Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 15 (27.7.1917)
- Date
- 1917-07-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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{ . Redaktion und Administration: j Wien, II., Novaragasse 27 | Telephon: ,J Redaktion Slutomat 42.888. i Administration Aut. 47.654 j ft. k östcrr. Postsparkasia» I Echeck-ttoino Nr. tllV.SIL. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. AbonnemenlS- und Insertion»» betrüge sind in Wie» zahlbar und klagbar.!aaöhängige Heltschnft für jüölschs Irrtere^en. S r i ch i n t leben A r e i t u i\. Motto: „Das Siegel Gölte« ist Wahrheit! Bezugspreis: i tl-aniiadri«.IC 45 — Halbsähria.K 7.50 „ ^>»l Zfnlt„svea>nte: :) lUmijinUrid.K 10.— ziii Vtiirhmb: i (VnitiiftOcid.8 Marl j 6 Muhet oder 1(4 Are». Kr 15. Wien. 27. 3«li 1917. Inhalt: Wie steht es mit der Beendigung des Krieges. — Kaiser!. Rat Moriz Waizner. — Das christlich-germanische Schönheitsideal. — Im rumänischen Kriegsgebiet. — Jüdische Asyle in Sibirien. — Verschiedene Nachrichten. Wie steht es mit der Beendigung des Krieges? Es ist sicher, daß alle Völker des Erdballes, auch 'diejenigen, deren Männer noch nicht auf den.Schlachtfeldern und in den.Schützengräben kämpfen, des allschädigendchi Krieges müde sind und einen baldigen Weltfrieden herzlich herbeisehnen. Gibt es doch in den kriegführenden .Staaten — und dies sind momentan bekanntlich die meisten der Erde — kaum noch eine Familie, welche nicht schon schmerzliche Verluste an Leben, Gesundheit und Gut zu beklagen hätte. Nur Negierungsmänner, die den Weltbrand entfacht haben, uno selbstsüchtige Personen und Bereinigungen, denen er noch Macht und Reichtum in den Schoß werfen kann, reden heute noch zugunstender Kriegsverlängerung. Die Mehrheit des deutschen Reichstages nahm nun am 19. Juli l. I. die bekannte Friede nsrilesol u t i o n an, in der das Parlament feststellt, daß Deutschland nur „zur Verteidigung seiner Freiheit und Selbständigkeit und der Unversehrtheit seines kulturellen Bestandes" die Waffen ergriffen habe. Der Reichstag erstrebe „einen Frieden der Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker unter Ablehnung des Gedankens erzwungnerGebietsabtiretungen". Er erstrebe ein dauerndes, freundschaftliches Zusammenleben der Völker auf Grund des wirtschaftlichen Friedens und der Freiheit der Msere. Aber das deutsche Volk sei entschlossen, „unerschütterlich zusammenzustehen und auszuharren zur Verteidigung seiner und seiner Verbündeten. Rechte auf Leben und Entwicklung, solange die feindlichen Regierungen einen solchen Frieden zurückweisen und Deutschland und seine Verbündeten mit Eroberung und Vergewaltigung bedrohen". Die Erklärungen des österreichischen Frtedenskaisers entheben wohl das österreichische Abgeordnetenhaus von der Notwendigkeit der Bekundung seines Friedenswillens, trotzdem gab der Präsident des österreichischen Abgeordnetenhauses gelegentlich der .Schließung des Sessionsabschnittes am "15. Juli l. I. dem heißen Wunsche nach Beendigung dieses Krieges Ausdruck, wobei er auch den Wunsch aussprach, „daß es unserem Kaiser und seinen treuen Verbündeten im Einhernehmeai mit ihren Völkern gelingen möge, einen dauernden Frieden herzustellen, der keinen Haß zurückläßt und alle Nationen zu gemeinsamer Kulturarbeit wiederver einigt." Der Häuptling der Entente, Lloyd George, hat doch seinerzeit erklärt, mit den Völkertn der Kriegsgegner sei er bereit, Frieden zu schließen. Nun haben die Völker Deutschlands und Oesterreich-Ungarns ihre Friedensbereitschaft ebenso klar und entschieden zum Ausdrucke gebracht wie 'der russische Arbeiter- und Soldaten rat, und die schwere Blutschuld der Regierungsmänner der Entente wächst furchtbar, wenn sich dieselben noch ferner ablehnend verhalten. Die Erklärung des ungarischen Ministerpräsidenten. Grafen Esterhazy vom 11. Juli l. I., in welcher derselbe die Bündnistreue mit Deutschland energisch betont, so daß gegen dieselbe „selbst der geringste Argwohn eines Zweifels nicht heranreichl", rechtfertigt die Vermurung, daß sich die Regierungsmänner unserer Kriegsgegner anftrengten, diese Bündnistreue zu erschüttern oder mindestens in Zweifel zu ziehen. Graf Esterhazy macht die Kriegsgegner für die Fortsetzung des Krieges verantwortlich, weil sie diese Friedensbereitschaft kennen ^und wissen, daß es sich „um euren für sämtliche kriegführenden Staaten akzeptierbiaren und ehrenvollen! Frieden handeln würde". Der neue deutsche Reichskanzler Dr. Michaelis war zwar mit der Friedensresolution des deutschen Reichstages einverstanden, doch seine Antwort auf die wiederholten schnöden Anfragen der Kriegsgegner klang gereizt iund energisch: „Deutschland wird den Krieg nicht läntzerführen, wenn er einen ehrenvollen Frieden bringt, bloß um Eroberungen zu machen." „Wir wollen in die Verhandlungen eintreten, wenn es "Zeit ist, aber wir können den Frieden nicht noch einmal anbieten." „Wenn wir Frieden machen, dann müssen wir ja in erster Linie erreichen, daß die Grenzen des Reiches für alle Zeiten siichergestellt werden." „Wir müssen im Wege der Verständigung und des Ausgleiches die Lebensbedingungen des Deutschen. Reiches auf dem Kontinent und über .See garantieren." „Der Friede muß der weiteren Verfeindung der Völker durch wirtschaftliche Absperrungen Vorbeugen." Bis ader die Feinde ihre Eroberungs- und Niederwerfungsgelüste aufgegeben haben und eine Verhandlung wünschen, „müssen wir ruhig und geduldig und mukig aus harren." Das deutsche Volk sieht nach diesen Aeußerungen des neuen Reichskanzlers noch keinen Gewinnen dem Kanzlerwechsel, um so weniger, als Dr. Michaelis in seiner Rede mit