Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 16 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 16. Fried er:ssch lu ß bedeutsam erleichtern müßte, weil wir einen auf die Rechte der Völker gegründeten Frieden wollen und auch dem deutschen Volke nicht das Recht zu leben und sich zn entwickeln bestreiten. Trotz des Riesengrolles, den die leitenden Männer der Entente gegen ihre Kriegsgegner noch verraten, läßt sich in ihren Reden bereits mehr Ruhe und Ueberlegung Nachweisen, als dies früher der Fall war. Möglich und sogar wahrscheinlich, daß das weichende Kriegsglück an der Ost- und Westfront an dieser Erscheinung großen Anteil hat. Das englische Geld und die englische Energie ist an der russischen Front doch nicht mehr allezeit allmächtig. Doch ist herzlich zu wünschen, daß au die Staaten der europäischen Zentralmächte in keinen Siegerrausch verfallen, der dem Kriegende entgegenwirken müßte. Der Vierbund erklärte jüngst, er habe die friedlich gesinnte russische Revolution schonen wollen und sei deshalb solange an den russischen Fronten nicht agressiv aufgetreten, doch seien ihre Heere durch die letzte russische Offensive herausgefordert worden. Nun werden Ostgalizien und die Bukowina von den Feinden befreit, Erklärt doch auch der deutsche Kaiser in seinem letzten Aufrufe an das deutsche Volk, er wolle nur den Kampf gerechter Verteidigung zu gutem Ende führen. „Nicht für den Schatten eines hohlen Ehrgeizes wird deutsches Blut und deutscher Fleiß eingesetzt, nicht für Pläne der Eroberung und Knechtung, sondern für ein starkes und freies Reich, in dem unsere Kinder sicher wohnen sollen." Hoffen wir, daß Klugheit das zustande bringen werde, was Christentum und Menschlichkeit anscheinend nicht zuivege bringen können. Die russische Kraft und Macht ging für die gewaltige Kriegsunternehmung der Entente für immer verloren. Wenn sie es wagt, das in Revolutionsfiebern schwer erkrankte russische Reich noch länger gewaltsam in ihren Krieg zu verstricken, dann kann sie Furchtbares erleben. Ohne Rußland kann aber England, Frankreich und Italien nicht hoffen, mit heiler Haut aus dem erbitterten Weltkriege hervorzugehen. Diese genannten europäischen Weststaaten werden sich wohl nicht auf die nordamerikanische Hilfe verlassen, denn sie wissen den Wert dieser Bluff wohl selbst richtig einzuschätzen. Jetzt wäre der richtige Moment zu einem ehre nh a f t e n F r i e d e n s s ch l u s s e, wie die Zentralstaaten bisher versicherten. Als günstiges Symptom kann es aufgefaßt werden, daß nun auch die englische, französische und nordamerikanische Sozialdemokrvtie den Friedenskongreß in Stockholm beschicken will und auch die betreffenden Regierungen ihren gewaltsainen Widerstand hiefür aufzugeben gedenken. Ungeheures Unglück und unermeßlichen Schaden hat der dreijährige Weltkrieg über die ganze Menschheit gebracht. Jahrzehnte sind erforderlich, um seine gräßlichen Wundert zu heilen, aber noch wäre ein schneller Friedensschluß fähig, das Ausbluten ganzer Völker und Staaten zu verhüten. Sieht aber die Menschheit diese Notivendigkeit ein, dann ist jeder iveitere Kriegstag ein unsühnbares Verbrecher:. Mögen die beteiligten Staatenoerbände sich beeilen, so rasch als möglich einen Waffen st ill st and zustande zu bringen, der die Friedensverhandlungen einleiten soll. Er mar die Folge st a a t l i ch anerkannter Selbstsucht. Weder die Religion, noch die .Menschlichkeit rvaren kräftig genug, ihn zu verhindern. So wie es nun müßig ist, nach dem Urheber des furchtbaren Weltkrieges zu forschen so führt es auch zu keinem guten Zwecke hirrterher die Nutznießer des Krieges zur Rechenschaft zu ziehen. Schon rüsten sich Scharen politischer Nutznießer zu Unternehmungen gegenseitiger Verleumdung. Die staatliche Organisation trägt für alle stattgefundenen Mißbräuche die Hauptschuld, weil sie eben möglich waren. Die Beendigung des Weltkrieges wäre nun ein solches Glück für alle, daß alle Rekriminationen grundsätzlich vermieden w erden sollten. Schäden können mit der Zeit wieder geheilt iverden, aber der Sturz des Zarismus, die Demokratisierung der Welt und die endgiltige Beendigung aller Kriegsunternehmungen sind die bleibenden Früchte des letzten Weltkrieges. R. L. Weber die FlLchMngsfürlorge i« Wie«. Zurzeit als unsere tapferen Armeen in Galizien ung in der Bukowina siegreich Vordringen, wodurch uns Flüchtlingen die süße Möglichkeit winkt, bald wieder in unsere Heimat zurückzukehren, sei mir gestattet, einige Betrachtungen über die Flüchtlingsfürsorge anzustellen. Ich habe keineswegs die Absicht, jemanden: Weihrauch zn streuen — vielmehr verspüre ich die Neigung, an manchen Taten und Menschen starke Kritik zu üben — sondern will bloß wahrheitsgemäß einige Persönlichkeiten erwähnen, welche unsere Bewunderung für alle Zeiten erworben haben. Vor allen: die Regierung, die Minister der innerer: Angelegenheiten. Wer Gelegenheit hatte, die Erlässe derselben betreffs Behandlur:g der Flüchtlinge zu lesen, mußte sich sagen, daß Humanisten und Altruisten nicht umsonst gelebt und gewirkt haberr. „Die Flüchtlinge," sagt der Erminister Heinold h: seinem Erlasse vom 13. April 1915, „ob es ihnen nun gelungen ist, noch rechtzeitig die Mittel für den Unterhalt zu sichern oder nicht, leiden durch die Trennung von der Heirnat, sind von ihrer Wirkungsstätte, die ihnen, rvenn auch mitunter noch so bescheiden, teuer ist, entfernt, und sind mit größter Nachsicht und menschlichem Zartgefühl zu behandeln." Auch die anderen Erlässe sind, Dokumente durchträrrkt von rührerrder Menschlichkeit und herzerwärmender Gerechtigkeit, der Anerkennung und des Dankes würdig. Wie diese menschlich-schönen Erlässe befolgt rvurden, ist eine andere Frage. Kann doch der Gesetzgeber nicht überall zugegen sein, uu: seinen Geist rvalten zu lassen. Hat doch schon unser großer Moses geklagt: „Echa esse terchachem lewadi“. Ein tiefer Seufzer begleitet das Wort lewadi „allein"! Auch er hatte keine Mitarbeiter und Mitwirker nach seinern gottgeschenkter: Herzen. Ein anderes Gesicht hat der Gedanke und eir: anderes die Tat. Die Vollstrecker der Erlässe und Verordnungen stehen eben nicht auf demselben Niveau der Jntelligerrz und der politischen Einsicht wie die Schöpfer derselben . . . Dann der hiesige Magistrat, Bürgermeister Dr. Weißkirchner, dessen Entgegenkommen und humanes Wohlwollen gegenüber den Flüchtlingen ohne der: geringsten Unterschied der Konfession seine vornehme Gesinnung, urn mit Schopenhauer zu reder:, seine „Moral der Intelligenz" verraten. Es ist kein Geheimnis mehr, daß der Herr Bürgernreister als Erster, freilich über Fürbitte oder Antrag des Herrn Dr. Rudolf Schwarz-Hiller, bei der Regierung für die Flüchtlinge sich verwendete und sogar z u G u n st e n derselben Geldbeträge anwies, noch bevor er sich mit der Regierung ins Einverständnis setzte. Ur:d zu guter Letzt der Gemeinderat. Wern: wir Flüchtlinge „Gemeinderat" sager:, so meinen rvir keinen anderen als unseren Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. Von diesen: Hunmrritätsinenschen, der seine helle Edelkraft über die Unglücklichsten der Unglücklichen ausstrahlte, sprechend, muß man wieder an den oft zitierten Satz des Propheten denken: „ki lo alman jisroel". . Ich will hier nicht die Genesis, die Geschichte seiner Taten erzählen, wie er Rettungskompagnien kommandierte, eigenes schweres Geld vorschoß; und zuletzt die Flüchtlingszentrale mit ihren mehr als 60 WohKätigkeitssektionen, eine neue Sehenswürdigkeit Wiens, schuf und die er bereits drei Jahre unermüdlich Tag und Nacht (Nacht im finstersten Sinne des Wortes) mit Fleiß und Liebe vollkommen selbstlos, rnitHintanansetzung seiner Privatinteressen,leitet,»sondern heroorheben, daß wir uns außerordentlich freuen, einen Mann in ihm gefunden