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Die Wahrheit · 1917-09-06 · Heft 18 (6.9.1917) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 18 (6.9.1917)
Date
1917-09-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18. Die Wahrheit Sette 7. Nur durch die Autorität des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes kann es erreicht werden, daß in keiner deutschen Gemeinde, und sei sie noch so klein, jemand Anstellung als Kantor und damit in den meisten Fällen auch als Religionslehrer finden kann, der nicht durch Prüfung vor einer behördlichen Instanz seine Qualifikation erworben Hat. Und sollte der Deutsch-Israelitische Gemeindebund dazu -allein nicht imstande sein, so muß er inr ureigensten Interesse der Gemeinden sich die Unterstützung anderer geeigneter Instanzen (Staat?) zu verschaffen suchen. Das Organisationsgesetz, das um so vieler anderer Notwendigkeiten kommen muß, es könnte auch in der Frage des Befähigungsnachweises ganze Arbeit schaffen. Aber dann ist es notwendig, daß aus ihm der Geist des „verflossenen" Organisationsgesetz-Entwurfes schwinde, der den Kantor in eine Kategorie mit dem Küster und Totengräber stellte. Gin jüdisches Regiment in Indien. Kürzlich wurde von einem in England gebildeten jüdischen Regiment von russischen Einwanderern in England berichtet. Cs ist nicht das erste, das die britischen Staaten besitzen. Von einem Regiment von zumeist schwarzen Juden in Bombay weiß Adler in seinem großen Werk über die Gettos zu berichten. Seine Schilderung beruht auf Erlebnissen, die weit vor dem Kriege liegen und es ist sicher, daß an den gegenwärtigen Kämpfen auch die schwarzen Juden Bombays, die große Neigung zum soldatischen Handwerk besitzen, Leilnehmen. Adler berichtet: In Bombay trafen wir eine zahlreiche jüdische Gemeinde an. Auch hier scheiden sich die Juden in zwei scharf gesonderte Klaffen: die Eingebornen oder B'nei Israel und die ausländischen Juden, die sich zu Handelszwecken hier angesiedelt haben. Es ist höchst wahrscheinlich anzunehmen, daß die B'nei Israel aus Cranganor kamen, wo ihre Vorfahren vielleicht Schiffbruch erlitten hatten, und daß sie ihre Verbindung mit ihren schwarzen Vettern in Cochin aufrecht erhielten, bis die unruhigen kriegerischen Zeiten des XVIII. Jahrhunderts ihren Sinn mehr auf dringendere Sachen richteten. Die B'nei Israel traten schon frühzeitig in den Dienst der East India Company. Sie zeichneten sich hier als Soldaten unter dem Kommando der Engländer aus, während die Juden Cochins in ihrer mehr abgelegenen Gegend allmählich sozusagen degenerierten. Die Ueberlieferung, die berichtet, daß die B'nei Israel aus Persien stammen, sagt zwar nichts Unmögliches aus, erscheint aber unwahrscheinlich. Es ist viel natürlicher, daß diese indischen Juden aus dem Süden und nicht aus dem Norden einwanderten und daß der letzte Ausgangspunkt dieser Einwanderung Aden war. Die B'nei Israel zählen ungefähr 12.000 Seelen, die mit ganz wenigen Ausnahmen in der Präsidentenschaft Bombay leben, und zwar in Bombay selbst, in Poona und in verschiedenen Dörfern des Konkan oder südlichen Küstenstriches der Präsidentenschaft Bombay und in Alibag. Einige wohnen auch in dem daran grenzenden Eingebornenstaat Revdanda. Der Rev Lord, der in bezug .auf beide Klassen als Autorität gilt, glaubt, daß der Typus beider Klaffen, sowohl der B'nei Israel wie der braunen Juden von Cochin, der gleiche sei, und daß beide direkte Nachkommen irgend eines jüdischen Stammes sind, der aber nicht mehr vorhanden ist, sondern vor langer Zeit existiert hat. Wenn man statt „schwarze" das Wort „braune" Juden setzt, so gewinnt Lords Theorie viel an Wahrscheinlichkeit. Die B'nei Israel haben ebenso wie die schwarzen Juden, die als Libertini bekannt sind, keine Familiennamen, sondern werden mit dem Namen ihrer Väter genannt, wie zum Beispiel David ben Rüben. Sie leben streng nach allen jüdischen Riten und Bräuchen, aber keiner von ihnen stammt ans dem Geschlechts der Priester. Sie sind, und geben das -auch zu, die Abkömmlinge von Sklaven und Konvertiten, meistens von Hindufrauen. Bis vor ungefähr zwanzig Jahren pflegten ihre Frauen sich Kastenabzeichen auf die Stirn zu malen, eines der charakteristischen Merkmale der Indier. Die B'nei Israel scheinen den modernen Juden unbekannt geblieben zu sein dis zum 1. November 1845, als ein Artikel über sie in der „Voice os Jacob" erschien, der in dem Vorwort zu der Marathiübersetzung des Obersten Wahab über „Juden, die in der Armee von Bombay dienen" erwähnt wird. Aus dem Jahre 1817 wird berichtet, daß in der Schlacht bei Corregaum das zweite Bataillon des von Hauptnmnn Staunton kommandierten ersten Regiments der „Native Jnfantry" vornehmlich aus B'nei-Jsrael-Soldaten bestand. Im Jahre 1821 standen 40 B'nei Israel im zweiten Bataillon des achten Regiments. Mer obgleich sie noch heute große Neigung zum Soldatenstande haben und von den englischen Offizieren sehr geschätzt werden, dienen zurzeit nur sehr wenige in der anglo-indischen Armee (Während dieses Krieges dürsten sie in großer Anzahl im englischen Heer vorhanden sein. Die Red.) Das erklärt sich aus der Tatsache, daß ein neues System, das aus Gleichstellung hinzielt, in der Armee eingeführt worden ist, Mohammedaner und Hindus bilden zusammen Korps, so daß die B'nei Israel, wenn sie jetzt in die Armee eintreten, wahrscheinlicherweise nicht auf Beförderung rechnen können. Sie haben bei der Regierung deswegen petitioniert; aber es wurde ihnen geantrvortet, daß falls sich nicht ein^Korps von mindestens 250 Mann zusammenstellen ließe, die Beförderung notwendigerweise schwierig sein dürfte. Verschiedene bereiten sich auch auf Universitätsprüfungen vor. B. S. Ezekiel erwarb sich beispielsweise den Titel Baccalaurens an der Universität Bombay. Ein Bruder von ihm ist in London bei einem Rechtsanwalt tätig. Die B'nei Israel sind äußerst lernbegierig und große Verehrer der Druckpresse. Sie selbst besitzen zwar keine Buchhändler, absr doch sehr viele Bücher. Ihre Sprache ist das Marathi, während die schwarzen Juden in Cochin Malayalam sprechen; aber dieser sprachliche Unterschied ist für die Frage ihrer mutrnaßlichen gemeinsamen Abstammung irrelevant. Die B'nei Israel beanspruchen den Vorrang vor den Juden aus Cvchin, wenn sie betonen, daß sie die Nachkommen Jakobs sind, und nicht, wie die schwarzen Juden, entweder Konvertiten oder von fremden Müttern und jüdischen Vätern abstammende. Aber diese Behauptung ist unbeweisbar. Es existieren zwei oder drei B'nei Israel-Synagogen in Bombay, die älteste und größte ist bekannt unter dem Namen „das Tor der Gnade", wurde im Jahre 1799 erbaut und 1860 restauriert. Sehr prunkvoll ist der Sassoon-Tempel „Keneset Eliahu". Die Schulen der B'nei Israel sind noch pittoresker, als ihr Gotteshaus. Uebrigens wählen die B'nei Israel be* Universitätsprüfungen das Hebräische als verhältnismäßig leichten Ersatz für das Griechische. Das ist um so bemerkenswerter, als die B'nei Israel vor hundert Jahren des Hebräischen vollkommen unkundig waren. Jüdische Flieger im Kriege. Bon Dr. Felix A. Theilhaber, im Felde.*) Ein Anttsemit hat im deutschen Reichstage sich einen Zwischenruf gestattet, der wohl nur eine rhetorische Frage darstellte: „Zeigen Sie mir doch einmal einen jüdischen Flieger!" Ich weiß nicht, ob er eine Antwort darauf bekam. Tatsache ist, daß viele Leute glauben, es gäbe keine jüdischen Flieger, weil .... Ich gestehe offen, daß meine Kriegsmaterialsammlung nichts weniger als vollständig ist und wenn ich das Kapitel Luftschiffahrt aufschlage, dann möchte ich als enragierter Sammler gerne noch mehr Nummern. Gedenken wir zuerst einiger Todten. Da ist der Leutnant *) S. „Israel. Familienblatt" vom 16. August 1917.

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