Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 15 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 15. den Waffen klirrt, doch gibt er Luch den KriegsentHuftastep einen Klaps, wenn er von vo r e,il.ig en P rop h etien spricht, welche die Erwartung aussprechen, daß der Krieg «irfolge der U-Boote zu einer bestimmten Zeit beendet sein wxrde. Unterdessen wütet der Krieg an allen Fronten weiter und selbst das Russische Reich muß trotz wilder Zuckungen der Revolution daselbst und trotz seiner entschiedenen Friedenssehnsucht dabei mittun. Weiß Gott, wie lange noch! Wir fragen mit dem Abgeordneten des Zentrums, Fehrenbach: „.Soll noch ein viertes 'Kriegsjahr den drei ersten folgen?" Herr .Scheidemanü hat mit seinen Schlußworten vollkommen recht, welche lauten: „Was die ganze Welt braucht, ist der Wille und die Kraft zum Frieden.-" Euch der Abgeordnete Payer trifft den Nagel auf den Kbps, wenn er sagt: „Die Resolution ist herausgewachsen aus dem Empfinden, daß sich jetzt am Ende des dritten Kiriegsxckhres nicht nur Deutschland und seine Bundesgenossen, sondern die ganze Menschheit nach dem Frieden, sehnt." _ „Den Frieden, der nach diesem Kriege kommen _ muß, den haben vorbehaltlich aller formalen Zuständigkeiten meh-r die Völker als die Magrerunge.n abzuschließen." Die Entscheidung üben di» weitere Dauer des Weltkrieges liegt in Wahrheit in den kommenden russischen Ereignissen. Noch gelang es den perfiden eich lisch en Diplomaten, die widerstrebenden russischen Heeresmassen in Gakizien vorzutreiben, aber der Erfolg bleibt nicht immer treu, und die vergewaltigten russischen Volksmassen, welche deutsch genug den Wunsch nach Kriegsbeenöigunlg vor 'aller Welt äußerten, Essen die Perfidie Albions endlich ebenso deutlich erkennen wie die königtztreuen Griechen, welche 'die verbrecherische Verbindung Englands mit dem Hochverräter Veniselos an ihrem Leibe verspüren. England glaubt überhaupt "bereits die Zeit gKommen, seine Maske der Beachtung der Völkerrechte als Haus! der Entente auch 'gegen Me schwächeren Neutralstaaten, wie gegen Dryweoen und Hokkand fallen lassen zu können, aber — „wer Wind säet, der wird .Sturm ernten". Trotzdem Nehmen in? englischen Machthaber noch immer den Mund voll von ihrer richterlichen.Mission! gegen das vergewaltigende Deutschland. Ein Staat aber, welcher die Ä u s hu n g e r uN g vieler Millionen unschuldiger Frauen, Minder und Greise in den Lärmern seiner Gegner als zulässiges Kampfmittel erachtet, der nicht einmal davor zurückschreckt, Bomben aus die den meisten Europäern geheiligten Stätten Palästinas werfen zu lassen und dessen Habgier keine Grenzen kennt, kann , sich eines solchen .Strafmandats gegen einen Gegner nicht anmaßen, den es zuerst in seinen Lebensbedingülngen schwer bedroht und dadurch zu verzweifelten Abwehrmethoden gedrängt hat. Nach drei Jahren der Kriegswut ist keiner der kriegführenden .Staaten schuLlos geblieben, und die gegenseitigen Frieden nicht fördern. Möchten doch auch die zwei großen ungerechten Vorwurfe können die Versöhnung und den feindlichen Machtgruppen den österreichischen. Ministern nachahmen, welche im. Reichsrate offen und freimütig, begangene Fehler und Jrrtümer emgestanden, möchten sie sich 'doch die Taktik des klugen österreichischen Kaisers jUt eigen machen, welcher das Werk der kommenden Völkerversöhnung in Oesterreich mit seiner großherzigen, Amnestie «für irrende und verschuldete Gegner einleitete. Momentan wissen wir nicht, ob der entsetzliche Weltkrieg noch die.Schrecken xines Winterfeldzuges zum viertenmal wiederholen soll. Auf beiden .Seiten der Kriegsgegner gibt es ^Staaten, welche dadurch unrettbar zum Ausbluten gebracht würden. Die Völker, und ganz besonders die durch den Krieg am schwersten mitgenom- -- menen armen und arbeitenden breiten Volksschichten erkennen dies am deutlichsten. Darum treten dieselben am deutlichsten uttö entschiedensten für die möglichst baldjige Wiederherstellung des Weltfriedens, und zwär eittes dauernden, ein. Much die Franzosen und Engländer sind nicht durchwegs Kapitalisten und Rentner, auch in Nordamerika sind nicht alle Bürger Milliardäre. Auch dort kann der Tag bald herattnahen, an dem der .Sturm der allgemeinen Friedenssehnsucht die Kriegsspekulanten rn den Regierungen hinwegfegt. An diesem Tage wird der Friedensgedanke überall allmächtig und reif, und keine diplomatische Intrige kann dann den Kriegsschluß noch weiter rn die Ferne rücken. R. L. Sonntag, den 22. d. M. ist der Seniorchef der Buchdruckerei Moriz Waizner & Sohn, Herr kais. Rat Moriz Waizner, im 86. Lebensjahre gestorben. Mit dem Verblichenen, einer in seinem Berufe allgemein geachteten und in den weitesten Kreisen der Gesellschaft hochgeschätzten Persönlichkeit, schied einer der letzten Reste des jüdischen Altwien, ein Mitarbeiter und Zeuge des großen Aufschwunges, den die Reichshauptstadt Wien und mit ihr die Wiener Kultusgemeinde seit Beginn der konstitutionellen Aera in Österreich genommen hat. Vielfache Beziehungen verbanden ihn mit den führenden Männern jener Zeit und es war ein voller Genuß ihm zu lauschen, wenn er aus den reichen Erfahrungen seines Lebens schöpfte und mit seiner scharfen Beobachtungsgabe Charakterbilder aus den verflossenen Dezennien zeichnete. Bei allem Verständnis für die Forderungen der modernen Zeit war er ein ivahrhaft frommer und guter Jude, der init allen Fasern seines Herzens an seinem Glauben, an seiner Gemeinde und mit geradezu rührender Anhänglichkeit am Tempel in der Seitenstettengasse hing. Inniger Familiensinn, Achtung vor der Wissenschaft und Freude am Wohltun, dieser volltönende Dreiklang altjüdischer Tugenden waren ihm tit seltenem Maße zu eigen. Insbesondere die jüdische Wissenschaft hat er vielfach gefördert und zahlreichen aufstrebenden Talenten durch seine werktätige Unterstützung den Aufstieg ermöglicht. Wenn ein armer jüdischer Literat die Früchte seiner Geistesarbeit der Öffentlichkeit übergeben wollte, so brauchte er sich nur an Moriz Waizner zu wenden und er fand an ihm einen väterlichen Freund und Berater und einen uneigennützigen großmütigen Verleger. Aus seiner Druckerei nahm gewissermaßen die jüdische Journalistik in Wien ihren Ausgang. Durch viele Jahrzehnte wurde bei ihm die „Neuzeit", früher das einzige jüdische Organ in Wien, gedruÄ und seine enge Arbeitsstube hat Männer wie Wertheimer, Kuranda, Kompeet, Jellinek, Szanto, Weiß, Friedmann und viele andere Koryphäen des Geistes bei ihrer gedankenreichen Arbeit gesehen. So stand er lange Zeit im Mittelpunkte des jüdischen Geisteslebens in Wien als ein bescheidener, nimwermüder Arbeiter für die Ideals des Judentums. Auch unserem Blatte war er ein Freund und Gönner und unverwischbar wird unsere Dankbarkeit für seine treue Fürsorge bleiben. Wohltutt war ihm ein Herzensbedürfnis und wo seine eigenen Mittel Nicht ausreichten, um Not und Elend zu lindern, da wanderte er rastlos von Palast zu Palast, um durch warme Fürsprache bei den Größen und Reichbegüterten Interesse und Hilfe für seine Schützlinge zu finden. Er war ein seltener, charakterfester, edler und guter Mensch, det am Ende seines arbeitsreichen Lebens auf eine lange Kette sögenbringenden Wirkens zurückblicken konnte Uttd das Andenken an ihn wird Unzähligen unvergeßlich bleibeü. Das Leichenbegängnis fand Mittwoch, den 25. d. M., unter überaus. großer Teilnahme statt. Im Traüerhause würdigte der Vertreter der KUltusgetsteinde, Herr Landesschultat Dr. Markus Spitzer, . mit beredten Worten das Leben und Wirkest des Heimgegangenen. Hierauf würde die Leiche auf den Zentralfriedhof überführt, wo stach Vortrag der