew-Auglücke verschont geblieben sind, daß wir kein Menschenleben zu beklagen haben, und dieses Dänkgebet in dem zerstörten Gotteshause zu Gott zu richten, höbe ich äls weine erste Psiicht erachtet. Nun, meine Herrentritt an usts Vtö Aufgabe heran, dieses Gotteshaus wiöLör änfzubäuöü. Älit können Ihnen nur dankbar sein, daß Sie sich dieser Sache annehmen. Die Initiativedie Spontanität- Ihr sofortiger Zusamwentrit gibt Ihrer Tätigkeit eine besondere Meihe. Sie entspricht einer asten jüdischen Tradition, an welche die Erinnerung in unswenn ein Gotteshaus Zn errichten isst immer von neuem auflebt. Iw zweiten Buche der Chronik, ebenso rvie in derli zweiten Buche der Könige wird uns erzählt, daßnachdern der alte Salomonische Tempel durch eine schlechte, götzeirdienerische Herrscherin- Athalja, entweiht worden warnachderil damals und im Laufe der Zeit Kostbarkeiten Und Gott geweihte Gefäße aus dem Tempel nstd der Schatzkawmer verschleppt rvorden warender Tempel durch den jugendlichen König Joas unter der Leitung des Hohepriesters Jojada restauriert wurde. Da erzählt uns die Chronik, daß eine Lade aufgestellt wurde, in welche die Juden freiwillige Geldspenden gaben. Wenn eine Lade voll warwurde diese öou dem Schreiber oder Schatzlsteister ausgeleert und wieder neu aufgestellt. Dies wiederholte sich so oft, bis genügend Geld Lestämmen war zur Restäurierüng und all Len neuer: Anschaffungen. So geschah es vor ungefähr örestäuML Jahren und indeist die Chronik uns dies berichtet, verweist sie äüf eine noch west von astersher rührende Tradstionäüf den Bäu der Stiftshütte zur Zeit der WüstenwanLerung. Als die stiftshütte mit allen zu ihr gehörigen götkesdienstlichen Belangen errichtet werden sollte, da steuerten unsere Vörfahten freiwillig, dem von Möses .än sie gerichietest Äüsrüfe folgend, Gold und Silber und Erz. und Purpur und rote und blaue Wolle und was sie nur befaßen, bei, sö Laß der angöhäüften Kostbürkeitött Und Matöriästett soviele wurden, Laß Möses astsrieft wän könne nichts wehr ägnehwest, es fei gestug füt Lest Bäu des Werkes öörlländen. Dies reicht in ustsere Urzeit, in üstfete dreiüstd vienaüsenLjährige Dergängenheit zurück.

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