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Die Wahrheit · 1917-05-18 · Heft 10 (18.5.1917) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 10 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. Redaktion und Administration: Wien, EL, Novoragasse 27 Telephon: Redaktion Automat <2.889. Administration Am. 47-W4 ft. k. österr. Postsparkaisa» Scheck-Uoino Nr. 100.918. HtaVhängige Herl schüft für jüdisch« Hlüere^ea. Bezugspreis: | iLanzjährig.& 15.— |i Halbstihrig.. K 7.50*1 Für KnltiiSbeamte: Äaiijjähria.K 10. Inserate: Die viermal gespaltene Nonpareille-Zeile 2b Heller. Erscheint jeden Areit»»g. Für Ausland. Abonnements- und Jnsertions« betrüge find in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel (Lottes ist Wahrheit!“ «Oaiizitthrig.8 Mark . 6 Andel oder 16 Frei. { Ar. 10. Wien» 18. Mai liH7 Inh alt: Die Erziehung zur Einheit. — Die kommende Schulerneuerung. — Der Emanzipatiousedikt in Rußland. — Max Goldsteiu-Hermauu Roseuthal. — Ein Protest amerikanischer Juden gegen Wilmas Neutralität. — Uebec die Entwicklung der Synagogeuinusik. — Verschiedene Nachrichten. — Oesterr.-ungar. Kantorenverein. — Danksagung. Die Erziehung zur Einheit. Zum O f f e n b a r u n g s f e st e 6677. Bon Dr. D. Leimdörfrr, Rabbiner und Prediger zu Hamburg. Das Judentum ist seinem Wesen nach eine Religion der Einheit, ihr Fundamentalsatz ist die Lehre vom reinsten G o t t e i n h e i ts kn l t, dem jeder Jude morgens und abends feierlich zu huldigen berufen ist. Die Geschichte Israels hat feit den.Tagen der Bibel bis auf unsere Zeit die Zusammengehörigkeit und innige Verbindung aller, die sich zur Kindschaft Jakobs-Israels" zählen und bekennen, als Merkmal ewigen Beständedes Gottesvolkes teorethisch hervorgehoben und praktisch vielfach bewiesen. Es ist charakteristisch, wie die heilige Schrift vor der Sinaigesetzgebung es betont: „"W^ichan sehom Jisroel ueged hohor". „Es lagert dort Israel dem Berge gegenüber". (Exodus 19. 2.) Vorher ist die Rede davon, wie im dritten Monde nach dem Auszug aus Egypten die Kinder Israels gekommen waren zur Wüste des Sinai. S i e zogen von Refidim, s i e kamen in die ^Sinaiwüste, s i e lagerten in der Wüste, Zug, Ankunft, Lagerung, all das erfolgte in ihrer Vielzahl, in ihrer Mehrheit bei aller Differenzierung der Stämme, der Familien, der Individualitäten. Angesichts des Gortesberges aber, wo sie allesamt der Offenbarung des All-Einen gewürdigt, ein Reich von Priestern, ein heilig Volk werden sollten, da bildeten sie eine unverbrüchliche Einheit, es lagerte dort ganz Israel wie ein Man n mit eine m Herzen, eine m Gedanken, einem Willen, „Keisch echod belew echod", wie die älteste Exegese der „Mechilra" den Bibelspruch kommentiert. Im Laufe der Geschichte hat sich die Kraft dieser Einheit aufs deutlichste erprobt. Der Bestand der davidischen Dynastie war solange gesichert, solange dieser Einheitsfadeu des jüdischen Bekenntnisses nicht durchschnitten ward; sowie aber eine Teilung, eine Spaltung wie unter Salomo eingetreten ist, da wackelte und wankte der Thron Davids, da begann der Sturz und das Ende nahte. Der Untergang Zions, Jerusalems und des zweiten heiligen Tempels war nach den Worten unserer Weisen hauptsächlich dem „Hasse umsonst", der Zersplitterung, der Zerklüftung, dem inneren Unfrieden zuznschreiben. Lehre, Gesetz, Gottesdienst, Forschung und Erziehung des israelitischen Volkes mußten daher ans das gerichtet sein, was hier als Ueberschrifl dieses Artikels -geschrieben steht: Die Erziehung zur Einheit. Was der Lehre Gottes und der Geschichte Israels nicht gelungen ist, das hat das Leben in seiner Unmittelbarkeit, daS hat die Not der Zeiten mit unabweisbarer Wucht uns) Gewalt zu Stande gebracht* und die alte, ewig junge heilige Urkunde von Sinai bestätigt, bekräftig: und neu belebt. Unsere Zeit groß an Erfolgen der Wissenschaft, der Kunst, des Handels und Verkehrs, der Industrie und Gewerbe zeigte ein Geschlecht, das in Hinsicht auf dieie Erziehung zur Einheit sich als klein erwies als ungelehrig, wo es galt Nachdruck 'zu geben dem Gedanken: „Du bist einzig Gott, dein Name ist einzig und wer ist wie Israel, dein Volk, ein einheitliches Volk auf Erden." (Sabbalgebet.) Man sagt er von Woche zu Woche, betet es an i heiliger Stätte, wohl — eingedrnugen ist es aber wenig in! die Geister und Gemüter, in die Gemeinden, in die Familien.? in das Leben. Man kennt kaum ein größeres Gemeinwesen, das nicht zerklüftet, gespalten, entfriedel wäre, dessen Leiter, dessen Hirten und Führer nicht in Zerwürfnissen miteinander lebten, dessen Glieder feindlich, nnbrüderlich, oft mit fanatischel Hassesglut an die Vernichtung der anderen, die vielleicht in manchen Dingen anders denken und empfinden lernten, dächten. Das einzeln Trennende ist ihnen mehr als das gemeinschaftlich Verbindende, der Partiknlarismus steht über dem Universalismns, die Partei steyt höher als die Gemeinde, die Parteileidenschaft entfesselt das Feuer innerer Zwietracht und schafft Verheerung und Zerstörung, Verwüstung und Vernichtung der Blätter, der Aeste, der Zweige und schließlich des einst mächtigen Stammes, die alle einer Wurzel entsprossen sind. So war es bis vor drei Jahren; da kam der Krieg, der riesige Weltenbraud und warnte und mahnte mit einem göttlichen Zeigefinger das kleine Geschlecht der großen Zeit zur Erziehung zur Einheit,. wie im politischen, bürgerlichen, und sozialen Leben, also auch im religiösen. An der Spitze der Kultnrnationen, denen jeder ethische Mensch das Glück des Sieges von der Vorsehung heiß erfleht, steht ein gottessürchtiger Fürst, der vor Ansbruch der brudermörderischen Schlachten seine Völker zu harmonischer Einheit anfeuerir mit dem gefiügelten Worte: Ich kenne keine Parteien mehr. Wie das Schöpserwort „Es werde Licht", das Chaos im Weltall, das Toim-'W’abohu in der Nation, die Finsteris gebantlt, so sind die wilden, ungezügelten Parteltriebe innerhalb der verschiedenen politischen un bürgerlichen Scharen in Staat nnd Gesellschaft gebannt worden, wohin wir auch in Deutschlands und Oesterreich- Ungarns Gane unsere Blicke schweifen ließen, ein warmes,

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