Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 12 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 7. Nr. 12. Oberkantor Jacob Großkopf!ÄM 5>. Miai feierte biie Hcmptssynagoge tu Frankfurt kb. M. dias 25 jährige Jubiläum ihres ersten Kantors Jacob Groß klopf. Als der Jubilar den Mmemor betrat, fand er ihn reich, mit Blumen geSchmückt. Rab-, biner Dr. Selignriann hielt eine geistvolle, tief empfundene Anlsprache. Die Israelitische Gemeinde ernannte Herrn Großkopf in Anerkennung seiner Verdienste zum Oberkantor, eine Auszeichnung, welche Sie zum erstem-, mjal verliehen hat. Mle Ehrenbezeugungen, die dem Jubilar zuteil wurden, Wen sich hier kaum auszählen. Wer den mühseligen Weg kennt oder ahnt, den der »Jubilar gegangen ist, um Sein Ziel zu erreichen, der wird Sich mit ihm! freuen und ihm «ps tiefstem Herzen danken für das, was er seinen Hörern in den 25 Jahren gegeben hat. Schon als zehnjähriger Knabe eilte Großkopf zu den hervorriagendsten Meistern aus kantoralem Gebiete. Dabei Schenke der Knabe weder Hunger noch Kälte, alle Entbehrungen ertrüg er gern mit dem Gedanken, etwas zu lernen und etwas zu werden. Und dies gelang ihm vollkommen. Mir, dem jüngeren Kollegen, stcht das Recht nicht zu, über die Fähigkeiten unseres Jubilars zu Sprechen. Uns allen genügen bie anerkennenden Worte, die einst der klassische Meister Sülze r über die herrliche Stimme, die müssikalischen und kanto-, ralen Fähigkeiten und das judWe Wissen unseres Jubilars gesprochen hat. Was ich. beim Kollegen Großkopf bewundernd hervorheben Möchte, ist die begeisterte und begeisternde Art Seines Vortrages. Er sucht uns aus Diner Welt, die er so schwer errungen hat, das Schönste zu geben, was er beSitzt. Mit ergrautem Haupte steht er heute wie ein Jüngling vor uns mit jugendlichem Feuer und Eifer. Nie habe ich das„Ledor wodor" reifender und Schöner gehört als von unserem Jubilar an Seinem Ehrentage. Mle, die diesem Gebet verständnisvoll ergriffen lmlsschten, beteten mit. Gott, der Allgütige, möge den Jubilar noch lange Iso jugendfrisch erhalten. Naumow-FleHchmann. Kantorole Wisteuschaft. I. Die Stimmgabel. Welch wertvolles, ja unentbehrliches Instrument die Stimmgabel" all den Kantoren ist, die mit Chor vorbeten und ihre Regitjatwe, wie alle Choreinlsätze, in der v or geschrieb enen Tonart festhalten wollen, ist wohl sattsam bekannt. Vor Jahren erhielt ich, ein Schreiben von einem berühmten Auslandskollegen, der auf Seinem Briefpapier neben dem Ramien das Bild einer Stimmgabel Aufdrucken liest, quajsi ein „kantorales Wappen"; wohl ein Beweis, wie wichtig ihm dieses kleine Instrument erschien. Wo die Stimmgabel zuerst auftauchte, ist nicht völlig klar gelegt; der bedeutende MuSikhistorPer John H a wkins bezeichnet in Seiner grosten fünfbänndigen „History of MuSic" (1776), den königl. englischen Hoftrompeter und Lautensspieler I. Shore (1753) als den Erfinder d!er Stimmgabel. Um die Saiten der Laute immer 'sehr rein stimmen zu können, erfand er Schon 1711 dieses In-? strument, das damals Sehr primitiv, in den letzten Jahrzehnten ,außerordentliche Vervollkommnung und Zuverlässigkeit erreicht hat. Ms ganz mustergültig dürfen heute! nur jene Stimmgabeln angeSohen werden, die von einer phlyMalisch-technischen Anstalt aus ihre Schwingüngszahl geprüft und gelaicht Sind. Die Stimmgabeln aus der Reichsanstalt zu Charlottenburg tragen als Stempel die Zahl 870, das ist die Schwingüngszahl des eingestrichenen a. Die Anstalt garantiert, dast eine Solche geaichte Gabel bei einer Temperatur von 14 bis 17 >Grad Lehms, bei etwa 400 Schwingungen, nicht um eine halbe Schwingung abweicht. Ich! betone hier, dast Wärme wie Kälte! die Tonhöhe einer Gabel Sehr beeinträchtigen können^. Soll Sie lange brauchbar bleijbem, so schütze man sie vor Feuchtigkeit und Wage sie nie auf harte Gegenstände auf; Rost kann die Gabel unbrauchbar machen. Am besten ist es, die Zinken der Epbsl mit zwei Fingern zu kniplsen, dgnn schnell ans Ohr, nie zwischen den Zähneu halten. Bringt man eine Gabel zuM Tönen und stützt dien Stil auf einen Ressonanzboden, so hört man den Un> ierton; hält man die tönende Gabel zwWen den Zähnen in ein Glas WaSfer, so wird man deullich as, auch g hören, ein Beweis, hast die Tonhöhe der Gabel von der Sie umgebenden Materie abhängig ist. Nur die mit dem Sogenamäen „absoluten" Gehör begabten Menschen können ohne Hilfe der Stimmgabel die Höhe eines beliebigen Tones bestimmen,- es ist dies keine Errungenschaft, lediglich ein Geschenk der Natur, das mit dem musikalischen Können oder der Bildung ab- Sokut nichts zu tun hat. Das „relative" Gehör nun, einen Merten beliebigen Ton aus einem gegebenen zu bestimm!on, wie etwa aus dem a der Stimmgabel, ist Sache eines gründlichen Studiums; es müssten vom a aus alle Intervalle entweder direkt oder mit Hilfsintervallen getroffen werden. Man versuche zunächst nach dem a den Dur- und Molldrerklang in der Oktavlage Sowohl nach oben wie unten zu Singen, man übe ganze und halbe Töne Sehr präzise, letztere sind für «alle verminderten und übermäßigen Intervalle von Wichtigkeit; ferner die Quart, das bekannte Feuer-Trompeten!srgnal, die Sert und Septime. i Nur wer Istus dem gegebenen Ton jedes Intervall Schnell und rein trifft, der darfauf die Bezeichnung „gutes musikalisches Gehör" Anspruch erheben. Ein scharfes, treffsicheres Gehör ist für den Kantor unerläßlich notwendig; blldet doch die richtige und reine Intonation ein nicht zu unterschätzendles Moment für die Schönheit > und Wirkung gottesdienstlicher Musik. In unserem Musff-! unterricht ist leider die Gehörbildungslehve ein stark t*jt4 j niqchlasstigter Zweig.! (Wird fortgesetzt.) Musikdirektor OberHantor Singer-Kattowitz. Die Inden Polens — rin „zngemanderles Element." In dem letzten Heft der Berliner „Neuen Jüdischen Monatshefte" vom 10.—25. Mai b. I., das den jüdische» Snzialisten und der Revolution in Rußland gewidmet ist. erschien n. a. ein Bericht ans Warschau, der über das Vorgehen des polnischen Staatsrales sehr interessante Informationen bringt. Gegenüber dem Verlangen des Staatsrates, sofort das gesamte Schul- und Jnstizwesen zu übernehmen, hat die deutsche Regierung auf einen Schutz der Minorität gedrungen. Insbesondere die deutsche Minorität in Lodz vertritt ja das ^große wirtschaftliche und kulturelle Interesse deS Deutschtums, so, daß ihre Erhaltung dringend notwendig erscheint, aber auch die fast 15 Prozent der Gesamtbevölk ernng betragende jüdische Minorität beansprucht die Erhaltung ihrer kulturellen und nationalen Eigenart mit,.immer wach sendem Nachdruck. Auf ein dementsprechendes Ersuchen der de ntschen Verwaltung hat sich nun der Staatsrat dahin ausgesprochen, daß er als Minorität lediglich die Littaner, Rnthenen, Weißrussen und Deutschen, keineswegs aber die Inden, anzuerkennen gedenkt, die nur „Zngewanderre". also Fremde, seien. Er leugnet deshalb ihr Recht ans eigene Schulten ab. Mit dieser Klassifikation stellte sich der Staatsrat genau ans den Standpunkt Rumäniens. Darüber, wie der Sraatsr at überhaupt dazu kam, Minderheicsrechle zu proklamieren, teilt der Bericht folgendes mir: „Der Staatsrat tut es nicht ans eigenem Willen. Erstens ist die ganze Behandlung der Nationalitätenfrage ans Anregung ans Berlin erfolgt. Sodann