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Die Wahrheit · 1917-06-15 · Heft 12 (15.6.1917) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 12 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 12. haben die Rutherien, Litauer und Weißrussen' ihre Unzufriedenheit mit der polnischen Politik in schärfster Weise zum Ausdruck gebracht. Erst dieser Umstand hat die polnischen Führer gezwungen, eine neue Politik eiuzuschlageu. Sie tun «uu so, als wollten sie den Ruthenen, Litauern und Weißrussen etwas schenken, während sie ihnen doch'in Wirklichkeit zu guusten der polnischen Nationalität viel nehmen wollen. Handelt es sich doch nicht Um die Rechte dieser Nationalitäten auf polnischen historisch-ethnographischem Gebiet, sondern auf eigenem nationalen Boden. In diesen Gebieten bilden aber nicht die erwähnten drei Nationalitäten, sondern eben die Polen die Minorität! Minderheit-rechte kommen lediglich in bezng ans die Deutschen in Betracht, und deshalb hat man sie auch bei der Auszählung an die vierte Stelle gesetzt. Man gibt ihnen dadurch zu erkennen, daß man ihnen die Rechte ans national-kulturelle Eigenart nicht deshalb znspricht, weil eS das Gewissen befiehlt, sondern weil man nicht anders handeln kann. Haben doch die Deutschen immerhin ein klein wenig zur Befreiung Polens beigetragen, haben sie doch die Möglichkeit, ein Wörtchen in die Verhältnisse hineinzureden! * Und den Inden will man keine Rechte gewähren, weil die polnischen Führer wähnen, es würde sich für die Juden »jemand einsetzen. Die nenliche Zusage des Staatsrats, die Inden als gleichberechtigte Bürger m der Zukunft zu betrachten, erweist sich als nichtig. Recht bald nach diesem Versprechen erfahren wir, daß die öffentlich anerkannten .Bürger' im geheimen Protokoll als Zngewanderte' und.Ankömmlings figurieren." Die erste Haudlring des befreiten neuen Polens geht dahin, andere zu unterdrücken und . sie ihrer kulturellen Rechte zu berauben. Die Haltung des Slaatsrates ist um so »nverständlicher, als die preußischen Polen mit Zustimmung ihrer Landsleute im Königreich für die Provinz Posen die kulturellen Rechte fordern, die die Polen in ihrem eigenen Lande andern verweigern. Oesterr.uugar. Kautoren -Uerein. Am 9. Mai und 5. Juni fanden Vollversammlungen der Wiener Kantoren im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde statt. Anwesend waren: I. Bauer, I. Basser, Ph. Bassel, S. Dünnmann, Don Fuchs, G. Friedländer. I. Morgenstern. Mayrowitsch, I. Lörvit, I. Löwy I. Grob, S. Jurderger, M. Matyas, B. Kaufmann, I. Kirschner, M. Hirsch, Kvntonogi, L. Müller, I. Margolis, Menkes, E. Regner, I. Roth, L. Rosenzweig. I. Schleifer, L. Se, rebuik, I. Stift. Vorsitzender, Präsident Bauer, begrüßte die Kollegenschaft, welche durch das fast vollzählige Erscheinen das Streben nach Eintracht und Solidarität bestätigt und kräftigt und entbot hierauf den infolge des Krieges abwesenden Kollegen den wärmsten Gruß der Anwesenden. Weiters widmete er den verstorbenen hervorragenden Mitgliedern und Kollegen Prof. Leon Karlschmaroff-Nagy-Kauisza, L. Mo» senzweig-N.-Adony, M. Goldstein-Steinamanger, I. Weiß- Karlsbad, sowie dem jüngst verblichenen Präsidenten der Wiener Chewra Kadischa Herrn Salo Cohn, welcher ein Gönner und Förderer des Vereines war, Worte herzlichen Gedenkens. Auch an freudigen. Ereignissen haue sich der Verein in der adgeiaufeneu Zeit beteiligt. An den Amtsjubiläen der Herren Prof. Oberkanior Ad. Lazarus, Budapest. Oberkantor Bei mann, B.-Leipa, Kantor A. Hahn, Teschen, Oberkantoren G. Linhard, Hannover, Großkopf, Frankfurt a. M., Chordirigenr Julius Heunaun. Der Vorsitzende berlchtet dann über die Tätigkeit des Vereinsvorstandes während des Krieges, betont, wie wichtig es wäre, wenn jetzt schon die Vorarbeiten der verschiedenen Aktionen, welche nach Beendigung des Weltkrieges der Verein in Angriff nehmen müsse, eingeleitet ivürden. Dem Kollegen Oberkantor Don Fuchs und dem Komitee wird der Dank der Versammlung für seine mit Erfolg durchgeführte Aktion ausgesprochen-^ Der Vorsitzende berichtet ferner, daß die Mandate des Vorstandes bereits im Vorjahr abgelanfen sind, daher er die Mandate.in'.den Händen der Mitglieder lege. Es wurde zu diesem. Punkte die Debatte eröffnet, an welcher sich die Kollegen Fuchs, Löwit, Matyas, Kaufmann, Friedländer beteiligten. Oberkaillor Don Fuchs sprach zunächst den Dank für di< anerkennenden Worte m.iD Begrüßung aus — und fordert, daß der Verem'mit Energie die Rechte der Kantoren anstreben soll, während Kollege Kantor Löwit im Namen einer Anzahl von Kollegen die .Bereitrvilligkeit der Mitarbeit im Vereine bis zur Neuwahl erklärte, die Solidarität der Kollegenschaft begrüßte und beantragte, ein Komitee unter dem Vorsitzenden Präsidenten Bauer zu ernennen, welches alle Agenden des Vereines bis zur Neuwahl zu führen haben soll^ Erster Kantor Matyas bespricht die Bedeutung der Stellung des „Schlliach Zlbbur," als Träger des jüdischen Gottesdienstes, die auch von Seile der Gemeinden und Behörden anerkannt werden sollte. Kantor Friedländer und Erster Kantor Kaufmann begrüßten ebenfalls, daß das ueugewählte Komitee genügende Vorbereitungen für die kommende Zeit der friedlichen Arbeit des neuznwählenden Vorstandes treffen wird. Das Komitee besteht ans dem Präsidenten I. Bauer, S. Dünnmanu, I. Morgenstern, Don Fuchs, M. Matyas, I. Löwit, S. Jnrberger, M. B. Kaufmann, Jos. Grvb> G. Friedländee. L. Müller, L. Smotritzky. Uerschiedkue Uachrichten. Wien. Ja den Speisehalleil der „Einheit", Wien, II.. Malzgasse 12, die eben einen luteressauteu. mir Tabellen nnd Zahlen reich versehenen Rechenschaftsbericht über die verflossenen 3 Kriegsjahre 1914™-1916 versendet, wurden in diesem Zeirrauine 9,514.220 Portionen Esten an-g>geben, darunter über eine Million gratis. Sonst kostet dorr das Mittagessen wie vor 8 und 4 Jahren 44, das Abendessen 34 Heller. Die „Einheit" speiste die Flüchtlinge aus Belgien, sid versorgte die Berlriebenen aus Rußland, Polen, Galizien und Bukowinea nur Esten. H-.er speisten verwundete und kranke Soldaten nnd von hier wurde ui Spitäler und Rekoiivaleszeilleiiheiine rituelle Kost gesandt Zu Ostern 1915 und 1916 hat der Bereu« die ganze jüdische Mannschaft der Wiener Garnison mit Kost versorgt. Wo man un öffentliche» Leben Wiens nach solcher Kost verlangt, wird die „Einheit" gerusen und gibt. So erwarb sich der 11 Jahre bestehende Verein Freunde und Gönner und will die ihm und seinen Gästeii bereits zu engen Räume erweitern und, sobald die Möglichkeit gegeben sein wird, sich ein neues Heim schaffen. Dazu wird er sreitich noch reicher Hilse bedürjen. Aber die Bolksspeijehallen der „Einheit" werden lischt umsonst nach Beistand rufen. Wien. (R e g i n e U l l in a n n.) In den Schulräumen des israel. Müdcheiulnlerstützungsvereines wurde am 25. Mai ein seltenes Jubiläum gefeiert. Fünfzig Jahre hat Frau.Regme Ullnia u.n, die Direktorin der Frauengewerbeschule, ihre segensreiche Arbeit dem Vereine gewidmet. Ans diesem Anlässe haben Vorstand, Lehrkörper und Schülerinnen sich vereinigt, um dieser hochverdienten Frau ihre Dankbarkeit und Verehrung zu beweisen. Nach herzlichen Begrüßungsworteu an die Jubilarin und die zahlreich erschienen Festgäste verlas die Präsidentin Frau Hofrat v. Frydmann die vom Vorstände gewidmete Adreste. In warmen Worten charakterisierte sodanu Hofrat Dr. Rappaport als Vertreter der Kiiltnsgemeinde und als Vizepräsident der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen die hervorragende Persönlichkeit der Gefeierten und ihr unermüdliches Wirken aus charitativeu Gebieten. Reglerungsrat Rudolf Kricki, der langjährige Direktor der Handelsschulen des Vereines, betonte die glückliche Art des auf 35 Jahre zurückreichendeu Zusammenarbeitenmit der nur auf das Wohl der Sache und der Schülecillueu bedachten Kollegin. Nachdem noch Fräulein Emma Mittler im Namen der Lehrerinnen gratuliert hatte^ brachten zwei Schützlinge des Vereines die Glückwünsche der Schülerinnen zum Ausdrucke, die von Direktor Kühner sehr schwungvoll verfaß waren. Eilt von den Schülerinnen gesungener Chor beschloß die Reihe der Ovationen, für welche die Jubilarin in tiesbeivegten Worten dankte.. Der Feier wohnten Abordnungen des Verbandes der weiblichen Fürsorge, besten Präsidentin Frau Ullmauil ist, der Bereiniguilg für soziale, Hilfstätigkeit und anderer Fraueuvereiuignugen bei. Wien. F> l. Ella Löwit, Tochter des Kantors Isidor Löwit hat sich mit Herrn Arnold Cov o aus Berlin verlobt. Wie». Vorige Woche ist der Nabbiualssekretär der Wiener israel. Kultusgemeinde, Herr Jonas ,S t r a n s k y, im 75. Lebensjahre gestorben. Der Verblichene, der früher Odcrkantor der Prager Knltusgemeinde war und als solcher in Fachkreisen allgemeine Wertschätzung genoß, trat im Jahre 1893 in den Dienst der Wiener israel. Kultusgemenlde, wo er zunächst als Amtsleiter der Filiale Fünfhaus nnd später als Sekretär des Rabbinates im I. Bezirk verdienstlich tätig war. Am Feichenbegängillffe, das Freitag, den 8. Juni, 4 Uhr nachmittags, am Zentralsriedhofe stattfand, nahmen nebst den Familienangehörigen titele-

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