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Die Wahrheit · 1917-06-29 · Heft 13 (29.6.1917) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 13 (29.6.1917)
Date
1917-06-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. 13. Im Jahre 1901 wurde Vazsonyi vom sechsten Budapester Bezirke, der Theresienstadt, in den Reichstag gewählt. Seither vertritt er diesen. Bezirk ununterbrochen, zuletzt nach einem erbitterten Wahlkampfe. Damals war sein, Gegner der 5)andelsminister Hieronymi, den er jedoch N,ach 48 ständigem Wahlkampfe besiegte. Jede 'Regierung, von der er annahm, sie werde die Wahlreform durchführen, gen.oß anfangs seine Unterstützung. Sobald er aber zu wissen glaubte, daß seine Erwartungen getäuscht seien, ging er sogleich in die leidenschaftliche Opposition über: gegen Tisza, Khuen-Hedervary und Lukacs. Auf die Frage, wie er es jetzt als Minister zu halten gedenke, erwiderte er: „Wie als Stadtvertreter, als Abgeordneter, als Bürger. Sollten meine Hoffnungen abermals Nicht erfüllt werden — was ich freilich nicht denke — ich würde dasselbe tun wie bisher immer: schärfste Opposition!" Vom neuen Ministerium verspricht sich Vazsonyi sehr viel. „Ich werde nicht lange Justizminister bleiben", sagte er, „ich habe mir Vorbehalten, Minister ohne Portefeuille zu werden mit der ausschließlichen Funktion, die Durchführung der Wahlreform zu überwachen und zu fördern. Das neue Kabinett hat ein weitausofteifendes innerpolitisches Programm vor ^ich, dessen Verwirklichung vom König dringend gewünscht wird und dem ganzen Lande ein Aufatmen des Glückes bereiten muß. Zunächst die Wahlreform, die mir das wichtigste erscheint. Dann der Abbau der. Zensur, der vorausgehen wird. Hernach gewaltige sozialpolitische Maßnahmen für die Arbeiterschaft und den leidenden Mittelstand, der heute am ärgsten heimgesuchr ist. Da darf nicht gezögert, nicht mit Theorien gearbeitet, sondern es wird rasch und ausgiebig praktisch geholfen werden. Hier heißt es wahrhaftig: Bis dat qui cito dat! Die Zukunft der Monarchie baut sich auf einer breiten, klugen und durchdachten Demokratisierung unseres gesamten staatlichen Lebens auf. Die Wahlreform, das treibende Element, der tragende Faktor dieser Demokratisierung, gilt mir daher als das bedeutendste Problem, als die Voraussetzung dazu. Der König hat sich nicht nur mit Worten, sondern mit überwältigenden Taten, mit seinem ganzen Ich an die Spitze der Aktionen gestellt, zu deren restloser Realisierung sein Ministerium berufen, ist . . Vazsonyi leistete den Ministereid laut dem für Protestanten bestimmten Text, unter Weglassung aller katholischen. Redewendungen. In, der ungarischen O öffentlich keit bildete Vazsonyis Ernennung zum Minister ein Ereignis ersten Ranges. Der Leitartikel eines der bekanntesten Budgpester Abendblätter war an diesem Tage, da Wilhelm Vazsonyi seinem König nach der neuen Eidesformel das Gelöbnis leistete, überschrieben: „Lieber Doktor Vazsonyi — Ich ernenne Sie zu Meinem -Justizminister!" . . . Der jüdische Uiehhandel in Deutschland. Auf einer am 17. Mai vom Komitee zur Förderung der Landwirtschaft unter den Juden des Regierungsbezirkes Aachen einberufenen Versammlung hielt der erste Vorsitzende des Bundes der Viehhändler Deutschlands, Herr Hermann Daniel, aus Koblenz, einen Vortrag, in dem er nach einem Berichte der A. Z. d. I., u. a. folgendes ausführte: Er beurteile zwar die Lage und die Zukunstsaussichten des jüdischen Viehhandels weniger pessimistisch, da sich der solide und kapitalkräftige Viehhändler vielfach eine Vertrauensstellung bei den Bauern oft durch Generationen hindurch erworben habe, die nicht so leicht untergraben werden könne, aber trotzdem halte er die Ziele, und Bestrebungen des Komitees für durchaus notwendig und nützlich. Zur näheren Begründung gab nun der Vortragende zunächst einen * allgemeinen Ueberblick über die verschiedenen Entwicklungsstadien, die der Viehhandel während des Krieges bisher durchlaufen habe. Der Krieg habe die Behörden vielfach unvorbereitet getroffen, und so sei es in der ersten Zeit vielen unlauteren Elementen geglückt, Lieferungen zu erhalten und sich übermäßig zu bereichern; die Auswüchse dieses wilden Handels habe man aber ungerechterweise dem soliden Viehhandel zur Last gelegt, und so sei eine übertriebene Animosität gegen den Handel und gegen die Kriegslieferanten überhaupt im Volke entstanden. Diese Animosität hat die bedauerliche Folge gehabt, daß die Behörden zunächst bei der Neuorganisation die Viehhändler überhaupt nicht zur Mitarbeit herangezogen hätten. Erst im Oktober 1915 habe das Reichsamt des Innern mit den: Verein der Viehhändler Fühlung getrommen, und dieser hat dann auf Einsetzung von Höchstpreisen und Einschränkung des Betriebes der Konservenfabriken hingewirkt. Schließlich sei es dann bekanntlich zur allgemeinen Syndizierung des Viehhandels durch die Viehhandelsverbände gekounnen, die soweit es unter den obwaltenden Umständen möglich gewesen sei, die Interessen des legitimen Viehhandels zu ivahren sich bemüht hätten. In betreff der Zukunftsaussichten des jüdischen Viehhandels führte der Redner aus: es gebe in Deutschland ungefähr 40.000 selbständige Viehhändler, wovon ein großer Teil, ungefähr 25.000, jüdischen Glaubens sei, obzwar genaue statistische Eingaben darüber noch nicht vorhanden seien. Der jüdische Viehhandel sei besonders in West- und Süddeuschland vertreten, während er im 'Norden und Osten nur eine geringe Minderheit bilde; der größte Krebsschaden des jüdischen Viehhandels liege in der mangelnden kaufmännischen Vorbildung seiner Mitglieder, denn nur der intelligente Viehhändler werde sich in Zukunft behaupten können. Er halte es daher für wünschenSlvert, Viehhandelsschulen zu errichten. Es sei außerdem erstrebenswert, daß der jüdische Viehhändler als Nebenberuf Landwirtschaft und vor allem Weidewirtschaft betreibe, denn die Milchwirtschaft der Städte sei sehr rentabel; auch habe schon vor dem Kriege der Anteil der Viehhändler an der Fleischerzeugung ungefähr 33 V3 Prozent betragen. Derartige Bestrebungen könnten stets auf die Unterstützung des Bundes der Viehhändler rechnen. Außerdem sei am 11. Mai d. I. in Berlin eine Genossenschaftsbank deutscher Viehhändler G. in. b. H. gegründet worden, für die bereits dreiviertel Million gezeichnet sei, die aber unschwer fünf bis zehn Millionen aufbringen werde. Der Zweck dieser Gründung sei, den Viehhandel in jeder Weise zu unterstützen: so ihm das Auslandsgeschäft zu retten, da das Reich nur Zentralen unterstütze, ferner denn Ausbruch von Tierseuchen während des Marktes die Tiere zum Einkaufspreis anzukaufen und zu verwerten; das Geld solle z. B. auch dazu dienen, den weniger kapitalkräftigen Mitgliedern unter die Arme zu greifen, die jetzt im Kriege ihr Betriebskapital aufzehrten, da der Viehhändler nur, wenn er Kredit geben könne, konkurrenzfähig sei; auch zur Beseitigung lokaler Uebelstände wolle die Bank beitragen. Der Vortragende glaubt nicht an die Fortdauer der Viehhandelsverbände nach dem Kriege, da es unmöglich sei, den Zuchtviehhandel von einer Zentralstelle aus zu führen, doch hält auch er Maßnahmen für notwendig, da beinl Uebergang vom Krieg zum Frieden die kriegswirtschaftlichen Zustände voraussichtlich noch auf Jahre hinaus beibehalten und so die Lage des Handels sehr schwierig sein wird. Für diese schwere Zeit müsse sich der Viehhandel beizeiten rüsten durch Aneignung von kaufmännischer Bildung und auch von Kenntnissen in der Tierheilkunde, Anschluß an die Organisationen und Uebergang zur Weidewirtschaft in möglichst 'weitem Umfange. In der weiteren Verhandlung wurde als die Hauptaufgabe des Komitees festgelegt, für die Beschaffung von kleinen Wiesengütern Sorge zu tragen, auf denen eine Familie die eventuell nebenbei noch Viehhandel betreibe, auch im Winter Milchwirtschaft treiben und so das ganze Jahr Beschäftigung und Unterhalt finden könne. Auf Anregung

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