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Die Wahrheit · 1917-04-06 · Heft 7 (6.4.1917) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1917
Issue
Heft 7 (6.4.1917)
Date
1917-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Selte 6. Die Wahrheit Ar. 7. ein Annex geschaffen werde, welcher es ermögliche» würde, daß das Kinderheim als Erholungs- oder Rekonvaleszentenstatte für das Ambnlatorium rejp. für das künftige Kinderspital der Knltnsgemeinde dienen könnte. Er habe den Eindruck gewonnen, daß im Kultnsvorstande die Neigung bestehe, für die Durchführung dieses Plaues Opfer zn bringen. Redner macht den Vorschlag, daß der Bereinsvorstand in einem entsprechenden Elaborate an den Knltusvorstand diesen Ge« > danken weiter ansführe. Er selbst sei bereit, in der Spitalskommn'sioil für diesen Plan einzntreten und ebenso habe sich Herr Primarius Prof. Dr. Zappert bereit erklärt, ein solches Elaborat in der Kinderspitalskommission zu nnterstützen. Vorsitzender, Herr Keleti, dankt dem Vorredner für die neuerliche Bekundung seines warmen Interesses für das Kinderheim. Er werde die Anregung Dr. Samuelys auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung setzen und die Herren Dr. Samuely und Prof. Dr. Zappert einladen, dieser Sitzung beiznwohnen. Redner knüpft hieran die Bitte au die beiden genannten Herren das Kinderheim in Laa persönlich zu besichtigen. An die Ausführungen Dr. Samuelys knüpfte sich eine kurze Diskussion, worauf die Versammlung über Antrag des Revisionskomitces dem abtretenden Vorstände einstimmig das Absolutorium erteilte. Bei den nunmehr vorgenommeneu Neuwahlen wurden die Herren : Ludwig Bunzl, Moriz B. Eißler, RobertjEißler, August Fischet, Ignatz Frankl. Ignaz Glück, Dr. Max Haudek, Siegmund Kanders, Emil Keleti, Albert Mayer, Architekt Ernst Ornstein, Direktor Siegmund Reich, Dr. Maximilian Saxl, Leopold Waller, Fritz Weiß, Generalkonsul Jaques Weiß, Loilis Werß wieder und die Herren Gustav Frankl und kaiserl. Rat Julius Neumann neugewählt. In den Revrsionsansschuß wurden neuerdtngs die Herren: Leopold Neuda, Ignaz Urbach und Armin Walleß berufen. Mit Worten herzlichsten Dankes an alle Anwesenden erklärte hierauf der Vorsitzende die Versammlung für geschlossen. Olreikanlor Jakob Grotzkopf;it seinem vierzigjährigen Amlsjnbiliinm. Am 1. Mai d. I. feiert Herr.Oberkantor Jakob Großkopf fein 25 jähriger Amtsjubiläum in Frankfurt a. M. und am gleichen Tag kann dieser weithiu bekannte und von seinem zahlreichen Freunden hochgeschätzte Säuger auf eine 40 jährige Wirksamkeit als Kantor znrückblicken. Das Geschick machte es ihm nicht leicht, diese Stellung zu erreichen. Aus recht kleinen Verhältnissen hat er sich mühsam emporgertlugen. Als Sohn eines Kantors, der nicht das Glück hatte, mit irdischen Gütern gesegnet zu sein, wurde er in Saffov (Oesterreich) geboren. Schon als zehnjährigem Knaben verschaffte ihm seine gl ockenreiue und seelenvolle Sopranstimme Ausnahme als Meschorer bei den damals berühmten Kantor Jeruchim Hakoton in Berditschew. Als solcher mußte er seinem Meister „zuhalten", d. h. frei aus eigener Stimmung und Erfindung zeitweise in den Gesang des Vorsängers einfalleu. Darin konnte natürlich nur ein bedeutendes Talent mit feinem musikalischen Gehör etwas Wertvolles leisten. Nach mehrjährigem Aufenthalt ging er von dort zu dem in Odessa wirkenden Oberkantor Bachmann. wo er mit großem Eifer musikalischen Studien oblag und sich ein beträchtliches jüdisches Wissen aneignete. Reiche Anregung erhielt er dort von seinen Studiengenossen, von welchen ich nur die späteren bedeutenden Kantoren Dünmann-Wien, Stabinsky-Berlin und Minkowsky-Odessa nennen will. Im Jahre 1877 nahm unser Jubilar seine erste Stellung als Kantor an. Nach wechselvollem Aufenthalt in Semliu. Agraul, Neusohl, Esseg und Teplitz (Böhmen), wo er sich in seinem Fache weiter ausbildete und vervollkommnete, erhielt er 1889 einen Ruf an den großen Tempel in der Tabakgasse in Budapest. Sein Probevortrag, der für das empstndnugsvolle Verständnis der Gebete zeugte, fiel glänzend aus. Großkopf begeisterte die Zuhörer durch seine ausgezeichnete geschulte, wohlklingende und umfangreiche Stimme. Ueber den Erfolg schrieben damals die ungarischen Blätter u. a.: „Wir glauben, daß die Pester israek. Gemeinde den würdigen Vertreter des Oberkautors Professor Friedmann gefnllden hat. Herr Großkopf ist nicht nur Sänger, sondern vor allem Baal Tefilloh. Herr Großkopf hat den an ihn gestellten Anforderungen vollkommen entsprochen und hat mit seinem Vortrag iticht nur begeistert, sondern die Zuhörer förmlich hingerissen, so daß man glaubte, Friedmann am Jom Kippur vorbeien zu hören. Der große Tempel wurde von der wohllautenden und volltönenden Baritonstimme ansgefüllt und rief bei der ganzen Zuhörerschaft Begeisterung und Bewunderung hervor." Der große Ruf unseres Jubilars bewirkte, daß er im Jahre 1892 nach Frankfurt a. M. berufen wurde, wo er seither als einer der berühmtesten deutschen Kantoren zur Verherrlichung des Gottesdienstes wirkt. Schon seine äußere Erscheinung und seine temperamentvolle, urwüchsige Wesensart erweckt bei jedem, der ihm gegeunbertritt, den Eiudritck einer Persönlichkeit. Die hohe Gestalt, der scharf geprägte Kopf, der offerre von Wohlwollen strahlende Blick, die sprudelnde Lebendigkeit seiner Unterhaltung verschafft seiner Person sogleich überall Beachtung und Wertschätzung. So erfreut er sich in der Frankfurter Gemeinde einer geradezu volkstümlich zu nennenden Beliebtheit. In Fachkreisen weiß man neben seiner wunderbaren Stimme auch seine gediegenen musikalischen Kenntnisse zu würdigen. Nach außen hin ist Großkopf wenig hervorgetreten. Von seinen Kompositionen hat er nur wenige, wie z. B. sein „Hochzeitslied", dem Druck übergeben. Sein Hauptwerk „Semiroth Lejakob," das nach sachverständigem Urteil „iit rein musikalischer Hinsicht alle Anerkennung verdient," zeigt neben fließender Stimmführung und natürlichem musikalischem Satzbatt, das tiefe religiöse Gemüt des Komponisten. Diese religiöse Empfindung verstand er auf seine zahlreichen Schüler zu übertragen, die, zum Teil in großen Städten amtierend, ihm ihre Ausbildung verdanken. So ist es unserem Jubilar, dem für seine Verdienste nm das Rote Kreuz im vorigen Jahre das K. u. k. Ehrenzeichen II. Klasse verliehen wurde, beschieden, zurückznblicke n auf eine mit großer Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit und mit seltenem Erfolge ansgenbte Tätigkeit als I. Kantor an der Hauptsynagoge unserer Gemeinde. Er hat sich ein bleibendes Verdienst erworben, indem er everstanden hat, dem Gottesdienst einen weihevollen, religiös-innigen Charakter zu verleihen. Mit dem anfrichtigen Danke für seine hervorragenden Leistungen mag er die Wünsche für ferneres Wohlergehen entgegeunehmeu. Möge es dem gütigen Menschen, dem Meister im Fache und lieben Kollegen vergönnt sein, bei geistiger Frische und körperlicher Gesundheit noch viele Jahre weiter zn wirken und sich der ungeteilten Hochschätzung und Verehrung seiner Gemeinde. Kollegen miö Freunde noch lange erfreuen. S. Scheuermann. Aus dem Militärkommandobefehl No. 70 vom 2«. März 1917. Betrifft: Osterfeiertage für israel. Soldaten und Kriegsgefangene; Gottesdienst. Das Osterfest (Pessach) für die israel. Glaubensangehörigen beginnt Freitag, den 6. April 1917, um 5 Uhr nachm.,' und endet Samstag, den 14. April, um 8 Uhr nachm. Die ersten zwei Tage, d. i. von Freitagden 6. April, bis Sonntag, den 8. April, 8 Uhr nachm, und die letzten zwei Tage, d. i. von Donnerstag, den 12. April, 5 Uhr nachm, bis Samstag, den 14. April, 8 Uhr nachm., sind

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