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Die Wahrheit · 1917-05-18 · Heft 10 (18.5.1917) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 10 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit . Nr. 10. Wie« In seiner Wohnung, Josefstadt, Albertgasse Nr. 14. ist am 7. d. M. der Ober-Lan-eSgerichtsrat Dr. Michael Spitzkops gestorben. Er war ein sehr scharfsinniger Jurist, der nur deshalb nicht auch als Borsitzender, sondern bloß als Votant fungierte, weil sein geschwächte- Augenlicht sich mir schnellem Aktenlesen nicht abfinden konule. In zweifelhaften Fällen neigte er stetder milderen Auffassung zn. Ju allen größeren und schwierigen Prozessen, so in den Prozessen Liebl, Pusch, gegen den Automobilrauber Herzka, fungierte er al- Botaut. Auch in den politischen Prozessen wurden feine hervorragenden juristischen Kerurtnisse in Anspruch genommen. Ober-Laudesgericht-rat Epitzkopf war ein treuer Jude, häufiger Besucher der Synagoge jüdischen Vorträge. Sei» Andenken wird die jüdische Gemeinde in Ehren halten. > Wie«. Am 1. Jjar starb hier Frau Therese Stiaßny, Gattin des emeritierten Lehrers Herrn Simon Stiaßny. Mit ihr scheidet eine Frau von Gottesfurcht und Treue. Sie war eine glückliche Mutter. Sie führte die schönste harmonische Ehe und war ein leuchtendes Vorbild braver Kinder-und Enkel Wie«. Bor Kurzem ist der in den weitesten Kreisen bekannte Obmann des Krankenuntcrstützungs- und Hümanitätsvereiues „Gomle Chesed," Herr Moriz Baum, nach langem schweren Leiden verschieden. Der Verblichene, der seit Jahrzehnten an dem jüdischen Gemeindeleben in Wien hervorragenden Anteil nahm und selten in einer größeren Versammlung fehlte, genoß wegen des intensiven Interesses, das er für alle jüdischen Institutionen begrenzte, allgemeine Achtung und Wertschätzung. Er war ein jscharfer Debatter und schonungsloser Kritiker, der ohne Rücksicht auf Personen das Nebel stets an der Wurzel zu fassen suchte, aber sein Wirken war nicht blos kritisch negativ, sondern er hat auch viele posirive Anregungen gegeben, die dauernde Erfolge erzielten. Sem Namen wrd allseits in bestem Andenken bleiben. Wie«. Dienstag, den 15. d. M., ist Frau Jolanka Peterselka, die Gattin des Hauptkassiers der Wiener isr. KnltuSgemeinde Herrn Josef Peterselka, nach kurzer Kraiikheit gestorben. Ein inniges Kamilienband ist hier durch den Tob jäh zerschnitten worden und aufrichtig und allgemein ist die Teilnahme, die sich dem schwer geprüften Gatten und seinen Kindern znwendet. Die Verblichene war eine Perle der Häuslichkeit, die ihr höchstes Glück in der treuen Fürsorge für den Gatten und m der zärtlichen Anfopserung für ihre Kinder fand. Im Stistuugshause in der Steiugasse, wo sie seit Jahren wohnte, waltete sie als gütiger Hausgeist und verehrt von den Insassen desselben stand sie ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Ein dankbares Gedenken wird ihr von vielen Seilen bewahrt werden. Nie«. Mitte April fand hier das Leichenbegängnis des Herrn Adolf B l ü m e l s. A. statt, der im 76. Jahre nach einem laugen Leiden erlag. Der Heimgegangene, ein Schwiegersohn des seligen Rabbiner Pollak in Trebitsch, wirkte bis zu seinem Uebertritte in den Ruhestand als Oberlehrer in Jamnitz, erfreute sich bei feinen Bekannten einer ungeteilten Beliebtheit und genoß in vollem Maße die Achtung mld Liebe seiner zahlreischen Freunde, überhaupt aller derjenigen, mit denen er im Leben in Berührung kam. Blümel zeichnete sich durch große Gelehrsamkeit und besonders durch freundliches Entgegenkommen gegen jedermann aus. Er war ein ehrenvoller Charakter, eiu hingebungsvoller Gatte und Vater. Die Lehre, die er in die Herzen feiner zahlreichen Schüler gepstanzt, ist nicht dem Untergänge geweiht. Mit seinem Andenken werden auch die Früchte seines segensreichen Wirkens sein Grab weit überdaueni. Nie«. (Fünfzigjähriges Jubiläum des Mädchenunterstützungsve reines.) Am 26. April 1917 fand im Schulhause' des MädchfnunterstützungsvereineS, IX. Bezirk, Seegasse 16A, im Beisein zahlreicher Gäste die Generalversammlung statt, die das 50. Bereinsjahr abschloß. Die Vorsitzende Frau Hosrat von F r y d m a n n gab in der Begrüßungsansprache der Trauer um den Heimgegangenen Monarchen Ansdruck und begrüßte in Kaiser Karl und Kaiserin Zita die Förderer - jeglichen Humanitären Streoens. Sie teilte der Versammlung mit, daß die langjährige, um -den Verein hochverdiente Präsidrutiu Fran Marie Schüßler ungeachtet der dringenden Bitte des Vorstandes aus Gesundheitsrücksichten zurückgetreten ist und daß der Vorstand, von seinem statutarischen Rechte Gebrauch machend, sie zur Ehrcnpräsidentin des Vereines gewählt hat. Der Rechenschaftsbericht gibt eine Uebersicht über die vom Verein durch 50 Jahre geschaffenen Wohlfahrtseinrichtungen. Bisnun hat er 10.000 arme Mädchen durch unentgeltlichen Unterricht, durch Verschaffung von Arbeit uiid Stellen zur Erwerdsfähigkeit gebracht. Neben der Erhaltung ausgedehnter Schule» und erner Fraueugewerbeschule, deren Zeugnis das Meisterrecht verleiht, sorgt der Verein auch für kostenlosen Unterricht auf anderen Gebieten und unterstützt seine Schützlinge während der Lernzeit durch Verabfolgung von Kost, Kleidung und Stipendien. Als Kriegshilssaktiou hat er schon seit dem Herbst 1914 Flüchtlingskursc kaufmännischer wie gewerblicher Richtung abgehalten. Durch eine großzügige Strickaktion fanden 500 Frauen und Mädchen Erwerb, die Kämpfer an der Front wurden mit den dringend notwendigen Wollsacheu versorgt. Den Kaffebericht erstattete der Kaffeverwalter Direktorstellvertreter der Bodenkreditanstalt Herr Adolf Stern. Als Vertreter der Zentralstelle für dar jüdische Arme «wese» beglückwünschte Herr Dr. M. L ö w y den Verein zu seiner Tätigkeit. Die Glückwünsche des Wiener Frauenertverbvereines, der vor kurzem sein 50jähriges Jubiläum gefeiert, überbrachte, die um die Frauenarbeit so verdiente Präsidentin desselben, Frau Franzina Pacher v. T h e i n b u r g. Glückwunschschreiben kamen vom/ Bund österreichischer Frauenvereine, dessen hochverehrte PräsidentinFiau Marianne H a i n j s ch die Verdienste des Mädchenuuterstützungsvereittes warm anerkennt. Vom Vereine Ferienheim, der sich erbietet, als Jnbiläumsgabe einen Bereinsschützliug durch je fünf Jahre in seine Kolonien anfzunehmeik, von der „Weiblichen Fürsorge, Verband von Wohlsahrtsvereinen". der dem Verein für seine Schützlinge einen sehr ansehnlichen Betrag als Regine Ulmann-Stiftung widmet. Ueber Antrag des Bereinsmitgliedes Frau Natalie Beran wurde der Vorstand su dloo wiedergewählt. Er besteht aus den Damen: Thedy Bloch, Anna Feinberg, Mathilde Fl ei sch manu, Berta v. Frydmauu, Katharine Jan o Witz er. Helene Kn ran da, Luise Mandl. Amelie O s e r, Melanie R i e, Ma.lwine Schütz, Alice Stern, Mathilde v. Straf ser-Györvar, Lydie W i n t e r n i tz und dem Kasseverwalter Herrn Direktor Adolf Stern. Anläßlich seines fünfzigjährigen Jubiläums bittet der Mädchenunterstützungsvereirl um gütige Beiträge für seinen vom Vereinsvorstand ins Leben gerufenen Jubiläumsfonds. Vien. Die segensreiche Fürsorgetätigkeit des israel. Franenvereiues VIII. zum Schutze armer verlassener Kinder ist in den weitesten Kreisen anerkannt und gerade in den schweren Kciegszeiten bat sich dieselbe vielfach bewährt. Seine neueste Schöpfung gilt jenen Kleinen, deren- Eltern nicht in der Lage sind, ihnen eiu Heim zu schaffen, und die deshalb bei Fremden, an sogenannten „Kostplätzen", nntergebracht werden. Daß nicht immer die seelische und leibliche Pflege der Kinder bei ihren Kostfrauen in besten Händen ist, ist nur allzu klar. Fran Allitta Müller, die sich während ihrer Tätigkeit aus dem Gebiete der Flüchtlingsfürsorge durch das rasche und sichere Erfassen des Notwendigen ausgezeichnet hat, rief nun mit dem genanutrn Franenverelne, deffen Präsidentin Frau Laura Kronberger ist, ein Heim ins Leben, das dieser Kinderiiot abhelfen soll, zum kleinen Teile wenigstens, aber es ,st ja zu erwarten, daß dieser ersten segensreichen Schöpfnug weitere folgen werden« so daß das Bild des unglücklichen „Kostkuides" verschwinden wird. Am 17. d. wurde in Gegeuwarl zahlreicher geladener Gäste das neue Heim eingeweiht. Architekt Emil R e i tm a n n hat ihm in seinem schönen neuen Hause, III., Esteplatz 3, prächtige Lokalitäten unentgeltlich zur Verfügung gestellt, die anfs zweckmäßigste adaptiert wurden. In zwei großen Räumen stehen die weißen Bettchen der Kinder, in einem dritten ebenso hohen und lichten Saal die Eß- und Spieltische. In Nebenränmen sind die Garderoben, das reich ansgestattete Badezimmer, die Wirtschaftsräume und die Zimmer für das geschulte Pflege- und Aussichtspersoual nntergebracht. Das Heim, daS Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren aufnimmt, gewährt heute schon 40 Kindern Unterkunft. Die Kleinen sehen schon in der kurzen Zeit ihres Aufenthaltes froh und gesund aus, trotzdem die meisten von ihnen aus den fürchterlichsten Lebensumständen gerissen werden mußten. Das Heim des Wiener FrauenvereineS wird sicherlich ein wahrer Segen für viele der verlassenen Kleinen werden und mustergültig für andere derartige Schöpfungen, die besonders in unserer Ze,r so notwendig sind, wirken. ' Wie«. (C h e w r a K a d i j ch a, Wie n.) In der Sitzung des Vorstandes der Chewra Kadischa am 30. April l. I. hat der Vizepräsident Dr. Markus Spitzer ein Charakterbild des verewigten Kollegen Herrn Moritz Breitn e'r in großen Zügen entrollt und den Gefühlen des Vorstandes in folgenden Schlußworten Ansdruck verliehen: „Unsere Bruderschaft verliert mit ihm einen seiner ältesten, treuesten Angehörigen, unser Vorstand ein hochgeschätztes Mitglied, jeder von uns einen Freund, die Armen, Kranken und Unglücklichen einen von reinster Menschenliebe erfüllten, stets hilfsbereiten Anwalt und Schützer. Gegenüber den Bedrückten. Armen und Kranken war er niemals Richter, sondern nur Helfer, für ihr Tun und Lassen hatte er nur einen Maßstab, daS aus seinem echt jüdischen Herzen strömende Mitleid. Ueber sein ganzes Wesen breitete sich eine sonnige Heiterkeit aus, die auch ans seine Umgebung ausstrahlte. Sein lauterer Charakter, seine menschlich schönen Eigenschaften sichern ihm ein ehrendes Gedenken; in unserem Kreise wird er unvergeffen bleiben. Vien. Bei dem am 17. April stattgehabten Militärfestgottesdrenst im Leopoldstädter Tempel hat Oberkantor M o r g e u st e r u die kantorale Funktion versehen. Oesterr.-Ungar Kantoren -Kerein. Wir ersuchen um Einsendung der restlichen Vereinsbeitrage an den Kassier Herrn Erster Kantor I u r b e r g e r, II., Tempelgasse 3, zu senden. Zuschriften sind an den Präsidenten Oberkantor Bauer, II., Novaragasse 27 zu richten. * * * Ausweis der e i n g e z a h l te n B e i t r ä g e: Leop,. Blum, Schlau K 4.—, Singermann, Troppan 10.—, Jg. Saller, Breitenörunn 2.—, S. Handgriff, Znaim HiEM

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