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Die Wahrheit · 1917-06-01 · Heft 11 (1.6.1917) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 11 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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aHrHeit Redaktion und Sldminisiration: Wien, II., Novaragasse 27 Telepbon: Redaktion. Automal 1S.888. Rdmiliisirakioi, -Iiu. 47-884 K. k. österr. Posisparkassa« Echeck-Konlo Nr. 1VV.9I8. JnleratL: Die viermal geiDaUette Ronvareille»Zeile W Heller. RbonnemeiilS- und JusertionSbetrage sind in Wien zahlbar und klagbar. ^«abhängige Hertschrist für jübische Hirtere^en. Erscheint j e S e» K r e i t n ' Motto: „Das Siegel (-iottes ist Wahrheit!“ Bezirs p r e lLanzjährig. Halblähri». H 15.- K 7.50; Für Kiiltnsveouite: «vauijährig.K 10.— Fiu '.'(iisltiuö: Gniiziavrig.0 Mark 8 Nudel oder Itt FrcS. »r. 11. Wie», 1. Inni I»I7. Inhalt: Die Demokratie nud das Judentum. — Jüdische Herrenhausmitglieder. — Konferenz der jüdischen Organisalione» der MNtelmächte. — Kriegsspitalshilfe für Palästina. — Die Räumung der jüdischen Acke rbaukoloinen in Jaffa. — Em Berhetznugsversuch. ^zudeupogrome in Rußland. — Englische Judeuhetze. — Aron Wolfs Berliyn. — Eine Kaiserbüste von Kautsch. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Danksagung. Die Demokratie und das Indentum. Ursprünglich herrschte wohl überall, wo größere menschliche ^emeinschastsvrganisationen vorhanden waren, die demokratische Verwaltungs- und Regierung-form. Im mosaischen Gesetze erscheint dieselbe festgelegt und der Uebergang des jüdischen Volkes zum absoluten Königtume wird vom Propheten Samuel als ein sündhafter Rückschritt, ja als ein Abfall von seinem Gotte gekennzeichnet. Auch die Griechen und Römer melden in ihrer Geschichte schon frühzeitig von demokratischen Regiernngsformen, die erst später dem Königtnme und dem CäsariZmus weichen mußten. Herrschsüchtige, aber tapfere und tüchtige Personen, welche die Volksscharen in Zeiten der Kriegsnot leiteten, nützten in der Regel die Dankbarkeit der Volkezur Erlangung mannigfaltiger und dauernder Vorrechte an-, audenen sich dann die Privilegien der herrschenden Stände entwickelten.' Die jüdischen Gesetze atmen aber auch sozialpolitischen Geist. Der erste Richter Josna verteilte daeroberte Land lo-weise nach dem Menschenftande der Stämme. Um die Nation an den Boden des Landezu ketten und der Verschiebung der Eigentumsverhältnisse im Sinne einer gemeinschädlichen Oligarchie vorznbeugeu, finden wir das mosaische Gesetz des Jubeljahres nach je 49 Jahren, an welchen unter andern auch alle liegenden Güter und Gebäude an die Familie zurückfielen, welche dieselben ursprünglich besessen hatten. Gebäude und liegende Güter konnten demnach nach dem mosaischen Gesetze überhaupt nicht verkauft, sondern nur bis znm nächsten Jubeljahre verpachtet werden. „Das Land soll nicht ans ewige Zeiten verkauft werden, denn mir gehört die Erde, Fremde und Inwohner seid ihr bei mir!" befahl der Herr. Der Anhäufung der Güter in wenige Hände schob also das mosaiische Gesetz einen wirksamen Riegel vor. Dieses Gesetz schränkte den Eigentnmsbegriff überhaupt wesentlich ein. So z. B. dursten die Ecken des Feldenicht auch geerntet und die Nachlese in Weingarten und Feld abgehalten werden. „Dem Armen und dem Fremdlinge sollt lhr sie lassen!" — Ich bin der Herr, euer Gott. — „Du .sollst deinen Nächsten, nicht Übervorteilen und nicht berauben, auch den Arbeitslohn des Taglöhnernicht bis znm Morgen übernachten lassen!" »Ihr sollt kein Unrecht tun bei Gericht, weder den Armen begünstiaen noch das Anseben des Großen berücksichtigen, sondern deine Nächsten mit Gerechtigkeit richten!" „Du sollst deinen Bruder nicht in deinem Herzen hassen, dn kannst deinen Nächsten zurechtweisen, aber du sollst ihm keine Schuld nachtragen!" „Wenn sich ein Fremder in eurem Lande anfhält, sollt ihr ihm kein Unrecht tun!" „Wie der Einheimische soll er euch geachtet sein und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Egypten — ich bin der Herr, euer Gott!" „Du sollst das Recht deines Bedürftigen nicht beugen!" „Bon jeder falschen Sache entferne dich, denn ich erkläre den Frevler nicht gerecht." „Bestechung sollst dn nicht nehmen, denn sie macht die Sehenden blind und verdreht die Worte der Gerechten!" Wie sehr der jüdische Eigentumsbegrifs dem gegenwärtigen gegenüber eingeschränkt war, erhellt ganz besonders aufolgendem Gebote: „Wenn du in den Weinberg deine- Nächsten kommst, kannst du nach Herzenslust Trauben essen, bis du satt bist, aber in dein Behältnis darfst du nichtgeben!" „Wenn du in das stehende Getreide deines Nächsten kommst, darfst dlt mit deiner Hand Aehreu entkörnen (um .dieselben zu essen), aber eine Sichel darfst du über das stehende Getreide deines Nächsten nicht gebrauchen!" Die Priester und Leviten waren nicht nur dem religiösen Dienste gewidmet, sondern sie waren auch die Aerzte, Lehrer, Sänger und Musiker der Nation. Um sie von der schweren Landarbeit zu befreien, versah man dieselben nicht mit Ackergrund. Ihren Unterhalt fanden sie in den Opfergaben, im Zehent des Bodenertrages, in den Erstlingsopfern und in sonstigen Festesgaben. Die strenge Sabbatfeier hatte auch ausgesprochene soziale Bedeutung, denn es heißt: „Sechs Tage sollst du dein Werk verrichten und am siebenten Tage sollst du ruhen, damit auch ausruhen d e i n O ch s e, dein Esel u n d sich beseelte der Sohn d e t u e r M a g d u u d der Fremdling." Auch die Institution des S a b b a t j a h r e s hatte ähnliche Bedeutung, denn es heißt: „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und deinen Ertrag einsammeln, aber im siebenten Jahre sollst du es brach liegen lassen und es preisgeben und die Dürftigen sollen davon zehren und was sie übrig lassen soll das Wild des Feldes verzehren. So sollst du auch tun in deinem Wein- und Oelberge."

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