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Die Wahrheit · 1917-06-01 · Heft 11 (1.6.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 11 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Lktte 6. Die WudcdeU Nr. 11. Kultusvorsteher Hofrat Dr. Löwner in Vertretung der Wiener KultuSgeineiude und Redakteur Dr. Szabolcsi aus Budapest als Abgesandter deS ungarischen LandeSkonlitees für Palästina, das, vor zwei Jahren als Parallelakiivn zu dem Wiener Unternehmen vorn Ministerialrat Dr. Lederer und Dr. Szabolcsi iuS Leben gerufen, mit den Wienern in steter Fühlung geblieben ist. Rabbiner Dr. Grunmald gedachte des HinscdeidenS wertvoller Mitarbeiter, wie des Knltnspräses Dr. Rosenbacher — Prag und des Kultus- Vorstehers Heinrich Mendl — Wien und berichtete, daß der Gesamtbetrag der bisher gesammelten Hilfsgelder die erste Million überschritten hat. Es wurde deshalb dank dem Eingreifen Sr. Exzellenz des Herrn Minister des Aeußern, unser Konsulat in Jerusalem beauftragt 6000 türkische Goldpfunde auzukaufeu. Nächst dem hohen Ministerium des Aeußern wurde den Mitarbeitern der Dank ausgesprochen, vor allen den wackeren Landeskomitees in Prag (Geschäflsführer I. E. Landesadvokat Dr. Theodor Weltsck). Brünn (Herr Jonas Löiv- - Beer) und Troppau (Herr Kultuspräses Dr. Sonnenschein), sowie den Budapestern, die soeben einen namhaften Betrag für die Kriegsipitalshilke eingeiandt hatten. Auch in Graz, j Innsbruck, Lemberg. Linz und Triest sollen ähnliche Zentren : getroffen werden. Nur Dank energischer Bemühungen war es der Hilfskommission möglich, ihre Mehlaktion in Jerusalem, Sased und Tiberias. die Waisensürsvrge. die Unterstützung der in Wien zurückgebliebenen bedürftigen Palästinenser und ' verschiedener Wohlsahrtsaustalieu und Schulen in Palästina, j weiterznsühren. Ebenso hat sie im Verein mit der „Kriegs-! spitalshilse" unserem Konsulate in Jerusalem Mittel zur Verfügung gestellt, in dem dortigen unter österreichisch-nngarischem Schutze stehendeii Rothschildspital Betten für Angehörige der Monarchie zu belegen. Unser Komitee in Jerusalem, das unter wohlwollendster Allssicht des Herrn k. n. k. Konsuls j Kraus von Herrn Rabbiner M. Groß in aufopfernder j Mühewaltung mnstergllüg geleitet ivird, hatte die besondere i Freude jüdische Soldaten aus dem österr.-uugarischen De-! lachement, das an der Sinaisront mitkämpsl, an jüdischen j Festen zu bewirte». Die Hilfskommission beschränkt sich bei > ihren Beteilnngen ilicht auf einen bestimmten Kreis, sondern! bietet weitherzig nach Möglichkeit allen Bedürftigen und j auch den Drohobyczeru und Ungarn Hikse, ivorüber der Vorsitzende Berichte der k. k. Konsulate zur Verlesung! bringeu läßt.! Dieser Bericht des Herrn Dr. Gruuwald wurde mit I Beifall ansgeuommen und ebenso das Referat des Herrn! Hosrates Dr. Julius Schlag über die Leistungen der „Kriegs-! witalhilse", der es dank dem Entgegenkniunlen unserer! Miillsterien gelaiig für 10.000 Kronen Medikamente nach > Palästina.zu schaffen, wo es an den allernotwendigsten Heil- > und ärztlichen Hllssmilteln gebrach. Die znstimlnenden Gut-! achten Wiener und Berliner Hochschullehrer, die Herr Hofrat j Dr. Schlag zur Verlesung brachte, bestärkten die „Kriegs- > spitalshilse" aus dem eingeschlageuem Wege. Unterstützung ärztlicher Justitnte in Palästina, Aussendnng geprüfter! Pffegeriuuen uiw. forlzufahreil. Auch diese Allsführungen! ernt-.len lauten Beifall, ebenso die von Herrn Kulrusvorfteher - Hofrat Löwner gegebene Anregung, mit der Wiener Knltnsgemeinde gemeinsame Schritte zu erwägen, um den gesteigerten ’ Anforderungen der Palästinahilfe gerecht zu werden. Die! Herren Rabbiner Steinberg, Feldrabbiuer Dr. Hausner und! Bernhard Hofbaner befürworteten die Agitation bei den j Kultnsgemeinden Galiziens, die fraglos von Erfolg gekrönt! sein würde, wenn die Wiener Kultusgemeinde ein ninfassendes! Zilsammeilgeheu aller österreichischen Kullusgemeiilden in - dieser edlen und unabiveisbareu Angelegenheit iuaiiguriereu wollte. Vorbereitende Schritte in dieser Richtung ivurden von der Versammlung beschlossen. Herr Redakteu- Dr. Szabolczi dankte für die ihm j zuteil gewordene Begrüßung, berichtete über die Leistungen des ungarischen Landeskomilees und sprach in begeistert j akklamierteu Worten der „Wiener Hilsskommission" die; Anerkennung der ungarischen Freunde ans. > Herr Oberrabbiner Reich—Baden und Herr Hdfrat Dr. Schlag, letzterer in einem meisterhaften hebräischen Hymnus feierten die Leitung und die bisherigen Erfolge der Wiener Palästilla-Hilfsaktionen und Herr Wolf Pappenheim wünschte dem Unternehmen den gleichen Fortschritt im nenen Arbeitsjahr. Die Räumung der jüdischen Ackerduntwlonien dei Jaffa. Jln Deutschen Reichstage ist seitens des Abgeordneten Dr. Cohn von der Sozialdemokratischen Arbeitsgemeinschaft eine „Kleine Anfrage" an den Reichskanzler gerichtet worden, welche lautet: „Ende März 1917 hat Djemal Pascha, der türkische Oberbefehlshaber der Sinaisront. angeordnet, die jüdische Bevölkerung, darunter deutsche, österreichische, ungarische und bulgarische Slaatsailgehörige ans Jaffa und aus den vor Jaffa gelegenen Ackerbaukolvnien und Frnchipflanzungen wegschaffen zu lassen. Militärische Rücksichten wurden als Grund der Maßregel angegeben,' der deutsche Generalstabschef Djemal Paschas hatte sich aber dahin ausgesprochen, daß solche Rücksichten die Räumung jener Wohnstätten nicht gebieteii. Narb den hier eingegangenen Berichten sind unter den Angen der türkischen Behörden gegen die ausgetriebeue Bevölkerung Gewalttaten und Plünderungen verübt, viele Flüchtlinge getötet worden. Für die Beförderung und die Ernährung der Vertriebenen haben nach jenen Berichten die türkischen Behörden nicht gesorgt." Der Abgeordnete Dr. Cohn schließt mit den Worten: „Kennt der Herr Reichskanzler diesen Sachverhalt? Ist er bereit, ans die osmanische Regierung in solcher Weise einznwirken, daß — soweit es noch möglich ist — in Palästina die- Wiederholungen der armenischen Greuel mit Sicherheit ausgeschlosseu werden." — Der Hilfsverein der deutschen Inden erhielt von einem seiner Vertreter in Palästina das nachstehende Telegramm: „Der Bezirk Jaffa ist ans militärischen Gründen von der ganzen Bevölkerung geräumt worden, wobei jedoch der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung der Verbleib gestattet wurde. Aus der Stadt Jaffa selbst mußten die Bewohner, darunter auch etwa 7000 Inden, ansivandern, die zunächst in der 18 Kilometer nördlich gelegenen Kolonie Petach Tikwah Aufnahme saudeil und von dort aus allmählich weitergezogeu sind. Da die Leute bei dem Mangel an Transportmitteln nur wenig von ihrer Habe mitnehmen konnten, und da vereinzelt Ausschreitungen vorgekommen siitd, herrscht unter ihnen begreifliche Not, die hohe Anfordernngen an die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonie» und Organisationen stellt. Der türkische Oberkommandirende Djemal Pascha hat zu helfen gesucht, indem er mehrere tausend Pfund als Darlehen, gab. Er.hat auch auf Bitten die Durchführung wegen des Pessachsestes um zwei Tage verschoben. Da die Leilte teilweise zu Fuß gehen und im Freien übernachten mußten, sind infolge Erschöpfung, Seuchen mit) Unglücksfällen vereinzelte Todesfälle — vier Fälle sind bisher bekannt geworden — vorgekommen. Weitere übertriebene Nachrichten sind unrichtig. Die Räumung von Jerusalem ist nicht angeordnet worden." In der Debatte im englischen Uuterhause über den Ergänznngsetat fragte der Nationalist Dillon, was eigentlich aus der englischen Expedition nach Palästina geworden sei. Man erhielt ein Telegramm über einen großen Sieg bei Gaza, aber es seien beunruhigende Gerüchte im Umlauf.: Es verlaute, daß der General, der den großen „Sieg" errang, ans Gesundheitsrücksichten nach England znrückkehrte. Ein Verhetznngsversuch. Wie „Politiken" ans Petersburg meldet, wurde auf dem Kongreß der Soldalenabgeordueten der Frontheere, der gegenwärtig in Petersburg tagt, von dem nicht mehr aktiven

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