Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 11 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Die ^tiürbeit. Seite 5. Nr. 11 Kopferenj der indischen Organisationen der Mittelmächte. i Zn der in Deutschland gegebenen Anlegung, die Vertreter der großen jüdischen Organisationen der verbündeten Mittelmächte zu einer Konferenz znsammenznbernfen, teilt das „Hamb. Jsr. Familienblatt" folgendes mit: Im offiziellen Organ des Verbandes der jüdischen Jrlgenhvereine Dentschlans kündigt unter der Ueberschrift: „S ch i ck s a l s st n n d e des deutschen Judentums" der Vorsitzende dieses Verbandes, Herr Dr. Alfred Apfel eine Aktion liach verschiedenen Richtungen hin an. von welcher er sich als Gesamtwirknng eine Erfüllung der jüdischen Forderungen ans sozialem lind staatsbürgerlichem und einen angemessenen Eillflnß der Jndenheit. besonders der deutschen ans internationalem politischen Gebiete verspricht. Außerordentlich sympathisch berührt bei dieser Kitndgebnng der Schwung und die Begeisterung, womit ihr Autor für diese von uns allen erstrebten Ziele und für die von ihm vorgeschlagenen Mittel und Wege eintritt. Eigenschaften, welche bei dem Führer einer großen jüdischen Jugendbewegung die Eignung für seilt rvichtges Anlt sicherlich erweisen. Jedenfalls haben die berufenen übrigen großen jüdischen Organisationen die Pflicht, die Apfelschen Vorschläge sorgfältig zu prüfen und zu ihnen Stellung zn nehmen. Nicht nur in Bausch und Bogen sind sie dabei znsammenzusassen. sondern in ihren Einzelbestandteilen zn prüfen, die allerdings in dem Apfelschen Manifest nicht mit genügender Schärfe anseinandergehalten sind. Zunächst berichtet Herr Dr. Apfel, er habe „bei einer führenden jüdischen Organisation Deutschlands" den Antrag gestellt, man möge unverzüglich Vertreter der großen jüdischen Organisationen der verbündeten Mittelmächte zn einer Konferenz znsammenbernfen. Es ist ans seinen Angaben nicht recht ersichtlich, ob er diesen Antrag als Privatmann oder als Leiterdes Verbandes der jüdischen Jngendvereine Deutschlands gestellt hat und ob er damit namens dieser Jugendorganisation die Initiative zn einem solchen gemeinsamen Vorgehen aller großen jüdischen Organisationen im Gebiete der Mittelmächte ergreifen ivill. Herr Dr. Apfel beruft sich in der Einleitung seines Artikels für seinen Vorschlag ans analoge jüdische Maßnahmen außerhalb des Gebietes der Mittelmächte, ans die Kvnserenzvorbereitnngen der amerikanischen Inden und ans solche der Inden der Ententeländer unter Leitung der Alliance, ans italieiusch-jüdische Anregung hin. Er könnte hinzusügen, daß auch unter den Juden Oesterreich-Ungarns ans die Rundfrage eines zionistischen Blattes hin der Gedanke eines jüdischen Kongresses in der habsburgischen Monarchie jetzt lebhaft ventiliert wird. Er weist mit Hecht darauf hm, daß allen diesen Plänen der ernstliche allgemein-jüdische Wille zugrunde liegt, die politische und soziale Gleichberechtigung der Inden in allen Ländern jetzt durchzusetzen. Herr Dr. Apfel erklärt, sein oben erwähnter Antrag bei einer führenden jüdischen Organisation Deutschlands „strebe dem gleichen Ziele zu". Jii seinen weiteren Ansführnngen über die politische und soziale Gleichberechtignng spricht er aber nur von derjenigen der deutschen Inden und von dem Gewicht, das ein gemeinsames Votum von 600.000 deutschen Inden in diesen Fragen haben müsse. Für eine derartig territorial beschränkte Forderung könnte mau doch nur eine dentschjüdische Reichskonserenz oder einen deutschen Judentag mobil machen. Wozu für dieses begrenzte jüdische Ziel eine Konferenz aller jüdischen Organisationen ans dem Gebiete der Mittelmächte notwendig fein sollte, kann man nicht ohne weiteres verstehen. Die jüdischen Vertreter ans den Deutschland verbündeten Ländern würden doch auch die Wahrnehmung ihrer Jitteressen mit vollem Rechte verlangen. Unter den deutschen Inden existiert aber unseres Wissens keine einzige große Organisation, die nicht schon wiederholt und mit größtem Nachdruck die staatsbürgerliche und soziale Gleichberechtigung der deutschen Juden als eines ihrer obersten Ziele verkündet hätte. Es würde sich also nur um die Form einer gemeinsamen feierlichen Wiederholung dieser Forderung im gegenwärtigen Augenblick, um die erneute Bekundung und Betätigung des ernstlichen Willens zu ihrer Durchsetzung mit dem Gewicht des vereinten Einflusses handeln. Es wäre zn erwägen, ob ein solcher Schritt nicht auch ohne einen großen Konferenzapparat zu erreichen ist. Von einer mittelmächtlichen Indenkonserenz — es ist anznnehmen. daß er dazu auch die Inden des uns verbündeten Bulgariens und der Türkei rechnet — erwartet Herr Dr. Apfel auch eine gebührende Sicherung des Einflusses des deutschen Geistes ans die Gesamkjndenheit. Aber die nichtdentschen Inden ans dieser Konferenz werden voraussichtlich auch Einfluß ihres Geistes ans die Gesamtjndenheit wünschen. Und wenn Herr Dr. Apfel den einigen deinichjüdischen Eiiislnß gegen die nichtdentschen jüdischen Pläne hinsichtlich Palästina einfetzen will, so läßt sich die Befürchtung nicht von der Hand weisen, daß hier eher Keime der Zwietracht als solche der Einigkeit unter den denlichen Inden verborgen liegen. Die Zionisten in Denischland werden hier kaum mit Herrn Dr. Apfel übereinstimmen. Eine ziveile Konferenz, die nur die Vertreter aller jüdischen Ingendorganlsalionen Deutschlands versammeln soll, ivird ebenfalls von Herrn Dr. Apfel angeknndigt. Er schreibt darüber: „Die Leitiing des Verbandes der jüdischeil Jngeudvereine Deutschlands ivird dem Gesamlvorstande den Antrag nilterdreiten. eine Verstäiidigniigsgemeiiischafl aller jüdischen Jugendorganisationen Deutschlands anznbahnen. Die jüdischen Jngendverbände sämtlicher Richtungen sollen gebeten werden, sich von Zeit zn Zeit zn einer Konferenz znsammenznfinden, ans der die Punkte festgelegt werden, die wir gemeinsam erstreben. Gibt es eine jüdische Jugendorganisation, die sich die Belebung des religiösen Sillnes, des jüdischen Gemeinschaftsgefühls, die Bertiesnng.der Kenntnis unserer Geschichte, der Schriften, die Förderung der heiligen Sprache, die Erstarknug des Glaubens an des Jndentnms Mission nicht zilm Ziel erwählt? Jede Richtung möge ihre Eigenart beibehalten, aber ebenso wie sich zwei einzelne Inden, wenn sie sich anssprechen, über alle Meinnngsverschiedenheiten hinweg zu verstehen pflegen, wollen wir lernen, von Organisation zu Organisation einander zn verstehen. Das Aneinandervorbeireden muß anshöre». Es sollen die Wege gesucht werden, die wir gemeinsam znrücklegen können." Da ein solches Projekt nach den Aenßernngen aus den verschiedenen jüdischen Parteleii und nach manchen lokalen Vorgängen Aussicht ans allgemeine Billigung hat. so kann man seiner Verwirklichung hoffentlich bald entgegensehen. Wir köiilien diese Zeiten zn unserem Bedauern nicht schließen, ohne gegen den Satz Widerspruch zn erheben, den Herr Dr. Apfel als Axiom an die Spitze seiner Knndgebnng gestellt hat. Er lautet: „Wenn das denlsche Indentnm jetzt nicht die volle politische und soziale Gleichberechtignng erreicht, wird es sie nie erreichen." Man soll in politischen Dingen solche Prophezeiungen unterlassen. Wie auch in der nächsten Znknnft der Kampf um unser jüdisches Recht sich gestalten möge, wir werden niemals diesen Kampf ansgeben und niemals die Zuversicht ans die schließliche Erreichung unseres Rechts verlieren. „KriegsspitatshilfesnrNatästiua". Montag, den 14. d. M-, wurde im Zeremoniensaal der israelitischen Knltnsgemeinde Wien, I.. Seitenstetlengasfe 4, die Jahresbesprechnng der Hilfskommission 1915 und ihrer Zwerginstitiltion abgehalten Außer den Mitgliedern des Ausschusses waren u. A. als Gäste erschienen. Die Herren