Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 13 (29.6.1917)
- Date
- 1917-06-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7. Nr. 13. * Die Wahrheit 300.000, in Algier 70.271, in Tunis 50.383, in Südafrika (unter Berücksichtigung der natürlichen Zunahme und der Zuwanderung seit den letzten Volkszählungen 1901 und 1904) 50.000, in Aegypten 38.635, in Tripolis 18.660. — In Australien wohnen 18.415 Juden, davon 2128 in Neuseeland. Der Papst rmb der Zionismus. Wie die „Pol. Rundschau" aus Rotterdam schreibt, meldet das in London erscheinende Zionistenorgan „Jewish Chronicle", daß der Papst kürzlich das Mitglied des zionistischen Exekutivausschusses Sokolow in einer besonderen dreiviertelstündigen Audienz empfangen habe. Er hörte mit großer Aufmerksamkeit Sokolows Bericht an und bemerkte, daß es ihm sehr willkommen sei, von einem führenden Zionisten Aufschlüsse über die Bewegung zu erhalten, welche die Berichte des Kardinals Gasoari über denselben Gegenstand ergänzen.-Der Papst erklärte, daß er die Bemühungen der Juden zugunsten der Gründung eines nationalen Heims in Palästina mit Sympathie verfolge. Vom Standpunkte der von ihm zu wahrenden religiösen Interessen sei gegen den Zionismus nichts einzuwenden; seine Sorge gelte nur den heiligen Stätten, die jedoch, wie er erwarte, durch eine besondere Abmachung in entsprechender Weise geschützt werden würden. Sokolow gab die Versicherung, daß die Juden das Eigentum der Christen ebenso achten würden, wie ihre Gefühle. Der Papst erwiderte, daß er diese Erklärung mit dem größten Vertrauen entgegennehme, und gab seinen besten Wünschen für die Verwirklichung des zionistischen Programms Ausdruck. Mit den Worten „Wir werden gute Nachbarn sein," brachte er die Audienz zum Abschluß. Befähigungsnachweis für Kantoren. In den Monatsblättern des deutschen Kantoren-Verbandes bespricht Oberkantor Neustadt-Berlin die wiederholt angeregte Frage des Kantoren - Befähigungsnachweises in folgender Weise: Zu dem in der Jänner-Nummer dieses Blattes erschienenen neuesten Entwurf eines Befähigungsnachweises für den studierenden Kantor, sowie einer Kantorenhochschule, vor welcher der Studierende eine „schlichte" oder „höhere" Prüfung bestehen soll, bevor er in Zukunft ein öffentliches Amt als Kantor bekleiden darf, erlaube ich mir als Pendant mein im Jahre 1913 in der Berliner Ausschußsttzung des Allgemeinen Deutschen Kantorenve.rbandes auftragsgemäß gehaltenes und seinerzeit veröffentlichtes Referat in Erinnerung zu bringen, nachdem ich bereits in der vorangegangenen Breslauer Generalversammlung die Gründung einer „Kantorenschule" mit „Kantoren-Prüfungskommission" beantragt und in der darauf folgenden Wiesbadener Generalversammlung des Jahres 1912 mein Programm zur Gründung beider Institutionen niedergelegt hatte. Der Raummangel dieser Stelle versagt es mir, die Begründung meiner in der Berliner Ausschußsitzung referierten Forderung einer „Kantorevschule" und einer „Kantoren- Prüfungskommission" zu wiederholen. - Es sei mir wenigstens gestattet, meine seinerzeit an den Kandidaten gestellten Bedingungen nochmals kurz zu erwähnen, an denen ich, im Vergleich zünden seitens des Ausschusses des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes jüngst erschienenen neuesten Forderungen, nach wie vor festhalte, nämlich: 1. Nachweis eines makellosen Lebenswandels. 2. Nachweis der Allgemeinbildung und Beherrschung der deutschen Sprache für den einwandfreien Vortrag deutscher Gebete. 3. Beherrschung aller Gebete und des Pentateuchs bezw. fehlerlose Uebersetzung. 4. Beherrschung des Kantorats nach dem in der Kantoren - schule eingeführten Lehrplan. 5. Nachweis der künstlerisch geschulten Stimme und musikalischer Befähigung Ferner hatte ich die'Bildung der „Kantoren-Prüfungskommission" aus fünf vom Ausschuß des Allgemeinen Deutschen Kantorenoerbandes zu wählenden (an der Kantorenschule nicht lehrenden) Personen oorgeschlagen, von denen drei Kantoren — zwei mit oommarbitbung versehene — und zwei Rabbiner sein sollten. Heute schlage ich dazu vier Kantoren und nur einen Rabbiner vor, weil eine rabbinische Autorität genügt. Die vom Ausschuß meines Erachtens allzuviel betonte Seminarbildung für den Kandidaten (welche an sich gewiß empfehlenswert ist) sollte für den Kantor, wie eingangs erwähnt, auf die „Allgemeinbildung" beschräntt bleiben, aber auf dieselbe entschieden bestanden werden. Es darf meines Erachtens von dem Kandidaten unseres Berufes nicht zuviel verlangt werden, damit er nicht vor den allzu großen Forderungen zur Erlangung der Kantorwürde zurückschreckt, wodurch uns selbst, gebildete Kantoren entzogen iverden könnten, womit der Sache nicht gedient wäre. Hat doch die Erfahrung gelehrt, daß Kantoren, mit Allgemeinbildung versehen, ihren Beruf in den größten Gemeinden auszufüllen und nach außen hin zu wahren und zu vertteten wissen. Ich möchte auch deshalb nach wie vor den „Lehrer- Kantor" möglichst vermieden, sondern lediglich den „Kantor" genannt wissen, welcher in der Hauptsache als solcher sein Amt voll und ganz bekleiden soll. Ebenso bitte ich, vorläufig von einer „schlichten" und „höheren" Prüfung abzusehen und zunächst die allgemeine „Dienstprüfung" einzuführen, welche dem Kandidaten genügende Pflichten auferlegt, so daß er sich vor dem Lehrer-Kantor nicht zu schämen braucht. Die allgemeine Dienstprüfung soll von der „Prüfungskommission" in der Kantorenschule abgehalten werden. Die Kantorenschule soll dem Lehrerseminar als viertes Ausbildungsjahr angehängt und jedern Kandidaten — auch dem nur Privatunterricht genossenen — soll es zur unbedingten Pflicht gemacht werden, in jedem Falle ein Jahr die Kantorenschule zu besuchen und dann erst die allgemeine Tienstprüfung daselbst zu bestehen, um ein öffentliches Amt als Kantor zu bekleiden. Ist dieser Zwang für den Kantor erst erreicht und von allen Gemeinden Deutschlands durch Organisationsgesetz und landesgesetzlich geregelte Anstellungsverhältnisse anerkannt, dann wird der Beruf des Kantors den Charakter eines akademischen Studienberufes auch bei all denjenigen annehmen, die unseren Standesinteressen heute noch fernstehen. An uns liegt es aber, endlich einmal zunächst mit „Taten" in kleinerem Maßstabe zu beginnen und größere abzuwarten, welche sich von selbst ergeben iverden. Mögen deshalb weitere Vorschäge auf diesem Gebiete bis auf weiteres zurückgestellt und die besten davon verwirklicht werden, damit der Allgemeine Deutsche Kantorenverband das seit Anfang seines Bestehens geplante, wichtigste Projett zur Hebung der ZtandeSintereffen nicht bei seinen alleinigen guten Absichten beläßt, mit denen wir nicht weiter kommen. „Wo ein Wille, ist auch ein Weg." Dieses Wort bewahrheitet sich in jetziger Zeit gar sehr. Oberkantor 3. N eustadt, Berlin. Verschiedene Nachrichten. Wien. Mitten in feiner Berufstätigkeit ist im vorigen Monate der in weiten Kreisen bekannte Professor Heinrich Steif von einem jähen und sanften Tode ereilt worden. Der Verblichene, der durch viele Jahre im humanitären Vereine „Treubund" eine rastlose