Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 11 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr: 11. Die Wahrheit Seite 7. General Skalou folgende- Schriftstück verlesen: Nach Mitteilungen aus amtlicher englischer Quelle hat am 22. d. M. in Kopenhagen eine Geyeimsitznng rilssischer Inden stattgefunden, die in Dänemark ansässig sind. Die Teilnehmer beschlossen, nach Rußland zurückznkehren, um im Heere gegen den Krieg mit Deutschland Propaganda zu treiben. Sämtliche Teilnehmer sind Deutschenfreunde*. Der Soldatenkongreß stempelte dieser Schriftstück als Versuch, die Bölkerstämme Rußlands gegeneinander anfzuhetzen. Der Arbeiter- und Soldatenrat verlangte, daß die Schuldigen dieser verbrecherischen Allgelegenheit vor Gericht .gestellt werden. Judenpogrome Ln Rußland. Aus Kischtnew wird über Petersburg gemeldet: Kosakenoffiziere haben auf dem Hauptplatz an die versammelten Stadtbewohner Ansprachen gehalten, in denen die Juden beschuldigt wurden, die Revolution organisiert zu haben und gegen den Bestand Rußlands zu integrieren. Gleichzeitig verbreiteten Agitatoren das Gerücht, daß die Inden die russischen Kirchen verwüsten und die Heiligtümer schänden. Es wäre zn Pogroms gekommen, wenn nicht von Petersburg rechtzeitig der Befehl gekommen wäre, ans allen umliegenden Ortschaften Militär in Kischinew zusammenzuziehen, welchem eS gelang die Unruhen rechtzeitig zn unterdrücken. Englische Judeuhetze. Seit einiger Zeit wird bekanntlich von verschiedenen Seiteli in England ein offenkundiger und systematischer Feldzug gegen die Juden geführt. Besonders hervorgetan hat sich darin die „National Review", deren Chefredakteur Maxse vor keinem Mittel zilrückschreckte, um gegen die Inden zn Hetzen. Das Neueste, das er auf diesem Gebiete geleistet hat. übertrifft alle seine bisherigen Verleumdungen. In der letzten Nummer seiner Zeitschrift stellt er die Behanptuung auf, daß die Jltden am Tode Äord Kitchener schuld seien. „Die internationalen" Inden — schreibt er in seiner monatlichen Revue in der letzten Nummer der Zeitung — die sich in diesem Lande als Spione befinden, haben von Lord Kitcheners Reise nach Rußland erfahren und haben dies sofort den Deutschen mitgeteilt, welche auf das Schiff gelauert haben, auf welchem Kitchener fuhr, mit dem bekannten tragischen Ende". Daß an der ganzen Nachricht natürlich kein wahres Wort ist, kann man von vornherein mit Bestimmheit sagen. Aron Molff Kertiyn, Generalmusikdirektor, Professor, Ritter. Ein v e r g e s s e n e r .j ü d l s ch e r K o m p o n i st. Zn feinem 10Q Geburtstage. Bon Königl. Musikdirektor 21. Friedinann (Berlin.) In, Holland gab es wenige, die von Hrer Jugend an bis zum letzten Lebensjahre so fruchtbar für die Musik gearbeitet hätten wie Berlitz», dessen zahlreiche Werke ihm in der Reihe der Mnsikklassiker eine würdige Stelle eingeräumt haben. Da Berliyn aber auch für die Synagoge Gesänge geschaffen hat, so sei ihm in diesem Blatte anläßlich seines hundertjährigen Geburtstages folgendes Gedenkblatt gewidmet. Aron Wolff Berliyn wurde am 2. Mai 1817 in Amsterdam geboren und war das einzige Kind des Wolff I. Berliyn. bekannt als leidenschaftlicher Bewunderer der Musik, der als Dilettant eine Anzahl Lieder komponiert hatte. Das musikalische Genie des Knaben zeigte sich schon in frühester Jugend, und daher bestrebte sein Vater sich, die Keime, welche er bei seinem Sohne entdeckte, frühzeitig zu entwickeln. Er selbst lehrte ihn die Anfangsgrunde der Musik. Später wurde er der Leitung des Bernhard .Koch anvertrant. Unter der Obhut dieses bedeutenden Musikers machte Berliyn in kurzer Zeit, große Fortschritte. Ganz aus eigenem Antriebe komponierte er Musikstücke für Klavier und Violine, die von seinem außergewöhnlichen Talent zeugten. Im Orchester des Französischen Theaters $u Amsterdam engagiert, trug ihm dessen Chef ans, neue Mnsik zn zwei französischen Dichtungen zu komponieren, die Bertiyn meisterhaft vollführte. 1838 reiste Berliyn nach Deutschland, um den großen Tonsetzer Louir Spohr kennenzulernen und bei ihm seine Musikstudien fortzusetzen. Berliyn erhielt von Spohr nicht nur die nötigen Anweisungen in den musikalischen Disziplinen, sondern er wnrde von ihm auch in die Mnsikwelt eingeführt; bei einer musikalischen Soiree in Kassel dirigierte Spohr Berliyns Ouvertüren. In einem Briese an Berliyn gab Spohr seiner Begeisterung über bic in den Ouvertüren vorkommenden effektvollen Sätze Ausdruck. Seine in den Jahren 1838 bis 1842 komponierten Opern. Ballette, Melodramen, Ouvertüren, Klavierstücke widmete er den Virtuosen Ferdinand David. Kalliwoda, Spohr. Reißinger, Mendelsohn-Bartholdy, Meyerbeer und Liszt. Alle ebengenannten Tonmeister nahmen die Widmung an und rühmten Berliyns „klassische und populäre Schreibart." Berliyn erhielt von König Wilhelm II* der Niederlande die hochehrende Einladnng, in einem Konzert am königlichen Hofe zu Haag seine besten Werke ansznsühren. Am 22. Februar 1843 fand daS angeknndigte Konzert in dem prächtigen gotischen Saale des königlichen Palastes in Gegenwart der ganzen königlichen Familie und der gesamten Diplomatie unter der Direktion des Komponisten statt. Die Majestäten beglückwünschten Berliyn zn seinem Erfolg. Alle Anwesenden waren begeistert, und um noch diese genußreiche Soiree würdig zu beschließen, wurden ihm an Ende derselben durch den Adjutanten des Königs die Insignien des Eichenkronenordens übergeben, wobei sich der König erhob. Kurze Zeit nachher erhielt Berliy'.t von dem König von Belgien für seine große Kantate die Große Goldene Medaille für Verdienste. Der Ruhm Berliyns als Komponist war weit verbreitet. Sein im Jahre 1846 in Paris veranstaltetes Konzert fand begeisterten Beifall. Die hervorragenden Meister der Musik, wie Halevy, Ander, Spontini, die dem Konzerte beiwohnten, drückten in schmeichelhaften Worten ihre Zufriedenheit, sowohl was Berliyns Kompositionen als auch was sein Talent zum Dirigieren anbelangte, aus. Er widmete mehreren gekrönten Häuptern, wie Kaiser Ferdinand von Oesterreich, König Christian von Dänemark, König Otto von Griechenland, seilte Tonschöpfungen, deren Widmungen sie annahmen. Bon König Christian erhielt Berliyii für die Zu-- sendung einer Symphonie einen wertvollen Diamantring und vom König von Belgien, Leopold IL, für die Zusendung musikalischer Kompositionen eme Brillantnadel. .Das große musikalische Genie Berliyns war auch der religiösen Musik zugewandt. So komponierte er daS Oratorium „Moses auf Nebo" und eine Festkantate für das Israelitische Waisenhalls in Amsterdam, welche im dortigen Deutschen Theater anfgeführt wurde. Ueber das Oratorium „MoseS ans Nebo" schrieb Hektar Berlioz eigenhändig ans die Partitur: „Mit großem Vergnügen habe ich diese Partitur dnrchgeiehen. Dieselbe scheint in einer Weise und in einem festen und sauberen Stile geschrieben, welche selten in Kompositionen dieser Art angetroffeu werden." In den Jahren 1840 bis 1855 verfaßte Berliyn verschiedene Kantate, welche unter seiner Leitung bei Einweihungen der Synagogen in Weesp, Haag, Arnheim und Amsterdam gesungen wurden. Von Berliyn ist auch die historische Fantasie „Saul und David" in Musik für großes Orchester gesetzt worden. Unter Berlinys religiösen Gesängen verdient den ersten Rang sein Psalm 0 unter dem Titel: „Vollständige Herausgabe aller Psalmen, nach dem Metrum der Hebräischen, deutsch, französisch, niederländisch und latemisch in Musik gesetzt." Hier zeigt Berliyn, daß er dem religiösen Text Gesang mib Harmonie zn verleihen versteht, und daß er sich mit der Philosophie der Tonkunst beschäftigt. Er hat auch die Synagoge mit wertvollen Gesängen bereichert. So sind von ihm erschienen: „Scliire beth. Elohim“ Synagogengesänge für Mannerchor, für Freitagabend und Sabbat-