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Die Wahrheit · 1917-06-01 · Heft 11 (1.6.1917) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 11 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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beite 4. Die Wahrheit Nr. 11. Wohl bestand im jüdischen Staate noch die Sklaverei, aber in sehr beschränkter und gemildeter Form. Sklavischer Sinn wurde schon im mosaischen Gesetze tief verachtet, denn wenn ein Sklave die angebotene Freiheit nicht annahm, dann wurde sein Ohrläppchen am Türpfosten mit einer Pfrieme durchbohrt und er blieb Sklave ans immer. Besonders interessant ist der Umstand, daß das mosaische Gesetz Schuldzin.sen von Inländern verbietet. Auch Wucher bei. der Abgabe von Lebensmitteln war verboten, denn es heißt: „Wenn dein Bruder neben dir verarmt und seinen Mut sinken laßt, dann mußt du ihn n n ter ft ü t z e n, auch den Fremden und Inwohner, damit er neben dir leben kann!" „Du sollst von ihm keine Zinsen oder Ueberschuß nehmen und sollst deinen Gott fürchten, dein Bruder soll neben dir leben können!" „Dein Geld sollst du ihm nicht um Zinsen geben und mit Wucher sollst du deine Lebensmittel nicht abgeben!" Das mosaische Gesetz dekretierte bereits die allgegemeine Wehrpflicht für alle Männer vom 20. Lebensjahre an weiter. Die Dienstpflicht der Leviten dauerte vom 30. bis 50. Lebensjahre. Doch war auch jeder gewaltsame Uebergriff verpönt, denn vor jedem Kriegstreffen mußten die Befehlshaber jeden Mann, der ein neues HanS . gebaut und «och nicht eingeweiht, einen Weinberg gepflanzt und denselben noch nicht abgelesen, eine Frau geworben, sie aber noch nicht geheiratet hatte oder jeden furchtsamen und feigherzigen Mann zur Rückkehr anffordern. Der Sinn des echten Juden war allezeit demokratisch und es ist kein Zufall, wenn die russische Sozialdemokratie, welche nun daS gewiß schwierige und kühne Werk der Befreiung von der zarischen Willkür -vollbracht hat, stark von Juden durchsetzt erscheint. Die Judenhasser haben so Unrecht nicht, wenn sie den jüdischen Geist überhaupt für Ausbreitung des DemokratismuS verantwortlich machen. Indem sie dtes aber hervorhebeu, ergeht es ihnen wie weiland Bileam: sie segnen anstatt zu fluchen. Trotz der mehrtausendjährigen Leidenszeit, während welcher die Juden, systematisch von jeder ehrbaren Arbeit ausgeschlossen und zum Handel und Wucher hingedräugt wurden, haben sie heute noch nicht ihren demokratischen Sinn verloren. Wohl haben sich aber während dieser langen Zeit gewisse o l i g a r ch i s ch e Einrichtungen in den jüdischen Gemeinschaften eingeschlicheu, welche früher notwendig waren, aber gegenwärtig der inneren Berechtigung entbehren. In der Zeit des Schutzjudentums war es wohl ersprießlich, wenn nur reiche Kultusvertreter gewählt wurden, denn nur der goldene Schlüssel öffnete damals dem Juden die Türen einflußreicher Christen und der Regierungen. Ein reicher Jude konnte damals dutzenden armer Glaubensgenossen den sonst verbotenen Aufenthalt und Erwerb. ermöglichen und tat dies in der Regel auch. Die breiten Schichten der armen Judenschaft sahen sich daher gezwungen, ihren wohlhabenden Glaubensbrüdern einen Vorrang einzuräumcn, den dieselben in der Regel in Folge ihrer Frömmigkeit und ihres Solidaritätsgefühles mit ihren Religionsgenossen nutzbar und möglichst erfolgreich betätigten. Im Laufe der Zeit drang aber der Geist der Öligarchie auch in das innere Getriebe der jüdischen Verwaltung nnd selbst des Gottesdienstes ein. Die Mizwaus (religiöse Funktionen im GotteShause) wurden an den Meistbietenden ve.rlizi tier t. die znr Thora Gerufenen ließen ihre milden Spenden für Segenssprüche im Tempel genau melden und bald wurden vorzugsweise die generösesten Spender und nicht die geehrtesten und charaktervollsten Männer an die Spitze des Gemeindewesens gestellt. Auf diese Art drangen die erwähnten oligarchischen Einrichtungen innerhalb des Judentums durch, die noch heute fortbestehen, obgleich so manche Bevorzugte das Solidaritätsgefühl mit ihren Glaubensbrüdern verloren und in der Regel drängte sie nur mehr die Ehrsitcht gnu Erlangung solcher Vertreterstellen, nachdem sie bei ihren christlichen Mitbürgern ab gewiesen wurden. Die Tatsachen häuften sich immer mehr, daß ehemalige Vertreter der Judenheit sofort auch zum Religionswechsel bereit waren, sobald ihnen ihre christlichen Mitbürger Ehrenstellen znbilligten. Wohl bäumt sich schon seit Jahrzehnten wieder der alte demokratische Sinn der Judenschaft gegen die letzterwähnten Tatsachen auf und ein schwacher Beginn zur heilsamen Wandlung ist bereits zu verspüren. Die Oligarchie entstammt dem Egoismus und sie verdient deshalb kein Vertrauen. Reiche, geldstolze Juden beten das goldene Kalb an und der Besitz zieht alle Oligarchie von dem Zusammenhänge mit ihrer Nation und Konfession ab. Wir erleben auch viele drastische Beweise von dem Vorkommen einer'internationalen u n d i n t e r t o n f e s s i o »e l l e u Oligarchie. Die armen leidenden Volksgenossen überwiegen heute noch weitaus im Judentume, obgleich die Judenfeinde diese Tatsache krampfhaft leugnen. So ist die Hoffnung berechtigt, daß die Demokratie im Judentume bald wieder zu ihrer ehemaligen Bedeutung gelange. Der Geist des Judentum es wird und muß damit wieder erstarken, denn jüdischer Geist war und bleibt entschieden demokratisch. Wohl ist es den Israeliten nach dem mosaischen Gesetze erlaubt, im jüdischen Lande einen konnationalen König über sich zu setzen, aber ein solcher soll nicht zu viel Pferde, Frauen, Silber und Gold erwerben und soll die jüdischen Gesetze studieren und dieselben beobachten. „Damit sich sein Herz nicht über seine Brüder erhebe." Solange aber die Juden innerhalb eines anderen StaatSgefüges leben, sind sie verpflichtet, zum Besten dieses Staates zu wirken, denn „in seinem Wohle ist auch euer Wohl enthalten." Der Weltkrieg hat trotz seiner Blutströme, seiner gigantischen Vernichtung und unsagbaren Leider doch ein kostbares und erfreuliches Resultat gezeitigt. Er hat in Rußland der verbrecherischen Zarengewalt ein Ende gemacht, die Juden dort von unleidlichem Drucke befreit mtb die Demokratie in der ganzen Welt zu neuem Leben angefacht. Hoffen wir, daß damit das Judentum zu neuem kräftigen Leben erwache! R. L. Indische Hcrretthansmilgtiedee. Bei dem gelegentlich der Wiedereröffnung des österreichischen Reichsrates erfolgten Pairsschub sind 55 ans verschiedenen Gebieten' de» öffentlichen Lebens hervorragende Persönlichkeiten und unter diesen vier Männer jüdischen Glaubens zu lebenslänglichen Mitgliedern des österreichischen Herrenhauses ernannt worden. Es sind dies: Moritz Benedikt, Herausgeber der „Neuen Freien Presse", Dr. Philipp Ritter v. Gomperz, mährischer Landtagsabgeord>neler, Obmannstellvertreter des verfaffuugstreuen Großgrundbesitzes im mährischen Landtag, der Großindustrielle Bergrat Max Ritter v. Gntmann und Louis Freiherr von Rothschild, der Chef des Bankhauses S. M. Rothschild. Zusammen mit den bisherigen jüdischen Herrenhäusmitgliedern Prof. Dr. G r ü u h u t, Prof. Dr. Freiherr v. S ch e y und Großindustrieller Bernhard Wetzler ist die Zahl der lebenslänglichen jüdischen Pairs in Oesterreich auf 7 unter 170 gestiegen, waS bisher noch nie der Fall war. Allerdings ist es auffallend und bedauerlich, daß, trotzdem im Herrenhause offizielle Vertreter sämtlicher Konfessionen sitzen uub auch bei dem diesmaligen Pairsschub solche Persönlichkeiten ernannt wurden, die Berufung eines offiziellen Vertreters der jüdischen Religion, die ja von der früheren Regierung in der Person des Präsidenten der Wiener Knltnsgemeinde Dr. Alfred Stern in Aussicht genommen war, nicht erfolgt ist. Daß die Regierung sich zur Streichung dieses Namens von der ursprünglichen Liste der zu ernennenden Herrellhausmitglieder bewegen ließ, wird von vielen Inden, abgesehen von ihrem persönlichen Verhältnisse zu dem Kultuspräsidenten Dr. Stern, als ein Unrecht empfunden werden.

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