Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 16 (10.8.1917)
- Date
- 1917-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die Wahrheit Redaktion und Sldmiiiiftration: Wien, II., Novaragasse 27 Televdon: Redaktion Sliiloniai 42.888. . Ldminisiralio» Sin». 47.85-1 ft. k. tfleir. Poftsparkasso- Echeck-ftonto Nr. iliO.SlS. JnsLrate: Die viermal geivaltc»- Ronva»eiÜe-Zelle W Heller. NbonnemeiilS- und JuierlioiiSbetrüge sind in Wien zahlbar und klagbar. ^«abhängige Heckschnfi für jüöischl Airiere^e«. £ x \ (fte1 n t jeden $ r 111 a i\. Motto: „Das Sieg«! <-«ottes ist Walirh«il!' 0 t j )i i) 5 l* r t i $: «Uauzjührig.X *s».— | Halbjährig.K 7.BO, ^•ili tfnltuäbeumte: I «aaiizjäh, >g.K 10.— | f'vin '.'lii^liuib: r«»»zl"0rig.8 Mark 6 :>t»vrl aber 1 rt Krc». Ur. 16. Wie». 10. Ang«K 1017. Inhalt: Wie lange noch? — lieber die Flüchtlingsfürsorge in Wien. — Zur polnischen Judenfrage. — Tie jüdische Zukunft in Palästina. — Bibelwissenschaftliche Irrungen. — Verschiedene Nachrichten. — Tsterr.-Ungar. Kantorenverein. Wie lange noch? > 91L l c kriegführenden Staaten haben bereits feierlich verj sichert, daß sie keine E rode runge n und keine gewaltsamen K r i e g s e n t s ch ä d i g u n g e »r zu erzwingen beabj sichtigen. Die revolutionäre russische Regierung machte bekanntlich j mit diesem Friedensvorschlag den Anfang und seither schlossen j sich Deutschland und Oesterreich-Ungarn in Regierung und Volksvertretung diesem verheißungsvollen Programme all. Auch die Staaten der Entente wagen es nicht mehr, sich diesem Friedensprogramme offen zu widersetzen, aber sie versuchen es, den Sinn dieses Programmes durch die unlogischesten Verdrehungen und Vergewaltigungen in ihrem Sinne umznbiegen. So versicherte am 30. Juli der englische! Staatssekretär des Auswärtigen, Balfour, aus Anfragen Abgeordneter im Unterhause: „Wir sind gewiß nicht für imperialistische Ziele oder um eine Kriegsentschädigung zu erhalten, in den Krieg gegangen". Er scheut sich aber nicht in seiner Rede zu erklären, daß die Rückgabe Elsaß-Lothringens an Frankreich keine Eroberung, sondern nur eine ganz gerechte Rückgabe geraubten Gebietes bedeute, obgleich seit dieser Zeit 46 Jahre verflossen sind. Tie Demokratisierung Deutschlands gedenkt Balfour wohl ähnlich durchzuführen, wie England dies in Griechenland durchsetzte, denn er versichert schließlich: „Ich glaube nicht, daß der europäische Friede gesichert werden kann, ehe Deutschland machtlos oder frei ge in acht ist". Das deutsche Volk ist wirklich nicht auf die Hilfe und Großmut Balfours angewiesen. Die englische Regierung hat übrigens ihren eigenen Volksvertretern gegenüber einen harten Stand, denn Snowden genierte sich nicht zu konstatieren, die Rede Bonar Laws berechtige zur Ansicht, die britische Regierung st e h e einem baldigen Friedensschlüsse mehr als jede andere im Wege. Er versicherte ferner, sie wisse nichts vor: den pazifistischen Ansichten t a u send e r Briten, nichts von deni Wechsel der Ansichten der Soldaten. Sie wisse nichts von den revolutionären Vorgängen in der französischen Armee. Er fordert schließlich i m Name n der Menschheit, daß der Krieg jetzt beendet werde. Lees Smith stellte die Frage, ob der Leiter der liberalen Partei den Grundsatz „Keine Annexionen" auch auf die deutschen Kolonien anzuwenden bereit sei, und er erklärte, es wäre eine S ch a n d e, ivenn ein Land, das angab, um der Gerechtigkeit willen in deli Krieg einzutreten, mit einer (Gebietserweiterung von einer Million Ouadratureilen aus dein Krieg herauskomme. Gerade die Ankündigurlg des Handelsboykottes ulld des Wirtschaftskrieges habe das deutsche Volk geeind und gestärkt. „K e i n V o l k lv e r de ei n e n H a n d e l s b o y k o t t ü b e r sich ergehen lassen." Macdonald fragte aul 26. Juli im Unterharlse, ivarum die englische Regierung und Presse konseguent von der Kanzlerrede in Berlin lind nicht von der Friedensresolution des "Abgeordnetenhauses spreche, obgleich letztere als B o l k s e r kl ä ru n g ungleich wertvoller sei. Die britische Regierung suche doch einen Verständigungsfrieden, der jedenfalls besser ivüre als ein diplomatischer "Notbehelf oder ein militärischer Waffenstillstand. Solange die Deutschen fürchten inüssen, nach dem Kriege erst recht lvirtschaftlich erdrückt zu iverden, Hütten sie G r u n d z u Bl i ß t r a u e n. Infolge der russischen Revolution müsse auch England seine Kriegsziele ä n d e r n. Das Land rviffe auch nichts von den Vertrügen mir Italien und Rumänien, die erst nach Kriegsausbruch abgeschlossen wurden. Tie Regierung sei schuldig nachzuweisen, daß zwischen diesen Vertrügen und früher abgegebenen moralischen Erklärungen kein Wide r f p r u ch bestehe. Die Erklärungen des französischen Ministerpräsidenten Ribot irr der Kammer erwiesen, daß die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers über den G e h e i m v e r t r a g Frankreichs mit dein russischen Zaren am Vorabende der russischen Revolution nicht aus der Ln ft gegriffen ivaren, denn er mußte eine Unterredung mit dem Zaren zugeben, auf Grund welcher Briand Domnergue die Ermächtigung erteilt habe, vom Versprechen des Zaren die französische Rückforderung von Elsaß-Lothringen zu unterst ü tz e n 'und in der Anfsnchnng vori G a r a n t i e n gegen jeden neuen "Angriff freie Hand zu lassen. "Akt zu nehmen. Der verlogene Fuchs erklärt sogar: „Wir rverden an dem Tage, an den: es die russische Regierung für gut halten wird, diese Briefe zu veröffentlichen, keine (Einwendung dagegen machen". Wertvoll ist das (Geständnis Ribots, am 21. März im Flamen Frankreichs die Erklärung abgegeben zu haben, jede Politik der Eroberungen und gewaltsamen Annexionen z u r ü ck z u iv eise n. Ribot beschwert sich auch darüber, weil der deutsche Reichskanzler auch feine am 22. Mai in der Kanimer abgegebenen Erklärung verschwieg, in welcher er die Bereitwilligkeit erklärte mit Rußland ein Einveruemen über die Kriegsziele zu treffen, welches den