Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 18 (6.9.1917)
- Date
- 1917-09-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 18. der Reserve Josef Zürndorfer aus Rexingen, zuletzt vor dem Knege Kaufmann in Bochum. Er hatte 1910 als Einjähriger beim 6. Württembergischen Infanterieregiment gedient. Mit dem Infanterieregiment 154 rückte er ins Feld, bekam als einer der ersten das Eiserne Kreuz und die Württembergische Verdienstmedaille, wird Offizierstellvertreter, jedoch bald bei Combres während eines Sturmangriffes an der Hand verwundet. Kaum genesen, meldet er sich bei den Fliegern. „Meine Wünsche sind erfüllt, ich habe ein glückliches Los gezogen." Und ferner: „ich bin als Deutscher ins Feld gezogen, um mein bedrängtes Vaterland zu schützen. Aber auch als Jude, um die volle Gleichberechtigung meiner Glaubensbrüder zu erstreiten," sagt er in seinem Testament. Nach zweimonatiger Tätigkeit ereilt ihn sein Geschick. In Berlin-Weißensee liegt der frühere russische Staatsangehörige, Diplomingenieur Artur Chasanowicz, kriegsfrerwilliger preußischer Flugzeugführer, der am 1. Oktober 1915 einem Flugunfall zum Opfer fiel, begraben. Chasanowicz war als dankbarer Absolvent einer deutschen Hochschule ms deutsche Heer eingetreten. Ebenso verunglückte der Kriegsfreiwillige Jakob Lichtenstein, aus Neustadt bei Pinne stammend. Er stand bei der Fliegerabteilung Eisenmühle. ' Offiziere treffen wir eine Reihe im Flugzeugwesen: Leutnant Kurt Lärmnle (in einem bayerischen Fliegerbataillon; Patent vom 1. Mai 1915), Leutnant Aronheim, Leutnant Wolf Marr bei der .... Feldfliegerabteilung, dortselbst auch noch Leutnant Fritz Gerstle. dann Leutnant Kurt Königsberger (Sohn des Herrn Kurt Königsberger aus Fürch). Der Leutnant Rosenstein, früher Fliegerlehrer in Gotha und Johannisthal (Sohn der Frau Regierungsrat Doktor Karl Nördlinger, verw. Rosenstein) besitzt das Eiserne Kreuz erster Klaffe, ebenso der Fliegerleutnant Hermann Back, Prokurist der Firma Orördi-Back, Sohn des Smichower Rabbiners Dr. S. Back, zurzeit in Prag. Gleichfalls mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet wurde der Sohn des bekannten Freiburger Arztes, des Geheimrats Profeffor Dr. Rosin, (dessen Name auch in der Judenheit einen guten Klang hat), der Fliegerleutnant Dr. Franz Rosin, leider inzwischen am 4. Juni im Lustkampf gefallen. Es ist jcxlfo gar nicht nötig, sich an den Flieger Wilhelm Frankl anzuklammern, der nämlich zwar die längste Zeit seines Lebens Jude war, im Jahre 1914 aber, wenige Monate vor Kriegsbeginn, sich taufen ließ, um als Flieger leichter Karriere zu machen. Die Zahl der jüdischen Flieger ist damit aber bei weitem nicht erschöpft. Von K. C.ern hat zum Beispiel Karl Fromm (Biadrinae-Darmstadt) sein Examen als Flugzeugfiihrer bestanden und fiihrt jetzt im Osten ein Großflugzeug. Beobachtungsoffizier bei der Feldluftschiffer-Abteilung . . . . ist Leutnant Hermann Jonas, der das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt. Er ist der Sohn des Kaufmanns Wraham Jonas in Aplerbeck, Kreis Hörde. Jonas diente ab 1. Oktober 1913. Anscheinend fft Jonas allerdings nicht eigentlich Flieger, sondern Lustschiffer, ebenso wie Leutnant Max Elias, Sohn des D. Elias aus Hannover, der auf Zeppelin IX war. (Eisernes Kreuz erster Klasse.) Bei den Luftschiffern finden wir noch weitere, von denen mir ein Dr. Hermann Elias aus Berlin und Leutnant Erich Eliel, Sohn des Stadtverordneten Eliel-Köln, Bruder einss K. C.ers, in der Fewluftschiffer-Wteilung.namhaft gemacht wurden. Verunglückt soll ein Dr. Alexander Lippmann, Kriegsfreiwilliger der Dresden-Kaditzer Luftschiffer-Wteilung sein. Dr. Lippmann war im Frieden Geschäftsführer der Gesellschaft zur Gründung eines Observatoriums in Oberhof. Ein verdienter Veteran der Luftschifferei, der 62jährige Herr Paul Spiegel aus Chemnitz, trat als Kriegsfreiwilliger beim König!, bayerischen Luftschifferbataillon in München ein. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Dem im k. u. k, Kriegsministerium stationierten!. u. k. Oberstleutnant M. Wiener wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste während seiner 40 jährigen Dienstzeit von Sr. Majestät dem Kaiser der Adelsstand mii dem Ehrenwort Edler verliehen. Diese hohe Auszeichnung des beliebten Offiziers hat in den weitesten Kreisen, in welchen er durch seine trefflichen Charaktereigenschaften sich der größten Wertschätzung erfteut, allseits auf bas sympathischeste berührt und wurde herzlichst begrüßt. Wien. (KaiserFranz Josef I. Huldigungstempel.) Dem Oberkantor dieses Tempels, Herrn Joses 6 G i b l i ch m a n n, wurde über Ansuchen des Vorstandes von seinem Schützen-Brigade-Kommando ein vierwöchiger Urlaub bewilligt. Derselbe wird daher bis über das Sukkoth-Fest seinen Amtspflichten obliegen können. — Der Präsident dieses Tempelvereines, Herr kaiserlicher Rat Adolf W e n g e r ließ sich am Schabbos Ki Theze zur Thora rufen und spendete für den Wiederaufbau des Leopoldstädter Tempels den Betrag von 500 Kronen, indem er dem greisen Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfted Stern, einen Mi-Scheberach machen ließ. Jglau. Zu den Nestoren in unserer Kantorenwelt gehört unser Kantor Herr Karl Brunner, der kürzlich am 1. Elul seinen 85. Geburtstag in voller Rüstigkeit sim Kreise seiner Familie imb seiner Gemeinde beging. Es sei uns gestattet dem allverehrten Jubilar mit seinem gut jüdischen Herzen, das er sich aus seiner Geburts¬ und Heimatsgemeinde Pohrliz in Mähren vor bald einem halben Jahrhundert mit nach Jglau gebracht hat, noch nachträglich die besten Glückwünsche zu überbringen. M. A. Jglau. Zu unseren Helden auf dem Schlachtfelde gehören auch unsere Krankenschwestern, die sich der Pflege unserer verwundeten und kranken Krieger hingeben. Zu diesen dürfen wir auch Fräulein Bozena Kohn, Tochter des Herrn Kürschnermeisters Emanuel seiner Frau Fanny Kohn, geb. Antscherl, rechnen, mit Kriegsausbruch ist Fräulein Kohn, deren alle Brüder eingerückt sind, in Jglau als Pflegeschwester in den k. u. k. Militärspitälern tätig und konnte selbst eine größere Operation, der sie sich in der Zwischenzeit unterziehen mußte und die glücklich verlief, sie nicht ckbhalten, kaum genesen, wieder der Krankenpflege unserer Soldaten sich zu widmen. M. A. Danksagung. Für die mir anläßlich des Ablebens meiner unvergeßlichen Schwester, Frau Juliette Kaufmann, zugekommenen Teilnamskundgebungen, erlaube mir auf diesem Wege, den wärmsten Dank auszusprechen. Oberkantor Jakob Bauer. Die geehrten Abonnenten werden ersucht die restlichen Abonnementsbeiträge einsenden zn wollen. Israelitisch-theologische Lehranstalt in Wien, Das Schuljahr 1917/1918 nimmt Donnerstag den 11. Oktober seinen Anfang; die Aufnahme-Prüfungen, zu welchen nur die früher schriftlich Angemeldeten zugelassen werden können, finden Donnerstag den 11. und Freitag den 12. Oktober statt. Die Vorlesungen beginnen Sonntag den 14. Oktober. Wien, August 1917. Der Eektor: Prof. Dr. Adolf Schwarz.