Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1917-07-13 · Heft 14 (13.7.1917) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 14 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3063801-3063815--10378-3077709
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 6. f fi Die Wahrheit, Nr. Ui gekomitees in gang Oesterreich int verflossenen Jahre gewahrten Subventionen, einschließlich der dem Hilfskoznitee in Budaepst lüberwiesenen Beträge machte Kronen 3,225.096.— aus. Was Galizien betrifft, so sind zahlreiche Orte, bereit, Einwohner beinahe vollständig nach Westen geflüchtet waren und mit denen übrigens infolge der vorübergehenden neuerlichen feindlichen Okkupation eine Verbindung von Wiest aus nicht aufrecht erhalten werden konnte, aus der Liste ausgeschieden. Die jVerTeinerung des Territoriums der Fürsorge bedeutete aber keineswegs eine Entlastung des Vereines, da, abgesehen von der Unterstützung der aus diesen Gemeinden geflüchteten jüdischen Bevölkerung, die Hilfe trn übrigen Teile von Ost- und Mittelglalizien infolge der steigenden Not der Erwerbslosigkeit unh der Lebensmittelteuerung immer höhere Anforderungen stellte. Dem jüdischen Rettungskomitee in Lemjberg, welches die Hilfe für eine große Anzahl ostgalijzischer Gemeinden zentralisierte, wurde im Jahre 1916 zu Gunsten dieser Gemeinden über eine Million Kronen zur Verteilung überwiesen. Es wurden Volksküchen, Teeanstalten erhalten, Brot, Mehl, Kartoffeln und Holz verteilt. In Lemberg selbst wurde im Juni vorigen Jahres, als die-Neue Flüchtlingsb ew ^ung bsgjann, auf dem Bahnhofe eine Labestation eingerichtet^ welche int Juni 9844, im Juli 11.572, im August 24.269 Flüchtlingen und Evakuierten auf der Durchreise Brot, Tee und Suppe, sowie Milch für die Kinder verabreichte. In drei Kinderhorten wurden die durch die Kriegtzereig^ nisse verwaisten und schutzlos gebliebenen Kinder untergebracht. Ferner bestehen Zentralkomitees in Gorlice, eine Anzahl galizischer Gemeinden. Mit dem im vorigen Jahre in Wien begründeten besonderen „Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder aus Galizien und der Bukowina" hat die Israelitische Allianz das Abkommen getroffen, daß von dem gesamten Auftvande des Ver^- eines für Kleider, Schuhe und Wäsche zu Gunsten der Waisenkinder 35 Prozent refundiert werden. Die Gesamtausgaben betrugen von Mai 1916 bis Mai 1917 in zirka 150 galizischen Gemeinden 1,718.100.— Kronen (gegenüber 876.000.— im Jahre 1915—1916). In Russischt-Poleu hat die Hilfsaktion erst im Jänner 1916 beginnen können. Es wurden 4 Hauptkomitees in Lublin, Radom, Kielce, und Piotrkow eingerichtet, und die ursprünglich an 120 jüdische Gemeinden des Landes gewährten Unterstützungen betrugen insgesamt 79.400.— Kronen monatlich. Die Zahl der notleidenden Gemeinden vergrößerte sich und die Subventionen stiegen zeitweilig auf 136.000 Kronen monatlich. / Im November 1916 wurde in, Lublin eine Konferenz von Vertretern aller jüdischen Gemeinden Russische-Polens veranstaltet, an der als Delegierter der Israelitischen Allianz Herr Dr. Kaminka teilnahm. Es wurde beschlossen, eine Zentralkommission für die Verteilung der Unterstützungen einzusetzen, welcher außer den monatlichen Subventionen ein besorwerer Beitrag von 50.000.— Krojnen für Winteranschäsfungen bewilligt wurde. Aber schon Nach zwei Monaten des Bestandes fand sich die Komimission. veranlaßt, teils wegen der großen Entfernungen und der Schwierigkeiten von Lublin aus, die Aktion im ganzen Lande durchzuführen, teils wegen Reklamation der Provinzkomitees, ihre Tätigkeit einzustellen, sodaß die 4 erwähnten Bezirkskomitees wieder aktiviert werden mußten. Es gelangten an zirka 140 Gemeinden bis Mai 1917 zur Verteilung: Durch Lublin 873.550.— Kronen, durch Radom 397.120.— Kronen, durch Piotrkow 188.500.— Kronen, durch Kielce 173.200.— Kronen) zusammen 1,632.407 Kronen. Die Unterstützungen wurden in den meisten Orten an die allerärmsten Juden entweder durch die jüdischen Sektionen des Bürgerkomitees vder durch WohltätiAeitsvereine ,Kings Hazedek" (für Obdachlose)) dann. „Achießer", „Tomche Ewjonim" oder Mäskil el dol" (für Armenunterstützung) bar verteilt. In den größeren Städten auch zur Erhaltung der Kin^- derasyle und Volksküchen, 'sowie für Ausspeisungen der armert, Schulkittder, verwendet. Auch mehreren tausend von der Nähe der Front nach den Gouvernements Radom und Kielce evakuierten jüdischen Familien, wurde Hilfe glewährt. t Die jüdischen Gemeinden in Wolhynien/die sich im gegenwärtigen österreichischen Okkupationsgebiete befinden. Kowel, W l ad im ir W o ly nsk (wo nach einer Mitteilung des k. u. k. Kreiskommandos in der Stadt selbst 10.152, in der Umgebung 8042 Juden zumeist in großer Not verblieben sindj), M a c i e j e w und T u r y s k erhielten ebenfalls Unterstützungen. - In Rumänien, wo durch die siegreichen Waffen der Zentralmächte in erfreulicher Weise die Inden im okkupierten Teile zum erstenmale als Menschen und Bürger aufatmen, konnten, wurde seit März d. I. von der Allianz ebenfalls eine Hifsaktion zu Gunsten der durch die Kriegsereignisse in Not geratenen jüdischen Bevölkerung geleitet. Dem nn.ter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. M. Beck stehenden Zentralkomitees und dem Komitee in .Crajova wurden bis jetzt Subventionen in der Gesamthöhe von. 63.000 Kronen überwiesen. Das in, Belgrad für die notleidenden jüdischen Gemeinden Serbiens eingesetzte Komitee erhielt, ein* schließlich einer Unterstützung für Monastir, 24.000 Kronen, wovon 8.-800 Kronen anläßlich des Pessachsestes an die spaniolische notleidende Bevölkerung in Belgrad, Schabatz, Semendria, Kragujevac und Obrenovac zur Verteilung gelangten. Das Bureau der Israelitischen Allianz vermittelte ferner bis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit Amerika private Geldsendungen von Familienangehörigen in Amerika an notleidende Juden in der Monarchie und in den okkupierten Gebieten und veranstaltete Nachforschungen über den Verbleib von Angehörigen amerikanisch-jüdWer Familien. Zu Gunsten der in Jerusalem und Jaffa durch die Kriegset eignisse, durch das Ausbleiben der Spenden aus Galizien, die Entwertung der Valuta und die außevordentliche Steigung der Lebensmittelpreise in Not geratenen Juden wurden bereits vor den letzten Ereignissen ist Palästina verschiedene Unterstützungen bewilligt. Für die aus Jaffa evakuierten Inden hat die Allianz durch das Ministertun: des Aeußcrn einen Betrag von 20.000 Kronen überwiesen.__ Nationale Gleichstellung der Inden in Ober-Ost. In, den Berliner „Neuen Jüdischen Monatsheften" erscheint folgende beachtenswerte Mitteilung: Bekanntlich ist durch Verfügung der russischen Regierung vom 5. April 1917 die Russische Judengesetzgebung aufgehoben worden. Bereits im Spätherbst 1916 wurde gelegentlich eines Besuches der Leiter des Komitees für den, Osten an den Oberbefehlshaber Ost die Bitte gerichtet, die Aufhebung auch für die der Verwaltung Obest-Dst unterstehenden Gebiete von. Litauen, Kurland, Suwalki nsw. anzuordnen. Es erfolgte darauf eine Einladung des Komitees durch den Chef des Generalstabes, und in dem Einlchladnng?sschreiben wurden zu gleicher Zeit die Gruudy sätze mitgeteilt, welche bereits seit einiger Zeit die Ver!- waltung bei ihrer Behandlung der Judenfrage festgelegt hatte. Diese Prinzipien, welche von großem Wohlwollen und Gerechtigkeitssinn zeugen, sind auch später mündlich best Herren des Komitees näher erläutert worden. Der Oberbefehlshaber Ost vertritt hinsichtlich der Geltung der russischen Gesetze im Verwaltnngsgebiete

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.