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Die Wahrheit · 1917-04-20 · Heft 8 (20.4.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 8 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 8. zu glorifizieren. Zur Begründung dieser Behauptung mögen hier die Aeußernugen einiger dieser Apologeten reproduziert werden: So zum Beispiel sagte der verdienstvolle Bnxdorf in seinem Urteile über den Wert deS Talmuds in der Vorrede zu seinem chaldaisch-talmudjschen Wörterbuch: denn der Talmud enthält viele noch jetzt berühmte göttliche Lehren, obgleich sie wie Maimon irgendwo? sagt, in sehr vielen nutzlosen Decken eingehüllt sind. Er enthalt viele glaubwürdige Bruchstücke und Denkmäler des verfallenen jüdischen Altertums, um die Verfälschungen der späteren Inden darzutnn, die Geschichte der beiden Testamente zu verherrlichen, die Gebräuche, Gesetze, Gewohnheiten, des alten hebräischen Volkes richtig und am passendsten zu erläutern. Er enthält viele vortreffliche Lehren der Rechtsgelehrsamkeit, der Arzneikunde, der Natur, Gilten und Staatslehre, der Sternkunde und anderen Wissenschaften, welche die Geschichte jene» Volkes und jener Zeit so außerordentlich empfehlen. Er enthält herrliche Sprichwörter anS dem Altertume, ausgezeichnete Urteilssprüche, scharfsinnige Gedanken, unzählige und kluge, weise Aussprüche, welche den Lesern besser oder weiser oder gelehrter machen können, und gleich dem glänzenden Edelsteinen nicht weniger, die hebräische Sprache zieren, wie alle Blüten Latinus und Griechenland ihre Sprachen verschönern. Er enthält viele Myriaden von Wörtern, welche entweder selten gebrauchte Wörter der hl. Schrift erhellen und ihren Ursprung erläutern oder den Gebrauch der gesammten hebräischen und chaldaischeu Sprache, der sonst durch die größte Unvollkommenheit lückenhaft und verstümmelt sein würde, auf ausgezeichnete Weise vervollkommnen und vollenden." In ähnlicher Weise haben sich auch viele andere christliche Gelehrte, wie Reuchlin, Altang, Herder, Schlözer, Corve u. a. m. über das jüdische Schrifttum ausgesprochen. Herder hat den großen Verdiensten, welche sich die Inden durch ihre erhabene Religionslehre um die Menschheit erworben haben, in.trefflicher Weise die gebührende Aberkennung gezollt. Er sagte: „Die Lehre deS einen Gottes hat dies Volk gegründet auf der Erde und sie ist der Grund aller gesunden Theologie und Weltweisheit. Abgötterei und Götzendienst hat die klügsten Völker bethört und Jahrtausende hindurch in Lüstern, Sinnlichkeit und Abscheulichkeit festgehalten. Dies Volk hat die einfachsten und weisesten Nachrichten vom Ursprünge des Menschengeschlechtes erhalten und gleichsam aus der Nacht der Zeiten und den Trümmern der Völkerwanderungen gerettet; es gibt uns die älteste Karte der Menschenwohnungen und Erdengeschlechter. Sein Moses wagte es zuerst, eine metaphistische Lehre zur Grnndsäule seines Staates zu machen, die. Unsichtbarkeit, Einheit und höchste Güte des Schöpfers der Welt für ein Volk zu nationalisieren und diesem großen Gedanken Alles unterzuordnen. Als Griechenland noch in der größten Barbarei lag, wagte er's einen Freistaat zu gründen, dessen Oberherr, ein unsichtbares Wesen, nur Opfer der Liebe, des Dankes und der Reinigkeit verlangte und seine Befehle durch Licht und Recht spräche, dessen Glieder brüderliche, von einander unabhängige Stämme und ihr genaues heiliges Band, e i n Gott und ein Tempel wäre. Die Diener dieses Gottes und Königs machte er von allem Eigentum los, verteilte sie überall umher, daß sie' mit Gottesfurcht, Gesetze und Wissenschaften alles Volk berat-n, allen Stämmen zu Hilfe kommen sollten. Einen irdischen König schloß er zwar ans, er sah ihn aber vorher und gab auch ihm seine Schranken, sein Königs- und Kriegsrecht. De» Verfall in Sitten durch Priester sah er vorher; er gab ihnen aber die Propheten als außerordentliche Stimmen, als ckietaborss und censores morum zu Hilfe, und welch ein Volk in der Welt hat in so frühen Zeiten eine Reihe so mächtiger, so reiner Stimmen gehabt alS Israel an seinen Propheten? Welchen Dichter Griechenlands oder Roms wagen wir die Ansehung der erhabenen reinen Moral und des umfassenden Nationalgeistes neben einen Jesaias zu stellen? und rp^ch ein König der Egypter, Echten und Indier hat wie David gesungen und gelehrt? Der Entwurf Gottes durch Moses ist nie zur Vollkommenheit gekommen; was aber in Uebung kam, ist vortrefflich und für die ganze Welt ersprießlich gewesen — gerade der Segen, zu welchen Israel in Abraham gesetzt ward." Ferner erklärt Herder (Geist der hebr. Poesie): Es ist unsäglich was für Schätze der Erkenntnis und Moralität d es Menschengeschlechtes am Begriff der Einheit Gottes zu häng en bestimmt waren. Er wandte vom Aberglauben, mithin auch von Abgötterei, Lastern und Scheusalen privilegierter gött - licher Unordnung weg, und gewöhnte daran, überall des Zweckes der Dinge, mithin allmählig Naturgesetze der Weis - heit, Liebe und Güte zn bemerken, also auch in jedes Mannigfaltige Einheit, in die Unordnung Ordnung, ins Dunkle Licht zn bringen. Indem die Welt durch den Begriff eines Schöpfers zu einer Welt kronos wird, machte sich auch der Abglanz derselben, das Gemüt der Menschen dazu und lernte Weishelt, Ordnung und Schönheit. Welche Lehre und Poesi e der Erde hinzu beigetragen hat, hat die nützlichsten Dinge bewirkt. Sie ist der älteste Damm gegen die Abgöttere i gewesen, die wir kennen; sie goß den ersten schönen Lichtstrahl der Einheit und Ordnung in's Chaos der Welt - schöpfnuL — und wurde durch ihre Erhabenheit und Wahrheit, durch ihre Einfalt und Weisheit allmälig die Leiterin der Welt." _(Fortsetzung folgt.) pcjach nu der Ostfront. Von Leon Sank. Am 6. und 7. April fand aus Anlaß des jüdischen Osterfestes in X . .. Gottesdienst und Andachtsmahl statt. „Jüdische Mannschaften können, - soweit abkömmlich, hiezu beurlaubt werden." So lautete der Tagesbefehl. Sederabende und Pessachtage! Mit ihren alten und uralten Gebräuchen und Sitten, ihren Erzählungen und Gesängen sind sie die jüdischsten aller Feste. Kinderzeit und Glück rufen sie in uns wach. Und nu» sollen wir sie wieder hier, fern von unseren Lieben, festlich begehen! Weit vor der festgesetzten Stunde trafen wir in X.. - eilt, dem ersten Manischen Städtchen hinter der Front. Einzeln und in Gruppen, mit und ohne Waffen — viele noch im Stahlhelm — wie man ging und stand und gerade abkommen konnte. Endlich waren wir alle versammelt. Gut über tausend feldgraue Inden einer Armeeabteilnng. Deutsche und Oesterreicher, Familienväter und Jünglinge, v on allen Waffen, männliche Gestalten von ber Frühjahrssonne gebräunt und mit jenen abgrundtiefen Augen, die den Tod gesehen, gaben sich hier ein Stelldichein. Militärisch pünktlich begann das Abendgebet. Auf dem freien Marktplatz wurde es in offener Biereckstellnng abg ehalten. Dann ging» hinaus ins Lager znr Andachtshalle der Konfessionen. Beim Schein des Nisanmondes zog da der Zug der jüdischen Soldaten in strammer Marschordnung, von ihren eigenen Vorgesetzten geführt durch die stille Nacht um ihr Pessachfest zn feiern. Nur selten und dumpf hallt e das Schießen der schweren Artillerie von der nahen Front herüber. An zehn langen Tischreihen, für jeden einzelnen gedeckt, saß man dort im Kerzenlicht beim Seder. In der alten schlichten Weise, durch treffende Erklärungen des Feldrabbiners unterstützt, wurde die Hagadah gesagt. Es sch ien, als ob sie nie so zeitgemäß erzählte, wie hier draußen in unseren Tagen. Dann stieg ein Hallel-Gesang, angestimmt nach der stolzen LewandowSkischen Melodie, so mächtig und bekol rom (fortissimo), wie wir ihn so noch nie gehört und mitgesnngen haben. Nur hie und da setzte ein Kamerad ans. Er mußte irgend etwas am Boden suchen oder plötzlich — aus seinen Augen wischen. '

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