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Die Wahrheit · 1917-09-21 · Heft 19 (21.9.1917) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 19 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19. Seite 7. Die Wahrheit PMffina zur Schaffung eines eigenen, möglichst autonomen Gemeinwesens, mit der Landwirtschaft qls BM, konzentrieren würden. Diese von Heu assnnilgtqrischsn Juden des westlichen Bürgertums als utopisch verlachte Idee fand rasch Anhänger, namentlich unter der studierenden Jugend und in den Masten des Ostens, die sich schon vorher zionistisch betätigt ynd irrst großen Opfern in Palysstng Kolonien gegründet hystey. Herzl schuf die zionistische Weltorganisation mit ihren Kongressen, sowie verschiedene Kolonisqtionsinstitute, von denen der „Jüdische Natiopalfonds", zu dW tzffe Zionisten freswsslsg steuern und aus deni Boden in Palästina qls Gsilpeineigentunl des Volkes gekauft wird, sich arn erfolgreichsten entwickelt hat. Heute giht es in Pqlästing schqn vierzig Mische Kolonien mit zirka 10.006 selbftarbeitenden jüdischen Landwirten urrd Arbeitern, ferner Lehrfarmen, Versuchsstationen, Schulen gller ^lrt, darunter ein modernes EsyMasiM (ist denen hie nenhehräischss Sprache, die Muttersprache her in Palästina aufwachsenden jüdischen Kinder, dje Unterrichtssprache ist), jüdische Stadtviertel, hygienische Institute usnr. Äffr intereffgütesten jst hqs Bestehen zahlreicher Mischer Landflrheifergenoffenschafttzn. Schon Herzl hat in seiner Konzeption die alten sozialen Ideen der Bibel als Richtung gebend für den Bau des Gerpxrnwxseps bezeichpes. Der Mische Nationalfonds arbeitet 1p Wsem Geiste. So sipden 'wir dep ersten Versuch ryst einer „Siedlnngsgenoffenschast" nach dm Plänen des bekannten Soziologen Professor Franz Oppenheimrner von Ziynisten in Palästina begründet. Mas die politische Haltung der zionistischen Bewegung betrifft, so war diese immer eine streng neutrale gegenüber qllxn Mächten und ist sie apch im Kriege geblieben. Dies ist eine ganz natürliche Sache, da der Organisation Inden aller Länder qngehören upd ihr Ziel em rein jüdffch-sozrales jst. M kann den Zionisten natürlich nie einfallen, einen Zwerg-„Staat" mit lächerlich geringen Machtmitteln zu sch affen'oder — gestutzt ggf ein paar Institutionen — in We'ltpplitjk zp machen. Sie wollen nur ein Gemeinwesen aufbanen, in den; sich die Juden wieder frei entwickeln können. Per Türfei gegenüber waren die Zionisten immer loyal, wie nicht anders möglich, da diese Macht es ist, die PqlgMa besitzt und von deren Stellung zum Zionismus alles «bhängt. - - Engländer und Amerikaner, die sehr geschickte Politiker sind, mochten, da es mit der Eroberung Palästinas seine guter; Wege hqtz wahrscheinlich hurch Vorschieben des zionistischen Planes sich in dem Lande eine ihnen ergebene Bevölkerung schaffen. Man weiß wie nach und nach aus Protektoraten Annexionen werden. Leider hat die mit ziemlicher Härte erfolgte Evakuierung von Jaffa und einiger jüdischer Kolonien, die ans militäri-. scheu Gründen notwendig war, den Anschein erweckt, als sei die Türkei gegen die zionistischen Bestrebungen. Die beste Phwehr gegen die xpglsschep und amerikanischen Agitationen —- in Amerika sind sehr hohe jüdische Beamte, ehemalige Botschafter, Bundesrichter usw. Zionisten — seitens der Türkxi wäre die offene Bekundung einer prozionistischen Haltung- Wie sollte sie auch gegen eine Bewegung, die daraus abzielt, Palästina zu einem blühenden Land zu machen, indem sie dort Menschen mit Intelligenz und Kapital zur Ansiedlung bringt, etwas einzuwenden haben? Dse Mittelmächte, die ein Interesse an der Türkei haben, können gleichfalls mit der Hebung ihrer Wirtschaft durch die zionistische Arbeit durchaus einverstanden sein. Speziell ihre Handelsbeziehungen zu Palästina sind einer großen Aufwärtshewegung fähig. Die S.üdfxücht.e, die dieses Land in Menge erzeugt, gingen früher nach Liverpool. Sie könnten gus dem Wege über Triest die italienische Einfuhr ersetzen. Gbenso könnten die Mittelmächte in Textilwaren und Maschinen die früher hauptsächlich aus England und Frankreich nach Syrien geliefert wurden, dort ihr Absatzgebiet steigern. Jedenfalls ist die zionistisch« Bewegung, die bisher eins stille, aber eifrige unv nützliche Arbeit geleistet hat, durch den Krieg plötzlich ins helle Licht der Weltpolitik getreten. Die Vertreter der sozialistischen Zionisten haben Zutritt zur Stockholmer Konferenz erhalten, und, wie bemerkt, wollen England und Amerika die Judensrage auf der Friedenskonferenz ausrollen. Die Leitung der zionistischen Bewegung ist sich aber klar darüber, daß eine Aenderung der Lage der Juden, und zwar ihrer moralischen im Westen, als ihrer ökonomischen im Bsten, wo die Juden eine verelendete Masse bilden, nur durch praktische Siedlungs- und Kulturarbeit zu erreichen ist. Sie steht politischen Utopien völlig fern und bereitet sich vor, sofort nach Friedensschluss ihre Kolonisationsarbeit in größerem Stil fortzusetzen. Ihre politischen Aspiratiauen gehen nur dahin, daß sie dies ungestört tun könne, und die Juden Palästinas ihre kulturelle Autonomie behalten. Sie glaubt, daß keine Macht, am wenigsten die Türkei, «in Interesse daran haben kann, dieses Bestreben, dss sich sicher als eine Kulturarbeit darstellt, irgendwie zu stören. Flieger im Kriege. Von Dr. Felix A. Theilhaber, im Felde.*) (Schluß.) Eine Reihe weiterer jüdischer Soldaten wurde mir im Flugwesen angegeben. Ein Flieger Fritz Koppel, Hans Rothschild-Göppingen, Erich Lewy, kriegsfrerwilliger Unteroffizier, Sohn des Direktors Hugo Lewy-Berlin, Otto Cohn, Sohn der Frau Minna Cohn aus Fraustadt, Adolf Fechenbach aus Eilenburg, ausgezeichnet mit dem tiirkischen Halbmond, Lustschiffer Hugo Bornstein aus Mannheim, Sohn der Frau Klara Bornstein, Flieger Paul Goldmann aus der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem. Edgar Hirsch, ein ehemaliger Schüler der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem, un Frieden Elektromonteur in Walsrode i. d. Heide, trat gleich bei der Fliegerwaffs ein. Er erhielt am 28. August 1915 bei Arras einen Schuß, der ihp zum Niedergehen zwang, wobei er sich ernstlich verletzte. Hirsch hatte infolge nebligen Wetters tief herabgehen müssen, um seinen Auftrag durchzuführen. Hirsch ist ein Beispiel dafür, daß wir auch einfache schlichte Jyngxns haben, die technisch und physisch ihren Platz ausfülleu. Eine glückliche Synthese dieser Art verkörpert der Flugobermaat Rund ans Gleiwitz, Sohn des Herrn I. Rud jr. Bei Ausbruch des Krieges in Amerika lebend, weiß sich Rund aus kühne Weise als „Amerikaner" nach Deutschland durchzuschlagen und tritt dann als Marineflieger bei der Wasserflugstqtlgn Zexbrsigge ein, wo er nach;neinen Erkundigungen zwei Jahre lang hervorragende Dienste tat. In letzter Zeit Hab ich ihn aus den Augen verloren. Rund selbst ist' so bescheiden, daß er über sich jede Auskunft verbietet. Es liegen aber viele Tatsachen üher ihn vor; er ist Jnhaher des Fliegerqhzeicheus und anderer Auszeichnungen. Dem antisemitischen Fragesteller im Reichstage können ferner außer den oben ausgezählten noch eine stattliche Reihe weiterer durch eine Prioatumsrage des Herrn Hr. Mainzer sestgestellter jüdischer Flieger namhaft gemacht werden: Leutnant der Reserve Ernst Adler, Sohn des Herrn Direktor Dr. Adler aus Frankfurt a. M., zur Zeit bei einem Flugpqrk im Westen, Leutnant der Reserve Hans Block aus Cöln, Theresienstraße 86, Unteroffizier und Flugzeugführer Fritz Block aus Hannover, Bruder des K. C.res Hans Block, Unteroffizier und Flugzeugführer Cassel aus Hannover, im Mai tödlich abgestürzt, Leutnant Falk aus Cöln, Sohn des Stadtrqtes und Majyrs Fqlk, als b-yerischer Fliegerleutnant vqr einiger Zeit gefallen, Leutnant Fritz Haas aus Frankfurt a. M., zur Zeit bei einer Flieger- Ersatz-Avteilung, Flieger

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