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Die Wahrheit · 1917-09-06 · Heft 18 (6.9.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 18 (6.9.1917)
Date
1917-09-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. " . Die Wahrheit ......... Nt. 18. gegen die bisherigen Verhällnisse bedeute. Wer er kann sich auch hier nicht von den Gedankengängen seiner nationalistischzionistischen Freunde loslösen und beklagt, daß man das polnische Judentum anstatt als nationale Gemeinschaft, als eine Reügionsgesellschast organisiert und daß man den Mischen keine Daseinssicherheit gegeben habe. Der Verfasser bewegt sich mit diesen Klagen in derselben Rechtsunkenntnis, wie die Juristen unter den Zionisten und Nationalisten, die vor lauter Mftik die Grundsätze des Verfaffungsrechts und Verwaltungsrechts vergessen. Solange Polen kein Nationalitätenstaat ist, ist keine andere Organisation der Juden möglich, als die einzige, die man in Nationalstaaten kennt, nämlich die in Form einer Religionsgesellschaft. Die Herren, die mehr verlangen, mögen sich mit den Einstigen Gesetzgebern, die die polnische Verfassung ausarbeiten, ins Benehmen setzen; Vorwürfe gegen die Verwaltung aber, die schon während der Okkupationszeit in ihrem Interesse, im Interesse des künftigen Staates und im Interesse der polnischen Juden Ordnung in das Chaos jüdischen Gemeindelebens bringen wollte, sind juristisch und politisch unhaltbar. Ebenso entscheidet über die Rechtsstellung der jüdischen Schulen die polnische Verfassung oder das künftige polnische Schulgesetz. Bis jetzt hat jedenfalls die deutsche Verwaltung bewiesen, daß sie die Rechte der jüdischen Minderheit schützt. Viele Juden in Polen sind ihr dafür dankbar, daß sie die Dinge nicht einfach nach den Theorien einiger Personen behandelt, denen der Einblick in die tatsächlichen Verhältnisse fehlt. Der zweite Warschauer Brief schließt mit folgenden Worten: „Die Deutschen und die Juden Polens blicken mit ernster Besorgnis in die Zukunft. Beide sind speziell über-, zeugt, daß nach dem Kriege, sobald die „Deutsche Macht" sich zuruckgezogen habe, Judenverfolgungen schlimmer Art (Boykott, Rechtsverweigerungen usw.) ausbrechen werden. Möchten diese Zeilen dazu bettragen, daß diesen Besorgnissen gewehrt werdet" .. - Logisch ist dieser Schluß nicht. Sicher nämlich ist, daß der polnische Antisemttismus zur Siedehitze getrieben worden wäre, wenn man von deutscher Sette die jüdisch-nationalistischen Ansprüche gefördert hätte. Kein Mensch könnte dafür einstehen, welche Folgen eine derartige Politik für die polnischen Juden hätte, wenn die „Deutsche Macht" sich zurückgezogen hat. Deutschland will, daß die verschiedenen BevoKerungsklassen in Frieden miteinander leben; die Gegensätze sind groß, Schwierigkeiten und Kämpfe sind unausbleiblich; sie falsch verstandenen Interessen zu Liebe zu vergrößerü, kann nicht die Aufgabe einer verständigen Verwaltung sein. KrfährMugsrmchwers für Kantoren. Bon H. Fabisch. Güttingen. (Schluß.) Wieviel frische Kraft, die sich erfolgreicher für sich und die Gemeinden hätte betättgen können, wäre ihr die richttge Ausbildung zuteil geworden, ging da verloren! Was hätten manche geleistet, die sich fruchtbarer und erfolgreicher für sich und die Gemeinden hätte betättgen können, wäre ihnen die richttge Ausbildung zuteil geworden! Viel ging da verloren! Was hätten manche dieser Kollegen auf ihrem Gebiete erreichen können, hätten sie nicht an der Beschwerlichkeit und Unzulänglichkeit ihrer autodidakttschen Ausbildung so schwer zu tragen gehabt! Und ist es denn nicht auch für einen sttebsamen und feinfühügen jungen Menschen beschämend und niederdrückend, hindert es ihn nicht an der Erlangung der nötigen Autorität und des nottvendigen Ansehens,' wenn sein Mangel an dem nötigen Können von kundigen Gemeindemitgliedern bemerkt, vielleicht auch gerügt wird? Und wenn auch solche im Seminar unzureichend aüsgebildete Kantoren in den Großgemeinden Stellung erhallen, geschah und geschieht das' nicht häufig, weil den Gemeinden keim andere Wahl übrig blieb,? Also dieser Schluß von der Erlangung großer Stellen auf das gediegene Können ist'schon aus diesem Grunde ein Trugschluß. Was jene großen Kollegen vor Jahrzehnten, was der Allgemeine Deutsche Kantorenverband seit seinem Bestehen erstrebt, das ist die Forderung,, daß Bildungsstätten geschaffen werden, die es unöttg machen, daß der Kantor eine allseittge und ausreichende Ausbildung sich auf dem mühsehligen und meistens unzulänglichen Wege autodidaktischen Studiums aneigne. Welches dieses Bildungsstätten sein müssen, hat der Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes in seinen Ausführungen dargestellt. Düs Lehrerseminar mit seinem jetzigen Lehrplan und seiner immer noch nebensächlichen Behandlung des Kantorats kann diese Aufgabe nicht vollkommen erfüllen. Dazu bedarf es der Schritte, wie sie in den. oben angeführten Ausführungen des Ausschusses unseres Verbandes skizziert sind. Auch die private Ausbildung selbst bei befähigten Lehrern kann immer nur ein Notbehelf sein. Und aus diesem Zustande müssen wir herauskommen, und "Mittel ünd Wege dazu Müssen gefunden werden, nicht nur im Interesse der Kantoren, sondern auch der Gemeinden. Und darum muß von den kompetenten Organen das Nötige veranlaßt werden. Und diese Zuversicht gibt uns Acln-aiinim den Mut, das zur Realisierung zu bringen, was den Risabaunivi zu erreichen versagt war. Auch muß dem Kantor der schwierige und umständliche Umweg über den Elementarlehrer, wie ihn die bestehenden Lehrerseminare selbst bei annähernd ausreichender kantoraler Ausbildung bieten, erspart bleiben. Wozu erst der Energieaufwand für Erlangung des Elementarlehrers? Kann die dafür eingesetzte Kraft und Zeit nicht nützlicher zu gründlicher kantoraler Ausbildung benutzt werden? Ist daher nicht der Vorschlag des Allgemeinen Deutschen Käntorenverbandes in Erwägung .zu ziehen, vielleicht zwei der bestehenden Lehrerseminare m Seminare für Religionslehrer und Kantoren umzuwandeln? Und ist nicht gerade unsere Zeit der allgemeinen Neuorientierung einer solchen Umwandlung außerordentlich günstig? Ja, ist sie nicht im eigenen Interesse der Seminare selbst, deren zu große Zahl dem Bedürfnis an EleMentarlehrern nicht entspricht, zu fordern? Und nun noch ein Punkt der Friedmannschen Aus-; führungen! Friedmann behauptet, daß der Kantoratsunterricht an den Seminarien jetzt in fachmännischen Händen läge. Das ist für manche Seminarien nicht zutreffend. Meint der verehrte Kollege, daß der Unterricht schon in „fachmännischen" Händen liegt, wenn der betreffende Lehrer vielleicht die Kenntnis der üblichen kantoralen Melodien (das heißt seiner Gegend) besitzt? Der Lehrer des Kantorats muß eine musikalisch allseittg ausgebildete Persönlichkeit, er muß vor allem auch Gesanglehrer sein, Er muß eine Kraft sein, entsprechend den für jedes Fach geforderten Fachlehrern. Dazu ist aber unbedingt notwendig, daß seine Stellung im Lehrkörper des Seminars, hervorgegangen aus der -richtigen Bewertung des Kantorats, eure den ordentlichen Seminarlehrern gleichwerttge sei. Wenn aber der Kantoratsunterricht in solcher Weise erfolgen muß, was mein -verehrter Kollege Friedmann gewiß gutheißen, wird, dann ist die Organisation in Deutschland, der die Förderung der Gemeinden obliegt, nämlich der Deutsch-Jsraelittsche Gemeindebund, verpflichtet, der Lösung dieser Frage sich mit allen Kräften zu widmen, und zwar so bald wie möglich; denn bedenken wir, welche Gefahren drohen, sollte nach dem Kriege infolge weiterer Verkleinerung der Mittel- und Kleingemeinden der alte Uebelstand eintreten, daß ungeeignete und unwürdige Elemente in den Kantorenstand eintreten, was vor allem ja den Gemeinden selbst zum Schaden gereichen muß. - '

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