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Die Wahrheit · 1917-05-18 · Heft 10 (18.5.1917) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 10 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Die Wuhrheit Seite 7. Mid Ausdauer zu sonniger Höhe emporstieg, konnte die Trälime und Ideale seiner Jugend bis an sein Lebensende verwirklicht sehen. War auch sein Lebensabend kein schimmernder, wärmender Sonnenuntergang, mitZ dem ein arbeitsreicher Tag zur Neige geht, monatelauges Siechtum chatte seine Riesenkrast gebrochen, so sah er^sich doch von seiner Gemeinde bis zu letzten Atemzuge geehrt und geliebt, sein ungetrübtes Glück blieb ihm in seiner edlen Lebensgefährtin, in seinen trefflichen Kindern. Die so außerordentlich große Liebe und Verehrung, die Rosenthal in aller Welt genoß,, erklärt sich vorzüglich daraus, daß er die pontifikale Aufgabe des 1122c nicht durch den Ohrenkitzel allein erschöpft hielt, sondern der ideale, achtungswürdige, charakterfeste Mensch blieb, auch wenn das Lied verklungen. Wer ihn jemals gehört, sei es nur im einfachen Wochentagsgebete, dem wird seine Kunst wohl unvergeßlich bleiben. Das Andenken des Menschen und Kollegen |)ermaitii Rosenthal, es bleibt mit goldenem Griffel in unserem Gedächtnis eingegrabeu. Oberkantor S i n g e r - K a t t 0 w i tz. Gin Protest amerikanischer Inden gegen Wilsons „Uentralitat". In Philadelphia fand eine große jüdische Versammlung zugnttsteu der Kriegsnotleidenden in Europa statt, bei welcher für diese 400.000 Dollar gesammelt wurden. Unter dem Beifall der Versammlung führte Rabbiner Dr. Berkowitz ans: „Was andere nicht sagen dürfen, wir in unserem freien Lande dürfen es auSzitsprechen wagen. Amerika, so wird uns versichert, ist eine christliche Nation. Das Christentum, so wird es beansprucht, enthalte alle Tugenden. Gut, dann müssen wir alle, ob Christ oder Jude, Darauf achten, daß Amerika danach lebe. Ist es zu viel, von einem christlichen Volke zu verlangen, daß es eine christliche Tat vollbringe? Möge dieses Land damit aufhören, die Instrumente des Mordens und der Zerstörung auf seinen Schiffen hinauszusenden; mögen seine Männer aufhören, sich mit blutigem Gelde zu bereichern . . . Mögen die Inden die ersten sein, die gegen die Heuchelei protestieren, die sich an der Vernichtung bereichert und mit frommer Miene die Kriegsopfer bejammert." Weher die Gnlmicklimg der Synagogemnnstk. Aus dem Lit.-Verein in Magdeburg. Der Vorsitzende Justizrat Choyek gedachte nach Begrüßung der zahlreichen Versammlung des in den Ruhestand getretenen Vorstandsmitgliedes Dr. H. Spanier, dessen Verdienste um die Hebung des Vereines würdigend. Dann sprach Kantor de Haas über „die Entwicklung der Synagogenmusik". Er wies nach, daß im Tempel zu Jerusalem bereits die Musik gepflegt wurde. Für die talmndische Zeit (bis 500), mit Beginn der Diaspora, ist der sogenannte Sprechgesang vorherrschend, wie er uns heute noch in den Psalmodien begegnet. Für die hebräische Poesie jener Zeit, die schon eine höhere tonmalerische Ausführung bot, sind griechische und arabische Einflüsse festzustellen. Der Redner widerspricht der Annahme einer originell-jüdischen Tonart, weil ein gewisser slawischer Einschlag unverkennbar sei. Trotzalledem könnte von einem jahrhundertelang überlieferten Synagogengesang die Rede sein. Im Mittelalter, als die religiösen Festdichtnngen sich mehrten, fanden viele abgeschlossene Melodien ihren Weg in die Synagoge. Die Gesänge waren zum Teil :Doit. den Vertretern selbst komponiert. Weit größer war der Einfluß fremder weltlicher Musik, besonders auch alter katholischer Kirchenlieder. Durch, den politischen Druck, der auf den Inden lastete, konnte der Reinheit des Syuagogengesanges keine Sorgfalt zngewandt werden. Zuerst war es in Italien Salomo de Rossi, der im Zeitalter Palestrinas lebte und durch musikalisch wertvolle Kompositionen den Synagogengesang künstlerisch gestaltete. Die große Umwandlung und Umgestaltung der Synagogenmusik ging aber von Deutschland — m der Zeit nach Mendelssohn — aus. Von den größten Meistern jener Zeit beeiuflitßt, schufen Sulzer, Weintranb, Deutsch, Naumburg und Lewandowsky unvergängliche Kunstwerke. Auch in neuester Zeit sind bedeutende musikalische Werke entstanden. Birnbaum-Königsberg (früher in Magdeburg tätig). Kirscher-München. Henle- Hambnrg haben wertvolle Kompositionen geschaffen. Vor allem sei das bedeutende Werk von Rose-Hannover zu erwähnen, das vor zwei Jahren erschienen und von hervorragenden Mtlsikern äußerst günstig beurteilt worden ist. Der Vortragende, der durch Erläuterungen den Gegenstand besonders interessant zu gestalten verstand, legte ein beredtes Zeugnis seiner musikalischen Tüchtigkeit ab. Verschiedene Nachrichten Wien. (Das Geburtsfest der Kaiser! II.) Das GeburtSfeft der Ka serin wurde von der Jndeuheir Oesterreichs iit allen Kronländeru festlich begangen. In allen jüdischen Gotteshäusern wurden feierliche Gottesdienste in Anwesenheit der Spitzen der staatlichen und der autonomen Behörden, der Schuljugend und der Vereine und Korporationen abgehalten und Sammlungen zu Fürsorgezwecken „Für das Kind" veranstaltet, welchem hochherzigen Gedanken die junge Kaiserin ihre besondere Aufmerksamkeit zuwendet. Mit besonderer Feierllchkeitbeging die Wiener israelitische KultuSgemeinde diesen Festtag. In allen Synagogen Wiens fanden Festgottesdienste unter zahlreicher Beteiligung der Gemeindemitglieder statt. Um 11 Uhr vormittags wurden für die israelitische Volks-, Bürger- und Miitelschnljugend in sämtlichen Bezirken Wiens Festgottesdienste abgehalten, im Rahmen deren die Schnl)ugend über die Bedeutung des Tages belehrt wurde. Beim Festgottesdienst im Tempel der Innern Stadt, Seireustettengasse, nahm der gesamte Kutltusvorstand unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred Stern teil. Das festlich beleuchtete Gotteshaus war von Festgästen dicht gefüllt. Es waren erschienen: Stadtkommandant Generalmajor Ritter v. Mossig, Oberst Prochazka, in Vertretung des Unterrichtsmiuisters Sektionsrat Dr. R i t t n e r, in Vertretung dis Statthalters Statlhaitereuekretär Dr. Fenz, in Vertretung des Polizeipräsidenten Kommissär Dr. Kraft, in Vertretung des Bürgermeisters Gemeinderat Dr. O-kar Hein, ferner die Gemeinde-, räie Dr. Rudolf Schwa rz-Hiller, Dr. Heinrich L 0 ewenst e i n und Ernst N e n st a d t l, Baron Louis Rothschild, der gesamte Bethansvoutand, Delegierte zahlreicher Vereine und Korporationen, sämtliche Religionsprofefsoren, die Beamten der Knltusgemeinde und andere. Rabbiner Dr. T a g l i cd t huldigte in seiner ausdrucksvollen Festpredigr der Kaiserin Zita als wahrer Landesmutter. Die Festgesänge exekutierte I. Kantor Marhyas mit dem Chore unter Leitung des Chormelsters Professor Sulzer. Wien. Der Leiter der k. k. Israel. Feldseelsorge in Wien, Feldrabbiner Dr. Arnold Frankfurter, wurde mit dem goldenen Berdienstkreuz mit der Krone — am Bande der Tapferkeit — ansgezeichnet. töten. Mitwoch den 16. Mai ist hier Frau Luise v. Gomperz geborne A u s P i tz nn Alter vou 85 Jahren ans dem Leben geschieden. Die verblichene Dame war die Witwe von Max Ritter v. Gowperz, der im wirtschaftlichen und finanziellen Leben von Oesterreich eine hervorragende Rolle gespielt har. Frau v. Gomperz war ihrem Gatte» in Erfüllung der gesellschaftlichen Aufgaben zur Seite gestanden, welche die Stellung und auch die Neigung diesem vornehm denkenden Ehepaare auferlegt hatten. Der Salon Gomperz war in den siebziger und achtziger Jahren ein Mittelpnnkt der küiistlerischen Kreise der Hauptstadt und es vereinigten sich dort alle Elemente, die in dem damaligen Wien wissenschaftliche und politische Bedeutung hatten. Frau v. Gomperz war eine Dame von großem Verstände und von ungememer Herzensgüte. Ihr einziger Sohn ist der Landtagsabgeordnete von Mähren Dr. Philip» Ritter v. Gomperz. Außerdem hinterläßt sie noch drei Töchter Rosa C a r l 1 n, die Gattin des Gesandten der Schweiz in London Dr. Gaston C a r l i ». nnd Nelly und Marie von Gomperz. Das Leichenbegängnis fand Freitag, den 18. d. M. 10 Uhr vormittags unter großer jTeilnahine der Wiener Gesellschaft statt.

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