Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 8 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 8. Die AZadrdeu. Seite 5. die auch auf unser geliebtes Ungarn so gewaltige Lasten wälzen, mit der größten Opferwilligkeit dem Vaterlande zu dienen wünschen." Zm Dalästinafrage. Aus Haag wird mitgeteilt: Im New Jork Sun schreibt dessen Londoner Korrespondent Norman Hapgod, der früher Wilsons Presseagent und hervorragendster Wahlagitator war, über die Palästinafrage: In den ersten Kriegsmonaten erwachte jäh der Gedanke, Palästina zu befreien und unter ein britisches Protektorat zu stellen, wozu auch viele Nichtjuden ihre werktätigste Mitarbeit versprachen, da sie den religiösen und nationalen Wert einer Wiedervereinigung des jüdischen Volkes anerkannten. In der letzten Zeit aber hat sich diese Ansicht geändert; man will vielmehr Palästina statt unter Englands, unter Amerikas Schutz stellen. Dies hätte den Vorzug, daß etwaigen Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich über Syrien hiedurch vorgebengt würde. Ol»erral»l»inrr Abraham Schaar s. A. Mit dem jähen Heimgang des sel. Obrrabbiners Abraham Schnur ans Tarnow schied eine der sympathischtesten und markantesten Persönlichkeiten des galizischen orthodoxen Rabbinertums aus dem Leben. Sein Tod bedeutet eine Lücke, die auch nach dem Kriege und Wiedereintritt normaler Verhältnisse schwerlich zu überbrücken sein wird. Einer altehrwürdigen ans viele Generationen sich fortpstanzenden Rabbinerfamilie entstammend — sein Stammbaum reichte bis an den berühmten Verfasser debekannten Werkes „Lifse Kohenu vulgär „Schach" genannt, gehörte er ganz der orthodoxen Richtung an, deren Grundsätze er sozusagen in succo et sanguine sorgfältig bewahrte. Dabei verfügte er aber auch über moderne Beredsamkeit, über eine schöne und schwungvolle Sprache, die, so oft sie sich hören ließ, die Zuhörer fesselte und Entzücken hervorrief. Seine Reden und Ansprachen bei öffentlichen Anlässen, die sehr häufig auch von hohen Würdenträgern und Vertretern der Behörden gehört wurden, fanden durch ihren oratorischen Klang, ihre schöne Form und sprachliche Reichhaltigkeit ungeteiltes Lob nnd brachten Ehre seiner Gemeinde, sowie auch den weiten Kreisen des orthodoxen Judentums, di deren Wortführer er jederzeit galt nnd auch zu gelten sich bestrebte. Auch unter dem Wiener Publikum dürfte sich noch so mancher finden, der sich der damals als meisterhaft gerühmten Rede erinnert, mit der der Verewigte seinerzeit in Anwesenheit hoher Würdenträger die Einweihung der neuerbauten Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus in der Leopoldgasse vollzog nnd deren Echo noch lauge nachher in den geweihten Hallen dieses schönen Gotteshauses nachklang. Den in seiner Familie quasi zur Tradition gewordenen Üeberlieserungen getreu ergriff der Verewigte bereits in jungen Jahren die rabbinische Laufbahn. Kaum dem Mannesalter entwachsen, wurde er zum Rabbiner in Oswiecim gewählt. Hier wirkte er durch mehr als zwei Dezennien und die exponierte Lage seiner am äußersten Punkte Galiziens gelegenen Gemeinde bewirkte es, daß er von hier aus, nähere Beziehungen zu verschiedenen jüdischen Persönlichkeiten des Westens anbahnen und anknüpfen konnte. Nach langjähriger von verschiedenen Erfolgen begleiteten Tätigkeit erreichte er schließlich das Ziel seines Strebens, nämlich den Stammsitz feiner Ahnen, das Rabbinat in Tarnow, das er gleichfalls «durch zwei Dezennien bekleidete und in. welcher Eigenschaft er auch die hohe Auszeichnung genoß, gelegentlich des 60 jährigen Regierungsjubiläums Seiner Majestät des unvergeßlichen Kaisers und Königs Franz Joses I. vom Allerhöchstdemselbeu mit dem goldenen Verdienstkrenze mit der Krone dekoriert zu werden. Jetzt ereilte ihn der Tod der unerbittliche und entriß ihn allzufrüh seiner Gemeinde, seinen Freunden und Bekannten, denen er so viele besaß. Mit mir, dem Schreiber dieser Zeilen, verband ihn seit Jahren, ungeachtet des Altersunterschiedes, eine herzliche, kollegiale, fast möchte ich sagen, vertraute Freundschaft. Er, der ältere und gewiß auch erfahrenere, üeß es sich nehmen, bei verschiedenen Anlässen den wohlgemeinten Rat deS jüngeren einznholen. In früheren Jahren, als die Zeiten noch ruhig und ungetrübt waren, pflegten wir unS öfters in Kurplätzen zu begegnen und da waren es angenehme Stunden, die wir bei Besprechung talmudischer Probleme oder sonstiger aktueller auf das Judentum Bezug habenden Fragen gemeinsam verbrachten. Zum letzten Male sah ich ihn in Wien, als die feindliche Invasion uns beide nötigte unsere Heimat, die von uns so heißgeliebte Stätte unseres Wirkens zu verlassen und in die Ferne zu ziehen. Da fanden wir unS wiederum zusammen, aber leider in ganz anderer Stimmung. Schon schwer leidend und die Keime seiner todbringenden Krankheit in sich tragend, bekundete er dennoch ein sehr reges Interesse für die verschiedenen Tagesfragen, die im Schoße des emigrierten galizischen Judentums anstanchten. Zn der von mir damals ins Leben gerufenen vorübergehenden Organisation der in Wien weilenden galizischen Rabbiner, stellte er bereitwilligst seinen Mann und an allen Beratungen nahm er, soweit eben seine zerrüttete Gesundheit es gestattete, lebhaften Anteil. So manche nützliche Anregung dürste das Produkt unseres Zusammenwirkens gewesen sein. Unvergeßlich bleiben mir die Augenblicke, die mein ehrwürdiger, gleichfalls in Wien weilender Vater, der Oberrabbiner von Rzeszow, den der Verklärte als Freund stets hochschätzte und ich gemeinsam an dessen Krankenlager verbrachten. Wir glaubten, die schwere Operation, der er sich über Anraten ärztlicher Autoritäten unterzog, werde ihm Linderung bringen und die erhoffte Wiedergenesnng bewirken. Im Rate der Vorsehung war es jedoch anders beschlossen. Er hat uns nun verlassen, für immer verlassen. Mir aber und gewiß auch vielen anderen, „wabraham odeni omedu steht noch immer das verklärte Bild des sel. Oberrabbiner Abraham Schnur als ein leuchtendes Vorbild eines hervorragenden geistigen Führers in Israel, eines lieben Kollegen und aufrichtigen Freundes vor Augen. Sein Andenken fei gesegnet. Sambor, 5. April 1917. Kais. Rat. Oberrabb. Aron Lewin Die Inden als eifrige Förderer des Welthandels. Eine a k t n e l l e Betrachtung. Bon Dr. M. H. Friedländer. (Fortetzung.) Wenn jedoch dessen ungeachtet unsere Gegner sich erkühnen, das unstatthafte, unwürdige Vorgehen einzelner Juden zu generalisieren, das gesamte Judentum zu verdächtigen, zu verunglimpfen und die Lehre Israels zu entwürdigen, jo geschieht dies nicht nur aus Bosheit und Tücke, sondern mehr noch aus krasser Unkenntnis der Lehre des Judentums, denn ihre hämischen Behauptungen nnd boshaften Vorwürfe schöpfen sie aus trüben, verseuchten Quellen. Eisenmengers Lästerschrist „das entdeckte Judentum" ujw. bildet heute noch das Arsenal, ans dem die Verleumder Israels ihre Waffen holen, um das Judentum zu bekämpfen. Es kann aber nicht geleugnet werden, daß hervorragende christliche Gelehrte, die gediegene Kenner des jüdischen Schrifttums waren, keinen Anstand genommen haben, die Lehre Israels, die Bibel wie den Talmud zn verherrlichen.