Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 14 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Schriftsteller s. Bettelheim aus Ungarn, der bis zum jl. Mai in, Amerika war und an diesem Tage noch einer jüdischen, Versammlung in Newyork beigewohnt hat, ubey- Lriggt Grüße des dortigen Hilfskomitees, insbesondere des um die Hilfsaktion, hochverdienten Ir. I. L. Magnes uyd beantragt, diesem rastlos für die Linderung der Not der jüdischen Opfer des Krieges in Europa tätigen Merhschersfreunde den Dank der Allianz auszusprechen. Dr. Kaminka bemerkt, daß die Dankbarkeit des Ber»- eines an die Veranstalter der Sammlungen in Amerika jijjÜ, insbesondere an Herrn Dr. I. L. Magres im Bejirichte ausgssdrückt ist. Der Vorsitzende, Herr Dr. Kuranda erklärt, daß die vielen in Der Versammlung gesprochenen Dankworte für die Hilfsäktion überhaupt an Die Adresse unserer hochherzigen, amerikanischen Glaubensgenossen gehören, da nur hurch deren munisizente Zuwendungen die Hilfsaktion irs so großem Umfange (es wurden im verflossenen Jahre allein, wie sich aus den detaillierten Listen im Berichte ergibt, K 6,500.000 verteilt), ermöglicht wurde. Der Jahresbericht und die Bilanz werden hierauf einh stimmig genehmigt, und die ausscheidenden Vorstands^ mitgliäier Prof. Dr. S. Ehrmann, Dr. Arthur Kuranda, Ministerialrat Camill Kuranda, Dr. Alfred Lederer und Julius Wolf (letztere zwei als kooptierte Mitgliedern, durch Akklamation wiedergewählt. Ebenso wird die enfolgte Wahl von Beiräten genehmigt, worauf die Bech sammlung mit dem Danke des Vorsitzenden an die Teilnehmer .geschlossen wird. Der an die Generalversammlung Erstattete und an die Mitglieder des Vereines versandte Jahresbsricht beginnt mit einer Erinnerung an das größte und schmerzlichste Ereignis, welches die Juden in Oestersreich im verflossenen Jahre erlebten: Das Hinscheiden des Kaisers Franz Josef. Es wird darauf hingewiesen, daß erst durch die gerechte, humane und segensreiche Regierung dieses Herrschers und die große Wandlung, welche sie in der bürgerlichen Stellung unserer Glaubensgenossen in der Monarchie hervorgerufen habe, die Vorbedingung für die Begründung der Israelitischen Allianz in Wien geschaffen wurde. Als Weites, Weltgeschichte liches Ereignis, Pas von unermeßlicher Tragweite für die jüdische Religionsgemeinschaft in der ganzen Welt erscheint und neue Perspektiven für die gemeinsamen jüfdischen Hilfsbestrebungen eröffnet, wird der Sturz des Zarentums in Rußland hervorgehoben. Es wird das Edikt der provisorischen Regierung, in Rußland vom März dieses Jahres über die Befreiung der bedrückten Konfessionen und Nationalitäten angeführt und mit Geugtuung konstatiert, daß durch dasselbe der unglückselige Ansied^ jungsrayon aufgehoben, die volle Freizügigkeit der Juden im russischen Reiche gewährleistet und eine uneingch schränkte Zulassung derselben zu allen zivilen und militärischen öffentlichen Aemtern und staatlichen Würden ausgesprochen wird. Der nun folgende Tätigkeitsbericht für das verflossene Jahr darf wohl, was den 'Umfang der gewährten Hilfe und die zur Verwendung gelangten Mittel betrifft, als der seit der Begründung des Vereines weitaus bedeutendste bezeichnet werden, wobei allerdings die Hilfsaktion im Wesentlichsten durch die a m e r i k a n i s ch e n G e l d er erfmöglichi wurde. Die Not der jüdischen Bevölkerung in den Wichen Kriegsgebieten hatte nach den Ereignissen des Sommers 1916 ungeahnte Dimensionen angenommen. Neue Flüchtlings Massen aus Ostgalizien und der Bukowina strömten nach den westlichen Krowländern. Sie befanden sich in einem noch elenderem Zustande, als die bei Beginn des Krieges von den bedrohten Ortschaften Galiziens geflüchteten Personen. Die von Tag zu Tag sich verschärfende LebeNsmittelnot brachte, trotz der Erhöhung der staatlichen Unterstützung, viele tausende von Familien in die Gefahr zu verhungern, und der strenge Winter vermehrte das Elend. Glücklicherweise nähl? inen die amerikanischen Sammlungen einen mit der Entwicklung der Not einigermaßen Schritt haltenden Aufschwung. Während die Gelder aus Amerika in den ersten beiden Kriegsjahren zusammen.nur zirka zwei Millionen Kronen ausgemacht hatten, erhielt Die Allianz im Jahre 1916 vom Joint Distribution Comittee in Newyork zu Dunsten der Flüchtlinge und ftir die notleidenden Juden in Galizien, selbst/wie in dem von den österreichsMungnrischen Truppen okkupierten Gebiete zusammen 8,200.000 Kronen. "Der Verein konnte dadurch in bett 12 Monaten seit dem vorjährigen Berichte, vom 1. Mai 1916, bis 1. Mai 1917, allein über 6,500.000 Kronen zur Per* teilung bringen, während die weiteren Ausgaben, nach den durch das Ausbleiben weiterer amerikanischer Zuwendungen notwendig gewordenen Einschränkungen noch invmer nahezu eine halbe Million Kronen monath 'ich erfordern. In Anbetracht der großen Ausdehnung der Hilfsaktion und damit die Verteilung in steter Fühlungrahme mit Vertretern aller sich für das Hilfswerk interessieren.- den Körperschaften und Bevölkerungsklassen geschehe, wunde ein erweitertes Komitee gebildet, in welches neben dem leitenden Ausschüsse der Israelitischen Allianz und dem Wiener Vertrauensmanne des Komitees in Newyork, Herrn Maximilian Pauh-Schiff, je zwei Vertreter der Humannitätsvereine B'nai B'rith für Oesterreich und des galizischen Hilfsvereines, zwei galizischjüdische Reichsratsabgeordnete, drei Herren aus der Mitte der orthodoxen Indenschaft in Wien und drei von der zionistischen Organisation nominiert Herren gewählt wurden. In den Plch narsitzungen dieses Komitees werden die Grundlinien der Hilfsaktion beraten. Was die Flüchtlinge aus'Galizien und Der Biykowina betrifft, so gibt der Bericht statistische Daten über die Verteilung derselben in den westlichen Ländern, wonach in Böhmen fast in allen politischen Bezirken und in den Gebieten aller jüdischen Gemeinden zusammen 72.253, in Mähren 35.682, in Oesterreichisch»-Schlesien zirka 12.800, in Oberösterreich 10.000, in Steiermark 3.767, in Salzburg 1.815, in Wien und Niederösterreich zirka 40.000, in Ngarn (in sieben westlichen Komitaten und in Budapest)' zirka 20.000 untergsebracht wurden. Zitzmeist Wurden die Flüchtlinge in .ganz kleinen Gruppen in den Dörfern zerstreut. So ergibt sich aus den Berichlten der einzelnen von der Allianz eingesetzten Zentrale komitees, daß z. B. im Rayon Budweis 4.510 Flucht^ linge in 112 Dorfgemeinden, in Oberösterreich in Gegend pen, wo niemals Juden gewohnt hüben, im Bezirke Braunau 1.789, im Bezirke Efferding 943, im Bezirke Werg 828, im Bezirke Ried 1.712, im Bezirke Schärding 1.101, im Bezirke Kirschhof 446, Wels 1.612 Flucht^ linge wohnen. Durch das Komitee in Budweis gelangten im verflossenen Jahre 108.000 Kronen, durch das Komitee in Pilsen, dem zwölf Bezirke unterstehen, 144.000 Kronen, durch das Komitee in Linz 133.000 Kronen, durch das Komitee in Graz 65.000 Kronen, durch Kiarls^ bad 85.200 Kronen, durch Saaz 60.600 Kronen, durch Troppau 116.000 Kronen zur Verteilung. In Wien selbst sorgte die vom Gemeinderat Dr. R. Schwär,z>Hiller geleitete interkonfessionelle Zentralstelle für Kriegsflüchtklinge durch ihre zahlreichen Sektionen für alle Kathgorien der heimatlos gewordenen Personen. 'Für Unterstützungen an notleidende Juden in besonders berücksichjtigungswürdigen Fällen wurden dieser Zentralstelle von der Allianz regelmäßige Subventionen gewährt, ebenso für die Wohlfahrtsinftitutionen der Frau Anitta Müller (Wöchnerinnenfürsorge, Mütterheim, Säuglingsfürsorge, Kinderheilstätte, Suppen- und .Teeanstalt, Arbeitsschule für Frauen und Mädchen, Heimstätte für erwerbende Frauen und Mädchen). Die Gesamtsumme der an Un- Äefähr 200 im Berschte aufgezählte Flüchtlingsfürsoch