Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 8 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit Nr. 8. und der ihnen aufgezwungen wurde, nach wie vor zum j Abschlüsse eines billigen Friedens bereit sind. Was soll man! aber zur Regierung der gewaltigen uordamerikanischen j Republik sagen, welche in diesem Momente im Namen der! Menschlichkeit und des Völkerrechtes den Krieg an Deutschland! erklärt und das entsetzliche Gemetzel damit verlängert und! verstärkt? Das amerikanische Volk ist an dieser verantwortungsj reichen Aktion sicherlich ebenso unschuldig wie etwa das? russische. Die echte und wahre Freiheit thront auch iu Nordj amerika nicht, denn nur eine handvoll rücksichtsloser! Milliardäre beherrschen dort die Welt. Der Tanz um das goldene Kalb, welcher gegenwärtig leider die ganze Welt beherrscht, erreichte bekanntlich in Nordamerika die höchst denkbaren Dimensionen. Daher ist dort auch Lüge, Bluff und Schwindel an der Tagesordnung. Ein Staatsgebilde, dessen Fabrikanten und Händler sich bereit 32 Monate durch Erzeugung und Lieferung von Mordwerkzeugen und anderer KriegSbedürfnisse, vom Blute der Millionen Kriegsopfer mästen, wagt es heute, sich als Schützer d^r Menschlichkeit auszugeben. Ein StaatSgebilde, welches die frechsten Eingriffe von Seite Englands duldete, indem seine Handelsschiffe auf offener See untersucht und deren Ziele willkürlich bestimmt wurden, erklärt nun mit Phatos, es müsse Deutschland wegen des unbeschränkten Unterseebootkrieges bekämpfen, obgleich ihm kein anderes Kriegsmittel gegen die drohende Bolksaushungerung übrig blieb. Dieser amerikanische Bluff ist gar zu durchsichtig. An! diesem schwerwiegenden Entschlüsse dürfte in Wahrheit nur j die blasse Furcht vor Japan, dem englischen Bundesgenossen! und vor dem Seeriesen Großbritannien Schuld sein. England, j der Unterdrücker der Iren und der Indier, hat die Stirne, j seinen und Nordamerikas Krieg gegen die Mittelmächte als § einen „selbstlosen Kampf um die Unterdrückung der! siinsteren Anschläge gegen Meuschenfreiheit und Menschenrecht"! hiuzustellen. England und Amerika versuchen es auch, die! deutsche Regierung eines geheimen Einverständnisses mit dem russischen Zaren zu Gunsten der Arltokratie zu zeihen und dieselbe überhaupt als Feindin aller Volksrechte zu erklären.! Auf diesen Vorwurf war aber die bekannte Erklärung j des deutschen Reichskanzlers über die preußische Neuorientierung" i nach dem Kriege und der neueste Erlaß des deutschen Kaisers i bezüglich der nötigen Vorbereitungen zur Umj bildung des preußischen Landtages im Sinne! der Demokratie die beste Antwort. Nach dem Wunsche! des deutschen Kaisermuß „für die freie und freudige Miti arbeiter aller Glieder unseres Volkes Raum geschaffen! werden!* Ein sozialer Ausstieg des Volkes muß augebahnt werden! „Nach den 'gewaltigen Leistungen des ganzen Volkes j in diesem Kriege ist nach meiner Ueberzengung für das! Klasse »Wahlrecht in P r e u ß e n kein R a u m mehr." Der neue demokratische Kurs bricht also in den Zentralstaaten gewaltig durch und auch in unserem lieben Vaterlande wird man denselben wohl bald einschlagen. Was in Rußland vorgeht, wissen wir mit Bestimmtheit! noch nicht. Die Vermutung, daß es auch dort nicht ganz! den Wünschen der Entente gemäß zugeht, erscheint aber! berechtigt. Daß nach nahezu drei furchtbaren Kriegsjahren! das ganze russische Volk noch unbedingt für die blutige Fortsetzung des Krieges gesinnt sei, kann die Ententepresse wohl weiter ausposaunen, aber wohl niemanden glauben machen. Wenn aber Rußland aus dem Kriegsreigen austritt, dann ist das Rückgrat des Krieges gebrochen und selbst der Riesenbluff des Neueiutrittes der Vereinigten Staaten von Nordamerika und Chinas in den Krieg vermag ihn nicht mehr zu ueuem Leben zu erwecken. Wohl kann kein ertragreicher Friede erhofft werden, wenn aber die vergossenen Blutströme sonst nichts herbeigeführt hätten, wie den end» giltigen Sturz des Zarismus und die Kräftigung der Demokratie in der Welt, könnte man schon zufrieden sein. R. L. Httidignttgsempfatt g der ungarischen Kuttnsgemeinden. Samstag, den 14. d. M. hat Se. Majestät der Kaiser und König während seines Aufenthaltes in Budapest die Vertreter der einzelnen Konfessionen in Ungarn empfangen. Ueber den Empfang der Deputation der israelitischen Knltusgemeiuden wird folgendes mitgetheilt: Die Abordnung der israelitischen Kultusgemeinde» erschien unter der Leitung des Landesbureaus Dr. Julius Mezei. Mitglieder der Deputation waren der Präsident der Pester Religionsgemeinde Julius Adler, der Präsident der Nagyßombater Kultusgemeinde Samuel Diamant, der Präsident des VH. Knltnsdistrikrs Josef Freund? der Vizepräsident der Pecser Kultusgemeinde Max Justus, der Präsident der Pecser Kultusgemeinde Dr. Leopold Lorant, der geschäftsführende Vizepräsident deS Landesbureaus königlicher Rat Dr. Franz Mezei, der Präsident der Araber Kultusgemeiude Reichstagsabgeordueter Dr. Sigmund Nemes, der Oberrabbiuer von Nagylanizia Dr. Eduard Neumaun, der Präsident der Obudaer Kultusgemeinde Dr. Josef Stern, der Präsident der Budaer Kultusgemeinde Dr. Isidor Sza - bolcsi, der Präsident des Losoucer V. Kultusdistrikts Adolf Rumi Wohl. Dr. Moriz Mezei hielt folgende Ansprache: „Kaiserliche und königliche Majestär, unser allergnädigster Herr und König! Wir erscheinen in Vertretung der der Kougreßorganisation angehörenden sowie der außerhalb der Organisation stehenden Kultusgemeinden vor Ew. Majestät, um Zeugnis abzulegen von jener von unseren Vorfahren ererbten tiefempfundenen Treue, die wir für das allerhöchste Herrscherhaus und unser Vaterland empfinden, und um das Gelöbnis abznlegen, daß die israelitischen Bewohner dieses Landes ihren Pflichten gegen Thron und Vaterland zu allen Zeiten und mit allen ihren Kräften entsprechen werden. Es sei mir gestattet, bei dieser Gelegenheit jener starken Ueberzengung Ausdruck zu geben, daß Ew. Majestät allergnädigst unsere Konfession in jenen Rechten bestätigen und jenen Institutionen unserer Konfession beschützen werden, die wir unter der Herrschaft des verewigten, auch uns nnvergeßlichen Vorgängers Ew. Majestät mit seiner huldvollsten Genehmigung erhalten und zustande gebracht haben. Die israelitischen Bewohner dieses Landes blicken auf Ew. Majestät mit der unerschütterlichen Ehrfurcht und Untertanentreue, die sie für den gekrönten König unseres Vaterlandes immer empfunden haben, und sie sehen iu de:"'Gnade Ew. Majestät die sicherste Gewähr für ihre Zukunft sowohl als auch für ihre konfessionellen und kulturellen Institutionen. Wir bitten um das allergnädigste Wohlwollen Ew. Majestät für unsere Konfession." Der König antwortete: „Mit aufrichtiger Zufriedenheit empfange Ich die Huldigung sowie die Versicherung der Treue der durch Sie vertretenen israelitischen Kultusgemeindeu. Seien Sie überzeugt, daß Ich so wie über die anderen Gesetze auch über dar Einhalten jenes Gesetzes wachen werde, das die freie Ausübung Ihrer Religion gewährt." Die Mitglieder der Abordnung der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde waren: Präsident des orthodoxen israelitischen Zentralbureaus Adolf Frankl, Rat des Zentralbureaus Ludwig Hartstein, Oberrabbiner Koppel Reich, Mitglied des Zentralbureaus Abraham v. Freudiger. Auf die huldigende Ansprache der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde antwortete der König: „Ich danke Ihnen für Ihr Erscheinen und für die Kundgebung Ihrer Treue und Huldigung, und Ich versichere Sie, daß Ich über Ihre in den Gesetzen fußenden Rechte wachen werde, so wie es Mein verewigter Vorgänger gethan hat. Mit Zufriedenheit nehme Ich Ihr patriotisches Versprechen zur Kenntnis, daß Sie in diesen schwere» Zeiten,