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Die Wahrheit · 1917-05-18 · Heft 10 (18.5.1917) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 10 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 10. inniges, harmonisches Zusammentu» der Einzelkräfte ward sichtbar und mit reaktionären, hochkonservntiven Geschlechtern in Reih und Glied standen die freisinnigen, fortschrittlichen, bürgerlichen, sozialdemokratischen Führer und Geführten, ihre Partei geeint und brüderlich verkettet im Dienste des einen Vaterlandes an der Front und daheim. Auch in sozialethischen Werken wetteiferten Hoch und Niedrig, .Reich und Arm, alle Ränge und Stände und Berufe, wie an den Frönten draußen so auch daheim, vornehmlich auch die Frauen, Mütter, Schwestern und Bräute, um zu helfen, zu heilen, zu trösten und aufzurichlen. DeS Kriegers Dromete schmetterte wie einst die Josnaposaune vor Jericho die festgetürmten Mauern und Schranken und Panzerketteu eingewurzelter Vorurteile nieder, und des Friedenskaisers einigende Devise brachte den langvermißten Burgfrieden. Freilich ist der Parteigeist latent vorhanden, so leichterdings schwinden eingefleischte, durch Jahrhunderte anerzogene und mit der Muttermilch eingesogene Vorurteile nicht, und so wundere man sich keineswegs. wenn selbst mitten im Burgfrieden so manche mittelalterliche Dämonen der Intoleranz ihre Orgien im Stillen feiern, ja etliche nicht im Stillen, sondern zum Schmerz der Edlen, mitten auf dem Forum der Tageskämpfe, auch an der Oberfläche. Die Frage nach der Zukunft überlassen wir dem, dessen „das Verborgene gehört, wie das uns Offenbare.^ Aber wie des Deutschen Kaisers väterlicher Freund, der in Gort ruhende Kaiser Franz Joses I. mit seinem Wahlspruch : Viribus unitis die Zukunft aller seiner Stämme, Völker und Untertanen, wie um seinen persönlichen Liebesgenie erzogen zur Einheit, so mögen die Reiche des verbündeten Vierbundes aller Welt die Signa des welterlöseuden Meuschheitssieges im Einheitsbunde, dem Ideale der Propheten Israels aufs Nene entrollen und kundgeben. Des Weltkrieges Ziel ist der Weltfriede. Auch in Bezug auf die Konfessionen und innerhalb derselben auch auf die verschiedenen Schattierungen, Färbungen, Richtungen. Parteigruppen. Mögen die Geister ihre Meinungen, Ansichten im treuen Erhalten und Fortentfalten religiöswissenschaftlicher Ueberzengung weiter kämpfen — im Machlokes leschtem schomajim — im Kampfe zu Ehre GotteS, wie die Schüler Hillets und Schammais' es getan, beharren. Allein da- Erhalten des großen Allgemeinen — lehiskajem — die Einhej t, die H a rm o u i e, der F r i e d e n über alles, vor allem die Integrität ihrer religiösen Gemeinde. Es gibt innerhalb der Bekennerschaft zur jüdischen Religion keine Zwei- oder Dreiteilung, es gibt nur trotz verschiedener Gotteshäuser, Gebetbücher und Audachtsorduungen nur ein I u d e n t u m. Diesem Gesichtspunkte gab ich besonderen Ansdruck am i Vorabend des hier in Hamburg ein Jahr vor dem Kriege i stattgehabteu Tagung . der Versammlung der Mitglieder des § Verbandes Deutscher Juden in meinem im! Gabriel Richter-Verein zur Förderung der Wissenschaft der i Judentums gehaltenen öffentlichen Vortrage: „Die Erz z i e h u n g zur Einheit", zu einer Zeit, wo nach j meinem Dafürhalten die Zerklüftungen innerhalb der Inden-! einheit in Deutschland den Kulminationspunkt erreicht hatten, i In Hamburg, dem historischen Boden einer Neugestaltung im Kultus, über den die Fluten inneren Bruderzwistes, die i Wellen gewaltiger Feindseligkeiten sich ergossen haben, hat i in allerjüugster Zeit die Einsicht zu obsiegen und sich durchzusetzeu begonnen, indem die ganz in herkömmlicher Weise geleitete streng traditionelle „Neue Dammtor-Synagoge" sich? dem bald 100 Jahre alten „Tempelverbande" genähert hat,! dermaßen, daß jene die Geistlichen dieses Verbandes zu ihren! Rabbiuen erwählten. Es ist ein Sieg des jüdischen Einheitsstrebens in unserer Vaterstadt, wie ich es anläßlich meiner am Sabbat vor dem Pessachfeste erfolgten feierlichen Ein-! führung in mein neues Seelsorgeamt ausgesprochen. Nach .! den Worten des ersten Vorstehers der genannten Synagoge, war es ein historischer Moment von für die Deutsch-Israeliten Hamburgs bedeutsamer Tragweite. Lernen wir -den Einheitsgedanken an dem Feste, das uns den Dekalog in der 'mosaischen Verfassung vom '6. Siwau als Grundlage für den Aufhau eines Priesterreicher ans Erden gebracht hat, in uns' nähren und pflegen, und vergessen wir nie, daß das allerhöchste I ch in allen 10 Geboten die Gesamtheit nicht mit -Ihr", sondern mit „Du" anredete, um die Einheit Aller vor dem Allvater zum Ausdrltcke zu bringen! Wie sich Aller Angen in dieser ernsten großen Kriegsepoche nicht genug sattsehen und sattstaunen an dem überwältigen Schauspiele, dessen Helden und Heere in verschiedener Gewandung, in buntem Gemisch der Heereskörper, in mannigfaltiger Pflichtbetätignng bald als Armeen zn Lande, geteilt in Reiterkorps, in Fußtrnppen usw>. bald als Marinesoldaten Seeflächen, Meeresgrenzen und Ozeantiefen durchsegelnd, bald als Lenker der Luftschiffe, alle an sich verschieden aussehend und von einander getrennt schaffend und wirkend, d i e e i n und dasselbe Ziel haben, die gemeinsame heilige Scholle des Vaterlandes des Mntterbodens zn schirmen und zn schützen, den gemeinsamen Feind sernznhalten und abznweiseu und gemeinsam dem heißersehnten Siege zuzustenern: so haben wir bei aller Verschiedenheit der äußeren Erscheinungen, wie der Meinungen. Geartnngen und Formen im konfessionell kultischen Andachtsleben, das uns Allen gemeinsam heilige, zn wahren, einheitlich einzntreten für den einen Gott unserer Väter und Mütter, für unseres Einig-Einzigen göttliche Lehre, für die uns Alle ohne Ausnahme verbindende Thora Mosis, für die uns Allen ohne Unterschied heilige Sitten lehre der Tugend, des Rechtes und der Menschenj liebe, zur Anbahnung des prophetisch geweissagten Messias- | reiches hienieden. Was der Vater aller Propheten am Tage! vom Horeb durch das großzügige „D u" gewollt, das äitßert j der jüngste seiner prophetischen Jünger in dem so oft betonten:! „Haben wir nicht Alle einen Vater, hat nicht ein Gott s uns geschaffen, warum sollten wir treulos, lieblos sein einer! gegen den andern, „lechallel bris elohenu“ um zn entj heiligen, zn entweihen den Bund der Einheit-unseres Gottes." j Lehren und lernen wir ans unserer Zeitgeschichte: Verstehen, i Verständnis und Verständigkeit, lehren und lernen wir Achi tnng und Wertschätzung der auf Ueberzengung und Erkenntnis! fußenden Anschauungen der Nächsten, auch wenn wir in > manchen in der Zeiten Folge entstandenen Formen, Sitten ltud Bräuchen anderer Ansicht sind; lehren und lernen wir einen und nicht loslösen, sammeln und nicht zerstreuen, aufbauen und pflanzen und nicht niederreißen und ausreißen! Halten wir es ganz besonders im Jngendunterricht fest, daß das Gift der Parteiung und Zwietracht nicht eindringe in die Gemüter unserer Kinder, denn ans dem Zerfall entwickelt sich Verfall und schließlich — Abfall! Wir schmachten nach Frieden im Weltall, in der Menschheit und im Vaterlande und erflehen unzählige Mal in den Hanptandachten: „Der Frieden stiftet in den Höhen, mache Frieden über uns — wir schmachten auch nach Frieden innerhalb der einheitlichen Religionsgenossenschaft und fügen deshalb hinzu: „AI kol Jisroel“ — über ganz Israel — Friede in Ewigkeit— wie vor dem Sinai! ' Die kommende Schnlernenernrrgl in Oesterreich. Fraglos werden nach dem Kriege auch die kulturfeindlichsten Kreise zu größeren Opfern für die Jugenderziehung und den Unterricht gedrängt werden als bisher. Vorbereitende Arbeiten zn diesem Zwecke wurden von der Lehrerschaft bereits vor dem Kriege geleistet und die Schulbehörden und die katholische Kirchenhierarchie haben ebenfalls bereits umfassende Vorbereitungen hiefür getroffen, obgleich bis Heu te noch kein bestimmtes Programm der Oeffemlichkeit vorgele gt wurde. Nicht nur die öffentliche Wohltätigkeit lenkte währen d der Kriegszeit nachhaltiger als bisher ihre Aufmerksamke it

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