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Die Wahrheit · 1917-06-01 · Heft 11 (1.6.1917) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 11 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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morgen. „Scliire cbag wetaudoh“ FeiertagZgesänge. Gesänge für Vier hebräische Gesänge für Kiuderstimmen. Drei bebräische Gesänge für Konfirmations- und Vermähluugsfeste. Auch diese Gesänge zeichnen sich durch Kraft, Wärme und harmonische Reize aus*). BerUyn verwandle seine Kräfte nicht allein aus die Tonkunst, sondern auch aus dem Gebiete der Menschentiebe. Er gab oft musikalische Aufführungen zum Besten verschiedener Wohltätigkeilsaustalren, so z. Bfür die Niederländisch-Israelitische Armenschule und andere wohltätige Institute. Nach einer 40 fahrigen ruhmreichen Mnsiklätigkeit — er komponierte 500 Werke — schloß Berliyn am 18. Jänner 1870 nach kurzem Krankenlager in Amsterdam seine Augen zum ewigen Schlafe. Den Leichenzng bildeten zahlreiche Freunde und Verehrer des Verstorbenen. Waisenkinder der verschiedenen Stiftungen beschlossen denselben. Die Dekorationen und die Insignien der Ehrenzeichen, die ihm verliehen worden waren, wurden aus einem Samlkissen vom Präsidenten der Liedertafel getragen. Aus dem Friedhof wurden von Rednern die ^Verdienste Berliyns gewürdigt. So wurde Aron Wolfs Berliyn zu Grabe getragen, der „der Ruhm der Kunst lind die Ehre des Jndeulnms war." Leider sind seine Werke in Vergessenheit geraten. Möge diese kleine Skizze anläßlich der 100. Wiederkehr seines Geburtstages dazu beitragen, seine Kompositionen wieder neu aufleben zu lassen. Eine Kaiserbüste von Kautsch. Professor Heinrich Kautsch, der im Herbste 1916 als Gast im Armee-Oberkommando weilte, hat eine Büste Seiner Apostolischen Majestät geschaffen und das VervielfältignnZsrecht dem K r i e g s f ü r s o r g e a m t für d e n I n v a l i d e n - sonds überlassen. In jugendfrischer Lebendigkeit zeigt die Büste die ausdrucksvollen Züge unseres jungen Herrschers, der im Ornate des Goldeneti Vließes und als Feldmarschall dargestellt ist. Man sieht, daß eine.starke Hand und ein feiner Geist das Material gemeistert haben. Es ist eine vornehme Darstellung voll innerer Größe. Aufrecht und bervußt: majestätisch. Die Büste wird in verschiedenen Größen heransgegeben. Man kann nur wünschen, daß sie als sichtbares Denkmal des Patriotismus und als Dokument des Verständnisses der hohen charitariven Aufgaben des Kriegsfürsorgeamtes weiteste Verbreitung finden möge. Uerschiedene Nachrichten. Vien. lT o d e s f a l l). Emen schweren Verlust hat der Hauptkassier der Wiener israel. Kultusgemeinde, Herr Josef P e t e r s e l k a, durch das so jähe Ableben seiner Gattin I o l a u k a erlitten. DaS Donnerstag, den 17. Mai l. I.. stattgefundene Begräbnis gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Welcher Liebe und Verehruug sich dre Dahingeschiedene erfreute, kann man nur ermessen, wenn mau die vielen Hunderte sah, die gekommen waren der Verblichenen die letzte Ehre, das letzte Geleite zu geben. In Vertretung des Vorstandes der Israel. Kultusgemeinde erschienen: Herr k. k. Landesschulrat Dr. Markus Spitzer und Vorsteher Emanu-l Grünwald, ferner sah man den Vizepräsidenten des BethausvorstaudeS Anton Beck, Direktor I. Brichta und Karl Freund, d,e Vorsteher der Chewra Kadischa S. Steiner und Karl Lemberger. Die Vorstandsmitglieder des Vereinefür Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehöriger Israeliten Joses Mandl und Emanuel Morawetz. Vom Vereine „Kosmos" Präsident Dr. Treulich sowie sämtlich Ausschußmitglieder. Sr. Ehrwürden Rabbiner Dr. I. M. Bach uud M. Kramer, Oberkantor Don Fuchs und M. B. Kaufmann u. v. a. Die Beamten der israel. Kultusgemeinde mit den Sekretären Dr. Einil Adler uud Emil Engel waren vollzählig erschienen. Nachdem Oberkautor Joses Morgenstern mit dem Chore die Trauergesänge in ergreifender Weise zelebriert hatte, schilderte Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Max Grünwald das Leben dieser edlen Frau und wies insbesondere aus ihre mütterliche Fürsorge hin, die sie als Verwalterin des Jelteles-Stistuugshauses in der Steingaffe den alten Frauen zuteil werden ließ. Am Grabe sang Oberkantor Morgenstern noch da- „El mole rachamim." worauf'der Wiener Synagogen-- sänger-Berband das „Schlafe wohl" sang. Wenn ein Trost für den trau- *) Diese Kompositionen sind in der Joachimsthaler Buchhandlung in Amsterdam erschienen. erndcu Gatten und seinen Kindern möglich ist, dann mögen sie ihn in dem Bewußtsein finden, daß eine große Schar guter Freunde iniligen Anteil nimmt an dem schweren Verlust, den sie erlitten. Wie«. (B a r m i z w a f e i t r.) Samstag, den 2. Juni, feiert das Ehepaar Max und Emma Gleich. Besitzer der Cafe „Neptun", XX., Mathildenplatz 7, im Tempel, XX., Kluckygaffe, um halb 9 Uhr vormittags, die Barmizwafeier ihres Sohnes Hugo. Wien. (Todesfall.) Dienstag, den 24. Mai, 4 Uhr nachmittags, fand am Zentrafriedhofe unter sehr zahlreicher Beteiligung von Beamten- und Freundeskreisen das Leichenbegängnis der allseits beliebten, tüchtigen Beamtin der israel. Kultusgemeinde des Fräulein Gusti Mestler statt, die durch ein tragisches Geschick im blühenden und hoffnungsvollem Alter im 21. Lebensjahr nach längerem schmerzlichen Leiden verblichen ist. Unter den Anwesenden bemerkte manHnnter Anderin die Sekretäre der Wiener israel. Kultusgemeinde Dr. Ennl Adler und Emil Engel und fast alle Kolleginnen der Dahingeschiedeneil. Rabbiner Dr. Taglicht hielt einen ergreifenden Nachruf und Kamor Smotritzky zelebrirte wirkungsvoll unterstützt vom verstärkten Chorpersonale, die Trauergesänge. Am Grabe sang Kantor Mathyas das traditionelle „El mole rachamim" und ein deutscher Chor in küirstlerischer Weise und tiefer Empfindung von den Kollegen des Vaters der Verstorbenen vorgetragen beschloß diese Tranerseier, von welcher alle Anwesenden tief ergriffen wurden. Wiener-Neustadt. (Auszeichnung des Kultusvorstehers.) Unser Knltusvorsteher Herr Dr. Wilhelm W o l f, der seit Beginn des Krieges als Regimeutsarzt für die Militärische Sauitätspflege tätig ist, wurde von Seiner Majestät dem Kaiser außertonrlich znm Stabsarzt befördert. Diese Hobe Auszeichnung ilnser.es eifrigen Herrn Knltuspräsidenten ist eine Ehrung der ganzen Gemeinde, an deren Spitze Herr Dr. Wolf seit mehr als zehn Jahren steht. Nach Einrückung der meisten Vorstände wurde Herr Dr. Wolf von der Statthalterei mit der Leitung der Gemeinde weiter betraut und unterstützt von vier erilannten Beiräten und dem erprobten Sekretär Herrn Landau ist Herr Dr. Wolf trotz der aufreibenden Tätigkeit im Kriegsspital rastlos auf da- Wohl der Gemeinde bedacht. Beim Empfange der Huld-guilgsdeputation der Juden Oesterreichs wurde auch Herr Dr. Wolf von Seiner Majestär durch eine Ansprache und Händedruck ausgezeichnet. Linz. Eine glückliche Wahl hat das veranstaltende Komitee zur Abhaltung von, populärmiffenschaftlichen Vorträgen ans allen jüdischen Stoffgebieten getan, das den bekannten Schriftsteller Herrn Dr. Otto AbeleS aus Wien gewonnen hatte. Dieser sprach am 20. Mai l. I. im kausmäunischen Vereinshanfe über daS Thema „Bilder ans Oesterreichs jüdischer Vergangenheit." Seine geistvollen AusführungeU erschöpften zuerst das historische Gebiet jdes 16. Jahrhunderts, in denen er in wundervoller Weise Episoden des Schicksals und der Seelengröße der Inden im ersten Wiener Ghetto vorführte. Uebergehend ans Koppel Frankel und seine Tat, schilderte Redner, die Zuhörer mitreißend, das zweite Wiener Ghetto und schloß hieran ein- Schilderung der Leiden der böhmischen Juden während des dreißigjährigen Krieges. Auch der „tolerierten Juden" und deS Emfluffes der jüdischen Salons >m Vormärz gedachte der Redner, charakterisierte das Wesen der Letzteren in jormvollendeter Weise, hierauf ward des Anteiles der Judenheit an der Revolution des Jahres 1848 gedacht. Mit der Schlußbetrachtnng, daß nur jene Juden ihr Volk lieben können, welche die Vergangenheit ihres Volkes studieren und in die Tiefen ihrer Vergangenheit hmabsteigen, schloß der Vortragende, dem das Publikum rauschenden Beifall zollte. Es ist für die Linzer gewiß eine ehrende Tatsache, daß Herr Dr. Otto AbeleS dieses Thema gerade in Linz znm erstenmale in einem öffentlichen Vortrage behandelte. Amsterdam (Rumänische I u d e n p o l i t i k.) Die rumänische Gesandtschaft in Haag stellte den Blättern eine Mitteilung über Zusagen des Königs von Rumänien an die Juden seines Landes zu. Eine Abordnung des ländlichen Verbandes ruinänischer Inden hatte dem König unter Bekundung ihrer Treue gegen Krone und Vaterland eine Denkschrift überreicht, worin dieser Empfindung in ausführlichen Worten Ausdruck verliehen und diejenigen rumänischen Juden verleugnet werden, die sich unvaterländische Gesinnung und Handlungen zuschulden kommen ließen. Die Denkschrift erklärt auch, die Inden erwarten die Lösung der sie betreffenden Fragen allein von der Weisheit des rumänischen Volkes. Die Abordnung bat den König, die Juden wie die übrigen Landeskinder unter seinen Schutz zu nehmen. Der König, antwortete mit einer Ansprache zum Preise der von dem rumänischen Volke geübten religiösen Toleranz (!!) und erklärte am Schluß, alle Bestandteile seines Volkes müßten in einem befreiten und glücklichen Rumänien gleiche Rechte genießen. -7- Bezüglich der Judenfrage äußerte sich der rumänische Ministerpräsident BratiauU bei seinem jetzigen Besuche in Petersburg gegenüber Pressevertretern, Rumänien habe zahlreichen eingewanderten Juden bisher nicht die Bürgerrechte gebe» können, er zweifle aber nicht an eine baldige günstige Lösung der Judenfrage. Die Gleichstellung der Inden in Rußland müsse ihre Gleichstellung auch in Rumänien nach sich ziehen. Kiteratur. Der jüdische Sozialist in Russland. Die russische Revolution hat m Westeuropa ein überaus starkes Jntereffe für den russischen Sozialismus erweckt. Der Belaus der Revolution Hat bewiesen, daß die sozialistischen Parteien in Rußland über eine Macht verfügen, von

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