Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1917
- Issue
- Heft 7 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Die Wahrheit Seite 7. Hauptfeiertag. Der Mannschaft (Kriegsgefangene) sind der Nachmittag des 6., dann der 7. und 8. April dienstfrei zn geben. Wo dies aus dienstlichen Rücksichten unzulässig erscheint, ist der Mannschaft Freitag, den 6. und Samstag, den 7. April zur Begehung der Sederabende die Bewilligung zum Ausbleiben über die Retraite zn gewähren. Au den Hauptfeiertagen werden Gottesdienste in allen Bethäusern jener Stationen, wo sich solche befinden, abgehalten werden. Den Offizieren und Militärbeamten, sowie der Mannschaft und den ausgangsfähigen Kranken ist, soweit es die dienstlichen Verhältnisse gestatten, Gelegenheit zn geben, diesen Gottesdiensten beiwohnen zn können. In jenen Stationen, wo sich keine Gotteshäuser befinden, sowie in den Kriegsgefangenenlagern und Arbeitsstellen außerhalb der Lager ist den Soldaten, bzw. Kriegsgefangenen zn gestatten, sich in einem geeigneten Räume zu gemeinsamen Andachten zu versammeln. Dieser Befehl ist den israelitischen Glaubensangehörigen rechtzeitig bekanntzugeben. Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des bevorstehenden Beginnes der Belegung des neuen jüdischen Friedhofes fand Mittwoch, den 4. April, 11 Uhr vormittags in der provisorischen Zeremonienhalle ans dem neuen Friedhofe (XI. Simmeringer Hauptstraße, nach dem evangelischen Friedhofe) eine stille Feier statt. Wien. Mittwoch, den 4. April ist das langjährige Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa, Herr Börserat Moritz Breitner gestorben. Der Verblichene, der in kommerziellen Kreisen hohes Ansehen genoß, war ein seelenguter hilfsbereiter Mensch, der gerne und willig jederzeit aus Eigenent zur Linderung von Not und Elend beitrug und sich seit Jahrzehnten in den Dienst humanitärer Institutionen stellte. Auch im Morstande dev Chewra Kadischa gehörte er zu jenen Personen, die die Arbeit nicht scheuten, um die großen Ansprüche, die an diese Institution gestellt werden, zu befriedigen. Sein Andenken wird in weitesten Kreisen hochgehalten werden. Wie«. (A u s z e i ch n u n g.) Herr Wilhelm Neubauer, Kantor iit Krems, welcher seit Kriegsbeginn an der Front als Zngsführer eingerückt ist, erhielt für sein tapferes Verhalten vor dem Feinde die Silberne Tapferkeitsmedaille H. Klasse verliehen. Wien. Sonntag, den 18. März fand im Zeremoniensaal des stimmungsvollsten der Wiener Tempel, der Schöpfung des leider so früh Heimgegangenen Osk. M a r m o r e k, die fünfte Generalversammlung des Jüdischen Döblinger Frauenvereines statt, der seit Gründung des Leopoldstädter Vereines wohl nicht mehr der jüngste, aber einer der rührigsten Wiener Frauenvereine ist. Unter den zahlreichen Anwese, iden bemerkte man kais. Rat Heller, vom Blindeninstitut, Dr. Lö rv y von der Zentralstelle, Frau Professor Roth und Helene Stein („Weibliche Fürsorge"), Frau Benedikt („Frauenyort"), Frau Dr. David (Jnbilänmsverein), Frau Dr. F e n ch t w a NL und Frau Winter (Währinger Verein), Frau T e l l s ch und Frau Schein (Leopoldstädter Verein). Frau Dr. Kahn begrüßte die Anwesenden in formvollendeter Rede und erteilte Frau Dr. Annie K oh n das Wort znm Rechenschaftsbericht, dem zu entnehmen ist, daß der Verein im laufenden Jahre in vollem Bewußtsein seiner Kriegspflicht feine sämtlichen Einnahmen wieder ansgegeben und hauptsächlich zu Pflegschastsfällen, Pfründen, Blindenfürsorge, Fürsorge für jüdische Soldaten in den Bezirksfpitälern verwendet hat. Nachdem Herr Tempelvorsteher Müller, kais. Rat Heller, Dr. Löwy, Frau Professor Roth, Helene Stein und Frau Benedikt das Wirken des Vereines und namentlich seiner Präsidentin Frau Dr. Sidonie Kahn gefeiert hatten, das Absolntorinm erteilt und die Wiederwahl des Vorstandes erfolgt war, hielt Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang einen formvollendeten Bortrag über den Ursprung der Moral, in dem er im Gegensatz zn vielen Philosophen der Meinung Ausdruck gab, daß die Moral nichts Angeborenes, sondern das Resultat strenger Selbstzucht und der Erziehung sei. — Obwohl die Einnahmen des jungen Vereines in allen Punkten gestiegen sind, wäre doch zn wünschen, daß der reiche Goldstrom aus den Palästen dieses eleganten Westendes von Wien sich in die Kellerwohnungen und feuchten Gartenzimmer der besonders armen Döblinger jüdischen Armen dank diesem vortrefflichen Vereine in weit reicherem Maße ergießen würde wie bisher. Wie». (E üi Bortrag über „Iü d i s ch e s Volksleben" in d e r W i e n e r U r a n i a.) Am Samstag, den 21. April, spricht Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d im großen Saal der Wiener Urania über »Jüdisches Volksleben" (Geburt. Hochzeit und Tod). Dem Vortrag des bekannten Gelehrten wird schon heute großes Interesse entgegengebracht. Wien. Für den jüngst verstorbenen Herrn Sal. R. Farchy, wurde da» Vorstandsmitglied Herr Lazar S u s s i n, zum Präsidenten der Chewra-Kadischa der türk, sephardischen Gemeinde gewählt. Wien. (Schiurim für gesetzestreue Stndente a.) Soimtag, den 25. v. M. hielt im Tnrnsaale der Talmud Thora-Schule Herr sind. jur. Adolf Pinkas vor einem zahlreichen Publikum einen mit großem Beifall aufgenonunenell Bortrag über Achad-Haam, in dem er Wirken und Leben des berühmten Schriftstellers und Denkers, vom gesetzestreuen Standpunkte aus besprach. Die Versammlung, .welche Rabb. Joel Pollak eröffnete, erkannte in ei,rer dem Bortrage folgenden Besprechung, an der sich außer dem Vorsitzenden noch Rabb. Dc. S. Fink und sind. phil. Brno Fceistadt beteiligten, die Dringlichkeit der Organisierung der studierenden gefetzestreuen jüdischen Jugend und das seither sich gebildete provisorische Komitee beschloß sich mit einem Aufrufe an die Oeffentlichkeit zu wenden ans den wir nufere geehrte» Leser verweisen. Wien. Herr Rabbiner Dr. Mark eröffnete am 1. Avril l. I. mit dem Bortrage „Die jüdische Sagenliteralur" den angekündigte n Vortragszyklus über populärwissenschaftliche Themen aus allen jüdische» Stoffgebieten. Der Redner wies an der Hand treffender Beispiele die Parallele nach, die zwischen der Faustdichmng und dem jüdischen Sagenkreis vorherrschend ist. Seine geistvollen Ausführungen fanden ungeteilten Beifall der dem zahlreich erschienenen Andilorium. M '^Wieu. (Jüdisches Asyl f ü r O b d a ch l o s e.) Be, der am 31. März 1917 unter Vorsitz des Obmannes Alexander Polla k stattgehabten Generalversammlung, wurde zunächst der am Felde der Ehre gefallenen Mitglieder des Vereines ferner der verstorbenen Vorstände Herr kais. Rat Salomon Beer und des Armeurales Ferdinand Löwy gedacht und durch Erheben von den Sitzen der Trauer Ausdruck verliehen. Nach Eingang der Tagesordnung wurde sowohl der Bericht des Obmannes, als auch der Bericht der Revisoren einstimmig zur Kenntnis genommen. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wurde Herr Bezirksrat Alexander Pollak einstlmmig znm Obmanne gewählt, Herr Bezirksrat Pollak dankte für das ihm geschenkte Vertrauen und führte derselbe unter lebhaftem Beifalle aus, er betrachte es als seine Lebensaufgabe, das Werk das er begonnen habe, glücklich zn Ende zu führen. Die weiteren Wahlen ergaben folgendes Resultat: I. Obmann» Stellv. Herr Bernhard Hosbauer, II. Obmaun-Stellv. Oberiugenieur Robert Stricker; Kassier, Herr Michael Honig; Kassiier-Stellv-, Armenrat Salo Lemberger; Schriftführer. Dr. Karl Figdor'^ Schriftführer- Stellv., Sekretär Josef Fuchs; I. Revisor, Jakob Stern; II. Revisor, Snnoil Braun; Vorstandsmitglieder: die Herren Direktor Ludwig Klausner, Michael Figdor, Siegmilnd Figdor, Jg. Gerstel Gnemialrat Edmund Hacker, kniserl. Rat Julius Neumann, Amtsleiter Rudolf Kraus, Dr. Isidor Reininger, Bezirksrat Dr. Maximilian Stiglitz, Dr. Max Ticho, Dr. Julius Weiß und Herr Joses H. Waltuch. — Beiräte die Herren: Moritz Oesterreicher, W. Pappenheiw, Josef Lorbeer, Stadtbaumelster Arnold Barber, Nathan Steinhardt, Dr. Jakob Ehrlich und Ing. Ludwig Krihler. Leszterczebanya (Neufohl). Denkwürdige drei Tage bereitete unS der Lehrkörper der hiesigen israel. Volksschule am 11., 12. und 13. v. M., der. zu Gunsten der im Kriege gefallenen Lehrer-Witwe« und Waisen mit seinen Zöglingen H. Fabischs „Efzther" biblisches Schauspiel mit Gesängen in 5 Akten zur Aufführung brachte. Das bei allen drei Vorstellungen den Prunkfaal der Knltusgemeinde dicht füllende Publikum (ohne Unterschied der Konfession) war vor der bezaubernd schönen melodiösen Musik Fabischs geradezu entzückt. ES ist dies ein Werk voll Kunst nnd Moral, es hat alle Vorzüge und Schönheiten einer modernen klassischen Operette. — Der Enthusiasmus des anwesenden Publikums steigerte sich von Akt zu Akt nnd als im dritten Akte der lebende Garten (von 48 Zöglingen) des „Tausend und eine Nacht" in herrlichen stilgemäßen Kostümen die orientalischen Tänze nnd die Krönungsszene beendete, kannte das Publikum keine Grenzen der Berwundernng und des Entzückens und bestürmte die kleine Künstlerschaar und ihren Dirigenten mit donnerndem Applaus und Süßigkeiten. Um das Gelingen der Veranstaltung hat sich Oberkantor Philipp Krausz außerordentliche Verdienste erworben Solisten, Chor und Orchester (von Erwachsenen zusammengestellt) leisteten nnter seiner Leitung Fabelhaftes. Es klappte alles so'unheimlich großzügig, daß man fast bezweifelte, es mir Kindern zu tun zn haben. Oberkantor Krauß hat mit den Darbietungen wieder einen Beweis seines glänzendeu musikalischen Könnens und organisatorischen Talentes gegeben. Um das Arrangement des Stückes haben sich noch bemüht, Herr Dirigent Lehrer Leopold Löhner, Lehrerin Frl. Hermine Porges und Frau Jolan Krauß. Die sehr interessanten und wohlgelungenen orientalischen Tänze wurden von Tauzmelster Luis Kesler einstudiert und mußten selbe mehrmals wiederholt werden. Die Vorstellung ergab nicht nur einen äußerst großartigen moralischen Erfolg, es wurde auch dem humanen Zwecke eine hübsche Summe zugeführt.